Es gibt Videospiele, die trifft man nicht mit Vorfreude, sondern mit Wiedersehensfreude. Killing Floor 3 ist genau so ein Titel. Und obwohl ich selbst bislang nur vom Ruf der Serie gehört hatte, war die Vorfreude auf den Test spürbar. Vielleicht, weil Killing Floor 3 das verspricht, was vielen modernen Multiplayer-Spielen fehlt: kompromissloses Koop-Chaos, klare Spielziele und eine Atmosphäre, die sich nicht im Live-Service-Nebel verliert. Dass Entwickler Tripwire Interactive seine Stärken kennt und die Serie behutsam, aber gezielt weiterentwickelt hat, merkt man schon beim ersten Zed-Schädel, der unter dem Katana zersplittert.
Was Killing Floor 3 auf den ersten Blick von anderen modernen Koop-Shootern unterscheidet, ist seine Entschlossenheit. Hier gibt es kein überladenes Meta-Game, keine Battle Passes, keine künstliche Progression. Stattdessen: ein Squad, ein Schauplatz, eskalierende Gegnerwellen und ein einziger Plan: überleben. Dabei wirkt das Spiel wie eine moderne Antwort auf die goldene Ära des Xbox 360-Koop-Gamings. Damals, als Gears of War 2, Left 4 Dead oder Halo: Reach das Couch- oder Online-Coop-Erlebnis neu definierten. Killing Floor 3 knüpft genau daran an, ohne sich im Retro-Gestus zu verlieren. Es ist kompromisslos auf moderne Systeme optimiert, bietet aber genau das einfache, packende Grundprinzip, das viele vermisst haben. Jede Partie beginnt in einer Art Kommandozentrale, ein neuer, cleverer Kniff gegenüber den Vorgängern. Hier können Spieler ihre Spezialisten individualisieren, neue Waffen kaufen, sich im Team koordinieren und vor allem: ihre Rollen finden. Denn obwohl jede der sechs zum Start verfügbaren Klassen (darunter u.a. Ninja, Medic, Engineer) eigene Stärken und Waffen mitbringt, erlaubt das Spiel bewusst kreative Ausflüge außerhalb dieser Grenzen.

Ein Beispiel: Ich entscheide mich für die neue Ninja-Klasse, ausgerüstet mit Katana, Shuriken und einem spektakulären Blitz-Greifhaken. Doch sobald genug Geld verdient ist, kaufe ich mir kurzerhand einen Revolver aus dem Loadout des Revolverhelden und verwandle meinen agilen Nahkämpfer in eine tödliche Hybridmaschine. Die Kombinationen sind nicht nur spielerisch spannend, sondern auch extrem motivierend. Sobald die erste Welle losbricht, wird klar: Killing Floor 3 spielt sich nicht wie ein reiner Shooter. Es ist eine Mischung aus Taktik, Ressourcenverwaltung und brutalem Reflexspiel. Die Karten sind dabei nicht linear aufgebaut wie in Left 4 Dead, sondern eher Arenen mit variablen Zonen und Positionierungsmöglichkeiten. Die Kämpfe fühlen sich dadurch deutlich strategischer an, was durch die neuen Zonenwechsel und Missionsziele noch verstärkt wird.

Auch bei den Gegnern wird es nie langweilig. Neben Standard-Zeds tauchen regelmäßig Spezial- und Elitegegner auf – jede Kategorie bringt eigene Taktiken, Schwächen und Bedrohungsszenarien mit. Im Finale einer Session wartet dann ein Bossgegner, der all eure Ressourcen und Koordination fordert. Die Spannung bleibt konstant hoch, aber ohne die Überforderung, die man von anderen Hardcore-Coop-Titeln kennt. Optisch macht Killing Floor 3 keine halben Sachen. Der Stil ist düster, metallisch, industriell, irgendwo zwischen DOOM Eternal und System Shock. Die Licht- und Partikeleffekte wirken hervorragend, und vor allem das sogenannte M.E.A.T.-System hat ein massives Upgrade erhalten. Körperteile fliegen, Blut spritzt in Fontänen, Gegnerreaktionen sind physikalisch akkurat und teils grotesk detailliert.

Dabei wird Gewalt nie zum Selbstzweck, sie ist ins Gameplay eingebettet. Ein Volltreffer mit der Schrotflinte fühlt sich ebenso wuchtig an wie ein gezielter Schwerthieb oder ein Explosivgeschoss. Der audiovisuellen Rückmeldung wurde sichtlich viel Aufmerksamkeit gewidmet, und das merkt man in jeder Sekunde. Bereits zum Launch soll Killing Floor 3 mit sieben Maps, drei Schwierigkeitsgraden und sechs Spezialisten starten. Crossplay wird ebenfalls unterstützt, und der Entwickler hat bereits weitere Inhalte angekündigt, darunter neue Waffen, Maps, Spielmodi und Klassen. Auch saisonale Events und Community-Herausforderungen sind geplant, wobei Tripwire ausdrücklich betont, auf ein faires Modell ohne übermäßige Monetarisierung zu setzen.

Killing Floor 3 ist eine Überraschung, im besten Sinne. Es modernisiert den Horde-Modus, ohne seine Wurzeln zu vergessen. Es ist blutig, intensiv, strategisch, aber gleichzeitig zugänglich und motivierend. Ob Veteran oder Einsteiger: Wer sich auch nur im Entferntesten für kooperative Action, Taktik und Splatter begeistern kann, sollte diesen Titel auf dem Radar behalten. Mit dem gelungenen Einstieg, einem durchdachten Gameplay-Loop und großem Zukunftspotenzial steht Killing Floor 3 kurz davor, sich als neuer Koop-Dauerbrenner zu etablieren. Und das Beste daran: Man muss kein Fan der Reihe sein, um voll einzusteigen, aber man wird garantiert einer.
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