Capcom befindet sich seit Jahren in einer beeindruckenden Form und hat gerade bei Actionspielen immer wieder bewiesen, wie viel Feingefühl das Studio für präzise und befriedigende Kampfsysteme besitzt. Entsprechend groß waren die Erwartungen, als Ende 2024 mit Onimusha: Way of the Sword die vollständige Rückkehr einer lange schlummernden Reihe angekündigt wurde. Das Ergebnis bestätigt diese Hoffnungen eindrucksvoll. Way of the Sword ist kein halbherziger Versuch, einen bekannten Namen aus der Vergangenheit zurückzuholen, sondern ein aufwendig produziertes Actionspiel, das seine gesamte Identität um eine vermeintlich simple Frage herum aufbaut: Wie gut kann sich ein Schwertkampf in einem Videospiel eigentlich anfühlen?

Nach rund 30 Stunden und dem vollständigen Durchspielen der Kampagne fällt die Antwort ziemlich eindeutig aus: verdammt gut. Der Untertitel ist hier tatsächlich Programm. Fast jedes System dient letztlich dazu, Miyamoto Musashis Fähigkeiten mit der Klinge in den Mittelpunkt zu rücken. Capcom kombiniert präzise Defensive, wuchtige Angriffe, hervorragende Animationen und spektakuläre Bosskämpfe zu einem der überzeugendsten Nahkampfsysteme der vergangenen Jahre. Gleichzeitig bleibt Onimusha seiner eigenen Identität treu und widersteht glücklicherweise der Versuchung, einfach das nächste Soulslike zu werden.

Wie es sich für Onimusha gehört, nimmt Way of the Sword einen historischen japanischen Hintergrund und vermischt diesen hemmungslos mit Dämonen, Magie und übernatürlichem Horror. Die monströsen Genma dringen aus der Hölle in die Welt der Menschen ein und verwandeln Kyoto in einen Ort voller Blut, Tod und Verzweiflung. Auch der legendäre Schwertkämpfer Miyamoto Musashi bekommt ihre Macht unmittelbar zu spüren. Bereits während des Prologs wird er von den Kreaturen niedergestreckt.

Ein mysteriöser Verbündeter holt Musashi zurück und verbindet seinen Arm mit einem magischen Handschuh. Das Artefakt verleiht ihm übermenschliche Kräfte und Reflexe, wodurch er überhaupt erst in der Lage ist, sich mit den Genma anzulegen. Gleichzeitig benötigt der Handschuh die Seelen besiegter Dämonen, um seine heilenden Fähigkeiten aufrechtzuerhalten. Musashi ist damit praktisch dazu gezwungen, immer weiterzukämpfen.

Für den stolzen Schwertkämpfer stellt genau diese Macht allerdings ein Problem dar. Er hat sein gesamtes Leben damit verbracht, die Kunst des Schwertkampfes zu perfektionieren. Übernatürliche Fähigkeiten empfindet er deshalb beinahe als Betrug an seinen eigenen Prinzipien.

Das macht ihn zu einem angenehm widerspenstigen Protagonisten, der seine neue Rolle alles andere als freiwillig akzeptiert. Auf dem Papier bedient Musashi damit einige bekannte Klischees, doch die Umsetzung funktioniert hervorragend. Er ist direkt, rau, selbstbewusst und trotzdem überraschend sympathisch.

Besonders seine Beziehung zu Shizuka sorgt immer wieder für unterhaltsame Momente. Die vornehme Frau existiert als Geist innerhalb seines Handschuhs und hält herzlich wenig von Musashis groben Umgangsformen. Entsprechend regelmäßig geraten beide aneinander. Ihre Wortgefechte lockern die ansonsten ausgesprochen düstere Handlung angenehm auf, ohne deren Atmosphäre zu untergraben.

Noch besser funktionieren allerdings die Bösewichte.

Way of the Sword besitzt Antagonisten, die keinerlei Interesse daran haben, missverstanden zu werden. Gerade der zentrale Gegenspieler zelebriert seine Boshaftigkeit mit einer solchen Begeisterung, dass er praktisch jede Szene an sich reißt. Nicht jeder Schurke braucht schließlich eine tragische Kindheit oder moralisch nachvollziehbare Motive. Manchmal macht es einfach Spaß, einem Bösewicht dabei zuzusehen, wie sehr er es genießt, ein Bösewicht zu sein.

Dazu kommen hervorragend inszenierte Zwischensequenzen, die keinen Zweifel daran lassen, dass Capcom für diese Wiederbelebung ordentlich Budget zur Verfügung gestellt hat. Besonders erfreulich ist, dass das Spiel einige seiner größten Momente im Vorfeld kaum gezeigt hat. Gerade die zweite Hälfte dreht zunehmend auf und überrascht mehrfach mit Sequenzen und Begegnungen, die deutlich größer ausfallen, als die ersten Stunden vermuten lassen.

