PS4 Review: „Telling Lies“ #TellingLies #FMV

Es ist wahrscheinlich keine Überraschung, doch ich liebe FMV-Spiele. Diese Kombination aus Film und Spiel hat mich begeistert seit die CD-Rom Einzug in den Spielebreich gefunden hat und auf Grund des großen Speichers mit Filmszenen experimentiert wurde. Moderne Spiele sind selbstverständlich nicht mit diesen ersten Gehversuchen vergleichbar und bieten heutzutage viel mehr Production Value, als noch in den 90ern. Das beste Beispiel ist dafür „Telling Lies“, das nicht nur auf dem Niveau von Pay-TV-Sendern gedreht wurde, sondern mit Logan MarshallGreen auch Star-Power im Gepäck hat.

Entwickelt wurde das Spiel von Regisseur und Game Designer Sam Barlow, der sich bereits mit dem Überraschungserfolg „Her Story“ einen Namen im Genre gemacht hat. Im Direktvergleich sieht man „Telling Lies“ an, dass das Budget um einiges höher war, was sich in unterschiedlichen und professionellen Sets, guten Schauspielern und letztendlich auch einem ausgefeilten Drehbuch, zeigt. Und dann ist da natürlich auch noch Logan MarshallGreen, den man unter anderem aus „Devil“, “ Prometheus“, oder auch „Spider-Man: Homecoming“ kennt und der das Spiel dazu noch mitproduziert hat.

Spielerisch greift das Spiel das von „Her Story“ bekannte Konzept auf und entwickelt es konsequent weiter. Wir sehen das Geschehen durch die Augen einer jungen Dame, die aus zunächst unbekanntem Grund in den Besitz eines USB-Sticks mit Videoaufnahmen gekommen ist und diesen an ihrem PC untersucht. Wir haben die dabei sogar die komplette Freiheit die unterschiedlichen Programme und Dokumente auf ihrem Desktop zu durchsuchen, während wir ihr Spiegelbild schemenhaft in der Reflektion des Monitors sehen, was ein überaus nettes Detail ist. Da die Aufnahmen allerdings verschlüsselt sind haben wir ein Problem: Wir bekommen immer nur lediglich fünf Videos angezeigt, die über ein Schlagwort-System in nicht chronologischer Form angeordnet sind. Den Anfang macht unsere unbekannte Protagonistin mit dem Wort „Liebe“ und danach sind wir auf uns alleine gestellt und müssen versuchen über die Videos herauszufinden, wer die Personen sind, die in den Videos zu sehen sind und was eigentlich passiert ist.

Das geschieht über ein ziemlich simples, wie nichts desto trotz geniales Feature, denn wir können die Begriffe zwar wahlweise einfach eingeben, doch können ebenso einzelne Begriffe und ganze Sätze in den Videos, die wir ansehen markieren und als neue Suche verwenden. Ein besonderer Twist ist dabei zusätzlich, dass die Videos immer nur den Teil einer Konversation darstellen und wir eben nur einen Teil ansehen. Gerade am Anfang mag das zwar recht verwirrend wirken, beflügelt aber unseren gleichermaßen unseren Nachforschungsdrang, während wir die Videos ansehen, nach Bedarf vor- und zurückspulen, um dann ein interessantes neues Schlagwort zu identifizieren, das uns behilflich sein kann die Geschichte zu begreifen.

Bald stellt sich heraus, dass die Daten von der NSA stammen und die Videos, die vier unterschiedliche porträtieren, scheinen trotz anfangs scheinbar nicht miteinander in Verbindung, dennoch Überschneidungen zu haben. Und auch wenn das Spiel einer vorgesehen Handlungsabfolge mit Einleitung, Hauptteil und Schluss folgt, so liegt es an uns wie viel wir in dieser Zeit von der Narrative herausfinden, wovon ich selbstverständlich nichts spoilern werde, denn es macht wirklich Spaß immer tiefer in die Geschichte einzudringen und nach und nach herauszufinden, was sich genau zugetragen hat.

Spielerisch ist das alles zwar wenig anspruchsvoll, da man im Grunde nicht mehr tut als Videos zu schauen, dabei nach sinnvollen Schlagworten Ausschau hält und für sich selbst versucht herauszufinden, was genau passiert ist. Auf dem Desktop finden wir neben dem Videoplayer auch ein Notepad, für unsere optionalen Notizen und allerlei andere Anwendungen, sogar eine Version von Solitär hat es ins Spiel geschafft und ist voll spielbar. Das Highlight sind aber die hochwertig produzierten Videos, von denen es insgesamt eine ganze Menge gibt. Natürlich ist nicht jedes Video unbedingt notwendig, um zu verstehen, was passiert ist, doch zuvor weiß man das eben nicht. Die Schauspieler machen ihre Aufgabe wirklich gut und auch wenn ad hoc Logan Marshall-Green der einzige Schauspieler ist, der mir auf Anhieb etwas gesagt hat, so haben die anderen Schauspieler, bereits auch in Filmen und Serien mitgespielt. So findet man in weiteren Rollen Alexandra Shipp, aus „X-Men: Dark Phoenix“, Angela Sarafyan aus „Westworld“, oder Kerry Bishé aus der letzten Staffel „Scrubs“. – Alles in allem also kein schlechter Cast.  

