PS5 Review: „Marvel’s Avengers“ #MarvelsAvengers #Avengers

Auch wenn ich persönlich eine Menge Spaß mit „Marvel’s Avengers“ hatte, so muss ich selbst auch zugeben, dass ich nach dem Durchspielen der Kampagne das Spiel nicht mehr wirklich weiterverfolgt hatte, da zum Release das Endgame nicht besonders ausgereift war und man schnell an einem Punkt angekommen ist, wenn man nur noch die gleichen Missionen auf unterschiedlichen Schwierigkeitsgraden spielen konnte. Zwar hat Square Enix einige wirklich interessante Pläne in ihrer Roadmap angekündigt, aber die Veröffentlichung der Inhalte, sowie die native Nextgen-Version war noch Zukunftsmusik. Das hat sich nun aber geändert und knapp ein halbes Jahr nach dem ursprünglichen Launch ist die Nextgen-Version erschienen, die ich mir nochmal von Anfang an auf der PS5 mit all den Inhalten, die es in der Zwischenzeit gibt, angesehen habe. Besonders schön ist dabei, dass alle Inhalte und die Nextgen-Updates für die Besitzer der PS4– und Xbox One-Version kostenfrei sind.

Auch wenn man im Spielverlauf in die Haut der klassischen MCU-Helden, wie Thor, Iron Man, Hulk, Black Widow und weiterer, die ich aus Story-Gründen nicht spoilern möchte, schlüpft, ist die eigentliche Hauptfigur der ersten Spielstunden: Kamala Kahn, alias Miss Marvel, sowohl bevor, wie auch nachdem sie Superkräfte bekommt. Es ist kein Geheimnis, dass Entwickler Crystal Dynamics, das Studio hinter der Tomb Raider-Prequel-Trilogie, gekonnt starke weibliche Charaktere in Szene setzt und „Marvel’s Avengers“ ist davon keine Ausnahme. In der Haut von Kamala erleben wir sowohl die Feierlichkeiten des Avengers Day-Festes, wie auch die Katastrophe, der wir schon in der Beta beiwohnen durften, insgesamt nur ausführlicher und mit dem interessanten Perspektivwechsel zwischen Fan und Helden. Denn erst nachdem wir den Festplatz erkundet haben und dabei zufällig einem merkwürdigen Gespräch zwischen beiwohnen, das irgendwie schwer nach einer Verschwörung klingt, wir aber zu diesem Zeitpunkt der Geschichte nicht einordnen können, beginnt die geskriptete Intro-Sequenz, die wir aus der Beta kennen, als eine Gruppe militaristischer Terroristen unter Leitung des fiesen Taskmaster beginnt die Stadt ins Chaos zu stürzen. Wir schlüpfen danach in mehreren aneinander gehängten Sequenzen in die Schuhe von ThorIron ManCaptain AmericaHulk und letztendlich Black Widow, bis wir Taskmaster in einem Bosskampf besiegen und die Gefahr vermeintlich gebannt ist.

Doch das ist weit gefehlt, denn das Ganze scheint nur ein Ablenkungsmanöver gewesen zu sein und irgendjemand im Hintergrund zieht dabei die Fäden. Der neue Helicarrier, genannt Chimera, der im Rahmen des Festes eingeweiht wurde, explodiert in einer radioaktiven Druckwelle, die Captain America in den Tod reißt. Durch die Radioaktivität wird nicht nur die Stadt restlos zerstört, sondern  viele Menschen verlieren entweder ihr Leben, oder werden plötzlich mit Superkräften ausgestattet, die man zukünftig als. „Inhumans“ bezeichnet. In Folge dieser Ereignisse, die als A-Day in die Geschichte (des Spiels) eingehen sollen, werden die Avengers aufgelöst und jeder Mensch mit besonderen Kräften steht von dort an unter Beobachtung von AIM, einer Gesellschaft unter Leitung des renommierten Wissenschaftlers Dr. George Tarleton (alias M.O.D.O.K., dessen Verwandlung wir im Spiel beiwohnen dürfen), die die Kontrolle übernimmt. Fünf Jahre später gelangt Kamala durch Zufall in den Besitz eines Videos, das zeigt, dass die Ereignisse am A-Day und der Tod von Captain America keinesfalls ein Unfall waren, was sie selbst aber in den Fokus von AIM geraten lässt, die beginnen sie zu jagen, um ihr das komprimierende Material abzunehmen. Ihr bleibt lediglich die Flucht nach Vorne und sie beginnt nach einem Widerstand zu suchen, den es gegen das bestehende Regime geben soll, was sie nach kurzer Zeit auf Bruce Banner stoßen lässt, mit dessen Hilfe sie beginnen die Avengers wieder aufleben zu lassen, um die genauen Hintergründe der Verschwörung aufzudecken und die Menschheit vor ihrer größten Bedrohung zu beschützen…