Die monumentale Größenordnung eines Final Fantasy XVI erreicht Onimusha vielleicht nicht, doch wenn Way of the Sword seine großen Geschütze auffährt, kann es sich problemlos mit den spektakuläreren modernen Actionspielen messen.

Jeder Schwerthieb muss sitzen

Das Herzstück bleibt trotzdem der Schwertkampf.

Auf dem Papier wirkt das System zunächst wenig außergewöhnlich. Musashi verfügt über leichte und schwere Angriffe, kann ausweichen, blocken, parieren und besondere Fähigkeiten einsetzen, die entsprechende Ressourcen verbrauchen. Das klingt erst einmal nach dem üblichen Werkzeugkasten eines modernen Actionspiels.

In Bewegung fühlt sich das Ganze jedoch vollkommen anders an.

Capcom verleiht praktisch jeder Aktion eine enorme physische Präsenz. Schwerthiebe besitzen Gewicht, Stiche wirken unmittelbar und eine im letzten Augenblick gelungene Parade erzeugt genau jene Befriedigung, die ein hervorragendes Actionspiel benötigt.

Entscheidend dafür sind die Animationen.

Übergänge wirken geschmeidig, Treffer wuchtig und selbst kleine Bewegungen vermitteln Musashis enorme Erfahrung mit der Klinge. Seine Angriffe sehen nicht nach wahllos aneinandergereihten Animationen aus. Vielmehr entsteht tatsächlich der Eindruck eines erfahrenen Schwertkämpfers, der genau weiß, wann und wie er seine Waffe einsetzen muss.

Way of the Sword gehört dadurch zu jenen Spielen, bei denen bereits die gewöhnlichsten Kämpfe Spaß machen, weil sich die grundlegenden Aktionen derart gut anfühlen.

Ein wenig Geduld ist trotzdem erforderlich.

In den ersten Stunden wirkt das Kampfsystem vergleichsweise langsam und methodisch. Gleichzeitig fällt die Gegnervielfalt zunächst überschaubar aus. Dadurch kann anfangs der Eindruck entstehen, dass Capcom vielleicht etwas zu vorsichtig an die Wiederbelebung der Reihe herangegangen ist.

Dieser Eindruck verschwindet allerdings mit zunehmendem Fortschritt.

Über verschiedene Fähigkeitenbäume werden immer mehr Techniken freigeschaltet und Musashis Möglichkeiten wachsen deutlich. Sobald mehrere Systeme ineinandergreifen, entfaltet der Kampf sein eigentliches Potenzial.

Wichtig ist allerdings, Way of the Sword nicht mit Devil May Cry zu verwechseln.

Hier werden nicht pausenlos riesige Gegnergruppen mit endlosen Kombos durch die Luft geschleudert. Onimusha bleibt kontrollierter und belohnt vorsichtiges Vorgehen, gutes Timing und das Erkennen kleiner Gelegenheiten. Auf defensive Aktionen folgen kurze, explosive Phasen, in denen Musashi enormen Schaden verursachen kann.

Gleichzeitig ist Way of the Sword ausdrücklich kein Soulslike.

Die Kämpfe sind anspruchsvoll und Fehler können hart bestraft werden, doch die grundlegende Philosophie unterscheidet sich deutlich. Das Tempo erinnert stellenweise beinahe an ein Resident Evil mit Katana, nur dass die entscheidenden Auseinandersetzungen vollständig auf den Nahkampf ausgelegt sind.

Die Bosskämpfe sind das eigentliche Meisterstück

Am deutlichsten zeigt sich die Qualität des Kampfsystems bei den zahlreichen Bossen.

Way of the Sword bietet eine beeindruckende Anzahl großer Konfrontationen und einige davon gehören für mich zu den besten Bosskämpfen, die moderne Actionspiele in den vergangenen Jahren hervorgebracht haben.

Hier greifen Animationen, Timing, Defensive und Inszenierung perfekt ineinander.

Die Gegner verlangen, dass ihre Angriffsmuster verstanden und Paraden sauber ausgeführt werden. Gleichzeitig wirken die Kämpfe nie wie reine Geduldsproben. Sie bleiben spektakulär und schaffen es regelmäßig, spielerische Herausforderung mit cineastischer Präsentation zu verbinden.

Auf dem normalen Action-Schwierigkeitsgrad kann Onimusha durchaus kräftig zubeißen.

