Saros fühlt sich wie die logische Weiterentwicklung von Returnal an – nur fokussierter, direkter und in vielen Bereichen sogar noch runder. Nach mehreren Stunden auf der PS5 wird schnell klar: Housemarque bleibt eines der wenigen großen Studios, das kompromisslos Gameplay an erste Stelle setzt. Während viele AAA-Produktionen heute möglichst sicher designt werden und sich dadurch oft erschreckend ähnlich anfühlen, liefert Saros wieder dieses seltene Gefühl, ein Spiel einfach deshalb weiterspielen zu wollen, weil jede Sekunde des Spielens selbst so unfassbar gut funktioniert.

Dabei erkennt man die DNA von Returnal sofort. Auch Saros ist ein Run-basierter Third-Person-Shooter, der schnelle Bewegungen, Bullet-Hell-artige Projektilmuster und rogueliteartige Progression kombiniert. Trotzdem versucht das Spiel gar nicht erst, einfach nur Returnal 2 zu sein. Stattdessen nimmt Housemarque viele der stärksten Ideen des Vorgängers und verschlankt sie clever, wodurch Saros insgesamt zugänglicher wirkt, ohne dabei an Tiefe oder Intensität einzubüßen. Die Handlung führt auf den fremdartigen Planeten Carcosa, eine bizarre und sich ständig verändernde Welt, die vom sogenannten Eclipse-Phänomen beeinflusst wird. Du spielst Arjun Devraj, einen entschlossenen Vollstrecker der Soltari Corporation, der herausfinden soll, warum frühere Expeditionen auf dem Planeten verstummt sind. Schon früh wird klar, dass hier etwas gewaltig schiefläuft und wie bei Housemarque üblich erzählt das Spiel seine Sci-Fi-Mystery eher atmosphärisch und fragmentiert, statt alles sofort offenzulegen.

Besonders stark ist dabei die Inszenierung der Spielwelt. Carcosa wirkt gleichzeitig wunderschön und feindselig. Die Biome verändern sich ständig, Architektur verschiebt sich beinahe organisch und überall lauert dieses unterschwellige Gefühl kosmischer Bedrohung. Optisch ist das Spiel auf PS5 beeindruckend. Die Art Direction gehört zu den größten Stärken überhaupt: leuchtende Projektilgewitter, surreale Alien-Landschaften und intensive Effekte sorgen dafür, dass praktisch jede Kampfszene aussieht wie ein kontrolliertes Sci-Fi-Chaos. Auf der normalen PS5 läuft Saros dabei nahezu konstant mit 60 FPS, lediglich in extrem hektischen Szenen gab es minimale Einbrüche. Auf der PS5 Pro läuft das Ganze praktisch makellos. Das eigentliche Highlight bleibt aber natürlich das Gameplay und hier liefert Housemarque erneut absolute Spitzenklasse ab. Bewegung und Combat greifen unglaublich präzise ineinander. Springen, Dashen, Parieren, Schild einsetzen und gleichzeitig Gegner unter Dauerfeuer setzen: Sobald das Kampfsystem „klickt“, entsteht dieser typische Housemarque-Flow, bei dem man fast tranceartig durch Arenen gleitet.

Neu und besonders gelungen ist das Schildsystem. Blaue Projektile können absorbiert werden und laden dadurch mächtige Spezialwaffen auf. Das sorgt dafür, dass Defensive und Offensive permanent miteinander verschmelzen. Statt einfach nur Kugeln auszuweichen, willst du bestimmte Angriffe bewusst aufnehmen, um anschließend selbst massiven Schaden auszuteilen. Gerade in späteren Kämpfen wird daraus ein unglaublich aggressiver Rhythmus. Die Bosskämpfe gehören erwartungsgemäß zu den absoluten Höhepunkten. Ohne zu spoilern: Einige spätere Begegnungen gehören zu den intensivsten und spektakulärsten Kämpfen, die Housemarque bisher gebaut hat. Hier wird man gezwungen, wirklich alle Systeme des Spiels zu meistern. Und ja sterben gehört selbstverständlich dazu. Nach jedem Tod landet man wieder im „Passage“, dem zentralen Hubbereich. Dort spricht man mit Crewmitgliedern, erfährt mehr über Carcosa und investiert gesammeltes Lucenite in permanente Upgrades. Genau diese dauerhafte Progression macht Saros extrem motivierend. Selbst gescheiterte Runs fühlen sich selten sinnlos an, weil man immer etwas freischaltet oder stärker wird. Besonders befriedigend ist es, später in frühere Gebiete zurückzukehren und Gegner, die anfangs brutal wirkten, problemlos zu dominieren.

Interessant ist auch das neue Modifikatorensystem. Über sogenannte Carcosan Modifiers lässt sich der Schwierigkeitsgrad individuell anpassen, allerdings nie kostenlos. Wer sich Vorteile verschafft, muss gleichzeitig Nachteile aktivieren. Dadurch bleibt die Balance erhalten und man kann das Spiel sehr präzise auf den eigenen Geschmack zuschneiden. Hardcore-Spieler können den Schwierigkeitsgrad sogar absurd hochschrauben. Trotz Roguelite-Struktur unterscheidet sich Saros aber deutlich von Genrevertretern, die stark auf Build-Crafting setzen. Es gibt zwar zufällige Waffen und Artefakte, doch das Spiel fokussiert sich eher auf konstanten Spielfluss statt auf völlig eskalierende Synergien. Persönlich fand ich das angenehm. Saros verliert sich nie in überkomplizierten Systemen, sondern bleibt erstaunlich klar und direkt.

Auch narrativ funktioniert das überraschend gut. Die Story ist deutlich präsenter als in vielen anderen Gameplay-orientierten Actionspielen, ohne jemals den Spielfluss auszubremsen. Besonders Rahul Kohli als Arjun trägt enorm zur Atmosphäre bei. Seine Performance verleiht der Figur genau die richtige Mischung aus Entschlossenheit, Erschöpfung und unterschwelliger Unsicherheit. Insgesamt ist die Geschichte vielleicht nicht revolutionär, aber spannend genug, um dauerhaft neugierig zu machen. Der DualSense-Support ist ebenfalls hervorragend gelungen. Housemarque nutzt adaptive Trigger und haptisches Feedback intensiv, ohne dass es jemals gimmickhaft wirkt. Waffen fühlen sich unterschiedlich an, Treffer haben ordentlich Wucht und das Spiel erzeugt eine enorme physische Präsenz.

Natürlich ist nicht alles perfekt. Einige Charaktermodelle wirken außerhalb der Cutscenes etwas schwächer als der Rest der Präsentation, und ganz vereinzelt gibt es kleine Performance-Haker. Außerdem könnten Spieler, die extrem komplexe Build-Systeme erwarten, Saros vielleicht etwas zu streamlined finden. Trotzdem bleibt am Ende vor allem eines hängen: Saros ist ein fantastischer Shooter und ein weiterer Beweis dafür, dass Housemarque genau versteht, wie sich modernes Action-Gameplay anfühlen muss. Das Spiel nimmt die Stärken von Returnal, entschlackt unnötige Hürden und liefert ein unglaublich intensives, motivierendes und stilistisch starkes Erlebnis ab. Wer schnelle, anspruchsvolle Action liebt, kommt hier praktisch nicht dran vorbei.

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