PS4/PS5 Review: „Hitman 3“ #Hitman #Hitman3

Ich bin seit dem ersten Spiel der Reihe, damals noch unter dem Titel dem Titel „Hitman: Codename 47“ im Jahr 2000 erschienen, direkt indiziert und erst seit 2012 vom Index entfernt, ein großer Fan der Reihe. Das liegt besonders an der Ausrichtung als Sandbox, die viele unterschiedliche Spielstile zulässt, egal ob wir als Glatzen-Rambo durch die Levels sprinten, was meist zum Scheitern verurteilt ist, oder lautlos und am besten unerkannt als „Silent Assassinen“ die Levels meistern. Mit den Jahren kam die Reihe zwar mit „Hitman: Absolution“ etwas ins Straucheln, obwohl ich damit dennoch eine Menge Spaß hatte, doch hat mit dem Soft-Reboot, lediglich als “Hitman” betitelt, sich wieder gefangen. Und nachdem „Hitman 2“ die Formel meiner Meinung nach fast perfektioniert hatte, aber in Sachen Storytelling etwas zu wünschen übrig ließ, bringt Entwickler IO Interactive mit „Hitman 3“ die Saga um den Glatzköpfigen Killer zu einem Abschluss. Um herauszufinden, ob es sich dabei um einen würdigen Abschluss handelt, wurde mir das Spiel dankenswerterweise kostenfrei in der PS5-Version zu Reviewzwecken überlassen, was aber selbstverständlich keinen Einfluss auf meine Bewertung hat. 

Die Geschichte setzt genau dort an, wo der Vorgänger aufgehört hat und auch wenn es eine Zusammenfassung der Ereignisse der beiden Vorgänger gibt, so empfiehlt es sich wirklich diese ebenfalls gespielt zu haben, denn es kann sonst etwas schwer sein der Dramaturgie zu folgen und gleichzeitig verpasst man sonst einige wirklich spannende Anspielungen auf die vorherigen Teile. Denn hatte Agent 47 im ersten Teil noch im Auftrage für die Organisation ICA, die ihn zum Killer ausgebildet hat, durchgeführt, hat sich bereits im Laufe des zweiten Teils herausgestellt, dass die ICA korrumpiert wurde und Agent 47 und seine Betreuerin Diana Burnwood befinden sich seitdem auf der Flucht. Diese spitzt sich im dritten Teil nun dahin zu, dass Diana und Agent 47 sich pro aktiv auf die Jagd nach den Hintermännern, allem voraus den mysteriösen „Strippenzieher“, der als The Constant bezeichnet wird, machen, um endlich frei zu sein. Es versteht sich dabei fast von selbst, dass das aber nicht ohne den ein oder anderen Mord geschieht…

Eine Veränderung ist zwar offenbar, dass Agent 47 dabei mehr seine eigene Agenda verfolgt, doch spielerisch hat das nur wenige Auswirkungen. So gibt es, in gewohnter Form, sechs voneinander los gelöste Levels, die jeweils als Sandbox fungieren und es gilt in jedem Level eine, oder mehrere Ziele auszuschalten. Neu ist allerdings, dass wir nun vermehrt auch weitere Ziele haben, die dann jeweils mit der Narrative verknüpft sind, um zum Beispiel unsere Daten vom Server der ICA zu löschen, oder ähnliches. Das lockert das Spielgefühl zum einen auf und sorgt auch für größere Herausforderungen, denn bei diesen Missionen ist besonders Fingerspitzengefühl gefragt, um nicht entdeckt zu werden.

Die sechs Locations erstrecken sich unter anderem über einen Wolkenkratzer in Dubai, einen aristokratischen Landsitz in England, oder sogar einen riesigen Nachtclub in Berlin. Jedes Areal ist dabei grundlegend verschieden aufgebaut, beinhaltet eigene Gegner, Spielmechaniken und pro Level zwischen 20 und 80 (!!!) Herausforderungen,  die es anzugehen gibt. Ein besonderes Highlight stellen dabei England und Berlin dar, wo wir in England zum Beispiel einen Mord in bester Agatha Christie-Manier lösen können und in Berlin einen exklusiven Nachtclub in einer alten Fabrikhalle infiltrieren müssen, der wahrscheinlich an das sagenumwobene Berghain angelehnt ist. Bei letzterem ist eine besondere Herausforderung, dass wir unsere 5 Zielpersonen erst einmal finden und identifizieren müssen und wir ohne Handler agieren, sprich vollkommen auf uns alleine gestellt sind. Doch auch die anderen Levels sind wirklich toll geworden und jedes Level hat dabei eine eigene Identität und jede Menge Dinge zu entdecken.

