Es gibt Spielereihen, die sich über Jahrzehnte hinweg treu bleiben und gerade deshalb nichts von ihrer Faszination verlieren. Ace Combat gehört zweifellos dazu. Während andere Flugsimulationen möglichst realistisch sein wollen, setzt Bandai Namcos traditionsreiche Reihe seit jeher auf eine Mischung aus zugänglicher Steuerung, spektakulären Luftkämpfen und herrlich übertriebenen Militärgeschichten. Mit Ace Combat 8: Wings of Theve kehrt diese bewährte Formel zurück und beweist einmal mehr, dass es kaum etwas Befriedigenderes gibt, als mit einem Kampfjet durch die Wolken zu jagen, feindliche Maschinen ins Visier zu nehmen und sie mit einer präzise platzierten Rakete vom Himmel zu holen.

Nach zahlreichen Flugstunden auf der PlayStation 5 zeigt sich schnell, dass Ace Combat 8 keine grundlegende Neuerfindung der Serie sein möchte. Stattdessen konzentriert sich Entwickler Project Aces auf die Stärken seiner Vorgänger und erweitert das bekannte Konzept um eine umfangreiche Kampagne, zahlreiche Flugzeuge, flexible Anpassungsmöglichkeiten und einige besonders spektakuläre Missionen. Das Ergebnis ist ein Actionspiel, das seine größten Momente dann erlebt, wenn am Himmel das absolute Chaos ausbricht. Kleinere Schwächen bei der künstlichen Intelligenz und gelegentlich frustrierende Eskortmissionen verhindern zwar den perfekten Höhenflug, ändern aber wenig daran, dass Wings of Theve zu den unterhaltsamsten Vertretern seines Genres gehört. Die Geschichte beginnt ungewöhnlich. Statt direkt als gefeierter Kampfpilot durchzustarten, nehmen wir zunächst auf dem hinteren Sitz eines Kampfjets Platz. Als Navigator begleiten wir Commander Cope, einen erfahrenen Piloten, dessen Ruf allerdings schneller Schaden nimmt, als ihm lieb sein dürfte. Bei einer Begegnung mit einer gefürchteten feindlichen Staffel wird die Maschine abgeschossen. Während unser Charakter überlebt, bleibt Cope im Cockpit zurück und versinkt gemeinsam mit seinem Flugzeug im Meer.

Damit ist der Weg frei für einen neuen Helden. Als Rex übernehmen wir nicht nur das Steuer eines eigenen Kampfjets, sondern auch das Vermächtnis der legendären Wings of Theve. Hinter diesem Namen verbirgt sich ein beinahe mythischer Ruf, der unter feindlichen Piloten Angst und Schrecken verbreitet. Ausgerechnet der unerfahrene Rex soll nun beweisen, dass hinter dieser Legende mehr steckt als eine Geschichte. Als neuer Anführer von Joker Flight stehen uns drei Flügelmänner zur Seite: Tasha, Baxter und Coster. Gemeinsam kämpfen wir für die Föderation von Zentral-Usea, die sich gegen die Invasion des feindlichen Staates Sotoa verteidigen muss. Gelegentlich erhalten wir Unterstützung durch die ebenfalls verbündete Queen Flight, doch die entscheidenden Erfolge gehen erwartungsgemäß auf das Konto unserer eigenen Staffel. Wer bereits frühere Ace-Combat-Spiele kennt, wird sich in dieser Ausgangslage sofort heimisch fühlen. Die Geschichte verbindet fiktive geopolitische Konflikte mit militärischem Pathos, dramatischen Funkgesprächen und einer gehörigen Portion Heldenverehrung. Das ist nicht immer besonders glaubwürdig, funktioniert innerhalb dieses Universums aber hervorragend. Ace Combat nimmt seine Welt ernst genug, um Spannung zu erzeugen, und erlaubt sich gleichzeitig genau jene Übertreibungen, die den besonderen Reiz der Serie ausmachen.

Vor allem die Jagd auf den mysteriösen Elitepiloten Shadow 22 entwickelt sich im Verlauf der Handlung zu einem zentralen Motiv. Die gefährliche Shadow Unit taucht immer wieder auf und sorgt dafür, dass aus vermeintlich gewöhnlichen Einsätzen plötzlich hochdramatische Luftkämpfe werden. Gerade in solchen Momenten erinnert Wings of Theve daran, warum die Reihe seit Jahrzehnten eine der besten spielbaren Top Gun-Fantasien bietet. Spielerisch bleibt Ace Combat 8 seinen Wurzeln treu. Die Steuerung ist angenehm zugänglich, reagiert präzise auf Eingaben und vermittelt trotzdem ein überzeugendes Gefühl für Geschwindigkeit und Bewegung. Bereits nach wenigen Minuten gelingen enge Kurven, riskante Manöver und spektakuläre Verfolgungsjagden, ohne dass man sich zunächst durch komplizierte Simulationsmechaniken arbeiten müsste. Dabei bedeutet die vergleichsweise einfache Bedienung keineswegs, dass die Luftkämpfe anspruchslos ausfallen. Gerade gegen erfahrene Gegner kommt es darauf an, die eigene Geschwindigkeit richtig einzuschätzen, Raketen im passenden Moment abzufeuern und feindlichen Angriffen rechtzeitig auszuweichen. Wer lediglich blind seinem Ziel folgt, wird schnell feststellen, dass auch ein moderner Kampfjet keine Wunder vollbringen kann.

