Alte Konsolen haben ihren ganz eigenen Charme. Das Design, die Controller, die Spiele und nicht zuletzt das Gefühl, eine Konsole aus der eigenen Kindheit wieder in den Händen zu halten, lassen sich durch moderne Technik kaum ersetzen. Gleichzeitig merkt man vielen Geräten ihr Alter inzwischen deutlich an. Displays sind dunkel und schlecht ablesbar, Akkus halten nicht mehr, Anschlüsse wirken überholt und manche Komponenten haben nach Jahrzehnten schlicht das Ende ihrer Lebensdauer erreicht.
Genau hier setzt unsere neue Reihe „Modding klassischer Konsolen“ an. Wir schauen uns an, was sich aus alten Konsolen heute noch herausholen lässt – von kleinen Verbesserungen bis hin zu umfangreichen Umbauten. Dabei geht es nicht darum, die ursprüngliche Hardware einfach durch moderne Technik zu ersetzen. Vielmehr wollen wir den Charakter der Klassiker erhalten und sie dort verbessern, wo es sinnvoll ist.
Den Anfang macht mit dem Game Boy eine der wohl bekanntesten Handheld-Konsolen überhaupt. Gerade beim Display zeigt sich, wie viel sich seit 1989 getan hat. Mit modernen IPS-Lösungen, neuen Gehäusen, besseren Lautsprechern, Akkus und weiteren Mods lässt sich aus einem alten Game Boy heute ein erstaunlich moderner Retro-Handheld machen.
#1 unserer Reihe widmet sich deshalb der Frage: Was kann man aus einem alten Game Boy noch herausholen – und wie einfach lässt sich das heute umsetzen?
Der Game Boy gehört zu den erfolgreichsten Handhelds aller Zeiten. Mehr als drei Jahrzehnte nach seiner Veröffentlichung gibt es noch immer Millionen funktionierender Geräte – und gleichzeitig unzählige Exemplare, die ihre besten Jahre eigentlich hinter sich haben. Zerkratzte Gehäuse, vergilbte Kunststoffteile, schwergängige Tasten oder ein beschädigtes Display sind bei einem gebrauchten Game Boy keine Seltenheit. Trotzdem müssen solche Geräte noch lange nicht ausgemustert werden.

Ganz im Gegenteil: Dank der riesigen Modding-Szene lässt sich aus einem alten Game Boy heute ein moderner Retro-Handheld machen. Die Möglichkeiten reichen dabei von einer einfachen Hintergrundbeleuchtung für das originale Display bis hin zu großen, laminierten IPS-Panels, neuen Gehäusen, Akkus und USB-C-Anschlüssen. Und das vielleicht Interessanteste: Man muss heute nicht einmal mehr zwingend löten können.
Während ein Display-Mod vor einigen Jahren noch deutlich mehr handwerkliches Geschick voraussetzte, gibt es inzwischen zahlreiche sogenannte No-Solder-Lösungen. Passende Gehäuse, Brackets, Steckverbindungen und vormontierte Displayeinheiten machen viele Umbauten auch für Einsteiger zugänglich. Doch bevor wir uns anschauen, was heute alles möglich ist, lohnt sich zunächst ein Blick auf die Ausgangssituation.
Warum war das originale Game Boy-Display eigentlich so schlecht?
Die kurze Antwort lautet: Aus heutiger Sicht war es schlecht – 1989 war es das nicht. – Als Nintendo den Game Boy 1989 auf den Markt brachte, musste das Unternehmen zahlreiche Kompromisse eingehen. Der Handheld sollte klein, robust, bezahlbar und vor allem möglichst stromsparend sein. Ein beleuchtetes Farbdisplay, wie wir es heute von praktisch jedem Smartphone kennen, war keine Option. Der originale Game Boy besitzt deshalb ein monochromes, reflektives LCD mit einer Auflösung von 160 × 144 Pixeln.

Das Display erzeugt sein Bild nicht selbstleuchtend. Stattdessen wird das vorhandene Umgebungslicht genutzt, um die Darstellung sichtbar zu machen. Das funktioniert bei guten Lichtverhältnissen erstaunlich gut.