Gerade das Timing beim Parieren und Ablenken bestimmter Attacken fällt teilweise überraschend anspruchsvoll aus. Einige Bosse benötigten deshalb mehrere Versuche, bevor ihre Muster vollständig saßen. Unfair fühlten sich diese Niederlagen jedoch nur selten an. Meistens wusste ich ziemlich genau, welchen Fehler ich gemacht hatte.

Wer weniger Widerstand möchte, kann jederzeit auf den Story-Schwierigkeitsgrad wechseln. Dort fallen insbesondere die Zeitfenster für defensive Aktionen großzügiger aus.

Zusätzlich gibt es eine optionale Anzeige, die vor gegnerischen Attacken entsprechende Tastensymbole einblendet. Diese verraten zwar nicht den exakten Zeitpunkt einer Parade, geben aber einen Hinweis darauf, welche Aktion als Nächstes gefragt ist.

Gerade für weniger erfahrene Actionspieler ist das ausgesprochen hilfreich. Statt gleichzeitig jede Animation lesen zu müssen, können zunächst die grundlegenden Mechaniken eines Bosses gelernt werden. Praktischerweise lässt sich diese Unterstützung auch auf dem normalen Action-Schwierigkeitsgrad aktivieren.

Weniger gelungen ist dagegen der Umgang mit Spielern, die von Beginn an eine deutlich größere Herausforderung suchen.

Der härteste Schwierigkeitsgrad Carnage wird erst nach Abschluss der ungefähr 30-stündigen Kampagne gemeinsam mit New Game Plus freigeschaltet. Dort wird Way of the Sword tatsächlich brutal. Bereits zwei oder drei Treffer können Musashi das Leben kosten.

Exklusive kosmetische Belohnungen liefern einen zusätzlichen Anreiz für einen zweiten Durchgang. Trotzdem wäre es wünschenswert gewesen, erfahrenen Spielern Carnage direkt anzubieten, anstatt zunächst eine komplette Kampagne absolvieren zu müssen.

Kyoto bleibt angenehm kompakt

Abseits der weitgehend linearen Hauptmissionen erlaubt sich Onimusha kleinere Ausflüge in offenere Strukturen.

Kyoto dient als zentraler Schauplatz, wobei der Haupttempel als Basis fungiert. Zwischen wichtigen Storyabschnitten kann Musashi die weitgehend verlassenen und mittlerweile von Genma heimgesuchten Straßen erkunden.

Dort warten Materialien für Ausrüstungsverbesserungen, kleinere Geheimnisse und einige Nebenquests.

Anfangs hatte ich durchaus die Befürchtung, Capcom könnte das hervorragende Tempo der Kampagne mit einer unnötigen Open World ausbremsen. Glücklicherweise passiert genau das nicht.

Kyoto bleibt überschaubar und wird sinnvoll mit dem Fortschritt der Handlung verbunden. Während Musashi mächtige Genma besiegt, verändern sich die Bedingungen innerhalb der Stadt und weitere Bereiche werden zugänglich.

Dadurch vermittelt die Umgebung zusätzlich ein Gefühl von Fortschritt, ohne dass man stundenlang belanglose Symbole auf einer überfüllten Karte abarbeiten muss.

Das ist eine angenehm altmodische Qualität von Way of the Sword.

Nicht jedes moderne Actionspiel benötigt schließlich eine gigantische Open World mit hunderten Sammelgegenständen und Beschäftigungstherapie. Onimusha konzentriert sich lieber auf kleinere, gezielt gestaltete Bereiche und kommt damit seiner linearen Struktur wesentlich besser entgegen.

Nicht jede Nebenquest überzeugt. Einige Aufgaben bewegen sich gefährlich nahe an typischer Beschäftigungstherapie. Da ihre Anzahl überschaubar bleibt, entwickeln sie sich allerdings nie zu einem ernsthaften Problem.

Technisch eine positive Überraschung

Besonders positiv überrascht hat mich die technische Umsetzung.

Capcom hatte mit der RE Engine zuletzt nicht immer eine glückliche Hand. Gerade Dragon’s Dogma 2 und Monster Hunter Wilds sorgten hinsichtlich ihrer Performance für einige Diskussionen.

Onimusha: Way of the Sword präsentiert sich dagegen ausgesprochen sauber.

Auf der PS5 Pro stehen mehrere Möglichkeiten zur Verfügung. Die Bildrate kann auf 30 oder 60 Bilder pro Sekunde begrenzt werden oder bei entsprechender Display-Unterstützung offen bis zu 120 FPS laufen. Raytracing lässt sich separat aktivieren und zeigte während meines Durchgangs keine auffälligen Auswirkungen auf die Performance.

Gerade mit 60 Bildern pro Sekunde oder darüber spielt sich Way of the Sword hervorragend.