Wie bereits im Rahmen der Beta vermutet, sind die Missionen innerhalb der Beta im finalen Spiel nicht direkt aneinander angeschlossen, was für sehr holprige Übergänge gesorgt hat. Im fertigen Spiel klappt das sehr viel besser und wir haben nicht nur mehr Zeit für Charakterentwicklung, sondern gerade der ausführlichere Einstieg steht dem Spiel sehr viel besser. Zwar gibt es dennoch auch immer mal wieder Missionen, die mehr als Füller anmuten, wo wir fast schon generische Missionsziele, wie „Verteidige einen Punkt X Minuten“, oder „Besiege alle Gegner an einem Ort“, doch da sich diese Missionen mit den bombastisch-inszenierten Setpieces, wie eine frühe Mission, in der wir erst Tony Stark rekrutieren und dieser sich danach durch sein Familienanwesen kämpfen muss und Stück für Stück einen (sehr provisorischen) Iron Man-Anzug zusammenbauen muss, während das Haus immer mehr dem Erdboden gleich gemacht wird.

Gerade diese Missionen sind das absolute Highlight und lassen uns nach und nach in die Rollen der unterschiedlichen Avengers schlüpfen, die jeweils ihre eigenen Fähigkeiten haben. Spielerisch ist das Spiel ein 3rd-Person-Actionspiel, das optisch an die Arkham-Reihe erinnert, auch wenn das Kampfsystem mehr die Züge eines Brawlers hat. Jede Figur verfügt über eine ähnliche Grundsteuerung mit leichter und schwerer Attacke, einem Konter- und Ausweichmove, sowie 3 Spezialattacken, die einem Cooldown unterliegen. Charaktere wie Iron Man, der sich im Grunde absolut identisch zu den Javelins aus „Anthem“ steuert, können fliegen und sind allgemein eher für den Fernkampf angelegt und andere, wie der Hulk sind eher fürs Grobe. Jeder Held hat ein eigenes Fortschrittssystem und kann durch gefundenes Loot verbessert, oder personalisiert werden. – Richtig gelesen, das Spiel ist kein normales Actionspiel, sondern ein Looter, was durch unterschiedlich-farbiges Loot mit Seltenheitsstufen in Ansätzen an die The Division-Reihe erinnert, obgleich selbstverständlich nicht so komplex. Und leider gibt es auch keine optische Veränderung, je nachdem welches Loot wir ausgerüstet haben, was ich immer überaus schade finde, wenn man in den Menüs beispielsweise den tollsten Brustpanzer oder Powerglove auswählt und sich das gar nicht auf den Avatar auswirkt. Im Rahmen der Kampagne kommt das an sich, wenn man mal davon absieht, dass man gefühlt kaum zwei Meter laufen kann, ohne neues Lobt zu finden, aber kaum zum Tragen. Anders sieht das aber im Multiplayer aus, der zwar separat vom Hauptmenü auswählbar ist, aber im Grunde eher das Endgame (nicht zu verwechseln mit dem Film) des Spiels darstellt und auf den ich gesondert eingehen werde.

Die allgemeine Inszenierung ist sehr hochwertig und orientiert sich dabei stark an den Kinofilmen, obwohl die Geschichte davon losgelöst ist und auch Charaktere auftreten, die man aus den Filmen, zumindest zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht kennt, wie unter anderem der hauptsächliche Antagonist M.O.D.O.K., oder auch der Taskmaster, dem man ja schon in der Beta gegenüber stehen durfte. Dennoch mutet es nach wie vor merkwürdig an, dass zwar die Lizenz und die allgemeine Bildsprache, bzw. Ästhetik der Filme, aber nicht die Stimmen und das Aussehen der Darsteller aus den Filmen verwendet wurde. Zwar sind die echten Stimmen ohnehin eher eine Seltenheit, doch das Aussehen stört am Anfang und hat sich erst nach den ersten Spielstunden langsam gelegt, bis es mir gegen Ende gar nichts mehr ausgemacht hat. Gleiches gilt auch für die Sprecher, denn anfangs hat mich die Wahl der Sprecher leider etwas rausgerissen, da man bekannte Sprecher in den tragenden Rollen verwendet hat. So werden Tony Stark/Iron Man von Nolan NorthBruce Banner/Hulk von Troy Baker und Natasha Romanow/Black Widow von Laura Bailey gesprochen und irgendwie hat man dann immer deren andere Rollen vor Augen, was mir vorher noch nie so gegangen ist. So ist es geradezu komisch, wenn Bruce Banner sogar „Kiddo“ sagt, was dann sofort eine Assoziation mit Joel aus der The Last of Us-Reihe heranzieht.

