Darksiders Warmastered Edition ist eines dieser Spiele, die heute eigentlich gar nicht mehr gemacht werden. Es stammt aus einer Zeit, in der Entwickler noch mutig verschiedene Ideen miteinander vermischten, ohne sich Gedanken darüber zu machen, ob das Ergebnis sauber in ein Genre oder eine Marketing-Schublade passt. Elemente aus God of War treffen auf klassisches Dungeon-Design à la The Legend of Zelda, dazu kommt eine düstere Comicbuch-Ästhetik und die Rolle eines der vier apokalyptischen Reiter. Auf dem Papier klingt das wie ein wilder Mix – in der Praxis entstand daraus jedoch eines der markantesten Action-Adventures seiner Generation.
16 Jahre nach dem ursprünglichen Release kehrt Darksiders nun mit einem nativen PS5-Upgrade zurück. Für diesen Test wurde die PS5-Version gespielt, die nicht nur von schärferen Texturen und einer nativen 4K-Darstellung profitiert, sondern auch von stabilen 60 Bildern pro Sekunde, DualSense-Unterstützung und diversen technischen Verbesserungen. Das Grundgerüst bleibt zwar unverändert, doch genau das ist vielleicht die größte Stärke dieses Remasters: Es erinnert daran, wie gut das ursprüngliche Spiel bereits war. Schon die ersten Minuten entfalten noch immer eine beeindruckende Wirkung. Die Apokalypse beginnt nicht am Ende der Geschichte, sie passiert direkt zu Beginn. Himmel und Hölle stürzen sich auf die Erde, Engel fallen vom Himmel, Dämonen überrennen die Städte und mittendrin erscheint Krieg, einer der vier Reiter der Apokalypse. Da er zu früh erscheint, wird ausgerechnet er für das Ende der Welt verantwortlich gemacht.

Vor den Verkohlten Rat gezerrt und seiner Kräfte beraubt, erhält Krieg eine letzte Chance: Er soll auf die zerstörte Erde zurückkehren, die wahre Ursache der Katastrophe aufdecken und die Verantwortlichen zur Rechenschaft ziehen. Die Geschichte ist dabei klassisches Fantasy-Epos mit Comicbuch-Einschlag, lebt aber vor allem von ihrer Welt. Die Erde wird zu einem faszinierenden Schauplatz zwischen Himmel und Hölle. Zerfallene Wolkenkratzer, zerstörte Autobahnen und von Dämonen korrumpierte Städte erzeugen eine Atmosphäre, die selbst heute noch einzigartig wirkt. Besonders beeindruckend bleibt die künstlerische Handschrift von Joe Madureira. Die überzeichneten Rüstungen, gigantischen Waffen und markanten Charakterdesigns verzichten bewusst auf Realismus und setzen stattdessen auf Stil. Genau deshalb ist Darksiders auch optisch hervorragend gealtert.
Das Herzstück des Spiels bleibt jedoch das Gameplay. Kriegs ikonisches Schwert Chaoseater fühlt sich auch heute noch wuchtig und befriedigend an. Jeder Treffer besitzt Gewicht, Gegner reagieren sichtbar auf Angriffe und die brutalen Finisher sorgen regelmäßig für spektakuläre Momente. Das Kampfsystem bewegt sich geschickt zwischen Arcade-Action und taktischem Timing. Aggressives Vorgehen wird belohnt, gleichzeitig müssen Konter, Ausweichmanöver und Positionierung berücksichtigt werden. Mit zunehmender Spielzeit erweitert sich Kriegs Arsenal stetig. Neue Waffen wie die Sense bringen zusätzliche Spielstile ins Spiel, während Zornfähigkeiten verheerende Spezialangriffe ermöglichen. Die eigentliche Stärke von Darksiders liegt jedoch nicht im Kampf allein, sondern in seiner gelungenen Mischung aus Action und Abenteuer.

