Für den heutigen Bericht habe ich mir mal etwas Besonderes herausgesucht für das mich bereits einige Anfragen erreicht haben, denn es geht um erhältliche Add-Ons für den kürzlich erschienenen „Sega Mega Drive Mini“, für den es neben den bereits thematisierten Controllern auch noch Add-Ons gibt, die rein optischer Natur sind. Diese kosmetischen Add-Ons gibt es zwar ausschließlich in Asien, doch ich habe es nun endlich geschafft sie in meine Sammlung aufzunehmen, um ausführlich darüber zu berichten.

Das wahrscheinlich bekannteste Item ist das Set des „Tower of Power“, doch zusätzlich gibt es sogar ein funktionales Case in Retro-Optik. Ich widme mich dabei zuerst dem Tower, bereits vor der Veröffentlichung in den Medien für Aufsehen sorgte, da dieser zwar keinerlei Zweck erfüllt, aber dennoch ein wirklich interessanter Weg ist, sich mit dem Add-On-Wahnsinn auseinander zu setzen mit dem Sega versuchte den Lebenszyklus des Mega Drive zu verlängern. Interessanterweise stammt das Set, das den Wahnsinn auf die Spitze treibt, sogar direkt von Sega, was eindeutig zeigt, dass man sich der Fehlentscheidungen bewusst ist. Im Set sind nämlich das Maximum enthalten, mit dem man seine Konsole erweitern konnte.

Das überraschend große Paket richtet sich schon von der Verpackung her an Sammler, denn man kann bereits im verpackten Zustand alle Bestandteile in ihrer vollen Pracht begutachten. Im Inneren befindet sich eine Replik des Mega CD, das 32X, das Modul „Sonic & Knuckles“ und eine Replik des „Sonic 1“-Moduls. Zusätzlich gibt es aber sogar noch ein paar weitere Inhalte, die komischerweise in fast allen Berichten über das Set weggelassen werden, die ich euch natürlich auch nicht vorenthalten werde. Dabei handelt es sich um ein Artbook und ein Poster, die interessante Konzeptzeichnungen der Konsole und der Add-Ons enthalten, die damals für interne Zwecke erstellt wurden und bisher nicht komplett veröffentlicht worden waren. Leider sind die geschriebenen Erklärungen ausschließlich in Japanischer Sprache, doch selbst die Zeichnungen strotzen nur so vor Details und lassen bestimmt das ein oder andere Fan-Herz höher schlagen. Ich fand es auf jeden Fall sehr interessant, welche Details auf diesen Zeichnungen zu sehen sind, die man größtenteils auch in den Modellen wiederfindet. Denn wie bereits die Konsole selbst, hat man hier auch auf die Details geachtet und so funktioniert der Aufbau der Add-Ons analog des Originals und so hat sowohl der seitliche Erweiterungsschacht an der Konsole an sich, ebenso wie der bewegliche Modulschacht durchaus seinen Sinn. Alle Add-Ons sind im gleichen Maßstab, die die Konsole verkleinert und auch wenn das Set nur in Asien vertrieben wird, so funktionieren die Add-Ons auf Grund der gleichen Beschaffenheit der Konsole weltweit auch mit dem europäischen oder amerikanischen Modell.

Das erste Bestandteil ist der das Mega CD, wobei es sich um die Version 1 handelt, die in Europa meines Wissens gar nicht erschienen ist. Das Modell sieht entgegen des Modells 2 eher wie ein klassischer CD-Player aus und wird unter die Konsole gestellt und in den Erweiterungsschacht des Mega Drive eingesteckt. Das Add-On erlaubte es spezielle Spiele zu spielen, die auf CD veröffentlicht wurden. Über die neue Technologie packte man neben CD-Soundtrack auch Videoszenen in die Spiele, die in den meisten Fällen auf Grund riesiger Kompressionsraten unwahrscheinlich grauenhaft aussahen und lediglich darüber hinweg zu täuschen versuchten, dass die Spiele an sich meist nicht besonders gut waren. Zu den berühmtesten Spielen für den Mega CD zählen „Night Trap“ und „Sonic CD“, die mittlerweile auch abseits der Konsole erhältlich sind.

In Kombination mit dem Mega Drive ist damit der erste Bestandteil des Towers gelegt, doch es wird bei weitem nicht der letzte sein und so kommt als nächster Bestandteil das 32X, eine pilzförmige Geschwulst, die in den Modulschacht des Mega Drive eingesteckt wurde, um entsprechend des Marketings die Kraft der Konsole von 16- auf 32-Bit zu verdoppeln. In der Realität sah das aber weniger spektakulär aus, als man glaubte, denn die Spiele, die es größtenteils auch in fast identischer Fassung für den normalen Mega Drive gab, waren alles andere als Spektakulär, weswegen es eine wahnsinnig kleine Bibliothek an Spielen für das 32X gibt und es mir wirklich schwer fällt dabei auch noch berühmteste Spiele zu nennen. Zwar gab es mit „Star Wars Arcade“ eine interessante Simulation, die aber schon damals auf dem PC mit „Rebel Assault“ in einer 1.000 Mal besseren Version existierte.

