Ich war früher ein wirklich Adventure-Fanatiker und habe wahrscheinlich jedes klassische Adventure der 80er und 90er gespielt. Angefangen von den ersten King’s Quest-Spiele und „Leisure Suit Larry“ auf dem PC meines Vaters, der mir immer wieder bei der Eingabe der englischsprachigen Kommandos helfen musste (ich war aber zugegebenermaßen auch erst 5 Jahre alt) über „Simon the Sorcerer“ bis hin zum grandiosen „Discworld“ oder „Baphomet’s Fluch“. Einen besonderen Stellenwert haben immer die Adventure-Spiele von Lucas Arts auf mich gehabt, da sie insgesamt leichter waren und man nicht sterben konnte. Als ich kürzlich über das Fan-Remake von „Indiana Jones and the Fate of Atlantis“ berichtet habe ist mir sogar aufgefallen, dass ich auch noch die meisten Rätzel aus dem FF kenne, was den Frust festzuhängen massiv reduziert hat. Denn das war früher schon teilweise ein Kreuz, wenn man an einer Stelle festhing und einfach keinen blassen Schimmer hatte, wie es weitergeht. Da das die pre-Internet-Zeit war und Lösungsbücher für einen Jugendlichen quasi unerschwinglich waren, hat man irgendwann angefangen an jedem der verfügbaren Orte alles aus dem Inventar mit allen Interaktionspunkten zu kombinieren. Ich erinnere mich dabei besonders an meine Erfahrung mit „The Secret of Monkey Island“ zurück, dass ich auf meinem treuen Commodore Amiga 500 hatte und gefühlt wochenlang allein und mit Freunden gespielt habe. Auch wenn das Spiel aus dem Hause LucasArts, bzw. damals noch Lucasfilm Games und der Feder von Ron Gilbert, David Grossman und Tim Schafer zweifelsfrei ein Meisterwerk ist, gibt es einige Rätzel die überaus kryptisch sind. Das ist leider größtenteils durch die Übersetzung geschuldet. Versteht mich nicht falsch, die Übersetzung von Boris Schneider-Johne ist in vielen Punkten bahnbrechend, aber es gibt leider einige Elemente, die man eben nicht wirklich übersetzen kann.

Dennoch hat das nie meinen Spaß mit dem Spiel getrübt. Es gibt einfach zu viele tolle Szenen und Erinnerungen, was mich dazu bewegt hat das Spiel mal wieder zu spielen. Ich habe mir dafür das Remake für die Xbox360 ausgewählt, da ich heutzutage nicht mehr auf Sprachausgabe verzichten möchte. Zusätzlich wurden hier die Grafiken komplett überarbeitet und präsentieren das Spiel so in einem hochauflösenden Comic-Gewandt und bleibt dennoch dem Original treu. Wer die echte Retro-Erfahrung des Spiels haben möchte hat auch jederzeit die Möglichkeit zwischen Original und Remake per Knopfdruck hin- und her zuschalten und auf diese Weise wahlweise das Original zu genießen. Inhaltlich ist das Spiel 1:1 gleich geblieben und es gibt keinerlei Anpassungen zu verzeichnen. Sonst wäre das Umschalten auch nicht wirklich möglich gewesen. Darüber hinaus findet man auch moderne Hilfen, wie eine eingefleischte Hilfefunktion, die genaue Hinweise gibt, wie es weitergeht und auf Knopfdruck kann man auch auf jedem Screen die Interaktionspunkte hervorheben lassen. Vorbei sind also die Zeiten, wo man wie verrückt überall rumgeklickt hat, um auf gut Glück einen bisher verborgenen Punkt im pixeligen Hintergrund zu finden. Es ist allerdings schön, dass alle diese Neuerungen komplett optional sind, so ist es jedem Spieler vollkommen freigestellt, ob er sie verwendet, oder nicht.

Aber worum geht es eigentlich? Gibt es wirklich noch jemanden, der noch nichts von „The Secret of Monkey Island“ gehört hat? – Wir spielen Guybrush Threepwood, einen mächtigen Piraten (hust)! – So zumindest sein Ziel. Er möchte nämlich nichts lieber als ein richtiger Pirat, der berühmt, wie auch berüchtigt ist, werden und ist aus diesem Grund nach Melee Island gekommen. Denn leider hat er keine wirkliche Vorstellung, was einen Piraten ausmacht, geschweige denn wie man einer wird. Er erhofft sich auf dieser Insel bei anderen Piraten in die Lehre gehen zu können, was allem Anschein bei einem Gespräch mit überaus wichtigen Piraten in der lokalen Bar genau drei Dinge erfordert: So soll er 1) den Schwertmeister der Insel besiegen, 2) ein wertvolles Idol aus dem Haus der Gouverneurin stehlen und 3) einen versteckten Schatz heben. Blöd ist allerdings nur, dass er sich umgehend in die Gouverneurin Elaine Marley verliebt, bevor er sie ausrauben kann, für den Schwertkampf erst mal die Kunst des Beleidigungsfechtens, was das normale Fechten abgelöst hat, erlernen muss (z.B. Aussauge: „Ich hatte mal einen Hund der war schlauer als du!“ – Antwort: „Er muss dir das Fechten beigebracht haben“) und überhaupt keine Idee hat, wo er einen versteckten Schatz finden könnte. Zwar schafft es unser Held seine Prüfungen abzuschließen, doch in der Zwischenzeit haben sich die Ereignisse, durch das Auftreten des mächtigen Geisterpiraten LeChuck leider überholt, der die Gouverneurin nach Monkey Island entführt hat. Und Guybrush macht es sich zur Aufgabe die Verfolgung aufzunehmen und seine Angebetete zu retten…

Wie das komplette technische Grundgerüst in Sachen Sprachausgabe und von der grafischen Seite eine Überarbeitung erfahren hat, kann man natürlich auch nicht vor dem bereits damals schon grandiosen Soundtrack halt machen. Dieser wurde komplett überarbeitet und professionell neu aufgenommen. Das ikonische Theme und der Rest des Soundtracks haben wahrscheinlich nie besser geklungen und klingen im direkten Vergleich kräftiger und insgesamt runder. Hatte das alte Spiele einige Passagen, die wahrscheinlich auf Grund der damaligen Limitierungen des Speicherplatzes ihren Ursprung haben, hat man das mit der Neuauflage korrigiert und überall auf eine Untermalung geachtet. Es gibt also keine Szenen, wo es eindeutig zu leise ist…

Wer bisher keine Berührungspunkte mit „The Secret of Monkey Island“ hatte, was ich mir zwar nicht wirklich erklären kann. – Habt ihr die letzten 30 Jahre als Einsiedler im Himalaya gelebt? – der findet mit der Neuauflage den wahrscheinlich besten Einstieg in das klassische Adventure. Es ist sowohl digital, wie auch als Retailversion im Doppelpack mit dem Nachfolger für Xbox360 und PS3 erhältlich, wobei sich die Xbox360-Version auf auf der Xbox One abspielen lässt…

NB@10.01.2019