Oh Stadia, was ist nur schief gelaufen. Ich habe wirklich große Hoffnungen auf das Spielerlebnis von Google, das anstatt auf eine klassische Konsole auf einen Streaming-Dienst setzt, gesetzt. Und nun ist der Release da, ich habe mein Founder’s-Paket, das mich 129€ gekostet hat in den Händen und bin leider ziemlich ernüchtert. Es fühlt sich einfach nicht nach einem offiziellen Launch eines Produktes von einem Global Player, sondern eher nach eine Beta oder einem Kickstarter an. Erst Tage vor dem offiziellen Release am 19.11.2019 verkündete Google, dass ein Großteil der Features nicht zum Launch zur Verfügung stehen und dass es zum Release gerade mal 22 Spiele im hauseigenen Store gibt, von denen nur ein einziges Stadia-exklusiv ist und man ohne Zusatzkosten lediglich auf 2 Spiele zugreifen kann. – Irgendwie klang das vorher alles etwas anders und auch bei vielen, wie bei mir auch setz leider die Ernüchterung ein, auch wenn ich zugeben muss, dass das Konzept auf jeden Fall Potential hat. Aber schauen wir uns daher sowohl den Service, die Software, wie auch die gelieferte Hardware mal genauer an.

Das physische Hardware-Paket, was zur Zeit obligatorisch ist, wenn man auf den Service zugreifen möchte, kostet 129€. Auch wenn die Founder’s-Edition mittlerweile vergriffen ist, so wurde diese durch die Premier-Edition ersetzt. In dieser befindet sich anstatt einem Controller in Dunkelblau ein Controller in Weiß, doch sonst ist der Lieferumfang, wenn man von ein paar digitalen Goodies absieht, identisch. Das Paket selbst sieht schon sehr edel aus: Weißer Hartkarton mit silberner Schrift, erinnert zwar etwas an Apple, ist aber wirklich schick. Innen befindet sich der Controller, ein USB-Ladekabel, ein Steckdosenadapter, ein Chromecast Ultra, sowie ein Netzteil für den Chromecast Ultra und ausführliche Dokumentationen, die im Grunde aber nicht notwendig sind. Zusätzlich bekommt man drei Monate Gratiszugang auf Stadia Pro und im Falle der Founder’s-Edition einen Buddy-Pass, mit dem man 3 Monate Stada Pro an einen Freund verschenken kann und ein digitales Abzeichen, was einen als „Founder“ kennzeichnet und neben dem Benutzernamen in Stadia eingeblendet ist. Stadia Pro erlaubt uns den Service zu nutzen, auf die Gratisspiele zuzugreifen, in 4K zu streamen und einige weitere Spiele mit Rabatt zu kaufen. Im kommenden Jahr soll eine Gratisversion des Service folgen, bei denen man keine Gratisspiele bekommt und Inhalte in HD streamen kann. Dafür das der Service stolze 9,99€ pro Monat kostet ist das Angebot allerdings ziemlich mau, zumal auch die Spieleauswahl stark limitiert ist. Zwar wird über Google selbst mit vielen hochkarätigen Spielen geworben, wie man unter diesem Link einsehen kann, doch das Launch-Lineup sieht dann doch ziemlich anders aus, da gerade mal 22 Spiele zum Launch zur Verfügung stehen. Zum Launch stehen auf Stadia folgende Games zur Verfügung:

  • Assassin’s Creed Odyssey
  • Attack on Titan 2: Final Battle
  • Destiny 2: The Collection
  • Final Fantasy XV
  • Football Manager 2020
  • GRID
  • Gylt
  • Just Dance 2020
  • Kine
  • Landwirtschafts-Simulator 19
  • Metro Exodus
  • Mortal Kombat 11
  • NBA 2K20
  • Rage 2
  • Red Dead Redemption 2
  • Rise of the Tomb Raider – 20-jähriges Jubiläum
  • Samurai Shodown
  • Shadow of the Tomb Raider
  • Thumper
  • Tomb Raider – Definitive Edition
  • Trials Rising
  • Wolfenstein: Youngblood (DE+US)

