Die Struktur von Atelier Resleriana: The Red Alchemist & the White Guardian fühlt sich tatsächlich ein wenig wie ein Rezept an. Viele Zutaten, die ineinandergreifen und zusammen ein stimmiges Ganzes ergeben. Das passt, schließlich dreht sich die Reihe um Alchemie, und auch hier ist das Brauen von Tränken und Gegenständen der Dreh- und Angelpunkt des Abenteuers. Entwickelt von Gust, der traditionsreichen RPG-Schmiede, ist es bereits das zweite komplett neue Atelier-Spiel in diesem Jahr, zusätzlich zu den kommenden Ryza-Remasters.
Die Handlung setzt im vom Vorgänger bekannten, aber mittlerweile abgeschlossenen Mobile-Ableger an, doch Vorkenntnisse sind nicht nötig. Mit den neuen Protagonisten Rias und Slade betritt man frisches Terrain, während Rückkehrer wie Resna nur lose Bezugspunkte sind. Im Zentrum steht die Stadt Hallfein, einst von einer Katastrophe heimgesucht und nun ein trostloser Ort. Als junge Alchemistin Rias, deren Optik mit übergroßen Ohren und Cap vielleicht nicht jeden Geschmack trifft, versucht man, Hallfein wiederzubeleben, indem man Gegenstände herstellt, verkauft und gleichzeitig im Kampf einsetzt.

Der Spielablauf funktioniert als klarer Kreislauf: Materialien werden in Kämpfen oder beim Erkunden gesammelt, daraus entstehen Items, die wiederum entweder im Laden verkauft oder direkt im Kampf genutzt werden. Das Herzstück ist die eigene Werkstatt und das Geschäft „Mistletoe Miscellaneous“, in dem sich jedes Item aus dem Inventar anbieten lässt. Je mehr man verkauft, desto mehr Kunden finden zurück in die Stadt, neue Händler siedeln sich an, Rezepte und Zutaten erweitern die Möglichkeiten und Hallfein verwandelt sich Schritt für Schritt von einer Geisterstadt in eine belebte Metropole. Diese optische Rückkopplung macht den Tycoon-Aspekt besonders motivierend und lässt das Fortschreiten greifbar wirken.

Die Mechanik wird durch zahlreiche kleine Systeme vertieft: Investitionen in bestimmte Spezialisierungen, das Aussenden von Gefährten auf Materialsuche oder der Erwerb seltener Rezepte schaffen eine angenehme Komplexität. Das Gefühl von stetigem Fortschritt zieht sich wie ein roter Faden durch das Spiel. Allerdings bremst das Spielgeschehen immer wieder aus, lange Dialogsequenzen mit teils überdrehten Anime-Floskeln unterbrechen regelmäßig das Vorankommen. Glücklicherweise gibt es eine Schnellspulfunktion, doch man wünscht sich häufiger, die Figuren würden etwas mehr zum Punkt kommen.

Das Kampfsystem setzt stärker auf klassische Rundenstrategie als jüngere Atelier-Titel und überzeugt mit cleveren Ideen. Angriffe und Items lassen sich kombinieren, um Kettenreaktionen und Spezialeffekte auszulösen. Der flexible Einsatz von Ersatzcharakteren, die sich in die Frontlinie einwechseln lassen, verleiht dem System zusätzliche taktische Tiefe. Besonders in den „Dimensional Paths“, zufällig generierten Dungeons für Grinding und seltene Materialien, zeigt sich, wie viel Abwechslung das Kampfsystem hergeben kann. Optisch präsentiert sich das Spiel solide: farbenfroh, flüssig und technisch sauber, wenn auch stilistisch klar auf ein Anime-affines Publikum zugeschnitten. Manche Charakterdesigns polarisieren, doch das Gesamtbild ist freundlich und zugänglich. Auch die Benutzeroberfläche, trotz der Vielzahl an Informationen und Crafting-Optionen, bleibt erstaunlich übersichtlich und unterstützt den Spielfluss.

Am Ende ist Atelier Resleriana: The Red Alchemist & the White Guardian genau das, was Fans der Reihe erwarten: ein beharrlich motivierender Kreislauf aus Sammeln, Herstellen, Verkaufen und Kämpfen, ergänzt durch Tycoon-Elemente und eine stetig wachsende Spielwelt. Die Dialoglastigkeit und einige überzeichnete Anime-Klischees mögen abschrecken, doch wer sich darauf einlässt, findet hier ein rundes, charmantes Rollenspiel, das seine Alchemieformel nahezu perfekt ausspielt.
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