Hades II steht vor einer fast unfairen Herausforderung: Es muss an eines der besten Roguelikes aller Zeiten anknüpfen. Hades hat mit seiner Mischung aus Gameplay, Storytelling und Präsentation Maßstäbe gesetzt und genau deshalb kann die Fortsetzung kaum denselben Überraschungseffekt entfalten. Doch nach vielen Stunden auf der PlayStation 5 wird schnell klar: Hades II ist kein Versuch, das Original zu übertreffen, sondern es auf beeindruckend hohem Niveau weiterzuführen.
Spielerisch bleibt sich das Grundprinzip treu, erweitert es aber sinnvoll. Statt Zagreus steht diesmal Melinoë im Mittelpunkt, die Tochter von Hades und Schwester des ursprünglichen Protagonisten. Ihre Mission ist deutlich epischer angelegt: Sie stellt sich Chronos, dem Titanen der Zeit, der die Götter selbst bedroht. Diese Eskalation spiegelt sich auch im Aufbau wider. Runs verlaufen zwar weiterhin klassisch durch mehrere zufällig generierte Gebiete, doch die Struktur ist deutlich variabler. Besonders spannend ist die Möglichkeit, zwischen zwei Routen zu wählen, entweder tiefer in die Unterwelt oder hinauf Richtung Olymp. Beide Wege bieten eigene Gegner, Bosse, Belohnungen und Herausforderungen, was die Wiederspielbarkeit enorm erhöht und für eine willkommene Frische sorgt.

Auch das Leveldesign zeigt sich experimentierfreudiger als im Vorgänger. Während einige Abschnitte weiterhin auf das bewährte Raum-für-Raum-Prinzip setzen, brechen andere bewusst damit. Größere Areale, alternative Zielstrukturen oder halb offene Bereiche sorgen dafür, dass sich Runs weniger vorhersehbar anfühlen. Auf der PS5 profitiert das Spiel zusätzlich von schnellen Ladezeiten und einer stabilen Performance, was den Spielfluss angenehm flüssig hält und perfekt zum schnellen Gameplay passt. Ein zentrales Element bleiben die Waffen, die sogenannten Nocturnal Arms. Jede einzelne bringt ihren eigenen Spielstil mit und fühlt sich deutlich unterschiedlich an. Vom vielseitigen Stab über schnelle Klingen bis hin zu experimentelleren Optionen wie dem Argent Skull oder der brachialen Axt bietet das Arsenal eine große Bandbreite. Besonders die alternativen Formen und versteckten Varianten sorgen dafür, dass man ständig neue Builds ausprobieren möchte. Allerdings ist der Fortschritt hier nicht immer optimal gelöst, da wichtige Upgrade-Materialien an anspruchsvolle Herausforderungen gebunden sind, was gelegentlich frustrieren kann.

Das Kampfsystem selbst ist erneut ein absolutes Highlight. Es ist schnell, präzise und gleichzeitig angenehm chaotisch, ohne jemals die Kontrolle zu verlieren. Die Kombination aus Waffen, Boons und passiven Effekten sorgt für eine enorme Vielfalt an Spielweisen. Sobald man die Mechaniken verinnerlicht hat, entstehen Builds, die sich nicht nur effektiv, sondern auch unglaublich befriedigend anfühlen. Gerade auf der PS5 kommt dieses direkte, reaktionsschnelle Gameplay besonders gut zur Geltung. Die meisten Bosskämpfe sind hervorragend inszeniert und bieten genau die richtige Mischung aus Herausforderung und Fairness – auch wenn einzelne Ausreißer wie der Kampf gegen Prometheus durch ihre hohe Komplexität und ihren Fokus auf Gedächtnisleistung etwas aus der Balance fallen.

Zwischen den Runs kehrt man in die Crossroads zurück, eine Art Hub, in dem man mit anderen Charakteren interagiert, Ressourcen verwaltet und neue Inhalte freischaltet. Systeme wie Crafting, Ressourcenmanagement und Begleiter erweitern das Spiel sinnvoll, ohne es zu überladen. Besonders die sogenannten Familiars bringen zusätzliche taktische Möglichkeiten ins Spiel und verleihen Runs eine weitere strategische Ebene. Weniger gelungen sind hingegen einige kosmetische Anpassungen, die trotz hoher Kosten nur minimale visuelle Veränderungen bieten und damit hinter ihrem Potenzial zurückbleiben. Narrativ geht Hades II einen etwas anderen Weg als sein Vorgänger. Während die Geschichte von Zagreus stark von persönlichen Konflikten und familiären Beziehungen lebte, setzt die Fortsetzung auf größere, epischere Dimensionen. Der Konflikt mit Chronos bringt deutlich höhere Einsätze mit sich, wirkt aber gleichzeitig weniger intim. Die Charaktere sind weiterhin hervorragend geschrieben, die Dialoge zahlreich und die Interaktionen lebendig, doch die emotionale Nähe des Originals wird nicht ganz erreicht. Dennoch bleibt die Story ein starker Bestandteil, vor allem durch die enorme Menge an Dialogen, die selbst nach vielen Stunden noch neue Gespräche und Entwicklungen bereithält.

Audiovisuell liefert das Spiel auf der PS5 eine nahezu makellose Vorstellung ab. Der unverwechselbare Artstyle, die flüssigen Animationen und die liebevollen Details sorgen für eine dichte Atmosphäre. Besonders hervorzuheben ist erneut die Vertonung: Die Sprecherleistungen gehören zum Besten, was das Medium zu bieten hat, und verleihen jeder Figur eine starke Persönlichkeit. Der Soundtrack ergänzt das Geschehen perfekt und unterstreicht sowohl ruhige als auch actionreiche Momente mit der nötigen Intensität. Am Ende bleibt Hades II ein beeindruckendes Beispiel dafür, wie man ein nahezu perfektes Spiel fortsetzt. Es überrascht weniger als sein Vorgänger, bietet dafür aber mehr Inhalte, mehr Möglichkeiten und ein noch stärker ausgearbeitetes Gameplay. Die wenigen Schwächen, etwa beim Balancing einzelner Kämpfe oder beim fehlenden Überraschungseffekt, fallen im Gesamtbild kaum ins Gewicht.

Hades II ist vielleicht keine Revolution, aber eine außergewöhnlich gelungene Evolution. Auf der PlayStation 5 entfaltet es seine Stärken besonders gut und zeigt eindrucksvoll, dass ein Sequel nicht alles neu machen muss, um zu begeistern, manchmal reicht es, etwas Großartiges noch besser zu machen.
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