Doch was hat sich in Sachen Endgame geändert, für das es zum Release leider schmerzhaft wenig Inhalt gab, wenn man nicht bereit war die immer gleichen Levels auf unterschiedlichen Schwierigkeitsgraden zu spielen, um Loot zu farmen. Denn nicht nur gibt es seitdem mehr zufallsgenerierte Missionen, sondern auch größere Bereiche, die es nach und nach zu befreien gilt und sogar weitere Kampagnen-Erweiterungen, die jeweils neue Bereiche und neue Helden einführen. So gibt es als erste Erweiterung „Taiking AIM“, die Kate Bishop als neue Heldin einführt und „Future Imperfect“, die Clint Barton, alias Hawkeye im Gepäck hat und gerade bei letzterem ist es angenehm eine Interpretation des Charakters zu sehen, der von den MCU-Filmen abweicht und ihn zu einem der interessantesten Helden des Spiels macht. Die Erweiterungen sind an den Anschluss der Kampagne des Hauptspiels angeschlossen und lassen sich über das PS5-Menü als separate Aktivitäten auswählen, was ein großer Vorzug der PS5-Version gegenüber der PS4-Version ist, da man den kompletten Spielstart mit seinen Logos und Disclaimern komplett überspringen kann. Die DLCs bringen jeweils eine Spielzeit von um die 3 Stunden mit sich und sind, ebenso wie alle kommenden Erweiterungen, komplett kostenlos. Zwar findet man im Spiel auch Mikrotransaktionen, doch diese beziehen sich ausschließlich auf optische Items, die sich auch alle erspielen lassen. Die PS5-Version lässt gegenüber der PS4-Version im Übrigen ganz schön die Muskeln spielen und sowohl die Performance, wie auch die Detailtiefe wurden merklich erhöht. Das Spiel bietet zwei Modi, den Performance-Modus, der konstante 60fps bei einer variablen 4K-Auflösung liefert und den 4K-Mode, der natives 4K ausgibt und die Bildwiederholungsrate aber situationsbedingt regelt. Weiter sind die Ladezeiten massiv verkürzt, was sogar zur Folge hatte, das das Level bereits Anfang, als das Briefing noch nicht fertig war, was dann noch kurz weiterlief. Auf der PS5 ist ein zusätzliches Highlight der Einsatz der adaptiven Trigger, was bei jedem Helden etwas anders umgesetzt wurde und ein schönes Feedback gibt.

Insgesamt war ich mit der ursprünglichen Release-Version von „Marvel’s Avengers“ schon sehr zufrieden und hatte lediglich ein paar Füller-Missionen innerhalb der Kampagne und das unmotivierte Endgame kritisiert. Dennoch hatte mich die Kampagne mit ihren 12-14 Stunden schon damals wirklich gut unterhalten, was aber nun durch die verbesserte Technik und die zusätzlichen Erweiterungen einen weiteren Boost bekommen hat. In Sachen Nextgen-Version hat sich das Warten durchaus gelohnt, da die Version nicht einfach 1:1 hochskaliert wurde, sondern sinnvolle und an die Plattform angepasst Verbesserungen enthält. Den alten Spielstand kann man dabei selbstverständlich importieren, sofern man die Geschichte nicht noch einmal neu anfangen möchte. Und da die Version als Gratis-Upgrade zur Verfügung steht kann es durchaus auch lohnen sich die PS4-Version zu kaufen, um zu upgraden, was erheblich günstiger ist, als die „echte“ PS5-Version zu kaufen. Einziger Wehmutstropfen ist, dass der auf dem Cover per Sticker angepriesene Spider-Man, der Sony-exklusiv sein wird, immer noch nicht seinen Weg ins Spiel gefunden hat. Doch abseits davon ist das Spiel wirklich tolle Blockbuster-Unterhaltung, die zu Unrecht von einigen Kritikern abgetan wurde. Daher kann ich nur jedem wärmstens empfehlen, wenn man generell Interesse hat, dem Spiel dennoch eine Chance zu geben und ein eigenes Bild zu machen.

Entwickler: Crystal Dynamics

Publisher: Square Enix

Erhältlich auf: PC, PS4, PS5, Xbox One, Xbox Series X/S

NB@14.04.2021

——— Hinweise & Disclaimer: ———

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Die verwendeten  Bilder und/oder Screenshots wurden, wenn nicht anders angegeben, vom Autor selbst erstellt und dienen zur Unterstützung des Berichtes. Das Copyright an der dargestellten Sache, bzw. dem Spiel bleibt davon selbstverständlich unberührt und verbleibt beim ursprünglichen Rechteinhaber.

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