PS5 Review: „Tiny Tina’s Wonderlands“ #TinyTinasWonderlands #Borderlands

Der Loot-Shooter Borderlands hat viele skurrile Persönlichkeiten hervorgerufen, angefangen beim größenwahnsinnigen Roboter Claptrap, bis hin zu Handsome Jack, der zweifelsfrei einer der charismatischsten Antagonisten ist, doch für die meisten ist Tiny Tina wahrscheinlich der Fan Favorite. So hatte sie bereits innerhalb von „Borderlands 2“ mit dem vierten großen DLC „Assault in Dragon’s Keep“ eine der am wahrscheinlich unterhaltsamsten Questreihen der Reihe, die so immens erfolgreich war, dass man sie nicht nur als „Tina Tina’s Assault on Dragon’s Keep: A Wonderlands One-Shot Adventure“ noch einmal als eigenständiges Spiel herausgebracht hat, sondern nach dem Versuchsballon gleich noch ein vollwertiges Spiel geschaffen hat, das nun als „Tiny Tina’s Wonderlands“ erschienen ist. Die Frage ist nur, ob das was als DLC funktioniert hat, auch ein vollwertiges Spiel trägt?

Die Abenteuer, zu denen uns Tiny Tina einlädt sind dabei eine Sache für sich, denn sie sind ein Spiel im Spiel. – Das angesprochene Spiel, betitelt als Bunkers and Badasses, ist dabei die Borderlands-Variante von Dungeons & Dragons und Tiny Tina ist unser Gamemaster. Und dieser spielerische Kniff erlaubt es den Entwicklern nicht nur die bestehenden Pfade der anderen Borderlands-Spiele zu verlassen, sondern bietet gleichzeitig die Möglichkeit die verrückten Ideen miteinander zu verknüpfen, die abseits der Fantasy-Rahmenhandlung wahrscheinlich keinen Platz gehabt hätten. Wobei aber umgekehrt jede Menge Einflüsse aber den Weg ins fertige Spiel gefunden haben, wer also Angst hat man müsste auf verrückte Charaktere, jede Menge Explosionen und irrsinnige viele, dicke Waffen verzichten, der kann ich direkt beruhigen, denn in dieser Beziehung ist alles beim Alten.

Neu ist allerdings das umgebende Gerüst unseres Abenteuers, das alles aufgreift, was das Fantasy-Genre zu bieten hat, seien es riesige Drachen, lebende Skelette, Zaubersprüche, mittelalterliche Burgen, Schwerter und finstere Prophezeiungen, ab geschmeckt mit dem abgedrehten Anarcho-Humor für den man Tiny Tina kennt. Man sollte sich also nicht wundern, wenn nach kurzer Zeit im Spiel ein glitzerndes Einhorn namens „Arschgaul“ (im Original „Butt Stallion“) auftaucht… – Die Prämisse der Story ist an sich schnell erzählt, da es um den ewigen Kampf zwischen Gut und Böse geht. Doch auch wenn die Geschichte zunächst simpel anmutet nimmt sie schnell einige unerwartete Wendungen, was nicht nur an sehr viel Meta-Humor liegt, wo es der der Dragon Lord, unser hauptsächlicher Gegenspieler beispielsweise Leid ist immer gegen das Gute zu verlieren und kurzerhand die Regeln ändert und das „Spiel“ an sich reißt…

Entgegen anderer Spiele in der Reihe wählen wir zum Spielbeginn nicht aus einer Handvoll vordefinierter Charaktere aus, die sich optisch und in ihren Fähigkeiten unterscheiden, sondern sitzen zum ersten Mal selbst am Regler und können unseren Charakter komplett von der Pike auf selbst erstellen. Das betrifft sowohl die Optik, die Charakterklasse und die Fähigkeiten, von denen allerdings zum Beginn nicht alle zur Verfügung stehen, sondern durch den Spielfortschritt und das Investieren von Erfahrungspunkten freigeschaltet werden, wie man war von vielen anderen RPGs kennt. Doch selbst hier wird der Borderlands-typische Humor sichtbar, denn neben klassischen Attributen kann man auch aus den Hintergrund des Charakters wählen, was von „wurde von Elfen aufgezogen“ bis zum „Village Idiot“ reicht.

