PS5 Review: „Mortal Shell – Enhanced Edition“ #MortalShell #Soulslike

Dass Indies nicht mit „billig“ gleichzusetzen sind, ist spätestens seit dem überragenden „Hellbade: Senua’s Sacrifice“ und dem tollen „Mortal Shell“ kein Geheimnis mehr. Besonders letzteres Spiel hat gezeigt, dass selbst ein kleines Team kann, sofern es genug Hingabe hat, auch mit kleinem Budget durchaus beeindruckende Spiele auf die Beine stellen, die selbst große Titel mit Teams in den Schatten stellen. Damals hatte mich das Spiel wirklich kalt erwischt, indem ich es erst über einen Twitter-Post kennengelernt habe und es im ersten Moment für ein neues Dark Souls gehalten habe. Und genau das hat „Mortal Shell“ so besonders gemacht, denn wo Dark Souls-Entwickler From Software mittlerweile nahezu 300 Mitarbeiter stark ist, wurde „Mortal Shell“ in der Hochphase von gerade mal 15 Leuten entwickelt, von denen aber lediglich 4 Leute zum Kernteam zählten und der Rest lediglich stundenweise mitgearbeitet hat. Das klingt alles mehr als abstrus und war für mich der Grund sich die Zähne an dem Souls-Like auszubeißen. Und da seit dem Release einige Zeit vergangen ist und in der Zwischenzeit sogar neue Konsolen veröffentlicht wurden, hat Entwickler Cold Symmetry sich nochmal intensiv mit dem Spiel beschäftigt, um eine Nextgen-Version herauszubringen. Diese hört dieses Mal auf den Zusatz „Enhanced Edition“ und soll nach eigener Aussage komplett auf die Möglichkeiten der neuen Konsolengegenration zugeschnitten sein, Grund genug sich das Spiel einmal ganz genau anzusehen, das mir freundlicherweise vom Publisher für das Review zur Verfügung gestellt wurde. Einen Einfluss hat dieser Umstand aber selbstverständlich nicht auf meine Bewertung.

Seit seinem Release hat sich das Spiel vom Geheimtipp zur ernstzunehmenden Konkurrenz für andere Souls-Spiele avanciert und viele Fans für sich gewonnen. Und das obwohl, oder vielleicht auch gerade weil es uns zu keiner Zeit an die Hand und wirft uns direkt ins kalte Wasser. Wir erfahren weder einen genauen Kontext, wer wir sind, in welcher Welt wir uns befinden und bekommen auch keinerlei Hilfestellung in Form von Quest-Beschreibungen, oder ähnlichem. Wenn man nicht genau aufpasst und den ein oder anderen subtilen Hinweis in Form eines Kameraschwenks nicht mitbekommt, kann man im Grunde sogar ohne die wichtigsten Ausrüstungsgegenstände durch die Welt ziehen und wird schnell, bzw. eher früher als später, das zeitliche segnen, da man sonst nicht kontern kann…

Doch worum geht es eigentlich? – Wir steuern einen körperlosen Geist, eine schemenhafte Gestalt ohne jegliche Erinnerung an ihr Leben und kämpfen uns von der Welt der Toten wieder in die Welt der Lebenden, wo wir die sterbliche Hülle (= Mortal Shell) von gefallenen Kriegern einnehmen können, die wir dann durch die düsteren Lande steuern und uns sowohl deren Körper, wie aber auch die speziellen Fähigkeiten zu Nutze machen. Insgesamt gibt es davon vier unterschiedliche Kämpfer, die wir beherbergen können und die jeweils ihre eigenen Fähigkeiten, samt Skills, was das Spiel dabei etwas von anderen Vertretern des Genres abhebt. So müssen wir uns nicht händisch auf ein Setup festlegen, sondern können unterschiedliche Stile ausprobieren und je nach Situation auch hin- und herwechseln, sofern wir die Hüllen bereits gefunden haben.