Die Spielwelt ist voller clever designter Dungeons, verschlossener Wege, Umgebungsrätsel und neuer Werkzeuge, die den Zugang zu zuvor unerreichbaren Bereichen ermöglichen. Besonders die Twilight Cathedral gehört noch immer zu den besten Dungeons, die das Genre hervorgebracht hat. Verwinkelte Wege, intelligente Rätsel und geschickt ineinandergreifende Bereiche sorgen dafür, dass jede Entdeckung belohnend wirkt. Gerade in einer Zeit, in der viele Open-World-Spiele auf Größe statt Struktur setzen, wirkt Darksiders beinahe erfrischend fokussiert. Jeder Raum hat eine Funktion, jedes Rätsel einen Sinn und jeder Fortschritt fühlt sich verdient an. Auch das Progressionssystem überzeugt weiterhin. Krieg wird nach und nach stärker, schaltet neue Fähigkeiten frei und erhält Werkzeuge, die sowohl den Kampf als auch die Erkundung verändern. Besonders die Chaosform bleibt ein Highlight. Wenn Krieg seine wahre Macht entfesselt und ganze Gegnerhorden mühelos auseinanderreißt, fühlt sich das noch immer fantastisch an.

Zusätzlich sorgen Metroidvania-artige Elemente dafür, dass sich spätere Besuche in bereits bekannten Gebieten lohnen. Neue Fähigkeiten eröffnen alternative Wege, versteckte Truhen und zusätzliche Geheimnisse. Diese Form des Backtrackings wirkt nie künstlich gestreckt, sondern sinnvoll in die Spielstruktur integriert. Technisch präsentiert sich die PS5-Version als bislang beste Konsolenfassung. Die native 4K-Auflösung sorgt für deutlich schärfere Umgebungen, während die konstanten 60 FPS das ohnehin starke Kampfsystem nochmals aufwerten. Frühere Probleme wie Screen Tearing gehören endgültig der Vergangenheit an. Auch der Fotomodus passt hervorragend zu einer Welt, die bis heute zahlreiche eindrucksvolle Motive bietet. Hinzu kommt die Unterstützung der DualSense-Funktionen. Schwere Schwertschläge fühlen sich durch das haptische Feedback kraftvoller an und auch Ruins Ritte über die zerstörten Landschaften profitieren von den zusätzlichen Effekten. Es sind keine revolutionären Neuerungen, aber sie tragen dazu bei, dass sich diese Version moderner anfühlt.

Akustisch überzeugt Darksiders ebenfalls weiterhin. Der orchestrale Soundtrack unterstreicht die epische Atmosphäre perfekt, während die Vertonung insbesondere bei Krieg selbst nach wie vor ausgezeichnet ist. Seine ruhige, entschlossene Art passt ideal zu einer Figur, die zwischen Pflichtgefühl, Schuld und Vergeltung gefangen ist. Natürlich merkt man dem Spiel sein Alter an einigen Stellen an. Die spätere Armageddon-Klinge-Quest bremst das Tempo etwas aus und manche Plattformpassagen wirken aus heutiger Sicht nicht mehr ganz so präzise wie moderne Genrevertreter. Diese Schwächen fallen jedoch kaum ins Gewicht, weil das Fundament weiterhin außergewöhnlich stark ist. Darksiders Warmastered Edition fühlt sich 2026 fast wie ein Relikt aus einer anderen Zeit an und genau das macht seinen Reiz aus. Es ist fokussiert, ohne klein zu wirken, bietet sinnvolle Progression statt endloser Sammelaufgaben und setzt auf cleveres Leveldesign statt auf künstlich aufgeblähte Spielwelten.
Die Kämpfe machen noch immer Spaß, die Dungeons gehören weiterhin zu den größten Stärken des Spiels und die Welt besitzt eine Identität, die vielen modernen Action-Adventures fehlt. Die PS5-Version liefert dafür nun endlich die technische Präsentation, die das Spiel verdient hat. Wer Darksiders damals verpasst hat oder Kriegs Abenteuer noch einmal erleben möchte, bekommt hier die bislang beste Möglichkeit dazu. Auch 16 Jahre später gehört Darksiders noch immer zu den stärksten Action-Adventures seiner Generation.
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