Sobald das Umgebungslicht jedoch schlechter wird, zeigt sich die größte Schwäche: Es gibt keine Hintergrundbeleuchtung. Im dunklen Zimmer, im Bett, im Auto oder in einem schlecht beleuchteten Raum wird das Spielen schnell schwierig bis unmöglich.
Der geringe Kontrast
Hinzu kommt der vergleichsweise geringe Kontrast des alten LCDs. Die typische grünlich-graue Darstellung gehört zwar heute für viele zum unverwechselbaren Game Boy-Look, aus praktischer Sicht ist sie allerdings nicht besonders komfortabel. Bei ungünstigen Lichtverhältnissen können sich Hintergrund und Spielfiguren nur relativ schwach voneinander abheben.
Moderne IPS-Displays lösen dieses Problem grundlegend. Sie sind selbstleuchtend und benötigen kein Licht von außen, um ein kontrastreiches Bild darzustellen.
Begrenzte Blickwinkel & Auflösung
Auch die Blickwinkel des ursprünglichen LCDs sind aus heutiger Sicht eingeschränkt. Das Display sieht am besten aus, wenn man möglichst gerade darauf schaut. Schon bei einer seitlichen Betrachtung können sich Kontrast und Darstellung verändern. Moderne IPS-Panels sind hier deutlich unkomplizierter.

Die Auflösung des ursprünglichen Game Boy beträgt gerade einmal 160 × 144 Pixel. Das klingt im Zeitalter von Full HD, 4K und hochauflösenden Smartphone-Displays beinahe lächerlich. Für die Spiele des Game Boy war diese Auflösung allerdings völlig ausreichend. Die Entwickler wussten genau, mit welchen technischen Einschränkungen sie arbeiten mussten. Deshalb sollte man die niedrige Auflösung nicht einfach als Fehler betrachten. Sie ist ein Teil des ursprünglichen Designs.

Wichtig ist auch: Ein modernes IPS-Display macht aus einem Game Boy-Spiel nicht automatisch ein höher aufgelöstes Spiel. Das ursprüngliche Bildsignal wird je nach Display entsprechend skaliert und auf dem modernen Panel dargestellt. Die Pixel bleiben also Pixel – sie werden nur wesentlich größer, heller und sauberer dargestellt.
Auch das Alter macht dem Display zu schaffen
Neben den ursprünglichen technischen Einschränkungen kommt heute das Alter hinzu. Die ersten Game Boys sind inzwischen mehr als 35 Jahre alt. – Je nach Gerät können deshalb zusätzlich Pixelfehler, Linien, Kratzer, schwacher Kontrast, abgelöste Polarisationsfolien oder andere altersbedingte Probleme auftreten.
Das bedeutet nicht, dass jedes originale Display schlecht ist. Viele funktionieren auch nach Jahrzehnten noch erstaunlich gut. Bei einem gebrauchten Gerät sollte der Zustand deshalb individuell beurteilt werden.
Die erste Aufwertung: Licht für das originale Display
Wer möglichst viel Originalität erhalten möchte, muss nicht gleich das komplette LCD austauschen. Die einfachste Modifikation besteht darin, dem vorhandenen Display eine Beleuchtung hinzuzufügen. Je nach Lösung handelt es sich um eine Hintergrund- oder Frontbeleuchtung, die mit dem vorhandenen LCD kombiniert wird.

Das Prinzip ist simpel: Das originale Display bleibt erhalten, bekommt aber eine zusätzliche Lichtquelle. Damit lässt sich der größte praktische Nachteil des ursprünglichen Game Boy-Displays beseitigen. Allerdings bleiben die anderen Eigenschaften des LCDs bestehen. Auflösung, Kontrast, Blickwinkel und die charakteristische Darstellung verändern sich nicht grundsätzlich. Eine zusätzliche Beleuchtung war lange Zeit eine interessante und vergleichsweise günstige Möglichkeit, einen Game Boy alltagstauglicher zu machen. Heute sieht die Situation anders aus.

IPS-Kits sind deutlich günstiger und einfacher verfügbar geworden. Für vergleichsweise wenig mehr Geld erhält man ein komplett neues Display mit Hintergrundbeleuchtung, deutlich besserem Kontrast und – abhängig vom Kit – zusätzlichen Funktionen. Eine reine Beleuchtung ist deshalb heute vor allem für Puristen interessant, die das originale LCD unbedingt erhalten möchten. Wer dagegen möglichst viel aus seinem Game Boy herausholen möchte, landet inzwischen fast zwangsläufig beim IPS-Display.
Der große Sprung: IPS-Displays
Ein modernes IPS-Display verändert den Game Boy grundlegend. IPS steht dabei für In-Plane-Switchting und beschreibt die technische Steigerung mit besseren Blickwinkeln, höherem Kontrast, schnellerer Reaktionszeit, kräftigeren und präziseren Farben und selbstverständlich auch Hintergrundbeleuchtung. Statt des alten LCDs wird ein modernes LCD-Panel eingesetzt. Dadurch erhält der Handheld eine helle, kontrastreiche und deutlich besser ablesbare Darstellung.

