PS5 Review: „In Sound Mind“ #InSoundMind

Horror kann in vielen Facetten kommen, doch für mich am effektivsten ist immer der psychologische Horror, da er unberechenbar ist und gleichzeitig nachvollziehbarer ist, als es ein Werwolf, oder Zombie jemals sein könnte. Genau in diese Kerbe schlägt auch „In Sound Mind“, das Erstlingswerk von We create Stuff, das Modus Games gerade auf allen möglichen Plattformen herausgebracht hat.

Das Spiel ist dabei im wahrsten Sinne des Wortes ein Horrortrip in die Psyche und lässt uns in der Verstand unterschiedlicher Menschen eintauschen, die jeweils ihre ganz eigenen Probleme zu haben scheinen. Vereint werden diese Personen von einer grundlegenden Gemeinsamkeit, denn wir hatten als Therapeut mit allen Personen zu tun, könnten ihnen nicht helfen und sehen uns nun von einem unbekannten Peiniger dazu gezwungen werden den tief sitzenden Traumata Herr zu werden, denn dieses Mal geht es um nichts geringeres als unser Leben…

Die Handlung des Spiels ist dafür in unterschiedliche Abschnitte aufgeteilt: Der Hub-Welt und die Gedankenwelt der Patienten, in die wir über gefundene Audiokassetten eintauchen. Die Hub ist dabei auch schon mysteriös, denn ohne Umschweife und Erklärung finden wir uns zu Spielbeginn in einem teilweise unter Wasser stehenden Heizungskeller eines heruntergekommenen Apartmentkomplexes wieder, der sich nach und nach in bester Metroidvania-Manier immer weiter öffnet und jede Menge versteckte Elemente bereithält. Davon sind die meisten vollkommen optional, können uns aber innerhalb der Levels helfen, sofern wir sie freigeschaltet haben.

Schon die Hub ist ziemlich merkwürdig, denn das Layout scheint keiner wirklichen Logik zu folgen, es gibt eine Tür in unser Apartment und eine Tür in unser Büro, wobei beide Orte nicht im gleichen Haus liegen und dann sind da noch die merkwürdigen Erscheinungen, Geister, oder Monster, die uns auflauern und zeitweise den Weg abschneiden. In diesen Situationen ist es ratsam zu schleichen, denn im Kampf können wir uns mit diesen Gestalten nicht messen.

Doch das eigentliche Highlight sind dann die Gedankenwelten, in denen wir uns ähnlich wie in einem Dungeon aus Zelda wiederfinden und erst wieder raus können, wenn wir dessen Rätsel gelöst haben. Diese sind dabei ziemlich unterschiedlich und können auch überraschend umfangreich ausfallen. So finden wir uns in einer der ersten Gedankenwelten beispielsweise in einem verlassenen Supermarkt wieder, in dem ein rachsüchtiger Geist sein Unwesen treibt. Dieser Geist war einst unsere Patienten, litt an Selbstzweifeln, die in Selbsthass mündeten und sich zusätzlich in gewaltsamen Ausbrüchen entluden, wenn man sie ansah und auch wenn wir ihr zu Lebzeiten nicht helfen konnten, so müssen wir jetzt einen Weg für ihre Erlösung finden.

Das Spiel nimmt uns dazu nicht an die Hand, denn das vorherrschende Spielprinzip ist dabei Erkundung und Rätsel, die es mitunter auch ganz schön in sich haben können, doch in Retrospektive logisch und auf die Situation passend sind. Trotzdem sollte man sich gerade anfänglich darauf gefasst machen mehr Fragen, als Antworten zu haben und es ebenfalls vorkommen kann, dass man die gleichen Bereiche wieder und wieder abläuft, da man ein Item, oder einen Hinweis übersehen hat.

Technisch macht das Spiel eine durchaus solide Figur, auch wenn man keine Referenz erwarten sollte, dafür ist alles etwas zu karg und funktional. Doch da gleicht man mit einer tollen Beleuchtung, gruseligem Sounddesign und guten Ideen aus, die meist in den bereits angesprochenen Rätseln münden, wo sich andere Spiele durchaus mal einen Scheibe abschneiden könnten. Darüber hinaus bekommen man gewohnte Survival-Horror-Kost, denn jegliche Ressourcen sind unwahrscheinlich rar gesät, die Gegner übermächtig und wenn uns im falschen Moment die Batterien für die Taschenlampe ausgehen, sehen wir verdammt alt aus.

Man sollte sich allerdings darauf gefasst machen, dass der Großteil der Story über gefundene Notizen und Co erzählt wird, durchaus zur Interpretation einlädt und klassische Cutscenes eher eine untergeordnete Rolle spielen. Dafür hauen sie dann aber oft umso mehr rein, wenn plötzlich ein altes Telefon klingelt und unser Peiniger mit uns spricht, oder wir uns schlagartig wünschen, wir waren wieder alleine, ohne hier weiter ins Detail zu gehen, denn das erlebt man am besten selbst. So ist „In Sound Mind“ zweifelsfrei mein gewöhnliches Horrorspiel…

Insgesamt hatte ich mit dem Spiel wirklich viel Spaß, das Konzept ist frisch, die Levels sind durch die unterschiedlichen Gedankenwelten ziemlich abwechslungsreich und es ist heutzutage fast erfrischend, wenn man in einem Spiel nicht alles vorgekaut bekommt und nach wenigen Sekunden bereits Hilfen erscheinen. Hier nimmt uns das Spiel als Spieler für voll und setzt uns auch ein paar wirkliche Kopfnüsse an Rätseln vor, gerne mehr davon. Und da es sowohl in der Hub, aber auch in den Levels weitere optionale Ziele gibt, kann man die Spielzeit damit sinnvoll verlängern. Denn das sind an sich auch die einzigen wirklichen Mankos: Die leider sträflich zu kurze Spielzeit und die Geschichte, die leider ziemlich vage und oberflächlich bleibt, sofern man nicht bereit ist die Nebenmissionen zu erledigen und die Textschnipsel, die man findet, zu lesen, ein Problem, das allerdings in vielen Spielen vorherrscht. Dennoch besticht das Spiel durch seine positiven Punkte, wie Setting und Abwechslungsreichtum, das es jedem Horrorfan wärmstens empfohlen werden kann.

Entwickler: We create Stuff

Publisher: Modus Games

Erhältlich auf: PC, PS5, Xbox Series X/S, Nintendo Switch (erscheint erst nachgelagert)

NB@01.11.2021

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