Xbox One Review: „Mafia – Definitive Edition“ #Mafia #MafiaDefinitiveEdition

Unfassbar, aber das erste Spiel der Mafia-Reihe, das noch auf der PS2 erschienen ist, ist jetzt volljährig geworden. Es ist also wirklich schon 18 Jahre her, dass wir uns mit Tommy Angelo in bester Goodfellas-Manier in die Welt des Verbrechens der 30er Jahre gestürzt haben. Grund genug dem Spiel eine längst überfällige Frischzellenkur zu verpassen. Da ich persönlich ein Fan des Originals bin war ich sehr gespannt, was das Remake zu bieten hat, das mir dankenswerterweise vom Publisher zu Reviewzwecken zur Verfügung gestellt wurde, was aber selbstverständlich keinen Einfluss auf meine Bewertung hat.

Entwickelt wurde das Spiel von Hangar 13, den Entwicklern des dritten Teils der Reihe, der allgemein zwar etwas durchwachsene Kritiken bekommen hat, aber für mich persönlich immer noch ein tolles Spiel war. Wo man sich aber flächendeckend über „Mafia III“ einig war, war die tolle Grafik, die sich besonders durch saftige Farben und viele Details auszeichnet und eben diese Engine war in ihrer neuesten Version die Grundlage für „Mafia – Definitive Edition“, das kein simples Update, sondern ähnlich wie bei „Resident Evil 2“ eine komplett überarbeitete Neuinterpretation des gleichen Ausgangsmaterials auf der Höhe der Zeit sein sollte.

Und in dieser Beziehung haben die Entwickler zumindest alle Register gezogen, denn gleich zum Start des Spiels besticht das Spiel durch eine bombastische Grafik, die in keinem Vergleich mehr zu der Vorlage steht, die zwar bei ihrem Release auch eines der schönsten Spiele ihrer Zeit war, aber in den 18 Jahren, die seitdem vergangen sind, doch einige Federn lassen musste und einfach nicht mehr so erträglich ist. Kein Vergleich zur eröffnenden Kamerafahrt über die malerische Stadt Lost Haven, die ihre Inspiration von Chicago mit einer Prise San Francisco zieht. Die Handlung ist im Jahr 1938 angesiedelt, als sich unser Hauptcharakter Tommy Angelo mit einem Polizisten in einem Diner trifft, um sich seine Geschichte zu erzählen, sich einiges von der Seele zu reden und gleichzeitig für seine Aussage Immunität will.

Denn seine Geschichte, die in Rückblenden erzählt wird, ist keine gewöhnliche Geschichte, da sie beschreibt, wie er als ehemaliger Taxifahrer in die Mafia eingetreten ist und über die Jahre im Auftrag seines Bosses, Don Salieri, gestohlen, bedroht und gemordet hat. Dabei beginnt alles recht unscheinbar, denn Tommy hält sich bewusst von den gesetzlosen fern, findet sich aber bei einer misslungenen Flucht der aufstrebenden Gangster Sam und Paulie unter vorgehaltener Waffe als deren Fluchtwagenfahrer wieder. Und obwohl er am Anfang eine wirkliche Abneigung gegen dieses skrupellose Leben hegte, überwog die Verlockung von Reichtum, Wertschätzung und Zusammengehörigkeit, bis im Laufe der Jahre aber alles mehr und mehr aus dem Ruder lief, bis Tommy selbst um sein Leben fürchten musste, was ihn knapp 8 Jahre nach seinem Eintritt in die Mafia zum Treffen mit der Polizei bewegte…

Besonders muss dabei die dichte Geschichte erzählt werden, die pointiert in insgesamt zwanzig Missionen, die sich in den Jahren 1930 bis 1938 abspielen und durch den langen Zeitraum der Handlung viel Charakterentwicklung beinhaltet, ohne dabei aber zu detailliert und langatmig zu werden. So gibt es immer wieder Ereignisse, die wir uns nur durch den Kontext, oder optionale Sammelobjekte oder Gespräche mit NPCs erschießen, was der Geschichte mehr Tiefgang verleiht. Zugegeben ist das an sich keine reine Errungenschaft des Remakes, denn an der Hauptgeschichte wurde im Grunde nichts verändert, doch durch einige kleinere Anpassungen wirkt alles insgesamt etwas runder und glaubwürdiger und gleichzeitig hat das Gameplay ein paar längst überfällige Anpassungen bekommen, die Tommy nun mit einer Deckungsmechanik ausstatten und gleichzeitig die immens harkelige Fahrphysik des Originals anpassen, damit das Spiel besser spielbar ist.

