Unglaublich, aber es sind bereits 7 Jahre vergangen seitdem ‚Assassin’s Creed III“ herausgekommen war. Auch wenn der Teil unter Fans für gemischte Gefühle gesorgt hat, so ist es für mich persönlich immer noch einer meiner liebsten Teile der Reihe. Dafür gibt es zwei Gründe: Zum einen handelte es sich um mein erstes Assassin’s Creed, das ich „wirklich“ gespielt hatte und zum anderen hat mich der amerikanische Bürgerkrieg schon immer sehr interessiert. Ich hatte zwar den Erstling der Reihe mal angefangen, aber Formel ist damals noch nicht auf mich übergesprungen. Er war mir zu sperrig und zu eintönig, weswegen ich auch erst einmal Teil 2 nicht gespielt hatte, was ich erst nach dem dritten Teil nachgeholt habe, als ich von diesem hin und weg war. Wie alle Teile der Reihe wurde das Spiel nicht nur von Ubisoft gepublished, sondern auch von einem hauseigenen Studio, wie in diesem Fall Ubisoft Montreal entwickelt und nun im Rahmen des Season Passes von „Assassin’s Creed: Odyssey“, aber mittlerweile auch separat als Retail- und Downloadversion ist nun eine Remastered-Version des Spiels für PC, PS4, Xbox One und (ab Ende Mai auch) für Nintendo Switch veröffentlicht.

Assassin's Creed® III Remastered_20190416213546.JPG

Aber bietet das Remaster generell einen Mehrwert oder handelt es sich im Grunde um das gleiche Spiel mit einem höheren Preis? – Ja und nein, natürlich ist das Spiel im Grunde dasselbe, wie die Veröffentlichung von 2012, doch nicht 1:1. Ubisoft hat einige Optimierungen am Ausgangsmaterial vorgenommen, damit es sich besser in den Kontext der anderen Spiele einfügt. Zusätzlich wurden alle DLCs und sogar das Geschwisterspiel, das ursprünglich für die PS Vita erschien, „Assassin’s Creed 3: Liberation“ in das Paket implementiert und im Gegenzug wurde der (langweilige) Onlinemodus weggelassen. Man bekommt also in Summe mehr für sein Geld, als wenn man zu den Erstveröffentlichungen greift. Da ich beide Spiele und die DLCs bei ihrer Originalveröffentlichung gespielt habe, werde ich hiermit einen Vergleich anstellen, den ich in zwei Teilen veröffentlichen werden. Zuerst beschäftigen wir uns mit dem Hauptspiel, „Assassin’s Creed 3“, bevor wir uns in naher Zukunft mit dem kleinen Ableger, „Assassin’s Creed 3: Liberation“ beschäftigen werden.

Der dritte Teil der Reihe wartete gleich zu Beginn mit einem Paukenschlag auf, denn die ersten drei Kapitel des Spiels spielten wir mit Haythem Kenway, einem Großmeister der Templer, was man aber erst am Ende der dritten Sequenz erfährt, bevor die Perspektive und die Hauptfigur für den Rest des Spieles zu Ratonhnhaké:ton, einen Jungen indianischer Abstammung wechselt, der sich im Verlauf der Geschichte den Assassinen anschließt. Wer Ratonhnhaké:ton ist wird deutlicher, wenn man seinen alternativen Namen Connor Kenway betrachtet, denn er ist der Sohn von Haythem, den dieser mit der charismatischen Indianerin Zio kurz für Kaniehtí:io gezeugt hat. Wir begleiten Connor dabei in mehreren markanten Punkten seines Lebens, von der frühen Kindheit, bis zum jungen Erwachsenenalter, als er sich den Assassinen anschließt um den Templern und damit auch seinem Vater Einhalt zu gebieten. Auf seiner Reise zum Meister-Assassinen kreuzt er die Pfade von vielen Schlüsselfiguren des amerikanischen Unabhängigkeitskrieges, George Waschington, Samual Adams, Benjamin Franklin oder auch Thomas Jefferson und beeinflusst einige ikonische Ereignisse, wie die „Boston Tea Party“ maßgeblich…

Als Setting für das Spiel stehen eine offene Spielwelt, die in mehrere Bereiche aufgeteilt ist zur Verfügung: Die Städte Boston und New York, sowie das so genannte Grenzland, ein eher naturbelassenes Gebiet um die kleinen Siedlungen Lexington und Concord, die von viel Natur in Form von Wäldern, Seen und Bergen dominiert werden, wo es auch eine Vielzahl unterschiedlicher Tiere gibt. Da die Areale teilweise immens sind, steht Connor zur Fortbewegung ein Pferd zur Verfügung und auch Jagen, Handel mit Ressourcen, Crafting und die Schifffahrtsmissionen, die immer noch ein großer Fan-Favorit sein, erhielten Einzug in die Reihe.