Den Anfang macht der etwas langsame, aber dafür gut ausbalancierte Harros, ein Ritter, der zum Beginn leider für eine ziemlich hohe Lernkurve sorgt, da bei wenigen Treffern das zeitliche segnet. So braucht es etwas anfängliche Hingabe, bis man mit der leicht verzögerten Steuerung soweit verinnerlicht hat und nicht jeder kleine Gegner eine tödliche Bedrohung darstellt. Doch mit anderen Charakteren sieht das dann schon ganz anders aus, wie Wechsel zur zweiten Hülle, Tiel deutlich machte. Er hat viel mehr Stamina für Schläge und Ausweichmanöver, was die Kämpfe, zumindest für mich, einfacher gestaltete. Weiter gibt es noch Eredrim, der zwar einen riesigen Lebensbalken, dafür kaum Stamina hat die vierte Hülle Solomon, der aber ziemlich kräftig ist und gleichzeitig ein großes Repertoire an Special Moves im Gepäck hat. Jeder Charakter kommt dabei mit eigenen Moves, Ausrüstungsgegenständen und einem eigenen Skill Tree daher, weswegen man besonders am Anfang genau überlegen sollte für was man die hart-verdienten Ressourcen ausgibt. So empfiehlt es sich erst einmal die unterschiedlichen Charaktere auszuprobieren, um herauszufinden welcher einem am ehesten liegt.

Entgegen anderer Souls-Spiele bietet „Mortal Shell“ eine interessante Second Chance-Mechanik, denn vor dem endgültigen Ableben, die uns zum letzten Speichern zurücksetzt, bekommen wir davor noch eine zweite Chance: Wenn unser Lebensbalken aufgebraucht ist sterben wir nicht sofort, sondern wir werden aus der Hülle herausgeschleudert und können entweder in unserer schwachen Form weiterkämpfen, versuchen wieder in die Hülle zu steigen, oder laufen feige davon. Alles valide Optionen, die je nach Situation angebracht sein können und immer noch besser sind, als direkt zu sterben und am letzten Speicherpunkt aufzuwachen. – Denn wie bei den anderen Souls-Spielen verlieren wir dabei unseren eingesammelten Vorrat an „tar“ und „glimpse“, was das Äquivalent zu den Seelen darstellt und als Währung für das Aufleveln und Einkaufen verwendet wird. Nach dem Ableben haben wir die Gelegenheit unseren Verlust am Punkt des Todes wieder einzusammeln, doch sterben wir vorher noch einmal, ist beides für immer verloren. Um tar und glimpse zu sichern müssen wir speichern, was aber auch in typischer Genre-Tradition die Gegner respawnen lässt und daher sparsam eingesetzt werden sollte.

Setzen andere Souls-Likes in Punkto Waffen auf Masse statt Klasse, geht man hier in die andere Richtung, denn so gibt es in „Mortal Shell“ nur vier unterschiedliche Waffen zu entdecken, von denen wir die erste im Intro bekommen und die anderen jeweils einem Boss abluchsen müssen. Dafür gibt es aber auch noch eine komplett eigene Mechanik in Form des sogenannten „Harden“-Systems. Das erlaubt es uns nämlich uns kurzzeitig in eine Steinfigur zu verwandeln, die einen Schlag absorbieren kann, was sich sogar taktisch in Kombos einbauen lässt. Natürlich unterliegt das einem Cooldown, weswegen man das entsprechende Timing braucht und die Fähigkeit nicht spammen kann, was am Anfang wirklich etwas Übung braucht.