Besonders beeindruckend ist die enorme Intensität vieler Missionen. Während man gerade einen feindlichen Jäger verfolgt, meldet der Funk plötzlich neue Bodenziele, anrückende Bomber oder verbündete Einheiten, die dringend Unterstützung benötigen. Überall erscheinen neue Markierungen, Raketenwarnungen ertönen und innerhalb weniger Sekunden muss entschieden werden, welches Ziel die höchste Priorität besitzt. Ein besonders eindrucksvoller Einsatz führt beispielsweise über eine umkämpfte Stadt. Während verbündete Bodentruppen versuchen, sich durch die Straßen zu kämpfen, nähern sich feindliche Bomber. Gleichzeitig tauchen die Elitepiloten der Shadow Unit auf und machen die ohnehin schwierige Situation noch komplizierter. Zwischen Luftkämpfen, der Zerstörung von Flugabwehrstellungen und dem Schutz eigener Einheiten entsteht ein permanenter Entscheidungsdruck, der für einige der spannendsten Momente der gesamten Kampagne sorgt. Genau darin liegt die große Stärke von Ace Combat 8. Das Spiel vermittelt regelmäßig das Gefühl, tatsächlich mitten in einer gewaltigen militärischen Operation zu stecken. Die Funkgespräche, Explosionen und ständig wechselnden Ziele sorgen für eine beeindruckende Dynamik, die selbst nach zahlreichen Missionen kaum an Wirkung verliert.

Mit insgesamt 30 Kampagnenmissionen bietet Ace Combat 8 einen beachtlichen Umfang. Dabei gelingt es Project Aces über weite Strecken, die unterschiedlichen Einsatzarten sinnvoll miteinander zu kombinieren. Mal müssen feindliche Flugzeugstaffeln abgefangen werden, dann stehen Angriffe auf militärische Einrichtungen oder groß angelegte Luft-Boden-Operationen im Mittelpunkt. Eine besonders willkommene Rückkehr feiern die sogenannten Annihilation Battles, die ab der siebten Mission verfügbar werden. Statt eine feste Abfolge einzelner Missionsziele abzuarbeiten, geht es hier darum, innerhalb eines Einsatzes möglichst viele feindliche Ziele zu zerstören und dadurch eine vorgegebene Punktzahl zu erreichen. Das klingt zunächst simpel, sorgt aber für eine angenehm andere Dynamik. Plötzlich steht weniger die exakte Erfüllung einzelner Befehle im Vordergrund, sondern die Frage, wie effizient man die gegnerischen Streitkräfte ausschalten kann. Nachschublinien, Munitionslager, Energieversorgung und Verteidigungsanlagen werden zu potenziellen Zielen, die in möglichst kurzer Zeit vernichtet werden sollen. Gerade weil man hier freier entscheiden kann, welche Gegner zuerst ausgeschaltet werden, entwickeln diese Missionen einen enormen Spielfluss. Es macht schlicht Spaß, eine feindliche Stellung nach der anderen auszuschalten und dabei zuzusehen, wie die gegnerische Infrastruktur langsam zusammenbricht.

Noch spektakulärer wird es bei den gewaltigen Superwaffen, die Ace Combat traditionell so gerne präsentiert. Bereits eine der ersten größeren Begegnungen führt gegen ein gigantisches Landschlachtschiff, das eher wie eine Mischung aus fahrender Festung und überdimensioniertem Panzer wirkt. Riesige Geschütze, massive Kettenantriebe und eine absurd mächtige Railgun machen aus der Maschine einen Gegner, den man nicht einfach mit ein paar Raketen beseitigt. Stattdessen müssen einzelne Komponenten gezielt zerstört werden, während das Ungetüm seine Umgebung verwüstet. Solche Begegnungen sind herrlich übertrieben und erinnern mit ihren teilweise absurden Konstruktionen fast an die außergewöhnlichen Militärmaschinen aus Metal Gear Solid. Genau dieser Mut zum Spektakel macht Ace Combat seit jeher so unverwechselbar. Zwischen den Missionen wartet ein umfangreiches Anpassungssystem. Über den sogenannten Aircraft Tree lassen sich neue Flugzeuge, Waffen und Bauteile freischalten. Bezahlt wird mit Military Result Points, kurz MRP, die während der Einsätze verdient werden. Die Auswahl fällt erfreulich umfangreich aus. Unterschiedliche Kampfjets besitzen individuelle Eigenschaften und eignen sich entsprechend besser für bestimmte Aufgaben. Während einige Maschinen ihre Stärken im klassischen Luftkampf ausspielen, sind andere besser für Angriffe auf Bodenziele geeignet.

