Es ist schier unglaublich, aber ich habe bisher noch nie über eins meiner liebsten Adventures berichtet: „Day of the Tentacle“. Zwar hatte ich mir bereits intensiv das Fangame, „Return of the Tentacle – Prologue“ angesehen, doch das Originalspiel habe ich euch bisher schier und einfach vorenthalten. Das muss sich schnellstens ändern!

Gesagt – Getan. Ich habe mir die Remastered-Version, die es auf PS4. PS Vita, PC gibt und iOS gibt mal genauer angesehen. Das Spiel wurde von Double Fine Productions, dem Studio um ex-Lucas Arts-Legende Tim Schafer in liebevoller Kleinstarbeit aufbereitet und im März 2016 veröffentlicht. Das Spiel gab es dann sogar im Rahmen von PlayStation Plus bereits im Januar 2017 für Abonnenten gratis. Es gab also wirklich mal bessere Spiele im Lineup, als heute, obwohl heute sogar nur noch 2 Spiele enthalten sind und damals waren es immerhin noch 6… – Aber das ist wohl ein Thema für ein anderes Mal, wir wollen uns ja mit den erfreulichen Dingen des (Spiele-)Lebens beschäftigen und dazu gehört zweifelsfrei „Day of the Tentacle“.

Nachdem Lucas Arts mit ihren vorherigen Adventures einige Hits gelungen sind, wie unter anderem das unvergessliche „The Secret of Monkey Island“ und „Maniac Mansion“ gelungen sind, so konnte niemand erahnen welch großes Impact die Fortsetzung des letzterwähnten in der Adventure-Szene haben sollte, wobei das Spiel noch nicht einmal groß als Fortsetzung vermarktet wurde. Zwar fand sich auf der Box von damals der kleine Hinweis auf „Maniac Mansion“, nebst der Informationen, dass dieses auch komplett enthalten ist, doch bei modernen Neuauflagen wurde der Namen „Maniac Mansion“ mittlerweile auf dem Cover weggelassen und findet sich, wenn überhaupt, noch im Klappentext, da das Spiel durch eine komplett eigene Identität überzeugt und lediglich die Charaktere und das Grundsetting aus dem Erstling verwendet wurden, eine neue interessante Geschichte zu erzählen.

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Dr. Fred, der verrückte Wissenschaftler hat eine sogenannte „Matsch-Maschine“ gebaut, die giftige Chemikalien ins Wasser ableitet. Und als ob das an sich nicht schon verwerflich genug wäre trinkt eine seiner erschaffenen Kreaturen, ein purpurnes Tentakelwesen von diesem Abwasser, was ihn Arme bilden lässt und ihn dadurch bemächtigt die Weltherrschaft an sich zu reißen. Die Gefahr wird jedoch rechtzeitig von Dr. Fred gebannt, der Purpur, wie auch dessen unbeteiligten Tentakelbruder Grün in seinem Labor fesselt. – Wäre da nicht ein kleines Problem, denn Bernard, der Nerd, den man bereits aus dem ersten Teil kennt, lässt beide Tentakel frei und muss danach mit ansehen, wie sich Purpur daran macht die Weltherrschaft an sich zu reißen. Die einzige Möglichkeit das noch zu verhindern sind die Zeitreise-Pods von Dr. Fred, mit denen er Bernard uns seine 2 Freunde Hoagie und Laverne einen Tag in die Vergangenheit schicken möchte, um das Unheil abzuwenden. Doch etwas läuft schief und so bleibt Bernard im Hier und Jetzt, Hoagie landet 200 Jahre in der Vergangenheit und Laverne 200 Jahre in der Zukunft und irgendwie muss es das Trio dennoch schaffen die Unterjochung durch Purpur zu verhindern…

