Auch wenn die Blütezeit der klassischen Point and Click-Adventures schon länger vorbei ist und bei den wenigen Veröffentlichungen meist auf Nummer sicher gegangen wird, so ist es dennoch sehr erfrischend, wenn es hin und wieder ein Spiel gibt, die das Wagnis eingehen klassische Pfade mit kleineren Neuerungen zu begehen. „Tangle Tower“ entwickelt und herausgebracht von SFB Games ist so ein Fall. Bereits bei der Ankündigung des Spiels fand ich das Konzept interessant und ansprechend und es blieb allerdings herauszufinden, ob diese Erwartungshaltung berechtigt war. Umso schöner ist es, dass mir Cosmocover, die betreuende PR-Agentur hinter SFB Games, einen kostenfreien Reviewcode zu Testzwecken angeboten hat, um herauszufinden, was es mit dem Spiel genau auf sich hat. Einen Einfluss hat diese Umstand aber natürlich nicht auf mein Review.

Das Spiel ist dabei sowohl auf dem PC, wie auch auf der Nintendo Switch erhältlich, wobei ich mir konkret die Switch-Version angesehen habe, die allerdings inhaltsgleich mit der PC-Version ist, wenn man von ein paar Steuerungsoptionen absieht, auf die ich in Hinsicht auf die Switch-Version gesondert eingehen werde. Das Spiel wirft uns überraschenderweise ohne Intro oder eine sonstige Form der Einführung mitten in die Handlung. Das fand ich zugegebenermaßen etwas irritierend und ich startete das Spiel nochmal neu, um herauszufinden, ob ich unbewusst irgendetwas übersprungen hatte, doch das ist nicht der Fall. Das Spiel startet nach dem Titelbildschirm und der Auswahl eines von insgesamt drei Speicherslots direkt mitten in der Handlung. Wir befinden uns allem Anschein nach an einem Ufer eines Sees oder Flusses. Wir sehen das Geschehen durch die Augen unseres Hauptcharakters Grimoire, den man unter Umständen schon aus dem Spiel „Detective Grimoire“ kennt, sofern man es gespielt hat, was allerdings in keiner Weise notwendig ist, da sich die Geschichte lediglich als eine abgeschlossene Episode im Abenteuer des Detektives abspielt. Wir sehen seine etwas missmutige und sarkastische Partnerin Sally in der Bildmitte, stehen, die fast alle unserer Aktionen charmant kommentiert. – Wir bedienen einen Curser mit dem man Stellen im Bild markieren kann, um damit zu interagieren. So erfahren wir aus den Gesprächen mit Sally, die bei der Interaktion mit einigen Elementen auf dem Bildschirm getriggert werden, dass wir auf Grund eines Mordes an einer Frau namens Freya Fellow auf dem Weg zum Titel-gebenden Tangle Tower, einem majestätische Herrenhaus, kombiniert mit 2 großen Türmen, die wir in der Ferne sehen, sind. Die Aktion findet dabei immer in fixen Bildschirmen statt, die wenn überhaupt nur über rudimentäre Animationen in Details verfügen, wie man es aus Visual Novel-Spielen kennt. Haben wir mit den relevanten Punkten in einem Bildschirm interagiert können wir über unsere Karte, in der alle Orte verzeichnet sind von denen wir bisher Kenntnis haben, zum nächsten Schirm gehen. Ebenso können wir jederzeit auch zurück in bereits besuchte Areale. Wir gehen weiter und bahnen uns den Weg, bis wir im Herrenhaus angelangt sind, um den Raum zu untersuchen, wo der Mord stattgefunden hat, um festzustellen, dass den Mord kein Wesen aus Fleisch und Blut, sondern der Mord allem Anschein nach von einem leblosen Objekt, einem Gemälde verübt wurde… – Da das ja offensichtlich nicht der Wahrheit entsprechen kann machen sich Grimoire und Sally an die Arbeit die Hintergründe des mysteriösen Todes, wie auch diverse weitere Geheimnisse um das verwinkelte Herrenhaus, versteckte Schätze und eine tiefgehende Familienfehde betrifft.

Das Spiel verfügt dabei durch seine Point und Click-Mechanik, Inventar und das Führen von Gesprächen mit unterschiedlichen Gesprächsoptionen über einige Elemente eines klassischen Adventures, verknüpft diese Elemente allerdings mit vielen tiefgehenden Rätseln und Puzzeln und einem interessanten Artstyle. Die Rätsel gehen dabei weit über die normalen Adventure-Rätsel hinaus und verfügen über viele unterschiedliche Elemente. In einem Rätsel reicht es die richtigen Symbole zum Öffnen eines Schlosses einzustellen, die man allerdings erst einmal herausfinden muss und in anderen Fällen müssen wir unterschiedlich farbige und geformte Juwelen an einem Farbergé-Ei anzuordnen, um einen versteckten Mechanismus zu aktivieren. Das erinnert dabei eher an Professor Layton, als an normale Adventures. Zusätzlich erinnert die Geschichte mit ihrer Erzählstruktur an klassische Krimi-Kost à la Agatha Christie’s Hercule Poirot und Konsorten, wo man die Hinweise in eine sinnvolle Reihenfolge bringen und Schlussfolgern muss, um herauszufinden, was passiert ist und wer schuldig ist. Die interessante Prämisse entwickelt sich im Spielverlauf durch einige interessante Wendungen weiter und bleibt dennoch schlüssig und vor allem unterhaltsam, auch wenn es sich um eine streng-lineare Geschichte ohne Varianten handelt. Hier hätte man durchaus die ein oder andere Variation à la Telltale hereinbringen können, um zumindest für Wiederspielwert zu sorgen, der leider so wenig bis gar nicht gegeben ist. Natürlich gibt es Hinweise, die man nicht finden kann, aber nichts ist dabei, was den Verlauf in irgendeiner Weise beeinflusst.