Durch das Pro-Abo bekommt man lediglich Gratiszugriff auf „Destiny 2: The Collection“ und „Samurai Shodown“, den Rest muss man kaufen, um ihn spielen zu können. Es stehen noch nicht einmal irgendwelche Trial-Versionen zur Verfügung und die Preise haben es ziemlich in sich, denn so werden für „Red Dead Redemption 2“ und „Rage 2“ in der Vanilla-Version jeweils noch 59,99€ fällig. Andere Spiele sind zwar teilweise im Angebot, aber es ist schwer überhaupt ein Spiel unter 20€ zu finden, wenn man einfach etwas zum Spielen sucht. Im gesamten Lineup erfüllen das lediglich „Thumper“ und „Tomb Raider – Definitive Edition“, die dennoch jeweils mit happigen 19,99€ zu Buche schlagen. In der Ankündigung kam das immer etwas offener rüber und wurde eher wie ein „Netflix für Games“ vermarktet, was zu Assoziationen mit dem Game Pass oder auch PlayStation Now geführt hat. Jedoch sieht die Realität, zumindest bisher, ziemlich anders aus. Zusätzlich lassen sich die Spiele momentan ausschließlich über die Stadia-App kaufen, die logischerweise vorher mit einem Google-Konto verknüpft und über Stadia Pro freigeschaltet sein muss. Abseits davon kann man weder auf die App, noch auf den Store zugreifen. Leider können aus unerfindlichem Grund auch keine Spiele, die man im PlayStore gekauft hat abgerufen werden, was eine Hoffnung von mir war, da ich dort in der Vergangenheit einige Spiele gekauft habe, die ich gerne mal auf einem größeren Display spielen würde.

Aber schauen wir uns doch mal an, was die Hardware so bietet… – Der große Sellingpoint von Stadia ist, dass man keine Konsole oder einen Hochleistungs-PC braucht, um Spiele in der höchsten Einstellung zu spielen und das gleichzeitig auch noch barrierefrei an unterschiedlichen Displays tun kann. So kann man über jeden Computer über Chrome auf Stadia zugreifen und spielen, sofern man einen Zugangscode über Stadia Pro hat.  Dazu ist auch dann sogar jeder handelsübliche Controller verwendet werden. Am TV braucht man hingegen einen Chromecast und einen passenden Controller, die es im bereits erwähnten Bundle gibt. Dabei ist nur der Chromecast Ultra in der Lage auch 4K-Inhalte wiederzugeben. Die Verarbeitung des Controllers ist gut, er ähnelt von seinen Abmessungen und Knopfpositionen sehr dem Pro-Controller der Switch.

Er liegt gut in der Hand und sowohl die Sticks, wie auch die Buttons liefern ordentliche Druckpunkte. Seitens von Google können sogar Controller-Updates aufgespielt werden, was bei der Verbindung mit dem Chromecast geschieht. Der Chromecast ist ein kleiner Dongle mit HDMI-Anschluss. Zusätzlich verfügt er über einen Stromanschluss und einen Anschluss für ein Netzwerkkabel, wobei aber nur der Stromanschluss zwingend notwendig ist und man auf das Netzwerkkabel verzichten kann, sofern die Wifi-Verbindung mitspielt. Um den Chromecast einzurichten benötigt man zusätzlich zur Stadia– und den ganzen anderen Google-Apps, die sich ohnehin auf den meisten Smartphones befinden einen noch die „Google Home“-App, mit der man auch andere Smartgadgets verwalten kann, sofern man so etwas verwendet. Doch damit ist die Einrichtung leider noch nicht fertig, denn hat man die bisherigen Schritte abgeschlossen muss man zur Stadia-App wechseln und diese mit dem Chromecast verbinden, wonach es endlich losgehen kann. Die Einrichtung ist leider etwas zeitaufwendig, ist aber immerhin eine einmalige Aktion. Wenn man die Registrierung in der App und die Einrichtung des Chromecast bereits abgeschlossen hat, funktioniert der Zugriff auf die Spiele auch ohne Verzögerung. Der Startbildschirm zeigt uns alle Spiele an, die uns zur Verfügung stehen und weist uns dezent darauf hin, dass wir über die Stadia-App weitere Spiele kaufen können. Rein theoretisch soll das auch auf dem Smartphone in ähnlicher Weise funktionieren, doch das ist bisher dem Hauseigenen Google Pixel 3 (und neuer) vorbehalten, das ich allerdings nicht besitze, weswegen ich darüber noch nichts sagen kann.