Je nach Kit kommen weitere Funktionen hinzu:
- Helligkeitsregelung
- verschiedene Farbprofile
- unterschiedliche Farbpaletten
- Pixel- beziehungsweise Integer-Scaling
- Scanlines und weitere Darstellungseffekte
- On-Screen-Menüs
- Touchsteuerung
Damit wird aus dem ursprünglichen Game Boy zwar keine moderne Konsole – die CPU, das Spielsignal und die Spiele selbst bleiben unverändert –, das Spielerlebnis wird aber erheblich komfortabler.
Doch: Nicht jedes IPS-Display ist gleich
Wer heute nach einem IPS-Kit sucht, wird schnell feststellen, dass es eine enorme Auswahl gibt. Der Begriff „IPS“ allein sagt deshalb noch nicht viel über die Qualität oder den Aufwand des Umbaus aus.

Wichtiger sind mehrere andere Faktoren:
Wie groß ist das Display? Ist es laminiert? Benötigt das Gehäuse eine Bearbeitung? Gibt es ein passendes IPS-Ready-Gehäuse? Kann das Kit ohne Löten installiert werden? Wie wird es gesteuert und mit Strom versorgt?
Diese Unterschiede entscheiden letztlich darüber, wie aufwendig der Umbau wird. Eine der wichtigsten Entscheidungen ist die Displaygröße. Es werden unterschiedliche Displaygrößen angeboten, die von Originalgröße bis hin zu stark vergrößert reichen.

Wer seinen Game Boy äußerlich möglichst originalgetreu halten möchte, kann ein Display wählen, das sich an den Abmessungen des ursprünglichen LCDs orientiert. Der Vorteil: Das originale Gehäuse kann je nach Kit weiterverwendet werden oder muss nur geringfügig angepasst werden. Das Ergebnis ist ein klassischer Game Boy, der von außen nahezu unverändert aussieht, sich aber wesentlich angenehmer spielen lässt. Das ist insbesondere für sogenannte OEM+-Umbauten interessant.
Wer dagegen möglichst viel Bildfläche möchte, kann zu größeren IPS-Panels greifen. Hier geht die Modernisierung deutlich weiter.

Beim Game Boy Color gibt es beispielsweise IPS-Lösungen mit einer größeren sichtbaren Fläche als beim ursprünglichen LCD. Auch für den klassischen Game Boy DMG sind inzwischen 3,0- beziehungsweise 3,1-Zoll-Q5-Lösungen erhältlich, die sich optisch stark vom Originaldisplay mit 2,6 Zoll abheben. Das Ergebnis ist beeindruckend: Das eigentliche Spiel bleibt natürlich dasselbe, wird aber auf einer deutlich größeren Fläche dargestellt. Der Nachteil ist der zusätzliche Aufwand. Ein größeres Display passt normalerweise nicht ohne Weiteres in das originale Gehäuse.
Drop-In, Bracket oder Gehäusebearbeitung?
Die Art des Einbaus ist ein weiterer entscheidender Punkt. Bei einem Drop-In-Kit ist das Display so ausgelegt, dass es möglichst einfach in das vorgesehene Gehäuse eingesetzt werden kann. Das reduziert den mechanischen Aufwand erheblich. Für Einsteiger ist das eine der interessantesten Varianten.

Andere Kits verwenden einen speziellen Halterahmen, ein sogenanntes Bracket. Das Display wird darin exakt positioniert und anschließend in das Gehäuse eingesetzt. Das hat nicht nur Vorteile beim Einbau. Ein sauber angepasstes Bracket verhindert auch, dass das Display später verrutscht, es gibt aber meist einen sichbaren Abstand zwischen LCD und Displayglas.

Die klassische Modding-Variante besteht darin, das vorhandene Gehäuse selbst anzupassen. Je nach Display muss Kunststoff entfernt werden. Dafür können beispielsweise Feilen, Messer oder ein Dremel verwendet werden. Das ist durchaus machbar, verlangt aber Geduld. Denn wer zu viel Material entfernt, kann das Gehäuse nicht einfach wieder „auffüllen“. Deshalb gilt: Lieber mehrfach anpassen und testen, als einmal zu viel wegnehmen.
Eine sehr angenehme Alternative sind speziell für das jeweilige Display vorbereitete Gehäuse. Sie besitzen bereits den passenden Displayausschnitt und teilweise auch die notwendigen Befestigungspunkte. Das erspart viel Fräs- und Feilarbeit.

