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Als vor knapp eineinhalb Jahren Far Cry 4 veröffentlicht wurde, war die Kritik trotz der herausragenden Grafik groß, denn zu marginal waren die Unterschiede zum Vorgänger. Ein Großteil des Gameplays waren identisch zu Far Cry 3 das Spiel wirkte mehr wie eine Erweiterung anstatt eines eigenständigen Spiels.

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Far Cry Primal kann man diesen Vorwurf auf keinen Fall machen, denn auch wenn sie an der Spielmechanik nichts grundsätzliches geändert hat bietet sich auf Grund des frischen Settings und einiger Neuerungen ein neues Spielgefühl. Bevor ich auf das Setting genauer eingehe noch eins vorweg: Das Spiel ist ungeschnitten mit einer Freigabe ab 16 Jahren erschienen und ist damit das erste Spiel der Reihe, dass nicht nur für Erwachsene erscheint, obwohl der Gewaltgrad sich auf einem ähnlichen (aber nicht überzogenem) Niveau befindet.

Entgegen der Vorgänger hat sich Ubisoft diesmal für ein Setting in der Steinzeit entschieden und erinnert auf den ersten Blick sehr an den Roland Emmerich-Film „10.000 B.C.“.

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Ich gehe nur kurz auf die Prämisse der Story ein, um Spoiler zu vermeiden: Wir spielen Takkar, einen Krieger, des Wenja-Stammes, der nach einem Angriff auf seine Gruppe, allein und unbewaffnet im fiktiven Oros in der Steinzeit ums Überleben kämpft, um zu seinem Stamm zurückkehren und diesen gegen die anderen, teils kannibalistischen, Stämme zu behaupten.

Auch wenn die deutsche Veröffentlichung als „deutsch“ angepriesen wird, betrifft das nur die Anleitung und Bildschirmtexte. Gesprochen wird im Spiel eine fiktive Steinzeitsprache. Ubisoft hat sich wahrscheinlich dazu entschlossen, um dem Spiel mehr Authentizität zu verleihen, ähnlich wie es schon bei Filmen wie „Apocalypto“ gemacht wurde. Das heißt für uns als Spieler, dass wir jeden Dialog nur mittels Lesen der Untertitel verstehen können. Das ist zu Beginn etwas befremdlich, aber man gewöhnt sich mit der Zeit daran. Mir persönlich wäre dieses Feature trotzdem als optionale Einstellung lieber gewesen. Vielleicht bekommen wir ja noch eine Synchronisation per Patch nachgereicht, aber zur Zeit sind eben nur Texte und Untertitel im Spiel auf Deutsch.

Die Grafik ist auf wirklich herausragendem Next-Gen-Niveau und holt alles aus den aktuellen Konsolen raus. Ich habe das Spiel nun neben der PS4-Version auch auf der Xbox One gespielt und konnte keine nennenswerten Unterschiede feststellen. Zusätzlich zum allgemeinen- und Detail-Niveau der Grafik, die trotz der riesigen offenen Spielwelt absolut flüssig läuft, wirkt die Welt sehr lebhaft. Die Natur wirkt lebendig und unzählige Menschen und unterschiedliche Tiere bevölkern die Welt.

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Die Welt hat gefühlt ungefähr eine vergleichbare Größe im Vergleich zum Vorgänger, was sich allerdings darauf zurückführen lässt, dass man für die Welt die gleiche Karte genommen hat und diese dann nur einer Steinzeit-Kur unterzogen hat. Ich persönlich habe damit kein Problem, so hat man mehr Energie in das eigentliche Spiel stecken können. Und ganz ehrlich, hätte ich es nicht gelesen, wäre es mir gar nicht aufgefallen. Neben der Hauptmissionen mit unzähligen Nebenaufgaben, Außenposten und Sammelobjekten gespickt.

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In Sachen Gameplay hat sich einiges getan. Auf Grund des Settings gibt es keine Fahrzeuge und modernen Waffen mehr. Es gibt zwar noch eine Handvoll Fernwaffen, wie Bögen oder Speere, aber der Fokus liegt eindeutig im Nahkampf für den diverse Knüppel, Beile oder ähnliches zur Verfügung stehen. Zur Fortbewegung und zur Unterstützung im Kampf kann man nun auf Tiere zurückgreifen, die man dafür erst einmal zähmen muss. Besonders im Kampf eröffnen sich dadurch aber komplett neue Wege, so kann man eine Eule quasi als Drohne einsetzen und so den Angriff gezielt planen, um danach einen Säbelzahntiger als Vorhut reinzuschicken, bevor man selbst den Rest ausschaltet. Auch Steinzeit-Typisch kann man Feuer zum Kampf einsetzen, indem man Hütten (und anderes) in Brand setzt und der Zerstörung seinen Lauf lässt.

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Einige Missionen, wie der gratis-beiliegende Code für die Zusatzmissionen „Legende des Mammuts“, lassen den Spieler sogar zeitweise komplett in die Haut des Tieres schlüpfen und man steuert dann beispielsweise das Mammut.

Abgerundet wird das Spiel durch ein ausgefeiltes Level-System, das uns versorgt durch Fortschritt mit neuen Fähigkeiten zum Kampf und dem Crafting versorgt. Denn ähnlich, wie bei den Vorgängern ist das Jagen und Craften ein essenzieller Bestandteil von Far Cry Primal, wodurch sich neue Waffen und sonstige Ausrüstungsgegenstände erstellen lassen.

Wer das grundsätzliche Gameplay der Vorgänger nicht mochte, wird mit dem aktuellen Ableger wahrscheinlich auch nicht richtig warm werden, denn trotz der Neuerungen bleibt es ein Far Cry-Spiel. Wer Hingegen mit den Vorgängern seine Freude hatte und sich mit dem „Fehlen“ von mordernen Waffen anfreunden kann, kommt mit Primal auf jeden Fall auf seine Kosten.

Bislang sind mir keine gravierenden Fehler aufgefallen. Das Spiel läuft flüssig und Abstürze oder ähnliches kamen bisher nicht vor.

Für mich ist Far Cry Primal auf jeden Fall ein Highlight und ist auf jeden Fall zu empfehlen, da es sich um mehr als „nur“ ein Far Cry mit neuem Setting handelt. Es bietet einige innovative Änderungen, ohne die Grundpfeiler der Serie zu sehr aus den Augen zu verlieren. Einzig, was einigen Spielern nicht gefallen dürfte, ist das es diesmal keinerlei Implementierung von Multiplayer gibt. Das Spiel ist also ein reines Singleplayer Spiel. Aber auch so weiß das Spiel für unzählige Stunden zu begeistern und es wird sehr lange dauern, bis man alles im Spiel gesehen und alle Aufgaben gemeistert hat.

 NB@23.02.2016