Wonderlands beinhaltet allerdings keine offene Spielwelt, sondern orientiert sich von seiner Struktur eher an klassischen Spielen, wie Zelda, oder Final Fantasy, indem das Spiel in eine Oberwelt und Dungeons aufgeteilt ist, wobei die Dungeons ziemlich umfangreiche in sich geschlossene Levels darstellen und die Oberwelt spaßiger Weise wirklich aus einem gebastelten Spielfeld besteht. Das passt an sich wirklich gut zur Prämisse des Spiels und funktioniert an sich sogar besser als eine offene Spielwelt mit Stellen des Leerlaufs zwischen den einzelnen Missionen. Einzig die zufälligen Encounter, in die man stellenweise über die Oberwelt verwickelt wird, ist für meinen Geschmack etwas zu repetitiv, zumal man dafür in lediglich eine Handvoll wechselnder Areale gezogen wird und lediglich eine bestimmte Anzahl von Gegnern ausschalten muss. Hier wäre eindeutig etwas mehr Abwechslung nicht schlecht gewesen.

Doch das ist auf jeden Fall Jammern auf ganz hohem Niveau, denn sonst passt sowohl das Pasing und die Abwechslung der Missionen und sorgt dafür, dass es keineswegs langweilig wird. Das hängt selbstverständlich auch mit dem tollen Cast zusammen, denn Tiny Tina ist so herrlich schräg, wie man sie kennt. Das hängt selbstverständlich auch mit ihrer Vertonung zusammen, die im Original wieder von Ashly Burch verkörpert wird, die ebenfalls Aloy in Horizon und Chloe in Life is Strange spricht. Doch auch andere Charaktere werden von namhaften Schauspielern gesprochen, unter anderem Will Arnett und Andy Semberg. Technisch setzt das Spiel auf der Engine von „Borderlands 3“ auf, liefert die bekannte Cellshading-Optik, auch wenn die Spielwelt insgesamt abwechslungsreicher und bunter ausfällt, was nicht nur gut zum Ton des Spiels passt, sondern dadurch eindrucksvoll zeigt, dass Borderlands mehr bietet als eine Reihe von Erdtönen und rotem Blut. Wie heute fast Standard kommt das Spiel auf der PS5 mit zwei Modi, Grafik bei 4K mit variabler Framerate mit Target 60fps und Performance bei reduzierter Auflösung, aber dafür soliden 60fps, und entsprechendes Equipment vorausgesetzt, sogar bis 120fps. Und selbstverständlich kann man auch wieder im Co-Op in den Kampf ziehen, wobei das Spiel auch Solo Spaß macht und keine von den Entwicklern vordefinierte Präferenz erkennen lässt.

Auch wenn ich anfangs meine Zweifel hatte, ob ein komplettes Fantasy-Abenteuer sich nicht zu weit von Borderlands entfernt und dadurch seine Identität vermissen lässt, waren diese absolut unbegründet. Das Spiel mag auf den ersten Blick zwar nicht so aussehen, ist aber dennoch Borderlands durch und durch, was man besonders in den schieren Wagenladungen an unterschiedlichem Loot und unterschiedlichen Waffen erkennt, die sich dieses Mal durch die Ergänzung von Nahkampfwaffen und magischen Fähigkeiten noch erweitern lässt. Einzig die Random Encounters hätten etwas mehr Variation gebrauchen können, was aber ein im Gesamtbild durchaus zu vernachlässigen ist. Ich wurde auf jeden Fall für meine knapp über 20 Spielstunden bestens unterhalten und bin persönlich sehr gespannt was die DLCs, die im Rahmen des Season Pass veröffentlicht werden, noch für Überraschungen bereithalten werden, denn immerhin ging dieses Spiel ja selbst aus einem DLC hervor…

Entwickler: Gearbox Software

Publisher: 2K Games

Erhältlich auf: PC; PS4, PS5, Xbox One, Xbox Series X/S

NB@22.04.2022

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