Gerade bei einem ersten Umbau würde ich deshalb eher zu einem passenden Gehäuse greifen, wenn man ohnehin keine besondere Bindung an das originale Shell hat. Und auch optisch gibt es inzwischen kaum noch Einschränkungen. Neben klassischen Farben sind transparente, getönte oder völlig neu gestaltete Gehäuse erhältlich.
Laminierte Displays
Eine der interessantesten Entwicklungen der vergangenen Jahre sind laminierte IPS-Displays. Bei einem klassischen Aufbau liegen Display und Frontglas beziehungsweise Lens getrennt übereinander. Dadurch entsteht ein kleiner Abstand zwischen Bild und Oberfläche.

Bei einem laminierten Display werden die entsprechenden Schichten miteinander verbunden. Das Bild wirkt dadurch deutlich unmittelbarer – beinahe so, als würde es direkt unter der Glasoberfläche liegen. Ein weiterer Vorteil: Zwischen Display und Lens kann sich beim Zusammenbau kein Staub befinden. Gerade bei einem hochwertigen Neuaufbau ist das ein großer Komfortgewinn. Dafür sind laminierte Displays häufiger an speziell vorbereitete Gehäuse gebunden.
Aber: Muss man für einen IPS-Umbau löten können?
Hier hat sich die Situation besonders stark verändert. Und so lautet die Antwort Nein. – Oder: Zumindest nicht zwangsläufig. Viele moderne Kits besitzen vorbereitete Steckverbindungen. Das Display wird angeschlossen, Touchsensoren werden positioniert und anschließend kann der Game Boy wieder zusammengebaut werden. Je nach Kit sind zusätzliche Lötarbeiten lediglich notwendig, wenn bestimmte Zusatzfunktionen gewünscht werden.

Beispielsweise kann eine Verbindung zum Power-Schalter oder zu anderen Punkten auf dem Mainboard erforderlich sein, um die Displaysteuerung über die Originaltasten zu ermöglichen. Wer darauf verzichtet, kann bei vielen Kits die Touchsteuerung verwenden und hat keine Einbußen im Funktionsumfang. Damit wird der IPS-Umbau auch für Menschen interessant, die bisher keinerlei Erfahrung mit Elektronik oder Löten haben.
Auch bei der Stromversorgung unterscheiden sich die Kits. Je nach Modell kann das Display über vorbereitete Anschlüsse mit der vorhandenen Stromversorgung verbunden werden, was aber mitunter Auswirkungen auf die Batterielaufzeit hat. Das kann man umgehen, indem man andersweitig an den Strom kommt, sei es durch eine kleine Lötverbindung oder ein Kabel, das man um den Batteriekontakt wickelt.

Hier sollte man unbedingt vorher einen Blick auf die Installationsanleitung werfen, denn „No-Solder“ bedeutet nämlich nicht bei jedem Hersteller exakt dasselbe. Manche Systeme funktionieren vollständig über Steckverbindungen, bei anderen sind bestimmte Zusatzfunktionen optional und erfordern dann doch den Lötkolben. Aber etwas Recherche zeigt: Für einen grundlegenden IPS-Umbau ist das aber längst kein Hindernis mehr.
Hispeedido: meine persönliche Präferenz
Bei der Vielzahl an Herstellern ist Hispeedido für mich persönlich aktuell einer der interessantesten Anbieter. Dabei handelt es sich ausdrücklich um eine persönliche Präferenz und nicht um die Behauptung, dass Hispeedido in jeder technischen Disziplin automatisch besser als die Konkurrenz wäre.

Der Grund für meine Vorliebe liegt vor allem in der Verarbeitung und der praktischen Umsetzung der Kits. Gerade beim Einbau empfinde ich die Kombination aus Display, Halterung, Anschlüssen und teilweise passendem Gehäuse als sehr angenehm. Das ist ein Punkt, der bei technischen Datenblättern gerne untergeht. Denn was bringt ein hervorragendes Display, wenn der Einbau unnötig kompliziert ist?

