Mit einem Spiel, das als „finales Kapitel“ von My Hero Academia beworben wird, gehen automatisch gewisse Erwartungen einher. Große Emotionen, laute und explosive Kämpfe sowie Figuren, die bis an ihre Grenzen getrieben werden, gehören dabei fast schon zum Pflichtprogramm. Nach einigen Stunden mit My Hero Academia: All’s Justice wird deutlich, dass Bandai Namco nicht versucht, das Arena-Fighter-Genre neu zu definieren. Stattdessen konzentriert sich das Spiel darauf, bekannte Stärken zu verfeinern und sie konsequent auf den Höhepunkt der Serie auszurichten.
Schon die ersten Kämpfe fühlen sich vertraut an. Wer zuvor eines der My-Hero-Academia-Spiele auf Konsole gespielt hat, findet sich sofort zurecht. Kampftempo, Kameraführung und Rhythmus haben sich nicht grundlegend verändert. Für Gelegenheitsspieler wirken die Neuerungen eher feinjustiert als revolutionär, doch gerade diese Vertrautheit sorgt dafür, dass der Einstieg angenehm leichtfällt und keine lange Eingewöhnungszeit nötig ist. Eine der auffälligeren Neuerungen ist das duale Steuerungssystem. Neben dem klassischen manuellen Modus gibt es eine vereinfachte Variante, die Eingaben glättet und die Einstiegshürde senkt. Dieser Normalmodus funktioniert grundsätzlich gut, nimmt den Spielern jedoch spürbar Kontrolle ab, was sich stellenweise ungewohnt anfühlt. Abseits der Kämpfe ersetzt ein hubartiger Stadtbereich die herkömmlichen Menüs. Als Deku navigiert man über ein Smartphone-ähnliches Interface durch die Spielmodi, was zwar spielerisch keinen großen Unterschied macht, aber zur Immersion beiträgt.

Im Kampf selbst bleibt das Spiel seinem Fundament treu, überrascht jedoch mit einem stärkeren Fokus auf Luftkämpfe. Viele Auseinandersetzungen finden in der Vertikalen statt, was Abstand, Positionierung und Timing wichtiger macht als permanenter Vorwärtsdruck. Wer aggressiv und ununterbrochen angreifen will, wird häufiger bestraft, während geduldiges Manövrieren und cleveres Ausnutzen von Lücken belohnt werden. Die Quirks sind dabei übersichtlich umgesetzt, selbst für Spieler ohne große Erfahrung mit 3D-Arena-Fightern. Klare visuelle Anzeigen machen Abklingzeiten und Power-Zustände jederzeit nachvollziehbar.

Trotz Balance-Anpassungen fühlen sich die Fähigkeiten der Figuren weiterhin authentisch an und orientieren sich klar an der Vorlage. Ultimative Angriffe und cineastische Spezialmoves wirken kraftvoll und bleiben etwas Besonderes, da sie nicht beliebig spammbar sind. Besonders positiv fällt die Charaktervielfalt auf. Obwohl Deku, Bakugo und Shoto ähnliche Grundmechaniken teilen, unterscheiden sie sich spürbar in Bewegung, Reichweite und Raumkontrolle. Deku eignet sich dabei hervorragend als Einstieg, während andere Charaktere deutlich mehr Übung erfordern.

Auch der Kader insgesamt ist angenehm groß, ohne erschlagend zu wirken. Finale Versionen der Charaktere dominieren nicht automatisch, da der entscheidende Wendepunkt häufig erst dann eintritt, wenn eine Figur als letzter Kämpfer übrig bleibt und in den sogenannten Rising-Zustand übergeht. Dieser verleiht spürbare Boni auf Schaden und Fähigkeiten und sorgt für dramatische Comebacks. Helden und Schurken sind spielerisch gleichermaßen interessant, wobei insbesondere Dabi mit seinem Spielstil hervorsticht. Der Storymodus überrascht zudem mit fordernden Situationen, etwa wenn man es mit mehreren Gegnern gleichzeitig aufnehmen muss.

Neben der Hauptkampagne bieten die Team-Up-Missionen eine willkommene Abwechslung. Diese kürzeren Herausforderungen fühlen sich wie spielbare Mini-Episoden an und schalten zusätzliche Inhalte sowie ikonische Kämpfe frei. Die KI-Verbündeten agieren dabei kompetent genug, um unüberlegtes Vorgehen zu bestrafen, was Teamzusammenstellung relevanter macht, als es zunächst scheint. Auch wenn diese Missionen das Teamgefühl nicht grundlegend erweitern, bieten sie einen motivierenden Mehrwert für Einzelspieler.
Seine größte Stärke entfaltet All’s Justice im Storymodus. Die Ereignisse des finalen Kriegs interaktiv zu erleben, erzeugt genau die Euphorie, die Fans aus dem Anime kennen. Die Inszenierung erinnert dabei an bekannte Anime-Umsetzungen wie die Naruto-Ninja-Storm-Reihe, in denen Spektakel und Fanservice im Vordergrund stehen. Übergänge zwischen Kämpfen und Zwischensequenzen sind funktional, ohne besonders innovativ zu sein. Das Spiel setzt allerdings voraus, dass man mit der Vorlage vertraut ist, da Neueinsteiger ohne Anime-Wissen schnell den Überblick verlieren könnten. Für Kenner hingegen gewinnen viele Kämpfe durch ihren emotionalen Kontext zusätzlich an Gewicht.

Technisch präsentiert sich das Spiel auf der PlayStation 5 stabil. Auch in effektreichen Gefechten bleibt die Performance sauber. Die Charaktermodelle wirken solide, erreichen jedoch nicht ganz die Schärfe, die man sich vielleicht wünschen würde. Dafür überzeugen die Gesichtsanimationen in den Storysequenzen mit Ausdrucksstärke. Das Interface hält sich angenehm zurück und sorgt dafür, dass die Übersicht im Kampf stets gewahrt bleibt. Besonders hervorzuheben ist der Sound. Die englische und japanische Sprachausgabe transportieren die nötige Intensität, Treffer fühlen sich wuchtig an und die Musik verstärkt die großen Momente wirkungsvoll. Das Spiel ist laut, schnell und überzeichnet, genau so, wie man es von My Hero Academia erwartet.
Am Ende fühlt sich My Hero Academia: All’s Justice wie ein stimmiger Abschluss an. Es wagt keine radikalen Experimente, liefert aber genau das, was Fans sich wünschen. Spieler mit Wettkampfambitionen finden genügend Tiefe, während Anime-Fans ikonische Szenen aktiv nacherleben können. Es erfindet das Genre nicht neu, weiß aber sehr genau, was es sein will, und erfüllt dieses Ziel mit Selbstbewusstsein. Wer schon immer einmal in die Rolle seiner Lieblingshelden und -schurken schlüpfen wollte, bekommt hier ein rundes und befriedigendes Gesamtpaket.
——— Hinweise & Disclaimer: ———
Zur Erstellung dieses Reviews wurde uns vom Publisher ein unentgeltlicher Key für das Spiel zur Verfügung gestellt. Wir danken vielmals für die Unterstützung, weisen aber darauf hin, dass dieser Umstand keine Auswirkung auf unsere Bewertung hat!
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