Dragon Quest VII war schon immer so ein Sonderfall innerhalb der traditionsreichen Reihe. Ein gewaltiges Rollenspiel, berüchtigt für seine enorme Spielzeit und sein gemächliches Tempo, das nie ganz denselben Kultstatus erreicht hat wie manche andere Teile der Serie. Und doch war es stets ein Abenteuer, das eine zweite oder eigentlich dritte Chance verdient hat. Mit Dragon Quest VII Reimagined bekommt genau dieses Mammutprojekt nun eine umfassende Modernisierung, die sich spürbar an heutige Erwartungen anpasst, ohne dabei seine Wurzeln zu verleugnen.

Im Mittelpunkt steht erneut das Motiv der Zeitreise. Eine Gruppe junger Helden versucht, eine zerbrochene Welt zu reparieren, indem sie in die Vergangenheit reist und dort das Schicksal einzelner Inselreiche zum Besseren wendet. Jede dieser Inseln erzählt ihre eigene kleine Geschichte mit eigenen Figuren, Konflikten und moralischen Lektionen. Die Struktur ist dabei klar und fast schon märchenhaft aufgebaut. Man betritt einen Ort, entdeckt ein Problem, kämpft sich durch ein Dungeon und besiegt die Ursache allen Übels. Dieses Muster wiederholt sich über dutzende Stunden hinweg, doch dank des unverkennbaren Dragon Quest Charmes wirkt es nie rein mechanisch. Vielmehr fühlt sich jede Episode wie ein in sich geschlossenes Märchen an.

Besonders gelungen ist die neue visuelle Präsentation. Die Spielwelt wirkt wie ein lebendiges Diorama, detailverliebt und warm inszeniert. Es ist eines dieser Spiele, durch das man einfach gerne gemächlich hindurchspaziert. Die Atmosphäre ist gemütlich, beinahe heimelig, selbst wenn die Geschichten teils ernste Töne anschlagen. Dennoch bleibt Dragon Quest VII auch in dieser überarbeiteten Fassung ein Slow Burn. Trotz gekürzter Sequenzen und gestrichener Nebengeschichten ist die Reise lang. Rund 75 Stunden Spielzeit sind realistisch, und das mit gestraffter Struktur. Einige Episoden ziehen sich weiterhin spürbar, insbesondere wenn sie hauptsächlich aus Gesprächen mit NPCs und Laufwegen zwischen bekannten Orten bestehen. Hier hätte man sich stellenweise noch mutigere Kürzungen gewünscht.

Ein weiterer Kritikpunkt des Originals, das häufige Zurückkehren zu bereits besuchten Orten, existiert auch hier noch. Nachdem man in der Vergangenheit die Probleme einer Insel gelöst hat, besucht man sie in der Gegenwart erneut, um die Auswirkungen zu sehen. Zwar ist es erzählerisch interessant zu beobachten, wie sich die Welt durch das eigene Handeln verändert, doch spielerisch bedeutet es oft, bekannte Städte und Dungeons nochmals zu durchqueren. Dank neuer Komfortfunktionen wie klaren Karten, Zielmarkierungen und hilfreichen Hinweisen der Gruppenmitglieder fühlt sich dieser Prozess deutlich angenehmer an als früher, ganz verschwunden ist das repetitive Element jedoch nicht.

Die Modernisierungen greifen an vielen Stellen sinnvoll ein. Zufallskämpfe gehören der Vergangenheit an, da Monster nun sichtbar auf der Karte erscheinen. Kämpfe lassen sich beschleunigen, und umfassende Schwierigkeitsoptionen erlauben eine individuelle Anpassung. Erfahrungspunkte und Gold können erhöht werden, Schaden kann modifiziert werden, und sogar eine vollständige Heilung nach jedem Gefecht ist optional aktivierbar. Gerade für Veteranen, die den Grind des Originals noch gut in Erinnerung haben, ist diese Flexibilität ein echter Gewinn. Das Spiel bleibt im Kern klassisch, bietet aber genug Stellschrauben, um Frust zu minimieren. Das Kampfsystem selbst bleibt unverkennbar Dragon Quest. Rundenbasiert, übersichtlich und taktisch klar strukturiert. Die neue Benutzeroberfläche ist aufgeräumt und angenehm zu bedienen, insbesondere durch die Möglichkeit, bevorzugte Zauber und Fähigkeiten zu markieren. Da das Fertigkeitenarsenal mit fortschreitender Spielzeit stark anwächst, ist diese Funktion mehr als nur Komfort.

Eine besondere Rolle spielt das Berufssystem. Jeder Charakter kann eine Klasse, oder wie es die Serie nennt, eine Berufung wählen. Diese bestimmt verfügbare Fähigkeiten und beeinflusst die Statuswerte. Später können sogar zwei Berufungen kombiniert werden, was interessante Mischformen erlaubt. Ein Magier mit Schwertkenntnissen oder ein Gladiator mit Beschwörungszaubern sind problemlos möglich. Zwar ist die Auswahl an Berufungen nicht riesig, doch das System bleibt motivierend genug, um mit verschiedenen Rollen zu experimentieren und jedem Gruppenmitglied eine klare Nische zu geben.

Unterm Strich ist Dragon Quest VII Reimagined eine sehr hochwertige Neuinterpretation eines unterschätzten Klassikers. Die Geschichte verliert auch in dieser Version gelegentlich an Tempo, und das Backtracking ist nicht vollständig beseitigt. Doch die zahlreichen Verbesserungen im Spielfluss, die gelungene visuelle Neuausrichtung und die flexible Schwierigkeitsanpassung machen das Abenteuer deutlich zugänglicher als je zuvor. Wer klassische JRPGs liebt und sich auf eine lange, gemütliche Reise einlassen möchte, findet hier eine charmante und durchdachte Neuauflage, die eindrucksvoll zeigt, warum Dragon Quest seit Jahrzehnten Bestand hat.

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