Die aktuellen Lösungen von Hispeedido zeigen sehr gut, wohin sich das Game Boy-Modding entwickelt hat: größere Displays, laminierte Varianten, vorbereitete Gehäuse und möglichst wenig Lötarbeit. Besonders interessant sind beispielsweise die größeren Q5-Lösungen für den klassischen Game Boy. Für Game Boy Pocket und Game Boy Color gibt es ebenfalls moderne IPS- und Laminierungsvarianten, wobei nur bei der Pocket-Variante ein Lötkolben zum Einsatz kommt, was ich als Anfänger aber dennoch gut bewältigt habe.
Für mich persönlich sind die Kits von Hispeedido deshalb derzeit die erste Wahl, wenn es um einen möglichst unkomplizierten und sauber verarbeitbaren Umbau geht.
FunnyPlaying: starke Konkurrenz
FunnyPlaying gehört ebenfalls zu den bekanntesten Namen in der modernen Game Boy-Modding-Szene. Besonders stark ist der Hersteller bei laminierten IPS-Lösungen. Für verschiedene Modelle gibt es moderne Panels, die bereits mit der passenden Frontscheibe verbunden sind, aber nur teilweise ohne Lötarbeiten installiert werden können.
Wer das allerdings nicht scheut, der bekommt gerade im Bereich Game Boy Advance und Game Boy Color mit FunnyPlaying eine sehr interessante Alternative für hohe Ansprüche. Wer sich für einen Umbau entscheidet, sollte FunnyPlaying definitiv mit in die Auswahl nehmen.
RetroSix: ebenfalls eine Alternative
Auch RetroSix bietet zahlreiche Modding-Komponenten und eigene Displaylösungen an, die aber im Vergleich teurer und auch anspruchsvoller in der Verarbeitung sind.
Der Hersteller verfolgt teilweise eigene technische Ansätze und hat sich insbesondere mit Lösungen für den Game Boy Advance einen Namen gemacht. Hier zeigt sich erneut, warum es wenig sinnvoll ist, einfach nach „dem besten IPS-Display“ zu suchen. Die verschiedenen Kits unterscheiden sich nicht nur beim Panel, sondern auch bei Einbau, Steuerung, Stromversorgung und Gehäusekompatibilität.
Was tun mit einem defekten Game Boy?
Ein interessanter Nebeneffekt des modernen Modding-Marktes ist, dass sich plötzlich auch Geräte lohnen können, die früher kaum interessant gewesen wären. Ein Game Boy mit defektem Originaldisplay kann beispielsweise eine hervorragende Basis für einen Umbau darstellen. Denn wenn das LCD ohnehin ersetzt wird, spielt es keine große Rolle, ob das ursprüngliche Display perfekt funktioniert.

Auch ein stark zerkratztes oder vergilbtes Gehäuse ist kein großes Problem, wenn ein neues Shell vorgesehen ist. Entscheidend ist vielmehr der Zustand des Mainboards. Besonders aufmerksam sollte man bei Batteriekorrosion sein. Ausgelaufene Batterien können die Kontakte und im schlimmsten Fall auch Leiterbahnen und Bauteile der Hauptplatine beschädigen.
Ein Game Boy mit einem kaputten Display ist deshalb nicht automatisch ein schlechtes Spendergerät. Ein Game Boy mit stark korrodierter Hauptplatine kann dagegen erheblich mehr Arbeit verursachen. Vor einem größeren Umbau lohnt sich deshalb immer ein Blick ins Innere oder als Alternative zumindest der Kurzcheck, ob der Gameboy generell startet, der Ton funktioniert und der optische Gesamteindruck der Batteriekontakte.
Wenn der Game Boy schon geöffnet ist…
Ein IPS-Umbau ist gleichzeitig eine gute Gelegenheit, andere Verschleißteile zu überprüfen. Der originale Lautsprecher hat möglicherweise ebenfalls mehrere Jahrzehnte hinter sich und ist schnell getauscht. Ein neuer Lautsprecher kann die Lautstärke und Klangqualität deutlich verbessern.