Die Steuerung an der Konsole geht auch vollkommen in Ordnung, auch wenn sich das Spiel am PC natürlich intuitiver steuern lässt. Allerdings hat man sich dennoch einige Gedanken gemacht, wie man das Spiel sinnvoll auf eine Konsole portieren kann und steuert so den Curser auf dem Desktop mit dem Analogstick und hat aber in den Videos die Möglichkeit über die Schultertasten vor- und zurück zu spulen und mittels Analogstick Wörter und Sätze zu highlighten, ohne dabei umständlich Buchstabe für Buchstabe zu markieren. Hier hat man durchaus mitgedacht. Einzig das Notepad, das für Notizen da ist, ist eher ein Kampf, sofern man keine externe Tastatur angeschlossen hat, da man sonst jedes Wort über die Bildschirmtastatur eingeben muss. Da ist es einfacher entweder einen Block neben sich zu legen, oder das eigene Smartphone zur Hand zu nehmen, wenn man sich etwas notieren möchte, von dem ich persönlich aber keinen Gebrauch gemacht habe. Wo aber selbst die besten Notizen und auch die Steuerung nicht mehr hilft ist, wenn einem die Ideen ausgehen, was man noch suchen kann. An diesen Stellen kann es durchaus zu Frustmomenten kommen, wenn man sich gefühlt mit den Treffer-Videos mehr oder minder im Kreis dreht. Hier wäre eine Hilfefunktion nicht ganz verkehrt, da die Alternative dann entweder heißt im Internet nachzuschauen, eigene, teils abstruse Schlagworte einzugeben, oder bereits gesehene Videos über den Verlauf nochmal zu schauen, bis einem doch noch ein Schlagwort auffällt, das man noch versuchen könnte.

Insgesamt hatte ich wirklich Spaß mit dem Spiel, auch wenn ich mir selbst stellenweise gewünscht hätte etwas mehr an die Hand genommen zu werden. Denn theoretisch ist es möglich das Spiel zu beenden, ohne in irgendeiner Weise herausgefunden zu haben, was passiert ist, wenn man durch Zufall ein paar richtige Videos anklickt. Dennoch ist das Spiel ein überaus interessantes Experiment, wie man die Medien Film und Spiel miteinander kombinieren kann und ist auf Grund seines immens hohen Production Values nicht mal annähernd von den FMV-Spielen der 90er zu vergleichen. Das spannende Rätselspiel lässt uns selbst Detektiv spielen und befriedigt zugleich die voyeuristische Neigung, die fast jeder von uns in irgendeiner Form inne hat, um durch den intimen Einblick in die Leben fremder Menschen herauszufinden, was sich genau zugetragen hat, was das Schicksal der Personen ist, warum sich die Videos auf einem Speichermedium der NSA wiederfinden und letztendlich was Wahrheit und was Lüge ist. Immerhin heißt das Spiel ja nicht ohne Grund „Telling Lies“…

Entwickler: Sam Barlow / Furious Bee

Publisher: Annapurna Interactive

Erhältlich auf: PC, PS4, Xbox One, Nintendo Switch

 NB@10.02.2021

——— Hinweise & Disclaimer: ———

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Die verwendeten  Bilder und/oder Screenshots wurden, wenn nicht anders angegeben, vom Autor selbst erstellt und dienen zur Unterstützung des Berichtes. Das Copyright an der dargestellten Sache, bzw. dem Spiel bleibt davon selbstverständlich unberührt und verbleibt beim ursprünglichen Rechteinhaber.

Ein Kommentar

  1. An dieser Stelle übrigens noch ein Hinweis: Wer die Steam-Version des Spiels hat sollte durchaus mal in den Foldern des Spiels nach dem Ordner „Videos“ Ausschau halten, denn dort finden man alle Clips des Spiels, chronologisch geordnet und kann sie mit jedem x-beliebigen Videoplayer abspielen. Und wenn man den Player zweimal öffnet und zwei zusammengehörende Videos startet, sogar mitsamt des Kompletten Gesprächsverlaufs… 😉

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