Cthulhu: The Cosmic Abyss ist genau die Art Spiel, die dich gleichzeitig fasziniert und zur Weißglut treibt. Inspiriert von den düsteren Visionen von H. P. Lovecraft wirft dich das Spiel ohne große Umschweife in eine beklemmende Tiefsee-Odyssee, in der uralte Schrecken, fremdartige Architektur und psychischer Verfall allgegenwärtig sind. Klingt erstmal ziemlich stark und das ist es auch, zumindest teilweise.
Du schlüpfst in die Rolle von Noah Williams, einem Agenten der okkulten Organisation Ancile, der mysteriöse Vorfälle rund um das Unternehmen Ocean-I untersucht. Was als klassische „da stimmt was nicht“-Mission beginnt, entwickelt sich schnell zu einem Trip in die legendäre versunkene Stadt R’lyeh. Und ja, genau das R’lyeh. Spätestens hier wird klar: Das Spiel meint es ernst mit seinem kosmischen Horror. Atmosphärisch liefert das Ganze definitiv ab. Die klaustrophobischen Korridore einer Tiefseeanlage gehen nahtlos in bizarre, fast schon albtraumhafte Strukturen über. Dazu kommt ein wuchtiger Soundtrack und solide Vertonung, die das Gefühl verstärken, dass du hier irgendwo bist, wo du absolut nicht sein solltest. Dieses konstante Unbehagen ist eine der größten Stärken des Spiels.

Der eigentliche Kern von Cosmic Abyss ist aber das Rätseldesign und das ist sagen wir mal: kompromisslos. Es handelt sich um ein First-Person-Puzzlespiel, das dich kaum an die Hand nimmt. Stattdessen wirst du mit komplexen Mechaniken konfrontiert, allen voran Noahs Sonar-System. Damit kannst du Frequenzen nutzen, um Objekte aufzuspüren oder sogar ihre Form zu manipulieren. Eine coole Idee, die aber leider oft unnötig umständlich umgesetzt ist. Das Spiel erklärt viele seiner Systeme nur oberflächlich, wodurch man sich häufig eher durchprobiert als logisch vorgeht. Dazu kommt das „Vault“-System, eine Art Gedankenpalast, in dem du Hinweise kombinierst und Schlussfolgerungen ziehst. Klingt spannend, fühlt sich aber oft fummelig an. Gerade wenn man schon länger an einem Rätsel sitzt, wird dieses System eher zur Geduldsprobe als zur Hilfe. Und genau hier zeigt sich das größte Problem des Spiels: Es will clever sein, ist dabei aber manchmal einfach nur überladen.

Besonders interessant ist das Korruptionssystem. Jede Analyse von Objekten kostet Energie, und wenn diese fehlt, steigt Noahs geistiger Verfall. Dadurch entstehen zwei Lösungswege für viele Rätsel: ein „sauberer“, aufwendiger Weg und ein schnellerer, der dich mental näher an den Abgrund bringt. Das ist eine richtig starke Idee, weil sie Gameplay und Story miteinander verknüpft. Je nachdem, wie du spielst, beeinflusst das sogar das Ende. Allerdings wird dieser interessante Ansatz durch technische und strukturelle Probleme ausgebremst. Die Checkpoints sind unzuverlässig, ein manuelles Speichersystem fehlt komplett, und Abstürze können dich ordentlich Fortschritt kosten. Das ist besonders frustrierend in einem Spiel, das ohnehin schon viel Geduld verlangt. Wenn du nach einer Stunde Grübeln plötzlich wieder deutlich weiter hinten landest, fühlt sich das einfach nur unfair an.

Auch die Rätsel selbst schwanken stark in ihrer Qualität. Manche sind richtig clever und sorgen für diesen klassischen „Aha“-Moment. Andere wirken unnötig kompliziert oder schlecht lesbar, sodass man eher zufällig auf die Lösung stößt. In Kombination mit der manchmal sperrigen Steuerung entsteht ein Erlebnis, das sich stellenweise mehr nach Arbeit als nach Spiel anfühlt. Trotzdem hat Cosmic Abyss etwas Eigenes. Es zieht seine Vision konsequent durch und verzichtet bewusst auf Komfort. Keine Kämpfe, kein übermäßiges Handholding, kein „casual friendly“ Design, stattdessen ein sperriges, forderndes Erlebnis für Leute, die sich wirklich reinbeißen wollen. Und genau das macht es gleichzeitig faszinierend und abschreckend.

Unterm Strich ist Cthulhu: The Cosmic Abyss ein Spiel für eine sehr spezielle Zielgruppe. Wer Lovecraft-Horror liebt, komplexe Rätsel nicht scheut und mit technischen Macken leben kann, findet hier ein intensives, stellenweise richtig starkes Abenteuer. Wer dagegen klare Führung, sauberes Pacing und Komfort erwartet, wird ziemlich schnell frustriert aufgeben. Es ist ein Spiel, das dich an den Rand des Wahnsinns bringt, manchmal gewollt, manchmal eher aus Versehen.
——— Hinweise & Disclaimer: ———
Zur Erstellung dieses Reviews wurde uns vom Publisher ein unentgeltlicher Key für das Spiel zur Verfügung gestellt. Wir danken vielmals für die Unterstützung, weisen aber darauf hin, dass dieser Umstand keine Auswirkung auf unsere Bewertung hat!
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