Die meisten Aftermarket-Gehäuse kommen schon mit einem neuen Satz Tasten und Membranen. Und auch wenn es puristen gibt, die nur auf das Original schwören, ist ein Austausch auf Grund des Alters und Gebrauchs nicht nur optisch interessant. Buttons nutzen sich mit der Zeit ab und die Gummimembranen darunter können nach Jahrzehnten an Elastizität verlieren. Neue Elemente können das Spielgefühl überraschend stark verbessern.
Eine neue Frontscheibe beziehungsweise Lens gehört bei vielen IPS-Umbauten ohnehin dazu. Sie kann aber auch unabhängig vom Display getauscht werden, wenn die originale Scheibe zerkratzt ist. Hier unterscheidet man zwischen Plastik und Echtglas, was in der Darstellung durchaus einen Unterschied macht und das Gerät zusätzlich aufwertet.
Gerade bei gebrauchten Geräten sollte eine gründliche Reinigung selbstverständlich sein. Gehäuse, Tasten und Platine können nach Jahrzehnten entsprechend verschmutzt sein. Ein sauberer Innenraum ist außerdem die beste Grundlage für einen dauerhaften Neuaufbau. Und eine Reinigung ist an sich auch denkbar simpel. Zahnbürste, Wattestäbchen, Isopropanol und ein paar Minuten Aufwand wirken wahre Wunder…
Wer noch einen Schritt weitergehen möchte, kann die Stromversorgung modernisieren. Statt klassischer AA- oder AAA-Batterien kann ein wiederaufladbarer Akku eingebaut werden. Mit einem USB-C-Anschluss lässt sich der Game Boy anschließend über ein modernes Ladekabel aufladen oder sogar komplett auf Induktion umstellen. Das ist allerdings ein deutlich größerer Eingriff als ein IPS-Umbau.
Während ein No-Solder-IPS-Kit inzwischen relativ unkompliziert sein kann, sollte man bei Akku- und USB-C-Mods genau wissen, was man tut. Für Einsteiger ist dieser Schritt daher eher eine Option für später, kann aber auch ohne Probleme irgendwann nachgeholt werden.
Wie weit sollte man gehen?
Das Schöne am Modding ist, dass es keinen richtigen oder falschen Weg gibt. Man kann einen Game Boy fast unverändert lassen und lediglich die Beleuchtung verbessern. Man kann ein IPS-Display in das originale Gehäuse setzen. Man kann ein größeres, laminiertes Panel mit einem neuen Gehäuse kombinieren. Oder man baut einen komplett neuen Retro-Handheld mit IPS, Akku, USB-C, Lautsprecher und neuen Tasten. Entscheidend ist nur, welches Ergebnis man erreichen möchte.
Was ist für Einsteiger die beste Lösung? – Wer seinen ersten Game Boy umbauen möchte, sollte das Projekt möglichst einfach halten. Eine gute Kombination ist: IPS-Display + passendes IPS-Ready-Gehäuse + möglichst No-Solder + Touchsteuerung.
Damit fallen gleich mehrere typische Fehlerquellen weg. Es muss kein Gehäuse aufwendig ausgefräst werden, das Display muss nicht selbst ausgerichtet werden und der Lötkolben kann zunächst im Werkzeugkasten bleiben. Wer später mehr möchte, kann den Umbau jederzeit erweitern.
Fazit:
Der Game Boy ist ein bemerkenswertes Beispiel dafür, wie langlebig gute Hardware sein kann. Ein Handheld, der ursprünglich mit einem kleinen, unbeleuchteten monochromen LCD ausgeliefert wurde, kann heute mit einem modernen IPS-Display, einem neuen Gehäuse und aktuellen Komponenten zu einem ausgesprochen komfortablen Retro-Handheld werden.

Dabei muss man nicht zwangsläufig den maximalen Umbau durchführen. Wer möglichst nah am Original bleiben möchte, kann das vorhandene Gehäuse und sogar das originale LCD behalten und lediglich eine Beleuchtung nachrüsten. Wer einen deutlichen Qualitätssprung möchte, greift zum IPS-Display. Und wer das Maximum herausholen möchte, kombiniert ein großes, laminiertes Panel mit einem neuen Gehäuse, modernen Tasten, einem besseren Lautsprecher und einer zeitgemäßen Stromversorgung.
Besonders spannend ist dabei die Entwicklung der vergangenen Jahre. Bei den Herstellern gibt es inzwischen eine große Auswahl. Hispeedido ist dabei meine persönliche Präferenz, insbesondere weil ich die Kits beim Einbau und bei der Verarbeitung als besonders angenehm empfinde. FunnyPlaying bietet gerade bei laminierten Lösungen starke Alternativen, während auch RetroSix interessante eigene Ansätze verfolgt. Am Ende bleibt die Entscheidung eine Frage des persönlichen Geschmacks. Und genau darin liegt für mich der größte Reiz des Game-Boy-Moddings:
Man muss heute nicht mehr mit dem Game Boy spielen, den Nintendo 1989 gebaut hat. Man kann ihn zu dem Game Boy machen, den man sich 2026 wünscht.
NB@09.09.2026
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