Für Freunde alternativer Zeitreihen hält die dreiteilige DLCs-Reihe „The Tyranny of King Washington“ übrigens einiges bereit, denn hier wird die Geschichte insoweit verändert, dass George Washington durch Zufall in den Besitz eines Edenapfels kommt, der ihn derart korrumpiert, dass er von dort an unter Waffengewalt das Volk unterjocht, sich selbst zum König krönen lässt und Connor nur mit Hilfe übersinnlicher Fähigkeiten den Hauch einer Chance gegen den Tyrann hat. Zwar ist dieser DLCs weniger realistisch, als mehr phantastisch, doch gerade das macht dabei den Reiz aus, denn so spielt sich der DLC komplett anders als das Hauptspiel und wartet mit frischen Ideen, neuen Mechaniken und einer wirklich überraschenden, wie auch interessanten Geschichte auf.

Insgesamt hat Ubisoft auch neben dem Inkludieren der DLCs mit dem Spiel einiges unternommen, um es fit für die aktuellen Konsolen zu machen. So wurden neben der obligatorischen Anpassung der Auflösung, die nun auf PS4 Pro und Xbox One X sogar in 4K mit HDR läuft auch gameplay-technische Anpassungen vorgenommen. Grafisch ist das Spiel ein zweischneidiges Schwert, denn auch wenn die Details nun wirklich toll aussehen und Menschenmengen mit mehr unabhängig agierenden NPCs aufgewertet wurden, so gibt es auch merkwürdige Defizite in Form der Charaktermodelle. Im ganzen Spiel wurde die Beleuchtung und die Licht- und Schattenmodelle angepasst, was die Charaktermodelle und besonders die Gesichter und Augen sehr merkwürdig aussehen lässt. Ich konnte das erst überhaupt nicht glauben und dachte schon, dass mich meine Erinnerung vielleicht trübt, doch eine kurze Internetrecherche offenbarte, dass es sich keinesfalls um meine subjektive Wahrnehmung handelt, sondern ein generelles „Problem“ zu sein scheint, was Ubisoft hoffentlich noch mit einem Patch korrigiert. Dazu gibt es bereits umfangreiche Vergleichsvideos auf YouTube, die ich jedem wärmstens ans Herz legen kann, der gerne mehr Infos zu diesem Punkt haben möchte. Abseits davon sieht das Spiel aber wirklich klasse aus, bietet viel mehr Details, als im Original und reduziert auch die langen Ladezeiten des ursprünglichen Spieles auf ein erträgliches Maß. Doch auch abseits davon gab es einige Optimierungen: Neben einer allgemeinen Überarbeitung des HUD, das nun sehr viel informativer ist und jederzeit die Interaktionsoptionen aufzeigt, wurde auch die Karte angepasst, damit man nun die Blickrichtung der Gegner sieht und auch das Pfeifen zum Anlocken von Gegnern implementiert, was im Originalspiel zwar aus Heuhaufen, aber abseits davon nicht möglich war. Zusätzlich feiert die Möglichkeit der Doppel-Kills mit der versteckten Klinge, die es in den anderen Teilen gibt, eine Rückkehr und auch ein freies Zielen mit dem Bogen oder anderen Waffen ist nun endlich möglich, denn das war im Original leider nicht der Fall. Abseits davon wurden auch neue Kostüme, die man teilweise über Uplay freischalten kann, ins Spiel implementiert, um Connor zum Beispiel in den Roben von Bayek aus „Assassin’s Creed: Origins“ oder Alexios aus „Assassin’s Creed: Odyssey“ zu hüllen, was allerdings keine Auswirkungen auf das Gameplay hat, sondern rein optischer Natur ist.

Insgesamt hatte ich aber mit einem klassischen Assassin’s Creed mal wieder richtig Spaß. Mir gefällt auch zwar die mit Origins begonnene Neuausrichtung, die mit Odyssey perfektioniert wurde, doch gerade in Sachen Grinding ist es erfrischend mit diesem Remaster ein komprimierteres Spielerlebnis zu bekommen. Hier kann man sich unabhängig von Charakterleveln auf die Hauptmissionen fokussieren und demnach so viel oder so wenig wie man persönlich möchte abseits davon erledigen. Zwar gibt es auch wieder optionale Missionsziele, die in den neueren Spielen nicht mehr vorhanden sind und gerade wenn man auf der Jagd nach der Platin ist die ein oder andere unerwartete Hürde bereithalten, was aber insgesamt weniger frustrierend ausfällt, als wenn man für die nächste Hauptmission mehr als 5 Charakterlevel farmen muss, damit man nicht von jedem x-beliebigen Gegner mit einem Hieb ausgeschaltet wird. Ich hoffe nur, dass Ubisort die Gesichtsanimationen, die eher an gruselige Wachsfiguren erinnern, behebt, denn das trübt das Gesamtbild leider etwas. Wer das Spiel bisher noch nicht gespielt hatte, dem kann ich diese Version aber dennoch ans Herz legen, denn nicht nur ist das Spiel auf der aktuellen Konsolengeneration lauffähig, sondern gerade der Zusatz der DLCs und die sinnvollen Gameplay-Änderungen machen das Spiel zu einem „runderen“ Erlebnis, als die Version von 2012.

NB@06.05.2019

——————————————————————–

Disclaimer: Die verwendeten Screenshots wurden, wenn nicht anders angegeben, vom Autor selbst erstellt und dienen zur Unterstützung des Berichtes. Das Copyright am dargestellten Spiel bleibt davon selbstverständlich unberührt und verbleibt beim ursprünglichen Rechteinhaber.