Mit seinem dritten Teil innerhalb von sieben Jahren festigt die Octopath-Traveler-Reihe ihren Platz als modernes Retro-RPG. Der unverwechselbare HD-2D-Stil, die klassischen Rundengefechte und die charmanten Geschichten haben sich längst etabliert. Octopath Traveler 0 liefert erneut ein grundsolides Abenteuer, doch es bleibt hinter der Eleganz und dem Feinschliff des zweiten Teils spürbar zurück. Der Grund dafür liegt in der Herkunft des Spiels. Octopath Traveler 0 basiert auf dem Smartphone-Gacha-Ableger Champions of the Continent, dessen Inhalte vollständig in ein klassisches Vollpreisspiel umgearbeitet wurden. Das Ergebnis ist überraschend sauber und frei von jeglichen Mobile-Game-Rückständen, allerdings merkt man an manchen Stellen die ursprüngliche Struktur.

Im Gegensatz zu den vergangenen Teilen erstellst du diesmal eine eigene Hauptfigur, um deren Geschichte sich alles dreht. Du rekrutierst zwar weiterhin Begleiter, doch sie dienen lediglich dazu, dich auf deinem Rachefeldzug zu unterstützen und beim Wiederaufbau deines zerstörten Heimatdorfs Wishvale zu helfen. Die Handlung teilt sich in vier große Stränge auf: drei davon verfolgen die Verantwortlichen für die Zerstörung Wishvales, der vierte widmet sich dem Wiederaufbau. Insgesamt wirkt die Erzählung deutlich geradliniger und konzentrierter als in früheren Teilen, wo acht Einzelschicksale parallel liefen. Die kohärentere Struktur macht Octopath Traveler 0 erzählerisch zwar leichter zugänglich, doch sie nimmt der Reihe auch etwas von ihrem charakteristischen Reiz.

In nahezu allen Belangen wirkt das Spiel sofort vertraut. Du reist zwischen Städten und Dungeons hin und her, führst Gespräche, öffnest Schatztruhen und schlägst dich durch Zufallskämpfe. Die Kapitelstruktur folgt exakt dem etablierten Muster der Vorgänger. Neu hinzu kommt der Wiederaufbau von Wishvale, der sich überraschend motivierend gestaltet. Durch gesammelte Materialien errichtest du Häuser, Werkstätten, Felder oder Tavernen, platzierst Bewohner mit passenden Fähigkeiten und beobachtest, wie sich das Dorf langsam erholt. Das System ist durch das begrenzte Bau-Grid zwar eingeschränkt, doch es vermittelt genug Fortschrittsgefühl, um eine willkommene Nebenbeschäftigung zu bieten.

Die Kämpfe setzen erneut auf das bewährte Konzept aus Gegneranalyse, Schwachstellenbrüchen und Boost-Punkten. Die grundlegende Mechanik bleibt vollständig erhalten, allerdings erweitert Octopath Traveler 0 das System um eine achtköpfige Gruppe. Vier aktive Charaktere kämpfen in der vorderen Reihe, vier warten dahinter auf ihren Einsatz. Du kannst jederzeit zwischen Vorder- und Hinterreihe wechseln, um angeschlagene Figuren zu schützen oder besser geeignete Kämpfer ins Feld zu bringen. Trotz dieser Erweiterung bleibt der Kern des Kampfsystems unverändert. Der Ablauf fühlt sich fast identisch zu Octopath Traveler II an, nur mit mehr Optionen im Hintergrund. Die Erweiterung sorgt für zusätzliche Flexibilität, aber nicht für echten frischen Wind. Der HD-2D-Look funktioniert weiterhin gut, doch im direkten Vergleich mit Octopath Traveler II wirkt das Spiel sichtbar weniger aufpoliert. Das liegt an Teilen des Assets, die noch aus der Mobile-Version stammen. Die Präsentation ist ordentlich, aber nicht ganz auf dem Niveau, das die Serie inzwischen erreicht hat.

Octopath Traveler 0 ist ein kompetentes, angenehm klassisches Rollenspiel, das jedoch kaum Überraschungen bietet. Die town-building-Mechanik und das erweiterte Gruppensystem setzen kleine Akzente, und die fokussierte Hauptgeschichte funktioniert gut. Dennoch bleibt das Gefühl bestehen, dass man vieles davon schon besser oder eleganter in Octopath Traveler II erlebt hat. Wer die Reihe mag, bekommt hier ein stabiles, wenn auch weniger ambitioniertes Abenteuer. Neue Höhen erklimmt der Titel jedoch nicht.

——— Hinweise & Disclaimer: ———

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