Xbox One Review: „One Night Stand“ #OneNightStand

Ein Filmriss ist keine schöne Sache: Also wenn man nicht mehr genau weiß, was passiert ist, was man getan hat, oder im schlimmsten Fall, wo man sich überhaupt befindet. Und diese Prämisse hat man sich für das Spiel „One Night Stand“ aus dem aktuellen Katalog von Ratalaika Games zu Nutze gemacht, indem man nach dem Titelgebenden One Night Stand mit hämmernden Kopfschmerzen in einem fremden Bett, neben einer fremden Dame aufwacht, keine Kleidung mehr anhat und irgendwie herausfinden muss, was passiert ist, wo man seine Kleider sind und die wohl wichtigste Frage, wer die schlafende Dame ist. Denn es dauert nicht lange und die Dame erwacht und zur Unterhaltung ist es nicht ganz unerheblich zu wissen, was passiert ist, oder noch viel wichtiger, wie eigentlich ihre Name ist…

Dabei muss man das Spiel erst einmal von einem inszenatorischen Standpunkt loben, denn das ganze Spiel spielt sich in diesem eigen Zimmer und dem davor liegenden Flur, der zur Haustür führt ab und ist somit im Grunde das erste wirkliche Kammerspiel der Videospielgeschichte. Um uns besser in die Situation einfühlen zu können, sehen wir das Geschehen dabei aus der Ego-Perspektive und können mit allerlei Hotspots auf unterschiedlichen Bildschirmen interagieren, Dinge aufheben und untersuchen, die uns helfen können die Gedächtnislücken zu schließen. Doch dabei ist Vorsicht geboten, denn jede unsere Aktionen kann auch Konsequenzen haben. So fragt uns ein Freund übers Handy, kurz bevor dessen Akku komplett leer ist, ein Foto von der Dame zu machen, da er uns sonst nicht glaubt. Doch ist es nicht moralisch verwerflich und eindeutig falsch solch ein Foto zu machen? Ähnlich verhält es sich mit Dingen, mit denen wir im Zimmer interagieren können, denn man muss sich immer fragen, ob man das selbst tun würde, wenn man sich in der Situation befindet.

Dabei beschränkt sich diese Handlung auf die wenigen Interaktionen und Gespräche, die an Visual Novels erinnern und unterschiedliche Auswahlmöglichkeiten bereithalten. Das Spiel lebt davon die Konsequenzen unserer unterschiedlichen Handlungen zu erforschen und so kann ein Durchgang bereits nach wenigen Minuten vorbei sein oder sich ein paar Minuten länger hinziehen. Denn wenn wir uns schlecht anstellen landen wir in wenigen Minuten ohne unsere Klamotten auf der Straße, stellen wir uns hingegen gut an macht sie uns sogar einen Kaffee, wir bekommen eine Kopfschmerztablette und haben insgesamt mehr Zeit das Zimmer nach Informationen und unserer Kleidung zu durchsuchen. Denn die Gespräche finden immer in kurzen Etappen statt und verlässt die Dame das Zimmer, um uns einen Kaffee zu machen, bekommen wir wieder Zeit zur Untersuchung des Zimmers, bis wir am Ende mitunter sogar als gute Freunde auseinandergehen. Das Spiel hält dabei 9 unterschiedliche Enden bereit, die es wirklich Spaß macht alle zu entdecken.

Technisch ist das Spiel zwar auf den ersten Blick mit seinem gezeichneten Look in Pastell nicht besonders spektakulär, besticht aber auf jeden Fall auf den Zweiten, denn die Bewegungen des Mädchens sind überaus natürlich und lebensecht. Das kommt daher, da die Charakteranimationen im Rotoskopie-Verfahren eingefangen und digitalisiert wurden, wo man die Szene mit einer echten Schauspielerin gefilmt und danach am Computer überzeichnet hat, ähnlich wie beim ersten „Prince of Persia“ oder auch „Another World“ der Fall war, die ebenfalls für ihre tollen Animationen gelobt wurden. Leider kann der Rest des Spieles nicht 100% mit den tollen Animationen mithalten, da man zum Beispiel, wahrscheinlich um Kosten zu sparen, auf eine Synchronisation verzichtet hat. Man sollte sich also darauf gefasst machen viel zu lesen, was nicht jedermanns Sache ist, wenn es um moderne Spiele geht.

Da es sich um ein Spiel von Ratalaika Games handelt wird wahrscheinlich niemand überrascht sein, dass es selbstverständlich auch wieder mit einer überaus leichten Trophäen, bzw. Achievement-Liste aufwartet und im Direktvergleich mit anderen Listen ein paar mehr Trophäen im Gepäck hat, als die anderen Vertreter dieses Genres. Denn es gibt sage und schreibe 25 Trophäen (2 x Bronze, 16 x Silber, 6 x Gold, 1 x Platin) im Spiel zu verdienen, was auf der Xbox 1000GS entspricht. Dabei muss aber noch erwähnt werden, dass das Spiel auf den Sony-Plattformen dieses Mal nicht im CrossBuy daherkommt und es keine separate Vita-Version des Spiels gibt.

Insgesamt war das Spiel wirklich interessant, da es mit einigen Konventionen bricht und versucht etwas neues abzuliefern. Dabei wird das Spielprinzip, was eindeutig auf viele Wiederholungen, um die Unterschiede zu sehen allerdings nicht jedermanns Sache sein, denn dazu differenzieren die Verläufe der Geschichte, die in den 9 Unterschiedlichen Enden münden, zu wenig voneinander und es gibt einige Stellen, an denen lediglich eine kleine Variation in einem neuen Ende mündet. Allerdings muss man dem Spiel dennoch sein interessantes Thema, die tollen Animationen und letztendlich auch den günstigen Preis von zu Gute halten. Auch für nicht Trophäenjäger ist das Spiel aus diesem Grund einen Blick wert…

Entwickler:      Kinmoku

Publisher:       Ratalaika Games

Erhältlich auf: PS4, Xbox One, Nintendo Switch

NB@14.01.2020

——— Hinweise & Disclaimer: ———

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Die verwendeten  Bilder und/oder Screenshots wurden, wenn nicht anders angegeben, vom Autor selbst erstellt und dienen zur Unterstützung des Berichtes. Das Copyright an der dargestellten Sache, bzw. dem Spiel bleibt davon selbstverständlich unberührt und verbleibt beim ursprünglichen Rechteinhaber.

 

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