Screenshot - 01.12.2019 , 11_48_55
(c) Google Stadia

Doch auch am PC und dem TV könnte die Handhabung nicht unterschiedlicher sein, denn zwar lässt sich der mitgelieferte Controller zwar kabellos mit dem Chromecast verwenden, doch nicht am PC, dort benötigt man eine Kabelverbindung (oder verwendet einen alternativen kabellosen Controller), 4K und HDR sollte, passendes Display vorausgesetzt, sollte auf beiden Wiedergabeformen funktionieren, doch aus unerfindlichem Grund war das beim PC nicht der Fall. Hier war das Bild auf HD beschränkt. Und von anderen angekündigten Funktionalitäten, wie Achievements, dem Teilen von Spielständen, Mods, Crowd Play, LTE-Streaming und Family-Sharing fehlt bislang noch jegliche Spur. Das alles soll im kommenden Jahr nachgereicht werden, wofür aber weder ein konkretes Datum, noch eine Roadmap in irgendeiner Form zur Verfügung stehen, was das allgemeine Gefühlt es eher mit einer Beta, anstatt einem Release zu tun zu haben, verstärkt.

Aber vielleicht macht die Performance ja einige der Kritikpunkte wieder wett? – Nein, macht sie nicht, denn selbst wenn man eine gute Leitung hat kämpft das Streaming mit Slowdowns, Freece-Frames, Artefakt-Bildung und stellenweise merklichen Eingabeverzögerungen. Wenn es funktioniert ist es schon ziemlich beeindruckend, was möglich ist, doch leider ist hier momentan der springende Punkt noch das Wort „wenn“… Auf dem PC liefen die Spiele „Destiny 2: The Collection“, „Samurai Shodown“ und „Tomb Raider – Definitve Edition“, das ich mir aus Testzwecken dazugekauft habe, recht flüssig und ohne größere Probleme. Allerdings war das Bild dabei auch aus bisher unbekanntem Grund auf HD gedrosselt. Dennoch war ich von der Qualität des Streaming recht angetan, denn die Farben und Texturen sind knackig, die Ladezeiten kurz und auch wenn innerhalb von hektischen Szenen und Zwischensequenzen der ein oder andere kleine Ruckler auftrat, dachte ich mir persönlich noch, dass alles gar nicht so schlimm ist, wie man in den letzten Tagen gehört hat. Am Chromecast sah das allerdings komplett anders aus, denn hier sind die Spiele von massiven Problemen geplagt, die gerade in Situationen, wo es auf Präzise Steuerung und Timing ankommt ein Todesurteil sind.

Dabei sollte laut Aussage von Google ab einer 5Ghz-Leitung mit mindestens 35Mbt, was ich zu Hause mehr als erfülle, ruckelfreies 4K mit 60fps und HDR möglich sein, ist es de Facto aber nicht. Zugegeben hatte ich es erst über eine Wifi-Verbindung versucht, doch habe selbst bei einer direkten Verbindung von Router und Chromecast keine Veränderung feststellen können. So scheint die Verbindung und die Leistung der Leitung nur ein Faktor zu sein und das  allgemeine Problem doch eher bei Google selbst zu sitzen, weswegen auch nach jedem Spiel ein Erfahrungsbericht als Multiple-Choice-Abfrage erscheint. Bisher steht ein offizielles Statement zu den Problemen mit Stadia noch aus und es bleibt nur zu hoffen, dass man diese zeitnah in den Griff bekommt, um dem Konzept nicht frühzeitig den Todesstoß zu versetzen. Denn dann hätte man als Early-Adopter einen Controller, den man nirgendwo sonst verwenden kann, einen Chromecast, den man vielleicht gar nicht braucht und digitale Spiele und Käufe, die man nicht mehr spielen kann sofern Google nicht die das Gegenstück in Form von Servern und dem Service zur Verfügung stellt. Ich glaube zwar nicht, dass Google so schnell die Flinte ins Korn werfen würde, wenn sie nicht an ihre Idee glauben, doch das wäre leider auch nicht das erste Mal in den Geschichte des Konzerns… Aber wie seht ihr das? – Seit ihr auch schon mit Stadia vertraut, interessiert ihr euch dafür oder habt ihr wohlmöglich andere Erfahrungen gemacht? – Lasst es die Leser und mich gerne in den Kommentaren wissen!

NB@02.12.2019

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