Starfield ist ein faszinierender, aber auch widersprüchlicher Titel, vor allem jetzt, da er nach Jahren voller Updates endlich auf der PS5 angekommen ist. Während Bethesda Game Studios hier ein enorm ambitioniertes Projekt abliefert, zeigt sich schnell, dass Größe nicht automatisch Qualität bedeutet. Gerade im Vergleich zu Klassikern wie The Elder Scrolls V: Skyrim oder Fallout 4 wird deutlich, wie stark sich Starfield von der bisherigen Bethesda-Formel entfernt hat und nicht immer zum Vorteil.

Der größte Unterschied liegt in der Weltstruktur. Statt einer dichten, zusammenhängenden Open World, die zum Erkunden einlädt, setzt Starfield auf eine Vielzahl von Planeten. Theoretisch klingt das nach grenzenloser Freiheit, praktisch wirkt es jedoch oft fragmentiert. Viele dieser Planeten sind leer, generisch oder schlicht uninteressant. Während man in früheren Bethesda-Spielen ständig durch Zufälle, versteckte Orte oder unerwartete Begegnungen belohnt wurde, fehlt hier genau dieser Entdeckerdrang. Es gibt kaum Momente, in denen man einfach loszieht und etwas Spannendes findet, ohne aktiv einem Questmarker zu folgen.

Das führt zu einem grundlegenden Problem im Spielfluss. Starfield ist kein Spiel, bei dem man sich treiben lässt, es ist ein Spiel, das dich von Ziel zu Ziel schickt. Reisen bedeutet meist, Menüs zu öffnen, Systeme auszuwählen und Schnellreisen zu nutzen. Selbst mit dem „Free Lanes“-Update, das es erlaubt, innerhalb eines Systems freier zu fliegen und Begegnungen im All zu erleben, bleibt dieser Prozess spürbar künstlich. Es ist ein Schritt in die richtige Richtung, aber keiner, der das zentrale Problem vollständig löst. Der Weltraum, eigentlich das Herzstück des Spiels, fühlt sich oft wie eine bloße Verbindungsstrecke zwischen Inhalten an, statt selbst spannend zu sein. Dabei zeigt Starfield in vielen anderen Bereichen, wie viel Potenzial in diesem Projekt steckt. Das Kampfsystem ist ohne Zweifel das beste, das Bethesda je entwickelt hat. Waffenfeedback, Zielmechaniken und Bewegungsabläufe wirken deutlich moderner und direkter als in früheren Spielen des Studios. Die Vielzahl an Anpassungsmöglichkeiten für Ausrüstung und Waffen sorgt dafür, dass sich Kämpfe individuell gestalten lassen und auch langfristig motivieren. Ergänzt wird das Ganze durch Fähigkeiten und Kräfte, die zusätzliche taktische Optionen eröffnen.

Besonders stark sind die Fraktionsquestlines. Hier entfaltet Starfield sein erzählerisches Können und liefert einige der besten Inhalte, die das Spiel zu bieten hat. Ob man für die UC Vanguard gegen außerirdische Bedrohungen kämpft, sich der Crimson Fleet anschließt oder als Agent für Ryujin Industries agiert – diese Geschichten sind abwechslungsreich, gut geschrieben und geben der Welt Struktur. Oft sind es gerade diese Nebenstränge, die das Spielerlebnis tragen und für die erinnerungswürdigsten Momente sorgen. Im Gegensatz dazu bleibt die Hauptstory hinter den Erwartungen zurück. Die Idee rund um mysteriöse Artefakte und kosmische Visionen ist interessant, wird aber nicht konsequent genug genutzt. Die Handlung wirkt häufig wie ein Mittel zum Zweck, um den Spieler durch verschiedene Orte zu führen, statt eine wirklich packende Geschichte zu erzählen. Zwar gibt es einzelne starke Momente und Wendungen, doch insgesamt fehlt es an emotionaler Tiefe und einem klaren roten Faden, der den Spieler langfristig fesselt.

Ein Bereich, in dem Starfield auf der PS5 deutlich punktet, ist die Technik. Nach zahlreichen Updates präsentiert sich das Spiel in einer stabilen und ausgereiften Form. Ladezeiten sind kurz, die Performance ist zuverlässig, und auch größere technische Probleme gehören weitgehend der Vergangenheit an. Die Unterstützung des DualSense-Controllers mit haptischem Feedback und adaptiven Triggern sorgt zusätzlich für ein immersiveres Spielgefühl. Grafisch zeigt sich das Spiel ebenfalls verbessert, mit detaillierteren Umgebungen und einer insgesamt schärferen Darstellung, insbesondere auf leistungsstärkeren Varianten wie der PS5 Pro. Trotz all dieser Verbesserungen bleibt Starfield ein Spiel, das sich nie ganz rund anfühlt. Es gibt immer wieder Momente, in denen man das Potenzial erkennt, wenn man in einer spannenden Quest steckt, interessante Charaktere trifft oder ein intensiver Kampf stattfindet. Doch genauso oft wird man aus dieser Immersion gerissen, sei es durch umständliche Menüs, leere Planeten oder das Gefühl, dass zwischen zwei Zielen einfach zu wenig passiert.

Unterm Strich ist Starfield auf der PS5 die bislang beste Version dieses ambitionierten Weltraum-Rollenspiels. Es bietet mehr Inhalte, bessere Technik und sinnvolle Verbesserungen durch Updates wie Free Lanes. Gleichzeitig bleibt es ein Spiel, das seine eigenen Stärken nicht vollständig ausschöpft. Es fehlt die organische Verbindung zwischen seinen Systemen, die frühere Bethesda-Titel so besonders gemacht hat. Starfield ist damit ein gutes, stellenweise sogar sehr gutes RPG, aber eben kein zeitloser Klassiker. Es beeindruckt durch Umfang und einzelne Highlights, scheitert jedoch daran, diese zu einem wirklich kohärenten und durchgehend fesselnden Gesamterlebnis zu vereinen.


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