Denn darüber muss man sich bei einem Hitman im Klaren sein: Das Spielprinzip ist anders, als bei anderen Spielen, denn auch wenn wir einen Auftragsmörder spielen, hat das Spiel ein sehr reduziertes Tempo und erfordert eine gewisse Hingabe. Zwar können wir auch versuchen mit gezogener Waffe durch die Level zu rennen, werden aber wahrscheinlich wenig Erfolg haben, da Agent 47 in wenigen Schüssen stirbt. Stattdessen müssen wir methodisch vorgehen, das komplette Areale und die Bewegungsmuster der Zielpersonen und unbeteiligten NPCs analysieren, bis sich eine perfekte Gegebenheit ergibt zuzuschlagen. Die Perfektion besteht dann darin die Levels immer wieder zu spielen, bis man alle denkbaren und undenkbaren Möglichkeiten vorzugehen ausgeschöpft hat. Erst damit entfaltet das Spiel sein komplettes Potential, wo hingegen man es sonst vielleicht eher als zu kurz abtun würde, da es rein theoretisch möglich ist alle Missionen in weniger als 3 Stunden zu beenden. Erspielt man allerdings auch alle Herausforderungen ist man locker pro Level +5 Stunden beschäftigt.

Von der technischen Seite gibt es kaum etwas Neues zu berichten. Das Spiel setzt auf die exakt gleiche Engine und Mechanik, wie die beiden Vorgänger und erweitert das Spiel nur rudimentär. So hat 47 nun zwar ein Smartphone im Gepäck, das er zum Fotografieren, aber auch Hacken verwenden kann, doch das waren die Neuerungen an sich auch schon. Allerdings warum sollte man etwas reparieren, was gar nicht kaputt ist? Jedoch bringt den Umstand mit sich, dass der Wow-Effekt auf der Nextgen eher ausbleibt. Zwar brilliert das Spiel mit dichten Menschenmassen, detaillierten Arealen und tollen Licht- und Schatteneffekten, aber es ist im Grunde nichts dabei, was man nicht schon aus den Vorgängern kennt.

Natürlich sind die Texturen auf der PS5 etwas schärfer und die Ladezeiten etwas kürzer, doch das fällt im Grunde nur im Direktvergleich wirklich auf. Dabei ist aber lobenswert hervorzuheben, dass die PS4-Version ein kostenloses Upgrade auf die PS5 beinhaltet, was eindeutig ein feiner Zug ist. Auf der PS5 muss dazu jeweils ein für Besitzer der vorherigen Spiele kostenloser, Access-Pass im Store „gekauft“ werden, was sowohl bei meiner digitalen Version von Teil 1 und der Retail-Version von Teil 2 ohne Probleme funktioniert hat. Bei der Retail-Version muss man allerdings darauf achten, dass diese installiert sein muss, um die Lizenz zu erkennen.

Nicht so schön ist allerdings, dass „Hitman 3“ eine aktive Internetverbindung voraussetzt. Das war zwar beim Vorgänger auch schon der Fall, ist aber in Single-Player-Spielen, die lediglich über eine vollkommen optionale Online-Komponente verfügen, nicht angebracht. Zumal man offline noch nicht mal Punkte für abgeschlossene Herausforderungen gutgeschrieben bekommt und die Server pünktlich zum Release einen kompletten Tag down waren. Doch das sollte nun ausgestanden sein, denn seit kurz nach dem Release habe ich keinerlei Einschränkungen mehr feststellen können. Man kann sogar seinen Spielstand vom Vorgänger, inklusive Charakter-Level und freigeschalteten Trophäen in das neue Spiel übernehmen, was allerdings nur einmalig und nur innerhalb des gleichen Konsolenherstellers funktioniert, Generationen-übergreifend ist allerdings kein Problem.

