Starbites hat mich deutlich mehr überrascht, als ich anfangs erwartet hätte. Gerade die ersten Stunden hinterlassen zunächst einen eher durchwachsenen Eindruck und wirken stellenweise etwas holprig, doch je länger man spielt, desto stärker entfaltet das Spiel seine eigentlichen Qualitäten. Nach dem Durchspielen auf der PS5 blieb bei mir vor allem das Gefühl hängen, dass hier ein kleines Studio mit viel Herzblut ein erstaunlich ambitioniertes JRPG geschaffen hat, das zwar einige Schwächen besitzt, aber gerade durch seine Kampfsysteme und die stetige spielerische Weiterentwicklung enorm motivieren kann.

Die Geschichte dreht sich um die junge Schrottsammlerin Lukida, die auf dem trostlosen Wüstenplaneten Bitter lebt. Ihr größter Wunsch ist es, endlich ihrer Heimatstadt Delight zu entkommen, denn dort wird sie vom skrupellosen Fennec praktisch ausgebeutet und immer weiter in finanzielle Abhängigkeit gedrängt. Gleich zu Beginn scheint Lukida endlich eine Chance auf Freiheit zu bekommen, doch natürlich läuft alles schief: Ein mysteriöser Mech greift sie an, sie verliert den Kampf und wacht wenig später wieder in Delight auf, ihr Ticket zur Flucht ist verschwunden. Anfangs wirkt es so, als würde sich die Handlung hauptsächlich um die Suche nach diesem Ticket drehen, doch überraschenderweise entwickelt sich die Story später in eine deutlich größere Richtung. Ohne zu spoilern: Das Spiel nimmt einige Wendungen, die ich so nicht erwartet hätte. Gerade ab einem bestimmten Storypunkt wird deutlich, dass Starbites narrativ wesentlich ambitionierter sein möchte, als es der Einstieg zunächst vermuten lässt. Die Geschichte gewinnt dann merklich an Spannung und schafft es tatsächlich, emotionales Gewicht aufzubauen.

Allerdings merkt man auch, dass das Pacing nicht immer sauber funktioniert. Einer der größten Kritikpunkte bleibt das ständige Backtracking. Immer wieder muss man bereits bekannte Gebiete erneut durchqueren, häufig sogar direkt hintereinander, nur um neue Dialoge oder Fetchquests abzuschließen. Das wäre weniger problematisch, wenn das Fast-Travel-System großzügiger wäre, doch Schnellreisepunkte sind relativ selten. Zwar gibt es viele Speicherpunkte, diese dienen aber nicht als Teleporter, weshalb manche Laufwege unnötig lang werden. Das eigentliche Herzstück von Starbites ist aber ganz klar das Kampfsystem – und genau hier spielt das Spiel seine größten Stärken aus. Die rundenbasierten Kämpfe erinnern stellenweise angenehm an moderne klassische JRPGs wie Octopath Traveler, entwickeln aber trotzdem genug eigene Ideen, um sich eigenständig anzufühlen.

Jeder Gegner besitzt versteckte Schwächen für bestimmte Angriffstypen wie Cut, Thermal oder Plasma. Ähnlich wie bei Octopath Traveler entdeckt man diese Schwächen zunächst durch Ausprobieren. Treffer auf Schwachpunkte reduzieren einen Schildwert des Gegners. Sobald dieser auf null fällt, gerät der Gegner in einen Break-Zustand, verliert Züge und kassiert deutlich mehr Schaden. Das sorgt schon früh für einen angenehm taktischen Flow. Richtig interessant wird das System aber durch die DH-Leiste („Driver’s High“). Diese lädt sich durch Angriffe und erlittenen Schaden auf und erlaubt es Charakteren, sofort zusätzliche Aktionen auszuführen, sogar mitten im Zug eines Gegners. Kombiniert mit Spezialfähigkeiten, Mehrfachtreffern und erweiterten Skill-Effekten entstehen später überraschend komplexe Kampfsituationen. Besonders gelungen fand ich dabei, dass die Positionierung der Gegner eine große Rolle spielt. Gegner stehen nicht einfach immer in einer Reihe, sondern oft in getrennten Formationen. Dadurch sind Flächenangriffe deutlich situativer einsetzbar und Kämpfe fühlen sich dynamischer an, statt einfach nur auf stumpfes AoE-Spamming hinauszulaufen.

Die Bosskämpfe ziehen den Schwierigkeitsgrad später angenehm an und verlangen tatsächlich clevere Nutzung der Systeme. Gerade im letzten Drittel überrascht Starbites mehrfach mit beinahe puzzleartigen Bossmechaniken. Dazu kommt erfreulicherweise, dass Buffs und Debuffs wirklich relevant sind, etwas, das viele moderne RPGs leider oft vernachlässigen. Hinzu kommt ein erstaunlich flexibles Build-System. Jeder Charakter besitzt umfangreiche Skilltrees, die jederzeit kostenlos zurückgesetzt werden können. Das motiviert enorm zum Experimentieren. Besonders cool: Die Mechs der Figuren lassen sich individuell ausrüsten. Waffen, Frames, Engines und Kerne verändern Werte, Fähigkeiten und teilweise sogar das Aussehen der Maschinen. Zwar hätte ich mir optisch noch etwas mehr Anpassungsmöglichkeiten gewünscht, aber spielerisch funktioniert das System hervorragend. Vor allem gegen Ende, wenn alle Party-Mitglieder verfügbar sind und man richtig mit Synergien experimentieren kann, entfaltet Starbites sein volles Potenzial. Support-Charaktere greifen beispielsweise automatisch ein, wenn ein Gegner gebrochen wird, wodurch sehr starke Teamkombinationen entstehen können. Genau diese Gameplay-Progression ist die größte Stärke des Spiels.

Weniger überzeugend ist dagegen die technische und visuelle Seite. Die 2D-Artworks der Charaktere sehen fantastisch aus und besitzen einen charmanten Stil irgendwo zwischen Anime und westlichem Comic-Look. Die eigentlichen 3D-Modelle im Spiel können da allerdings nicht ganz mithalten. Teilweise erinnern sie fast an frühe PS2- oder Dreamcast-RPGs. Gleichzeitig besitzt das Ganze aber auch einen gewissen nostalgischen Charme, fast wie alte CGI-Cartoons der späten 90er. Auf PS5 lief das Spiel insgesamt stabil mit flüssigen 60 FPS, allerdings gab es einige kleinere Bugs und Kamera-Probleme. Besonders die Kamera verhielt sich in manchen Arealen etwas erratisch, und gelegentlich wirkten Übergänge nach Kämpfen leicht fehlerhaft. Nichts davon zerstört das Spielerlebnis komplett, aber man merkt dem Spiel sein begrenztes Budget definitiv an.

Trotz dieser Schwächen hat mich Starbites am Ende wirklich positiv überrascht. Das Spiel wächst kontinuierlich über sich hinaus, je länger man dabei bleibt. Die ersten Stunden sind zwar etwas zäh, doch wer Geduld mitbringt, bekommt ein erstaunlich cleveres und motivierendes JRPG mit starkem Kampfsystem, viel Build-Freiheit und sympathischem Indie-Charme. Gerade Fans klassischer rundenbasierter Rollenspiele dürften hier deutlich mehr entdecken, als der eher unscheinbare Ersteindruck zunächst vermuten lässt.

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