Den besonderen Reiz machen dabei die Handlungen, die am gleichen Ort, dem Edison-Haus, in unterschiedlichen Zeitebenen spielen. In der Gegenwart, wo sich Bernhard befindet ist das Haus ein heruntergekommenes Hotel, in der Zukunft, wo sich Laverne aufhält ist es das Hauptquartier der Tentakel-Regierung und in der Vergangenheit, wo sich Hoagie aufhält ist es ein Wohnhaus, wo Benjamin Franklin seine Experimente zur Elektrizität durchführt und zeitgleich von George Washington, Thomas Jefferson und John Hancock die amerikanische Unabhängigkeitserklärung verfasst wird. Wir steuern dabei alle drei Charaktere, können jederzeit zwischen den Protagonisten hin- und herschalten und müssen zeitübergreifende Rätzel lösen. So hängt Laverne bei ihrer Ankunft in der Zukunft leider in einem Baum fest und wir müssen Hoagie in der Vergangenheit dazu bringen ihn durch George Washington fällen zu lassen, wodurch der Baum in der Zukunft verschwindet und Laverne frei ist. Und nach diesem Prinzip funktionieren viele der Rätzel im Spiel, was ebenfalls auf Gegenstände zutrifft, die ein Charakter in „seiner“ Zeit findet und die ein anderer in einer anderen Zeit gebrauchen kann. Immerhin lassen sich diese lassen über die miteinander verbundenen Zeitreise-Pods weitergeben, was man aber auch erst mal herausfinden muss. Insgesamt sind die Rätzel wirklich durchdacht und machen auch wenn es mitunter etwas dauern kann, bis man auf die Lösung kommt, im Nachhinein immer Sinn und sind logisch, was man leider nicht von allen Adventures behaupten kann. Doch das war schon immer eine große Stärke der Lucas Arts-Spiele: Man konnte ich keiner Sackgasse laden, nicht sterben und die Rätzel machten in der Regel mehr Sinn, als bei anderen Studios.

Inhaltlich hat man am Spiel überhaupt nichts verändert und es wird immer noch die gleiche Handlung und Umfang geboten, wie bei dem ursprünglichen Release von „Day of the Tentacle“. So ist sogar das komplette Erstlingswerk, „Maniac Mansion“ auch in der Remastered-Version komplett enthalten und lässt sich nach dem Ende des Prologs über den Computer in Weird Ed’s Zimmer starten und auch komplett durchspielen. Dabei hat im Erstling auch keine Anpassung stattgefunden, die „Day of the Tentacle“ selbst aber durchaus erfahren hat. So wurden die Grafiken komplett in HD neu gezeichnet und das Scumm-Interface, das im Original noch mit Verben arbeitete durch ein Kontextmenü ersetzt. Zusätzlich verfügt das Spiel auch über eine durchgängige Sprachausgabe, die es bei der Erstveröffentlichung ausschließlich bei der CD-Version gab. Wahlweise kann man sogar auf Knopfdruck jederzeit auf die Ursprungsversion zurückschalten und das Spiel nach den eigenen Vorlieben optimieren. Zusätzlich gibt es sogar die Möglichkeit ein Entwicklerkommentar zuzuschalten, was besonders für Leute, die das Spiel bereits gut kennen interessant ist, da man dadurch noch Neues kennenlernt.

Insgesamt ist das Spiel damals, wie auch heute über alle Zweifel erhaben und hat auch in den Jahren seit dem ersten Release nichts von seiner Magie eingebüßt. Wer das Spiel bis heute noch nicht gespielt hat sollte das unbedingt nachholen. Doch auch wer das Spiel bereits kennt sollte durchaus auf Grund der Arbeit, die Double Fine Productions in das Remaster reingesteckt hat durchaus nochmal einen Blick (eventuell mit dem Entwicklerkommentar) riskieren. Denn es lohnt sich immer noch!

NB@09.07.2019

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Disclaimer: Die verwendeten Screenshots wurden, wenn nicht anders angegeben, vom Autor selbst erstellt und dienen zur Unterstützung des Berichtes. Das Copyright am dargestellten Spiel bleibt davon selbstverständlich unberührt und verbleibt beim ursprünglichen Rechteinhaber.