Selbst wenn zahlreiche Gegner gleichzeitig auf dem Bildschirm stehen und Funken, Partikel und Spezialeffekte durch die Arena fliegen, bleibt die Darstellung angenehm stabil.

Auch auf der regulären PlayStation 5 liefert der Performance-Modus überzeugende Ergebnisse. Die Auflösung muss dafür etwas Federn lassen und das Bild kann gelegentlich leicht weich wirken. Bei einem Spiel, dessen Kampfsystem derart stark von Timing und unmittelbaren Eingaben lebt, würde ich die höhere Bildrate trotzdem jederzeit bevorzugen.

Kurioserweise gehört die reine Grafik dennoch nicht durchgehend zu den größten Stärken.

Einzelne Umgebungen wirken etwas detailarm und insbesondere die Beleuchtung kann stellenweise überraschend flach ausfallen. Vor allem bei ruhigeren Spaziergängen durch Kyoto fällt auf, dass Onimusha nicht immer so hochwertig aussieht, wie es seine hervorragenden Zwischensequenzen zunächst vermuten lassen.

Während der Kämpfe spielt das allerdings kaum eine Rolle.

Animationen, Partikeleffekte und die Inszenierung der Spezialaktionen ziehen dort ohnehin sämtliche Aufmerksamkeit auf sich. Trotzdem bleibt die visuelle Qualität insgesamt etwas inkonsistent.

Musikalisch setzt Way of the Sword überwiegend auf traditionelle japanische Instrumente. Die Stücke gehören vielleicht nicht unbedingt zu den Melodien, die man Stunden später noch vor sich hin summt, entwickeln innerhalb der Kämpfe aber eine enorme Intensität.

Besonders in den düsteren Momenten verstärkt der Soundtrack die unheimliche und beinahe fremdartige Atmosphäre, die schon immer ein wichtiger Bestandteil von Onimusha war.

Fazit

Onimusha: Way of the Sword ist genau die Wiederbelebung, die sich diese Reihe verdient hat.

Capcom versucht nicht, Onimusha zwanghaft in ein modernes Open-World-Konzept oder ein Soulslike-Korsett zu pressen. Stattdessen konzentriert sich das Studio darauf, was dieses Spiel sein möchte: ein hervorragend inszeniertes Action-Abenteuer über einen verdammt guten Schwertkämpfer, der sich durch eine Armee von Dämonen schnetzelt.

Das Kampfsystem braucht einige Stunden, bis sämtliche Zahnräder ineinandergreifen. Sobald Musashi jedoch mehr Techniken beherrscht und anspruchsvollere Gegner auftauchen, gehört Way of the Sword spielerisch zur absoluten Spitze.

Jeder Treffer besitzt Gewicht, erfolgreiche Paraden fühlen sich fantastisch an und die Animationen erreichen ein beeindruckendes Niveau. Über allem stehen die Bosskämpfe. Einige dieser Begegnungen gehören zu den stärksten, die derzeit auf der PlayStation 5 zu finden sind, und verbinden spielerische Herausforderung mit spektakulärer Inszenierung.

Gleichzeitig überzeugen Musashi als herrlich ruppiger Protagonist, Shizuka als sein unfreiwilliger Gegenpol und eine Gruppe von Bösewichten, die ihre Rollen mit sichtbarer Freude auskosten. Gerade die zweite Hälfte hält außerdem einige Überraschungen bereit, die Capcom erfreulicherweise nicht bereits Monate vor Release in Trailern verbraten hat.

Kleinere Schwächen gibt es dennoch. Einige Nebenaufgaben wirken wie Füllmaterial, die Grafik kann außerhalb der großen Szenen überraschend flach aussehen und ausgerechnet der anspruchsvollste Schwierigkeitsgrad wird erst nach dem ersten Durchgang freigeschaltet. Auch die anfangs überschaubare Gegnervielfalt sorgt dafür, dass das Kampfsystem ein wenig Zeit benötigt, um sein volles Potenzial zu entfalten.

Davon abgesehen liefert Capcom jedoch ein beeindruckendes Comeback.

Onimusha: Way of the Sword besitzt die düstere und leicht unheimliche Atmosphäre der alten Reihe, kombiniert sie mit einem modernen und hervorragend abgestimmten Kampfsystem und verpackt das Ganze in eine aufwendig inszenierte Kampagne, die glücklicherweise weder unnötig aufgebläht noch zwanghaft an aktuelle Genretrends angepasst wurde.

Nach so vielen Jahren fühlt sich Onimusha nicht einfach nur wieder relevant an. Way of the Sword zeigt eindrucksvoll, warum diese Reihe überhaupt ein Comeback verdient hat und macht verdammt große Lust darauf, dass dieses Comeback nicht bei einem einzigen Spiel bleibt.

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