Manchmal braucht es gar keine riesige Karriere, keinen Franchise-Modus und keine dutzenden Menüs voller Managementoptionen, um den Reiz von Basketball einzufangen. Manchmal reicht es, mit ein paar Freunden auf den Platz zu gehen, Teams zu bilden und einfach so lange zu spielen, bis die Beine nicht mehr mitmachen. Genau dieses Gefühl versucht NBA The Run einzufangen und über weite Strecken gelingt ihm das erstaunlich gut.
Statt auf klassische Simulation setzt NBA The Run vollständig auf schnelle, intensive 3-gegen-3-Partien. Das Ergebnis erinnert dabei weniger an NBA 2K und deutlich stärker an die legendären NBA Street-Spiele, auch wenn Entwickler Play by Play Studios seinen ganz eigenen Ansatz verfolgt. Nach vielen Stunden auf der PS5 bleibt vor allem ein Eindruck hängen: NBA The Run macht enorm viel Spaß, solange man die richtige Erwartungshaltung mitbringt. Der größte Trumpf des Spiels ist ohne Frage sein Kader. Über 30 aktuelle NBA-Stars sowie mehrere Streetball-Legenden stehen zur Auswahl und unterscheiden sich erfreulich deutlich voneinander. Es geht hier nicht nur um Werte auf einem Datenblatt, sondern um echte Identitäten auf dem Court.

Wer mit Victor Wembanyama spielt, nutzt dessen absurde Reichweite für Blocks, Rebounds und spektakuläre Dunks. Stephen Curry und Damian Lillard verwandeln das Spielfeld dagegen praktisch in ihre persönliche Dreierlinie. Ja Morant glänzt mit spektakulären Aktionen am Ring, während Nikola Jokic durch sein Passspiel und seine Übersicht überzeugt. Dadurch fühlt sich jede Teamzusammenstellung anders an und sorgt dafür, dass man ständig neue Kombinationen ausprobieren möchte. Besonders beeindruckend ist dabei die Detailverliebtheit bei den Animationen. Die Entwickler haben sich nicht damit begnügt, allen Spielern dieselben Bewegungsabläufe zu verpassen. Stattdessen wurden zahlreiche charakteristische Wurfbewegungen und Eigenheiten übernommen. Devin Bookers geschmeidiger Jumper, LaMelo Balls ungewöhnlicher Wurfstil oder Currys blitzschneller Release sind sofort erkennbar. Gerade für Basketballfans sorgt das für einen hohen Wiedererkennungswert.

Gespielt wird hauptsächlich in zwei Modi. Knockout Squads setzt auf Online-Matches, in denen drei Spieler gemeinsam ein Team kontrollieren. Jeder übernimmt einen NBA-Star und versucht gemeinsam mit seinen Mitspielern die Meisterschaft zu gewinnen. Knockout Solos hingegen erlaubt es, das komplette Dreierteam alleine zu steuern. Während beide Modi ihre Reize haben, entfaltet Knockout Squads eindeutig das größere Potenzial. Die Dynamik zwischen menschlichen Mitspielern sorgt regelmäßig für spektakuläre Aktionen, spontane Spielzüge und Momente, die man so in keinem Einzelspielermodus erleben würde. Natürlich gehört auch Frust dazu, wenn Teamkollegen das Konzept eines Passes offenbar noch nie gehört haben. Glücklicherweise dauern die Matches nur wenige Minuten, sodass eine Niederlage nie besonders schmerzhaft ausfällt. Die eigentliche Stärke von NBA The Run liegt jedoch im Spielablauf. Die Partien sind schnell, intensiv und jederzeit leicht zugänglich. Statt komplizierter Systeme steht der unmittelbare Spaß im Vordergrund. Das bedeutet aber keineswegs, dass Tiefe fehlt. Vielmehr entsteht diese durch die unterschiedlichen Spielerfähigkeiten, Teamzusammenstellungen und wechselnden Spielregeln.

