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“Orc Slayer” – Oh mein Gott, auf was habe ich mich damit eingelassen. Ich habe schon viele schlechte Spiele gespielt, aber selten hat ein schlechtes Spiel sich so sehr aus der Masse abgehoben, dass die Klassifizierung als „schlecht“ schon gar nicht mehr passt. Selbst „Agony“, was eine interessante Interpretation der Hölle präsentierte oder in Ansätzen sogar „Little Adventure on the Prairie“, dass zumindest einige ganz nette Animationen für sich verbuchen konnte, konnte man zumindest etwas positives zu Buche tragen. Doch bei „Orc Slayer“ gibt es wirklich nichts, was das Spiel auch nur annähernd spielenswert macht und ich weine ehrlichgesagt der Zeit nach, die ich damit verbracht habe, dieses Spiel zu spielen.

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Das Spiel stammt vom Indie-Entwickler „Cooply Solutions“ und ist regulär für 4,99€ im PSN erhältlich, obwohl es meist auch günstiger zu haben ist, da es regulärer Stammgast in diversen Sales ist. Ich hatte das Spiel spontan in einem dieser Sales mitgenommen, weil ich den Titel mal in einer Liste von Spielen mit leichten Trophäenlisten gelesen habe und dachte mir nur, dass es schon nicht so schlimm werden kann. Das war allerdings ein Trugschluss, denn für das was mich hier erwarten sollte, hätte man eigentlich Geld bekommen müssen, anstatt es zu bezahlen…

Dabei klingt das Spiel erst mal gar nicht so schlecht, wenn man sich die Beschreibung aus dem Store ansieht: „Die Welt ist von Orcs überrannt worden. Die wenigen Menschen, die den großen Aufstand überlebt haben, sind aus ihren Häusern geflohen. Städte und Burgen sind verlassen, die Welt ist der Gnade der wilden Invasoren ausgeliefert. Du hast dich im dichten Wald in der Nähe deines Hauses versteckt, stur entschlossen weder zu fliehen noch zu sterben. Du bereitest deinen Rachefeldzug vor und hast dafür eine Waffe geschaffen, die jedem Schwert Paroli bietet, jeglicher Magie wiedersteht und so gut wie alles mit mächtiger Kraft durchbohrt. Es liegt nun an dir allein, mit deiner neuen, revolutionären Waffe ausgerüstet, Rache an den feindlichen Horden zu üben und deine Länder von ihrem Gestank zu befreien.“ – Klar, handelt es sich dabei zweifelsfrei nicht um das beste Storytelling oder auch augenscheinlich um ein nicht besonders tiefgängiges Spiel, aber an sich klingt es nicht uninteressant: Generell kann „Orcs platt machen“ doch spaßig werden, oder etwa nicht?

Das Spiel ist als eine Art First-Person-Shooter konzipiert, in dem wir als Spieler einen namen- wie auch gesichtslosen Helden spielen, der mit einer Armbrust und eine Schwert bewaffnet auszieht die Orcs, die die komplette Welt eingenommen haben, zu vertreiben. Was an sich erst mal interessant klingt erweist sich leider als sowohl technisch, wie aber auch spielerischer Seite, als Rohrkreppierer. Hier stimmt leider fast gar nichts. Die Grafik ist zum Davonlaufen tröge, verwendet immer wieder die gleichen Assets und das Gameplay als repetitiv zu bezeichnen, wäre schon fast einem Lob gleichzusetzen. Wir steuern unseren Helden durch in jedem Level durch auch abgestecktes Areal und alle paar Meter erscheinen Orcs, wie aus Zauberhand direkt aus der Luft und greifen uns an. Wir können uns Entweder mit der Fernwaffe in Form einer Armbrust oder im Nahkampf mit einem Schwert zur Wehr setzen. Bei beiden Varianten ist allerdings die Steuerung unser größter Feind, denn die Kollisionsabfrage arbeitet mit totaler Willkür und tendenziell eher gegen uns. Jeder noch so kleine Orc, von denen es zumindest eine Handvoll unterschiedlicher Varianten (normaler Orc, Orc mit Schild, riesiger Orc, etc.) hält gefühlte 1000 Treffer im Fernkampf aus. Im Nahkampf hingegen stecken die Biester zwar weniger Treffer weg, aber dafür fangen wir uns in der Regel auch einige Treffer ein, was den Nahkampf im Grunde für unser Vorgehen ausscheiden lässt. Es gibt zwar noch weitere Waffen, aber bei diesen sind die Schüsse begrenzt, was in der Kombination mit der schlechten Kollisionsabfrage und den ewig vielen Schüssen, die wir abschließen müssen, wieder uninteressant werden lässt. Zusätzlich berauben uns andere Waffen von der Möglichkeit zu Rennen. Wir können dann nur noch in der Geschwindigkeit einer altersschwachen Schnecke laufen und finden uns in Sekunden in einem Pulk von angreifenden Orcs wieder…