Wer die Vorgänger besitzt kann sogar die Levels des Vorgängers, samt DLCs, in das neue Spiel importieren. Ich will mir gar nicht ausmalen, was für eine lizenzrechtliche Achterbahnfahrt es gewesen sein muss, das möglich zu machen, da alle drei Teile der Reihe jeweils von einem anderen Publisher betreut wurden. Zwischen den Levels bekommen wir immer wieder kurze Story-Abschnitte präsentiert, die die allgemeine Narrative vorantreiben und insgesamt einiges mehr an Fahrt aufgenommen haben, als noch in den Vorgängern. So gibt es einige Szenen, die überaus schockierend sein können und die ich aus Spoilergründen selbstverständlich nicht genauer thematisieren kann, doch gerade weil die Story immer als einer der Hauptkritikpunkte der Vorgänger gewertet wurde, sollte man es dennoch kurz erwähnen. Es ist zwar immer nicht mit einem Story-lastigen-Spiel à la „The Last of Us Part 2“ vergleichbar, hat mich aber bis zum Ende wirklich gut unterhalten und sogar in einigen Szenen mitfiebern lassen.

Ein besonderes Bonbon bietet noch die PS4-Version des Spiels, die neben dem identischen Umfang der PS5-Version noch einen zusätzlichen VR-Modus enthält, indem man alle für das jeweilige Benutzerkonto verfügbaren Levels aller drei Teile komplett in VR spielen kann. Das ist zwar stellenweise auf Grund des Unsinns, den man in VR anstellen kann, unfreiwillig komisch, funktioniert aber überraschend gut. Merkwürdig ist dabei nur, dass dieser Modus auf die PS4-Version beschränkt wird und selbst wenn man das Spiel auf der PS5 spielt, muss man die PS4-Version installieren, um auf VR zugreifen zu können. Leider lässt sich der Modus nur mit einem normalen Controller spielen, da die Move-Controller einfach nicht genug Knöpfe zur Verfügung haben, doch funktioniert dennoch überraschend gut. Gleiches gilt für die Optik, auch wenn die Spiele natürlich nicht mehr so schick aussehen, wie in der klassischen Ansicht, merkt man kaum, dass die Spiele nicht ursprünglich mit dieser Funktion im Hinterkopf entwickelt wurden, was besonders in Hinsicht auf die Levels von Teil 1 und 2 eine tolle Leistung ist.

Insgesamt ist „Hitman 3“ ein wirklich tolles Spiel geworden, obwohl man es im Grunde in Verbindung mit den ersten beiden Teilen der neuen Trilogie sehen muss, denn nur dann bekommt man das Gesamtbild. Die Spielmechanik ist mittlerweile perfektioniert und der wahre Star des Spiels sind die umfangreichen und detailverliebten Areale. Man kann getrost mehrere Stunden damit verbringen die Areale zu erforschen und wird bestimmt auch dann noch kleine Kniffe und Easter Eggs aufdecken. Wer allerdings „nur“ einen klassischen Shooter erwartet und von Level zu Level sprintet, für den ist das Spiel auf keinen Fall etwas. Hitman erfordert Hingabe, Beobachtungsgabe und Geduld, wie selten ein anderes Schleichspiel zuvor, da es an uns als Spieler liegt, wie viel Inhalt die Levels wirklich bieten. Wer sich auf das langsamere Spielgefühl einlässt und bereit ist die Levels intensiv zu erkunden, oder gar mehrfach zu spielen, der wird mit so viel Inhalt entlohnt, dass man einiges an Zeit mit dem Spiel verbringen kann. Ich selbst habe es mir auch nach dem einmaligen Durchspielen nicht nehmen lassen alle Levels nochmal bis zum maximalen Rang zu spielen, alle Herausforderungen freizuspielen und auf dem Weg unzählige Waffen, Verkleidungen, unterschiedliche Startpositionen, Abkürzungen und Ausrüstungsgegenstände freizuschalten, die man mit ins Level bringen kann. Wenn IO Interactive genauso viel Hingabe in ihr aktuell angekündigtes 007-Projekt steckt, steht uns auf jeden Fall auch dort genauso ein Hit ins Haus, wie mit „Hitman 3“.   

Entwickler: IO Interactive

Publisher: IO Interatcive / Square Enix

Erhältlich auf: PC (Epic Games), PS5, PS4, Xbox One, Xbox Series X/S

NB@05.02.2021

——— Hinweise & Disclaimer: ———

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