So ist „Mafia – Definitive Edition“ zweifelsohne weniger frustrierend, als das Original, obwohl es in einigen Instanzen dennoch sehr Anspruchsvoll ist. Jedoch wurden die Szenen, wie das Rennen in einer der ersten Missionen, in der wir für einen kranken Rennfahrer einspringen müssen, damit der Don nicht einen riesigen Haufen Geld verliert, durch die Anpassungen sehr viel leichter geworden. Zwar immer noch sehr Anspruchsvoll, aber nicht mehr unmöglich, was leider für viele Spieler bei der 2002er Version des Spiels der Grund war, warum man nach der fünften Missionen nicht mehr weiter kam: Denn das besagte Rennen über drei Runden müssen wir auf dem ersten Platz beenden, um weiter zu kommen, was gegen viele andere NPC-Fahrer, die ihre Fahrzeuge butterweich über die fordernde Strecke steuern, sehr viel leichter als gesagt ist. Beim Original kam dann noch dazu, dass der Rennwagen beim kleinsten Fahrfehler ausbrach, schleuderte, oder sich gar überschlug, was einen Sieg nahezu unmöglich machte. Ich kenne nicht wenige Spieler, die nur über die Weitergabe eines fremden Savegames, das nach der besagten Mission lag, überhaupt weiterspielen konnten, denn danach geht es erst richtig los…

Wir haben zum Spielbeginn, wie aber auch jederzeit über das Hauptmenü die Wahl zwischen unterschiedlichen Schwierigkeitsgraden, von denen auch einer der sogenannte „Classic“-Modus ist, der versucht das teilweise frustrierende Gefühl des Originals zu reproduzieren. Darin steuern sich die Autos realistischer, die Polizei ist allgegenwärtig und wir müssen uns sogar bei Fahrten durch die Spielwelt an die Verkehrsregeln halten, um nicht verhaftet zu werden. Wahlweise lassen sich sogar der Fahrphysik, Schwierigkeit und das Verhalten der Gesetzeshüter separat einstellen.  

Das Spiel ist zwar in einer offenen Spielwelt angesiedelt, doch folgt keinesfalls der offenen Erzählstruktur eines Open World Spiels, wie man es heute kennt. So ist die Erzählstruktur sehr linear, es gibt immer nur eine aktive Missionen, wir starten meist direkt am Missionsmarker und haben wir unsere Aufgabe erfüllt endet die Missionen mit einer Cutscene. Freies Herumfahren von Missionsmarker zu Missionsmarker gibt es abseits der vorgegebenen Missionsstruktur nicht. Zwar fahren wir in den Missionen auch viel durch die Gegen, doch die Ausrichtung ist dabei viel engmaschiger, als bei anderen ähnlichen Spielen, was auch darin mündet, dass wir uns nicht zu weit vom Missionsbereich entfernen dürfen (oder können), da sonst die Mission als verloren gilt und wir sie neu beginnen müssen. Wer die Stadt komplett frei erkunden möchte, der kann das aber über das Hauptmenü über den „Freie Fahrt“-Modus machen, wo es keinerlei Missionen gibt und wir mit den insgesamt 30 unterschiedlichen Fahrzeuge im Spiel, nach Lust und Laune durch die ganze Stadt fahren können, was nach einiger Zeit allerdings etwas langweilig wird, da es einfach in der Spielwelt nichts zu tun gibt.