Nein, Spaß sieht leider anders aus. Dabei hätten ich es im Grunde von Beginn an wissen müssen, als ich das Spiel gestartet habe und mir als erstes eine den kompletten Screen füllende Wand von Text entgegenblickte, die mir “kurz” die Hintergrundgeschichte wiedergegeben hat. Dieses uninspirierte Stilmittel nervt schon bei Filmen, aber in Spielen ist es auch nicht besser, zumal der Inhalt im Grunde nicht mehr transportiert aus die Aussage „Orcs sind böse – töte Orcs“. Präsentiert wird das alles in grauer Schrift auf grauem Grund und sieht aus, als ob es mit einer frühen Version von Paint gebastelt wurde.

Aber zurück zum Spiel: Unser Ziel pro Level ist an sich simpel und besteht daraus allen Orcs im Gebiet den Garr auszumachen, bis keine mehr übrig sind. An sich nicht besonders spektakulär, wenn die Orcs nicht ständig respawnen würden. Irgendwann stoppt der Respawn ohne weitere Erklärung und der Weg zum nächsten Gebiet öffnet sich. Ich habe aus schierer Verzweiflung nach einer Erklärung im Internet gesucht, was das Prinzip dahinter sein könnte, aber keine gefunden. Manche Leute meinen, dass im Hintergrund eine fixe Anzahl an Orcs voreingestellt wurde, oder der Ausgang sich einfach nach einer gewissen, aber undefinierbaren Zeit öffnet und dann in Folge dessen keine Orcs mehr respawnen. Dagegen spricht allerdings, dass ich das erste Level in unterschiedlichen Zeiten mit unterschiedlichen Anzahlen an Orcs beendet habe, als mein Spiel während des Ladens des zweiten Levels eingefroren war (und der Speicherstand nicht mehr funktioniert hat). Mehr gibt es im Spiel eigentlich schon gar nicht mehr, denn jedes Level spielt sich nach dem gleichen Prinzip. Zwar ändern sich die Hintergründe und nach ein paar Levels mit Standard_Orcs kommen auch gepanzerte und riesige Orcs dazu, aber mehr oder minder machen wir im ersten Level das gleiche wie im letzten: Eine undefinierte Anzahl von Orcs plattmachen.

Die Levels, bzw. die Grafik sieht verboten schlimm aus und man hat das Gefühl, dass es sich um ein Spiel aus den 90ern handelt, bei dem die Auflösung hochgeschraubt wurde. Von Weitem geht das sogar noch als „ok“ durch, obwohl die komische Farbwahl ohne nennenswerte Schatten dennoch als ein missglücktes Experiment in Paint durchgehen könnte, aber der Blick auf die Details, oder eher die nicht-vorhandenen Details offenbart wirklich Schlimmes. Das Leveldesign ist über diese schiere Un-Inspiriertheit auch sehr fehleranfällig, denn es kommt zu Hauf vor, dass wir irgendwo festhängen oder Orcs uns durch verschlossene Türen in Teilen entgegentreten (und sogar schlagen können). Das bereits angesprochene Einfrieren ist leider auch öfters in meinem Durchspielen vorgekommen, wobei aber nur beim ersten Mal mein Speicherstand abgeraucht ist. Danach konnte ich wenigstens das beim Einfrieren angefangene Level nochmal neu anfangen.

Die KI der Gegner ist eigentlich nicht existent, sondern hier ist es schier die reine Masse, die uns gefährlich werden kann. Die meisten Orcs stehen nur dumm rum und lassen sich beschießen, bis sie mal auf die Idee kommen anzugreifen. Erst nachdem einige Orcs uns „wahrgenommen“ haben, setzt der Herdentrieb ein und alle greifen uns an. Davon mal abgesehen, dass die Gegner auch am liebsten direkt bei uns oder in unserem Rücken respawnen.

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Am Ende ist das Spiel mit einer an sich recht einfachen Trophäenliste mit insgesamt 27 Trophäen (1 x Platin, 7 x Gold, 9 x Silber und 10 x Bronze) zwar für Trophäenjäger einen Blick Wert, zumal man das Spiel in unter 2 Stunden beenden kann. Die Frage ist nur, ob man es überhaupt so lange durchhält… Macht besser einen weiten Bogen um das Spiel!

NB@12.09.2018