Hier könnte die Absurdität an sich enden, wenn es nicht sogar noch weitere Möglichkeiten gäbe den Turm noch höher zu bauen. Und auch wenn die meisten Menschen wohl an einen „Action Replay“ oder ein ähnliches Cheat-Modul denken, so existiert mit dem Spiel „Sonic & Knuckles“ sogar ein offiziell von Sega herausgegebenes Modul, das neben der eigentlichen Funktion als eigenständiges Spiel, sogar durch das Aufstecken eines weiteren Spiels erweitert werden konnte. Das Modul ist dabei etwas dicker, als ein normales Spiel und beinhaltete auf der Kopfseite eine Klappe, die nach dem Aufklappen einen weiteren Modulschacht, ähnlich zu dem Modulschacht in der Konsole offenbarte, um weitere Module aufzustecken. Steckte man beispielsweise das Modul von „Sonic the Hedgehog 3“ in das Modul von „Sonic & Knuckles“ machte startete das Spiel als „Sonic 3 & Knuckles“, was gerade zu ironisch ist, da beide Spiele an sich als ein Spiel geplant waren, aber Sega das Spiel nicht rechtzeitig fertig bekommen hat und sich dann notgedrungen für eine Veröffentlichung in zwei Teilen entschied. Steckte man stattdessen das Modul von „Sonic the Hedgehog 2“ auf konnte man das Spiel mit Knuckles als spielbaren Charakter spielen und steckte man das Modul von „Sonic the Hedgehog“ auf bekam man Zugriff auf die Special Stages. Andere Module abseits der erwähnten Spiele konnte man zwar auch aufstecken, hatten aber keine Funktion. Natürlich verfügt die Replik nicht mehr über einen funktionalen Modulschacht, aber aufklappen kann man sie dennoch und auch ein Modul lässt sich in gleicher Weise aufstecken, was den Tower auch komplettiert.

Denn der letzte Bestandteil des Towers liegt in Form eines Moduls auch bei. Dabei handelt es sich um eine Replik des Moduls von „Sonic the Hedgehog“, dessen Artwork vom europäischen abweicht. Zum Vergleich habe ich ein Originalmodul mit einem ähnlichen Artwort zur Hilfe genommen, um einen Vergleich anzustellen. Die Verarbeitung ist, wie auch bei den anderen Bestandteilen des Towers, wirklich gelungen und man hat an alle Details, wie auch die Warnungen auf der Rückseite des Moduls gedacht. Zusammen mit den anderen Add-Ons bekommt man die Ausgeburt der Hölle, den Tower of Power, der um den Mega Drive herumgebaut wird und die schlanke Konsole zu einem richtigen Monster macht. Allerdings endet die Liebe zum Detail auch, denn die Verbindungskabel, die benötigt waren, ebenso wie Metallklammern am 32X, damit es fest in der Verankerung sitzt und die einzelnen Netzteile, die 32X und Mega CD mit sich brachten und die auf Grund der breiten Stecker jede Mehrfachsteckdose in die Knie zwangen, hat man verzichtet, was aber auch vollkommen ok ist, zumal es eher um die „Ästhetik“ ging. Das Set ist ausschließlich in Asien erhältlich und schlägt mit umgerechnet knapp 50-60 Euro zu buche, was für ein Paket Plastik ohne Funktion schon ziemlich happig ist, doch eingefleischte Fans können so einem Schnickschnack leider nicht entkommen.

Es gibt jedoch auch in Form der „Storage Box“ für den „Mega Drive Mini“ auch eine preisgünstigere Alternative. Dieses Add-On ist, entgegen des Towers nicht von Sega selbst, sondern mit einer Lizenz von Columbus Circle im Vertrieb. Es handelt sich dabei um eine Box im Stil des Mega CD, die man unter den „Mega Drive Mini“ stellen kann. Die Abmessungen sind dabei originalgetreu und entgegen des Towers hat die Box sogar eine Funktion und man kann beispielsweise das Strom- und Anschlusskabel der Mini Konsole darin verstauen. Die Box ist aus festem Karton gefertigt und mit Folie überzogen, die sie wie das Mega CD aussehen lassen. Der Druck geht an sich in Ordnung, obwohl man bei genauem Hinsehen eine leichte Blässe und verschwommene Details erkennt. Von weiter weg fällt das allerdings nicht auf. Auch wenn die Box im Direktvergleich ziemlich abfällt, so spiegelt sich das allerdings auch im Preis wieder, denn die Box ist bereits für 10 Euro erhältlich.

Insgesamt ist es schon beachtlich welche einfallsreichen Add-Ons es für die Mini-Konsole gibt und auch wenn man über die Sinnhaftigkeit, besonders beim Tower, streiten kann, so finde ich es dennoch schön, dass Sega ihre Vergangenheit mit einem Augenzwinkern aufarbeitet und den Fans gleichzeitig eine Möglichkeit gibt ihrer Konsole zu huldigen. So zeigt sich Sega auch im Vergleich zu den Add-Ons verspielter, als Nintendo beim „NES Classic Mini“ und dem „SNES Classic Mini“ was auch schade ist, denn auch Nintendo hätte mit „R.O.B.“ und diversen weiteren Add-Ons auch genug Leichen im Keller gehabt, die man hätte herausbringen können. Und machen wir uns mal nichts vor, gekauft würde es ohnehin werden.

NB@25.11.2019

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