Technisch ist das Spiel dabei über alle Zweifel erhaben und sieht einfach nur toll aus. Besonders bei nächtlichem Regen lässt die Engine ihre Muskeln spielen und wartet mit tollen Reflektionen, realistisch-verändertem Fahrverhalten und phänomenalen Licht- und Schatteneffekten auf. Die Charaktermodelle sehen teilweise fotorealistisch aus und sind professionell synchronisiert. Einziger Wehmutstropfen ist dabei, dass Paulie in der deutschen Synchro nicht mehr von Joe Pesci’s deutscher Stimme, Mogens von Gadow, gesprochen wird, was dem Organal noch etwas mehr Goodfellas-Flair verliehen hat. Doch blendet man das aus passen die Stimmen wirklich super zu den Charakteren, wobei ich persönlich aber die Originalsynchro wegen dem New Yorker-Akzent der Charaktere, die den amerikanischen Mafiosi noch mehr Authentizität verleihen, vorziehen würde, was sich aber auch wahlweise mit deutschen Untertiteln ausstatten lässt.

Neben dem Fahrverhalten wurden auch das Gunplay, das neben dem Fahren das zweitgrößte Gameplay-Element angepasst. Nicht nur kann Tommy jetzt nicht nur in Deckung gehen, sondern kann nun auch schleichen und Gegner lautlos ausschalten, was einige der späteren Missionen etwas leichter gestalten. Energie ist klassisch nicht-regenerierend und wird an Medizinschränken aufgefüllt. Gleiches gilt für Munition, die man entweder in Munitionskisten findet, oder von besiegten Gegnern aufsammeln kann. Tommy kann gleichzeitig zwei Waffen mit sich führen und kann darüber hinaus auch die Fäuste sprechen lassen, wenn ihm die Munition ausgeht. Man sollte damit aber vorsichtig sein, denn wenige Treffer reichen aus und Tommy ist KO. Die Waffen reichen über Revolver, über halbautomatische Pistolen, Schrotflinten, bis hin zu der ikonischen Tommy Gun und sind insgesamt alle mit einem ordentlichen Trefferfeedback ausgestattet.

Insgesamt orientieren sich die Entwickler zwar sehr nah am Original, brechen die bekannte Formel aber immer wieder auf, damit das Spielerlebnis an sich stimmiger wird. Besonders begrüße ich die Entscheidung die klassische Erzählstruktur beizubehalten und das Spiel nicht nachträglich mit einer heutigen Auffassung einer offenen Spielwelt zu „beglücken“, die oftmals mehr Fluch, als Segen ist, wenn sie mit sinnlosem Füllwerk zugepflastert wird. Stattdessen konzentriert man sich auf das Essenzielle und bietet eine straffe Erzählung, die dennoch im Rahmen zwischen 15 und 20 Stunden Spielzeit angesiedelt ist und durch einige versteckte Sammelobjekte und den freien Modus nach Belieben erweiterbar ist, auch wenn dieser schnell langweilig wird.

Wer den ersten Teil der Mafia-Reihe bislang noch nie gespielt hat, der sollte auf jeden Fall zu dieser Version des Spiels greifen und wer das Original kennt, oder gar an diesem, auf Grund der erwähnten Unzulänglichkeiten gescheitert ist, wird ebenfalls überrascht sein, was man aus dem Spiel herausgeholt hat. Technisch beeindruckend und unterhaltsam erzählt demonstriert Hangar 13 nicht nur ihr Können, sondern zeigt auch, dass die Reihe auch heute noch relevant sein kann. Das Spiel ist sowohl einzeln, wie aber auch innerhalb der Trilogie mit den anderen beiden Teilen erhältlich, über die ich noch separat berichten werde.

Entwickler: Hangar 13

Publisher: 2K

Erhältlich auf: PC, PS4, Xbox One

NB@07.10.2020

——— Hinweise & Disclaimer: ———

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Die verwendeten  Bilder und/oder Screenshots wurden, wenn nicht anders angegeben, vom Autor selbst erstellt und dienen zur Unterstützung des Berichtes. Das Copyright an der dargestellten Sache, bzw. dem Spiel bleibt davon selbstverständlich unberührt und verbleibt beim ursprünglichen Rechteinhaber.

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