Vor jedem Match entscheidet ein Zufallssystem, welche Sonderregeln gelten. Mal zählen Dunks plötzlich drei Punkte, während Dreierwürfe nur einen Punkt wert sind. In anderen Matches zählen alle Körbe gleich viel oder die Siegbedingungen werden komplett verändert. Diese Variationen sorgen dafür, dass sich die Partien ständig anders anfühlen und verhindern, dass sich eine dominante Strategie etabliert. Gerade dieser Ansatz hält das Spiel frisch. Ein Team, das in einem Modus perfekt funktioniert, kann in der nächsten Runde plötzlich völlig ungeeignet sein. Dadurch wird man ständig dazu motiviert, neue Spieler auszuprobieren und die eigene Taktik anzupassen. Auch die Spielorte tragen ihren Teil zur Atmosphäre bei. Insgesamt sieben Courts stehen zur Verfügung, die auf realen Basketball-Hotspots rund um den Globus basieren. Von den berühmten Plätzen in New York bis hin zu internationalen Standorten wirken die Arenen lebendig und authentisch.

Besonders gelungen ist dabei die Präsentation. Zuschauer säumen die Courts, feiern spektakuläre Aktionen und vermitteln genau das Streetball-Gefühl, das das Spiel erzeugen möchte. Die Umgebungen sind detailreich gestaltet und unterscheiden sich optisch deutlich voneinander. Dadurch fühlt sich jede neue Location wie eine kleine Reise in eine andere Basketballkultur an. Technisch hinterlässt die PS5-Version ebenfalls einen soliden Eindruck. Die Performance bleibt während der hektischen Partien stabil, die Animationen laufen flüssig und die Steuerung reagiert präzise. Gerade bei einem Spiel, das auf schnelle Entscheidungen und unmittelbare Reaktionen setzt, ist das enorm wichtig. Doch trotz aller Stärken offenbart NBA The Run nach längerer Spielzeit auch seine größte Schwäche. Das Konzept nutzt sich überraschend schnell ab.

Die ersten Stunden sind fantastisch. Jeder neue Spieler, jede neue Arena und jede gewonnene Meisterschaft motivieren zum Weiterspielen. Doch nach einigen Dutzend Partien beginnt sich vieles zu wiederholen. Die schnellen Matchabfolgen sorgen zwar für einen konstanten Spielfluss, gleichzeitig fehlt aber etwas, worauf man langfristig hinarbeiten kann. Neue Inhalte werden nur begrenzt freigeschaltet, die Progression bleibt überschaubar und irgendwann verschwimmen Siege, Highlights und Meisterschaften miteinander. Was anfangs aufregend wirkt, verliert nach vielen Matches einen Teil seines Reizes. Das bedeutet nicht, dass NBA The Run schlecht wird. Vielmehr eignet es sich hervorragend für kurze Sessions. Ein paar Runden zwischendurch machen nach wie vor Spaß, doch der Titel besitzt aktuell nicht die Langzeitmotivation großer Sportspiele oder umfangreicher Multiplayer-Erfahrungen.

NBA The Run ist eine überraschend gelungene Mischung aus modernem Online-Basketball und den lockeren Streetball-Wurzeln der NBA-Street-Reihe. Die Partien sind schnell, unterhaltsam und profitieren enorm von der starken Spielerauswahl sowie den kreativen Regelvarianten. Vor allem gemeinsam mit anderen Spielern entfaltet das Konzept sein volles Potenzial. Die kurzen Matchzeiten, die unterschiedlichen Stars und die atmosphärischen Courts sorgen immer wieder für spektakuläre Momente. Langfristig fehlt es jedoch etwas an Abwechslung und Motivation, wodurch sich die anfängliche Begeisterung schneller abnutzt als erhofft. Als Multiplayer-Basketballspiel für zwischendurch funktioniert NBA The Run aber hervorragend und bietet gerade Fans des Sports viele unterhaltsame Stunden auf dem virtuellen Court.
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