Invincible VS fühlt sich ein bisschen so an, als hätte jemand endlich die naheliegendste Idee der Welt umgesetzt und zwar überraschend gut. Nach zig Jahren, in denen die Marke vor allem durch Comics und die Amazon-Serie glänzen durfte, gibt es nun endlich ein „richtiges“ Spiel, das dem brachialen Superhelden-Setting gerecht wird. Und ja, nach mehreren Stunden Spielzeit inklusive Story, Arcade und Online-Matches lässt sich sagen: Das Warten hat sich größtenteils gelohnt.
Entwickelt vom Studio Quarter Up, das aus Veteranen von Double Helix Games hervorgegangen ist, liefert Invincible VS einen 3v3-Prügler, der klar moderne Fighting-Game-Prinzipien verfolgt. Die Einflüsse sind deutlich spürbar, vor allem in der zugänglichen Steuerung, die eher an aktuelle Genrevertreter erinnert als an klassische Inputs à la Street Fighter. Statt komplizierter Eingaben setzt das Spiel auf ein vereinfachtes System mit leichten, mittleren und schweren Angriffen sowie Richtungsinputs für Spezialmoves. Das macht den Einstieg angenehm unkompliziert, ohne dass die Tiefe komplett verloren geht. Und genau da liegt eine der größten Stärken: Unter der Oberfläche steckt mehr, als man zunächst denkt. Das Tag-System ist das Herzstück des Gameplays. Du kannst mitten in Kombos den Charakter wechseln, Angriffe verlängern oder Gegner in scheinbar endlosen Ketten festnageln. Gleichzeitig ist das Ganze kein Selbstläufer, wer unüberlegt taggt, läuft Gefahr, hart gekontert zu werden. Gerade in längeren Matches entwickelt sich ein echtes Mindgame, bei dem Timing und Täuschung entscheidend sind.

Nach dem Durchspielen und intensiveren Online-Sessions wird auch klar, dass das Kampfsystem eine ordentliche Lernkurve hat. Mechaniken wie Assist Breaker oder Heroic Strike eröffnen zusätzliche Möglichkeiten, um Drucksituationen zu entschärfen oder in eigene Offensiven umzuwandeln. Auch wenn ich persönlich nicht jede dieser Mechaniken perfekt gemeistert habe, merkt man schnell, dass hier genug Tiefe für kompetitives Spiel vorhanden ist. Was das Spielgefühl angeht, trifft Invincible VS genau den richtigen Ton. Die Kämpfe sind schnell, brutal und fühlen sich wuchtig an. Trotz des 3v3-Formats ziehen sich Matches nicht unnötig in die Länge, die Lebensbalken schmelzen teilweise erschreckend schnell. Jeder Charakter vermittelt dabei tatsächlich das Gefühl, ein Superheld oder Superschurke zu sein. Ob die rohe Gewalt von Omni-Man, die Beweglichkeit von Rex Splode oder die vielseitigen Fähigkeiten von Atom Eve, das Roster spielt sich angenehm abwechslungsreich.

Apropos Charaktere: Mit 18 Kämpfern zum Launch ist das Angebot solide, wenn auch nicht überragend. Fans der Vorlage erkennen viele bekannte Gesichter sofort wieder, auch dank der Rückkehr zahlreicher Sprecher aus der Serie, allen voran J. K. Simmons als Omni-Man, der dem Spiel ordentlich Gravitas verleiht. Allerdings fällt auch auf, dass einige Figuren visuell nicht ganz so stark differenziert sind, wie man es sich von einem Fighting Game wünschen würde. Gerade bei den Viltrumiten verschwimmen die Designs etwas. Der Story-Modus ist leider eine der größten Schwächen. Zwar ist er technisch beeindruckend inszeniert, mit stylischen, leicht an Spider-Man: Into the Spider-Verse erinnernden Animationen, aber inhaltlich bleibt er ziemlich oberflächlich. Nach etwa einer Stunde auf normalem Schwierigkeitsgrad war der Abspann erreicht, und das Ganze wirkt eher wie ein Vorwand, um Kämpfe aneinanderzureihen, statt eine wirklich packende Geschichte zu erzählen.

Auch im Singleplayer insgesamt merkt man, dass der Fokus klar auf Multiplayer liegt. Arcade-Modi sind vorhanden, aber wenig spektakulär, und darüber hinaus gibt es nicht viel, was langfristig allein motiviert. Das ist schade, gerade weil das Universum eigentlich genug Stoff für mehr bieten würde. Dafür punktet das Spiel im Online-Bereich. Das Rollback-Netcode-System sorgt für stabile und flüssige Matches, zumindest in meinen Sessions. Gerade bei einem Fighting Game ist das entscheidend und hier macht Invincible VS vieles richtig. Dazu kommen zahlreiche freischaltbare Inhalte, die zumindest einen gewissen Progressionsanreiz bieten. Optisch liefert das Spiel einen eigenen Stil, der sich zwar an der Comicvorlage orientiert, aber nicht eins zu eins übernimmt. Die Charaktere sehen gut aus, Effekte knallen ordentlich, und die Kämpfe wirken angenehm chaotisch. Die Umgebungen hingegen sind etwas durchwachsen: Während zerstörbare Schauplätze wie New York Spaß machen, wirken andere Arenen eher generisch und austauschbar.

Unterm Strich ist Invincible VS ein richtig starker Einstieg für die Marke im Fighting-Game-Genre. Das Kampfsystem ist zugänglich, aber tief genug, um langfristig zu motivieren, und die Präsentation trifft den Ton der Vorlage ziemlich gut. Die Schwächen liegen klar im Singleplayer-Angebot und dem viel zu kurzen Story-Modus. Wenn du hauptsächlich online spielst oder Lust auf einen neuen kompetitiven Prügler hast, bekommst du hier ein Spiel mit ordentlich Substanz. Wer hingegen ein umfangreiches Solo-Erlebnis erwartet, wird eher enttäuscht sein. Trotzdem: Für Fans von Invincible und Fighting Games ist das hier ein ziemlich gelungener Erstschlag.
——— Hinweise & Disclaimer: ———
Zur Erstellung dieses Reviews wurde uns vom Publisher ein unentgeltlicher Key für das Spiel zur Verfügung gestellt. Wir danken vielmals für die Unterstützung, weisen aber darauf hin, dass dieser Umstand keine Auswirkung auf unsere Bewertung hat!
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