Es dürfte wenige überraschen, dass ich ein Freund der Mini-Konsolen bin. Dabei gibt es natürlich einige tolle Beispiele, wie das „NES Classic Mini“, aber auch weniger tolle, wie jüngst die „PlayStation Classic (Mini)“, ohne dabei weiter ins Detail zu gehen. Was mir allerdings in meiner Sammlung gefehlt hat war ein amerikanisches Mini-SNES, das sich äußerlich von dem unseren unterscheidet. Da ich aber allein deswegen nicht eine weitere Mini-Konsole importieren wollte, die auch nicht so günstig ist, wie unsere heimische Mini-Variante, habe ich mich zu einer Alternative in Form eines Case für den Raspberry Pi entschieden, für den ich eh ein neues Case gesucht habe. Man könnte sagen, dass ich also zwei Fliegen mit einer Klappe geschlagen habe…

Es gibt mehrere dieser Cases im Netz, die mal mehr und mal weniger originalgetreu daherkommen. Meine Wahl ist dabei auf ein Modell „Super Kuma 9000“ des japanischen Herstellers Kintaro, da das Case im Vergleich zu anderen günstiger zu bekommen ist, die Verarbeitung laut Bildern aber sehr hochwertig zu sein scheint und sogar eine Erweiterungsplatine mit funktionalem Ein-, Aus- und Resetschalter verbaut ist.

Zusätzlich ist das Case für das neueste Pi-Modell, den Raspberry Pi 3 B+ geeignet und kommt sogar noch mit einem passenden Kühlkörper im Gepäck. Das Case wurde ein paar Tage nach der Bestellung geliefert und überrascht selbst auf den zweiten Blick in Natura durch seine Liebe zum Detail. Zwar musste der Nintendo-Schriftzug aus lizenzrechtlichen Gründen weichen, aber sieht man davon ab, sieht das Case wirklich nahe dem Original aus.Im Vergleich zum offiziellen europäischen „Bruder“ ist es sogar einen Tick kleiner:

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Ich kann zumindest keine offensichtlichen Abweichungen feststellen. Lediglich an der Front und an den Seiten gibt es Unterschiede zum Original. An der Front befindet sich beim Original eine versteckte Abdeckklappe, die die Controller-Ports offenbart und bei diesem Case fehlt. Dafür befinden sich an der linken Seite Aussparungen für die 4 USB-Ports und den Netzwerkanschluss des Pi, die auch für den Anschluss der Controller benutzt werden, sofern man keinen Bluetooth-Controller verwendet. An der Rückseite befindet sich der Micro-USB-Anschluss für das Stromkabel, ein Audio-Ausgang und der HDMI-Anschluss für den Anschluss an einen Fernseher oder Monitor. Und letztendlich finden wir auf der rechten Seite noch einen kleinen Schlitz, der Zugang zum Micro-SD-Kartenslot des Pi liefert, was ich persönlich ziemlich gut finde, so muss man beim Kartentausch nicht immer das gerade Gerät auseinanderbauen.

Das Case kommt in einer sicheren Verpackung mit einer Anleitung, diverse Schrauben, dem Kühlkörper und einem kleinen Schraubendreher. Die Anleitung ist dabei an sich wirklich super und bietet einfach Schritte zur Montage und sogar eine Schritt-für-Schritt-Anleitung Einrichtung der Software auf der SD-Karte, sowohl für Retropie, wie auch für Recalbox, auf was wir aber etwas später noch genauer eingehen müssen. Die Montage funktioniert denkbar einfach und der Pi lässt sich zusammen mit dem passenden Kühlkörper sicher mit dem Gehäuse verschrauben. Danach wird die obere Hälfte des Gehäuses, in dem bereits eine Platine für die Schalter und die Status-LED verbaut ist, draufsetzen, wodurch die Pins des Pi und des Gehäuses sich einfach ineinanderstecken und somit eine Verbindung herstellen. Es ist also keinerlei Löten von Nöten, um die Erweiterung am Pi vorzunehmen und wenn man der Anleitung folgt, sollte danach auch alles ohne nennenswerten Mehraufwand out-of-the-Box funktionieren.

Hier ist das Zauberwort leider „sollte“, denn auch wenn das Case explizit zur Verwendung mit dem neuesten Raspberry Pi-Modell ausgewiesen wird, so hat die Anleitung noch etwas Nachholbedarf, zumindest wenn man mein bevorzugtes OS, die Recalbox verwenden möchte, über das ich bereits in Form eines Tutorials berichtet hatte. Aber fangen wir besser mit einigen Hintergrundinfos an: Die Architektur des Pi 3 B+ unterscheidet sich intern vom Pi 3 B, sodass Images für den alten Pi nicht auf dem neuen funktionieren, worin dann auch das Problem besteht. Der Hersteller liefert über seine Homepage bereits ein fertiges Image, das die Software-Anpassung zur Unterstützung der zusätzlichen Platine bereits enthält, mit. Nur wenn man dieses Image verwendet, funktionieren die Knöpfe und die LED, sonst nicht. Doch leider ist dieses Image nur für die alte Version des Pi geeignet. Man ist bei der Verwendung des neuesten Pi also gezwungen ein (zur Zeit nur als Beta verfügbares) Image für den Pi 3 B+ zu verwenden, die die Anpassungen dann nicht enthält. Zwar bestünde bestimmt die Möglichkeit den Code manuell im System zu implementieren, aber dazu müsse man diesen kennen, denn der implementierte Code lässt sich leider nicht einzusehen. Eine Alternative ist dazu nur die Verwendung von Retropie, wo zwar auch manuell Code hinzugefügt werden muss, aber da dieser in der Anleitung hinterlegt ist muss man ihn nur Abtippen, um alle Vorzüge des Case zu nutzen. Laut Internet ist das Problem kein Neues, aber es bleibt abzuwarten, wann Kintaro ein angepasstes Image für Freunde der Recalbox zur Verfügung stellt…

Leider trübt das den Gesamteindruck wirklich ungemein, denn sieht man davon ab ist das Case wirklich toll und ich bin eigentlich davon ausgegangen, da das Case Explizit für die neueste Reversion des Pi beworben wird, dass dieser auch (uneingeschränkt) unterstützt wird, was momentan leider nicht der Fall ist. Ich habe kurzzeitig überlegt das Case aus diesem Grund zu retournieren, aber es nun doch behalten, da es einfach so schick aussieht. Und da ich der Recalbox auch weiterhin treu bleiben möchte, bleibt mir nichts anderes übrig, als das Case erst mal ohne Zusatzfunktionen zu verwenden und abzuwarten, bis ein neues Image seitens der Hersteller bereitgestellt wird. Sobald es dazu eine Veränderung gibt, lasse ich es euch auf jeden Fall wissen und erweitere meinen Bericht um die weiteren Eindrücke, die mir momentan leider noch vorenthalten bleiben…

NB@28.01.2019