Von der technischen Seite bietet das Spiel eine interessante Cellshading-Optik, die stellenweise an surreale Malerei erinnert. Auch wenn die Bildausschnitte nur rudimentär animiert sind, so sind die Dialoge des Spiels dennoch komplett hochwertig vertont und man hat direkt das Gefühl, wenn sich Hauptfigur Grimoire und seine Kollegin Sally unterhalten/neckisch streiten es mit echten Menschen zu tun zu haben. Hier haben die Schreiber wirklich gute Arbeit geleistet und sogar den Mehraufwand einer Synchronisation in Kauf genommen, der bei vielen Visual Novels aus Budgetgründen weggelassen wird. Abseits davon gibt es von der technischen Seite wenige Ausschläge: Das Spiel läuft flüssig und auch Fehler sind mir keine Aufgefallen, was aber in Relation zur Technik wenig verwunderlich ist, immerhin handelt es sich um ein Spiel, was ohne weiteres auch auf älteren PCs lauffähig ist und für die Switch-Version ist die einzige offensichtliche Änderung die Steuerung. – Und ja, die Steuerung kann wirklich Segen und Fluch sein und das kommet darauf an, welche Art zu spielen man präferiert. Es gibt insgesamt drei unterschiedliche Steuerungsvarianten: 1) Touch-Steuerung, 2) Bewegungssteuerung und 3) Controller-Steuerung. Die Touch-Steuerung ist dabei die beste und wahrscheinlich und intuitivste, die allerdings logischerweise nur funktioniert, wenn man die Konsole im Handheld-Modus verwendet. Wenn sie im Dock steckt funktioniert das leider nicht. Die zweite ist die Bewegungssteuerung, die zwar auf dem Papier parallelen zu einer Maus-Steuerung am PC erahnen lässt, aber in der Umsetzung eher an die Wii erinnert und zu für meinen Geschmack zu vielen Momenten führt, wo der Curser die Bewegung nicht richtig registriert und man nicht genau dahin navigieren kann, wo man eigentlich hin möchte. Dann bleibt noch die Controllersteuerung wo wir mittels Controller den Curser steuern können. Das funktioniert an sich auch gut, ist aber wahnsinnig langsam und stellenweise unnötig kompliziert, denn hier hat man eindeutig vergessen einen „Zurück-Knopf“ zu programmieren, denn wenn wir uns im Invenatar oder einem Untersuchungsmenü befinden und zuück wollen müssen wir umständlich zum entsprechenden Symbol auf dem Bildschirm navigieren. Das ist bei der Touch-Steuerung kein Aufwand und produziert bei der Bewegungssteuerung auf Grund der teilweise ungenauen Umsetzung der Eingaben oder bei der Controller-Steuerung auf Grund von langen Wegen des Cursers unnötig komplizierte Umstände. Machen wir uns nichts vor, ich werde das Spiel nicht auf Grund diese in-Convinience ab- oder aufwerten, ich halte es jedoch für wichtig es zu erwähnen, denn ich habe das Spiel aus diesem Grund eher im Handheld-Modus gespielt, was für andere Spieler unter Umständen keine Option oder Alternative darstellt.

Insgesamt hatte ich mir dem Spiel eine Menge Spaß und auch wenn die Spielzeit mit 4-5 Stunden gefühlt etwas kurz ist, zumal man es mit der Kenntnis der Rätsel wahrscheinlich in weniger als der Hälfe beenden kann, so entschädigt die interessante und wendungsreiche Geschichte dafür. Die Performance auf der Switch ist gut, auch wenn man auf jeden Fall sagen muss, dass die Steuerung im Dock-Modus einiges zu wünschen übrig lässt und nur im Handheld-Modus eigentlich richtig gut funktioniert. Wenn man allerdings bedenkt, dass das Spiel regulär via Steam oder Nintendo 16,79€, wobei es momentan in beiden Stores um 20% auf 13,43€ reduziert ist, kostet kann ich das Gefühl nicht abschütteln, dass ich für den Preis etwas mehr erwartet hätte, was die Spielzeit angeht. Das sollte man auf jeden Fall berücksichtigen, wenn man damit liebäugelt sich das Spiel zuzulegen.

NB@04.11.2019

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