(c) Cold Symmetry / Playstack

Bereits die Veröffentlichung auf der (mittlerweile) letzten Konsolengeneration konnte sich durchaus sehen lassen und bestach durch düsteres, wie auch detailliertes Charakter- und Weltendesign. Und entgegen der größten Inspirationsquelle von der Souls-Reihe, wird in Sachen Weltendesign eher Zelda referenziert, da wir neben der Hub-Welt in drei ziemlich unterschiedliche Dungeons reisen, die jeweils mit ihrer eigenen Identität aufwarten. Zwar ist das Spiel alles andere als leicht und die Entwickler haben eine etwas perfide Vorliebe Gegner im toten Winkel als Hinterhalt zu platzieren, doch mit etwas Eingewöhnungszeit erkennt man diese faulen Tricks. Die Welt bietet eine Menge zu entdecken und große Teile der Geschichte eröffnen sich auch nur durch ebendiese Erkundung, das Lesen von verstreuten Dokumenten und die Interpretation von allen, was man findet.

(c) Cold Symmetry / Playstack

Die Enhanced Edition setzt dem bereits hohen Niveau noch eins drauf und bietet gleich zum Einstieg zwei unterschiedliche Modi, aus denen man wählen kann. So unterscheidet man zwischen Performance- und Grafik-Modus. Ersterer opfert zwar ein paar Details bei einer variablen 4K-Auflösung, bietet dafür aber solide 60fps. Der Grafik-Modus packt die Leistung hingegen in die Auflösung und locked die Framerate hingegen bei 30fps. Entgegen anderer Spiele fällt die höhere Auflösung wirklich auf und die Spielwelt, so eklig sie auch teilweise aussieht, weist merklich mehr Details auf. Besonders schön hat mir auch die Integration des Dual Sense-Controllers gefallen, die uns als Spieler mehr in das Spielgeschehen einbindet, da die Trigger mit ihrem haptischen Feedback auf Schläge reagieren und der Lautsprecher des Controllers gespenstiges Flüstern, oder unseren Herzschlag wiedergibt. Manche tun dieses Features zwar immer noch als sinnlose Spielerei ab, doch ich finde es persönlich immer schön, wenn die Entwickler Gedanken machen, wie man derartige Features sinnvoll implementieren kann, um damit für noch mehr Immersion zu sorgen.

Meine erneute Zeit mit „Mortal Shell“ hat mir wieder mal verdeutlicht, wie nah Freund und Leid manchmal beieinander sind. Und dennoch überwiegt selbstverständlich die Freude eines herausfordernden Spieles. Auch wenn der Einstieg etwas steinig sein kann, gerade da die erste Hülle, die sich uns bietet, nicht unbedingt die beste Wahl für den Anfang ist und man sich darauf einstellen sollte, dass man gerade zu Beginn viele Bildschirm-Tode erleben wird, bis man die Steuerung entsprechend verinnerlicht und die anderen Hüllen gefunden hat. Diese sind alle nicht weit von Start entfernt, doch etwas versteckt. Doch spätestens danach begeistert das düstere Setting mit seinem ganz eigenen Charme und besonders wenn man sich vor Augen führt wie klein das Entwicklerteam wirklich war, ist das Ergebnis mehr als herausragend und muss sich nicht hinter den Genre-Größen verstecken. Wer das Spiel auf der Lastgen verpasst hat, sollte auf jeden Fall zuschlagen, zumal es direkt zu Release zum mittleren Preis von um die 30 Euro zu haben ist. Und wer das Spiel auf der Lastgen gespielt hat und eine PS5 (oder Xbox Series X/S) sein Eigen nennt, der sollte es sich durchaus auch nochmal ansehen, zumal die neue Version dann als kostenloses Upgrade zur Verfügung steht, sofern man in der gleichen Konsolenfamilie bleibt.

Entwickler: Cold Symmetry

Publisher: Playstack

Erhältlich auf: PS5, Xbox Series X/S

NB@22.03.2021

——— Hinweise & Disclaimer: ———

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Die verwendeten  Bilder und/oder Screenshots wurden, wenn nicht anders angegeben, vom Autor selbst erstellt und dienen zur Unterstützung des Berichtes. Das Copyright an der dargestellten Sache, bzw. dem Spiel bleibt davon selbstverständlich unberührt und verbleibt beim ursprünglichen Rechteinhaber.

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