Mit FRONT MISSION 3: Remake kehrt eines der prägendsten taktischen Rollenspiele der PlayStation-Ära zurück. Für viele Fans war das Original aus dem Jahr 1999 der Einstieg in die Front-Mission-Reihe und gilt bis heute als einer der erzählerisch und spielmechanisch stärksten Vertreter des Genres. Die Neuauflage will diesen Klassiker für moderne Plattformen zugänglich machen, ohne sein taktisches Fundament anzutasten. Das gelingt spielerisch größtenteils, visuell jedoch nicht ohne schmerzhafte Kompromisse.
Front Mission 3 erzählt eine überraschend persönliche Geschichte vor dem Hintergrund globaler Machtkämpfe. Im Zentrum stehen keine Supersoldaten oder politischen Strippenzieher, sondern die beiden ganz normalen jungen Männer Kazuki und Ryogo, die ungewollt in einen internationalen Konflikt geraten. Was zunächst wie ein lokales Problem wirkt, entwickelt sich schnell zu einem groß angelegten militärischen Drama, das von politischen Intrigen, wirtschaftlichen Interessen und ideologischen Grabenkämpfen angetrieben wird.

Besonders bemerkenswert ist die Struktur der Handlung. Nach den ersten Spielstunden triffst du eine Entscheidung, die den weiteren Verlauf der Geschichte massiv beeinflusst. Ab diesem Punkt entfalten sich zwei nahezu vollständig unterschiedliche Kampagnen mit eigenen Missionen, Charakteren und thematischen Schwerpunkten. Dieses Konzept war zur Originalveröffentlichung außergewöhnlich und fühlt sich auch heute noch ambitioniert an. Ein weiteres erzählerisches Highlight ist das Netzwerk-Menü, das über E-Mails, interne Datenbanken und fiktive Websites zusätzliche Einblicke in die Welt von Front Mission 3 bietet. Diese optionale, aber reichhaltige Informationsquelle vertieft das Worldbuilding enorm und vermittelt glaubhaft, wie komplex und verstrickt die politischen Akteure dieser Welt sind.

Spielerisch bleibt das Remake seinen Wurzeln treu. Die rundenbasierten Gefechte finden auf rasterbasierten Karten statt, auf denen du deine Wanzers, die ikonischen Kampfmechs der Serie, strategisch positionierst. Ziel ist es nicht nur, Gegner auszuschalten, sondern gezielt einzelne Körperteile zu beschädigen. Arme, Beine, Rumpf und Waffen haben eigene Trefferpunkte. Wird ein Bein zerstört, ist der Wanzer bewegungsunfähig. Geht die Waffe kaputt, kann er nicht mehr angreifen. Im Extremfall wird der Pilot aus dem Cockpit geschleudert.

Dieses System sorgt für eine hohe taktische Dynamik. Glück spielt eine Rolle, doch sie fühlt sich nie unfair an. Ergänzt wird das Ganze durch ein Fähigkeitssystem, bei dem neue Skills zufällig während des Kampfes freigeschaltet werden. Dieses Prinzip erinnert stark an das Glimmer-System der SaGa-Reihe und belohnt aktives Experimentieren im Gefecht. Die Missionsvielfalt ist hoch. Eskortaufgaben, Verteidigungsmissionen, urbane Gefechte und offene Schlachtfelder zwingen dich regelmäßig dazu, deine Strategie anzupassen. Wer jede Mission mit Bestwertung abschließen will, muss das Kampfsystem wirklich meistern.

In Sachen Bedienkomfort hat das Remake klar aufgeholt. Kämpfe und Bewegungen lassen sich beschleunigen, was gerade bei wiederholten Versuchen oder längeren Missionen enorm Zeit spart. Diese Optionen machen das Spiel deutlich zugänglicher, ohne das Balancing zu verfälschen. Auch die Individualisierung der Wanzers wurde erweitert. Verschiedene Tarnmuster und Lackierungen sorgen für visuelle Abwechslung und lassen deine Einheit persönlicher wirken. Ironischerweise gehören die Mechs selbst zu den optisch stärksten Elementen des Remakes. Musikalisch bietet das Spiel eine angenehme Wahlfreiheit. Neben neu arrangierten Tracks kannst du jederzeit zur Originalmusik wechseln, was vor allem Veteranen freuen dürfte.

So gelungen Gameplay und Struktur auch sind, die Präsentation bleibt der größte Schwachpunkt von FRONT MISSION 3: Remake. Viele grafische Assets wurden offensichtlich aus dem Original übernommen und stark geglättet. Dabei geht jedoch ein erheblicher Teil der ursprünglichen Bildsprache verloren. Charakterporträts wirken weichgespült, teils unnatürlich und verlieren ihre frühere Ausdruckskraft. Einige Bilder erscheinen sogar irritierend verfremdet. Besonders enttäuschend ist, dass gerade das raue, militärische Flair des Originals unter dieser Glättung leidet. Die einstige Schwere der Darstellung wirkt abgeschwächt, fast steril. Explosionen sehen zwar technisch sauber aus, vermitteln aber kaum Wucht. Es entsteht der Eindruck, als habe man aus Zeit- oder Kostengründen an genau der Stelle gespart, an der Atmosphäre eigentlich entscheidend ist. Zwar ist nachvollziehbar, dass ein Spiel dieses Umfangs nicht komplett neu illustriert werden konnte, doch der Kontrast zwischen spielerischer Qualität und visueller Umsetzung bleibt auffällig.

FRONT MISSION 3: Remake ist spielerisch ein starkes, taktisch forderndes SRPG mit einer nach wie vor außergewöhnlich guten Geschichte. Die zwei Kampagnen, das komplexe Kampfsystem und das tiefgehende Worldbuilding funktionieren heute genauso gut wie damals. Die modernen Komfortfunktionen machen das Spiel zudem deutlich angenehmer spielbar als das Original. Leider wird dieser positive Eindruck durch die schwache visuelle Überarbeitung getrübt. Die übermäßig geglätteten Grafiken nehmen dem Spiel einen Teil seiner Identität und verhindern, dass das Remake sein volles Potenzial ausschöpft. Unterm Strich bleibt FRONT MISSION 3: Remake ein lohnenswertes Erlebnis für Taktikfans und Serienkenner, aber kein rundum gelungenes Vorzeige-Remake.
——— Hinweise & Disclaimer: ———
Zur Erstellung dieses Reviews wurde uns vom Publisher ein unentgeltlicher Key für das Spiel zur Verfügung gestellt. Wir danken vielmals für die Unterstützung, weisen aber darauf hin, dass dieser Umstand keine Auswirkung auf unsere Bewertung hat!
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