Noch interessanter wird es durch die zahlreichen Bauteile, mit denen sich die Flugzeuge verbessern lassen. Manche erhöhen die Höchstgeschwindigkeit oder Beschleunigung, andere reduzieren Schäden bei Kollisionen, erweitern die Reichweite der Bordkanone oder verbessern die Zielerfassung bei schwierigen Wetterbedingungen. Auch die verfügbare Raketenmunition lässt sich durch passende Komponenten erhöhen. Dadurch entsteht ein angenehm flexibles System, das tatsächlich Auswirkungen auf die Spielweise besitzt. Wer gerne aggressiv in Luftkämpfe geht, kann seinen Jet entsprechend ausrichten. Wer dagegen lieber aus größerer Entfernung angreift oder sich auf Bodenoperationen vorbereitet, findet ebenfalls zahlreiche sinnvolle Möglichkeiten. Auch die Ausrüstung der eigenen Flügelmänner lässt sich bestimmen. Alternativ übernimmt eine automatische Konfiguration diese Aufgabe und stellt eine möglichst geeignete Staffel für den kommenden Einsatz zusammen. Gerade bei schwierigeren Missionen lohnt es sich, vor dem Start einen genaueren Blick auf die verfügbaren Optionen zu werfen. Ein ungeeignetes Flugzeug kann bestimmte Einsätze unnötig kompliziert machen, während eine passende Bewaffnung plötzlich völlig neue Möglichkeiten eröffnet.

Das Freischalten immer neuer Maschinen gehört deshalb zu den motivierendsten Bestandteilen von Ace Combat 8. Es gibt kaum etwas Befriedigenderes, als nach mehreren erfolgreichen Missionen einen neuen Kampfjet in den Hangar aufzunehmen und anschließend seine Fähigkeiten am Himmel auszuprobieren. Optisch gehört Ace Combat 8 zu den beeindruckendsten Vertretern seines Genres. Besonders die Darstellung der Wolken, Landschaften und weitläufigen Himmelskulissen sorgt regelmäßig für spektakuläre Momente. Wenn Sonnenlicht durch dichte Wolkenformationen bricht und sich mehrere Kampfjets mit hoher Geschwindigkeit durch die Atmosphäre bewegen, entstehen Bilder, die beinahe direkt aus einem aufwendig produzierten Actionfilm stammen könnten. Auch die Flugzeuge selbst überzeugen mit zahlreichen Details. Ihre Modelle wirken hochwertig und die unterschiedlichen Maschinen besitzen eine erkennbare eigene Identität. Besonders während enger Luftkämpfe, wenn Raketen an der Maschine vorbeiziehen und Explosionen den Himmel erhellen, entfaltet die Präsentation ihre größte Stärke. Die hervorragende audiovisuelle Inszenierung trägt außerdem entscheidend dazu bei, dass selbst gewöhnliche Einsätze eine enorme Intensität entwickeln. Funkverkehr, Triebwerksgeräusche und Raketenwarnungen erzeugen eine permanente Geräuschkulisse, die den Spieler mitten ins Geschehen versetzt.

Ace Combat 8: Wings of Theve ist eine fantastische Rückkehr in die Lüfte und beweist eindrucksvoll, warum die Reihe seit mehr als drei Jahrzehnten ihren festen Platz unter den besten Arcade-Flugspielen besitzt. Project Aces verändert das bewährte Fundament nicht grundlegend, sondern konzentriert sich darauf, seine größten Stärken weiter auszubauen. Das Ergebnis ist eine umfangreiche Kampagne mit 30 Missionen, die von klassischen Luftkämpfen über groß angelegte Bodenoperationen bis zu spektakulären Auseinandersetzungen mit gigantischen Superwaffen reicht. Besonders die zurückkehrenden Annihilation Battles sorgen für Abwechslung und geben dem Spieler die Freiheit, gegnerische Streitkräfte nach eigenen Vorstellungen auseinanderzunehmen.

Auch das umfangreiche Anpassungssystem überzeugt. Zahlreiche Flugzeuge, Waffen und Bauteile laden zum Experimentieren ein und sorgen dafür, dass man seinen eigenen Kampfstil immer weiter verfeinern kann. Dazu kommen eine hervorragend zugängliche Steuerung und eine spektakuläre Präsentation, die gerade während der großen Luftschlachten ihre ganze Stärke entfaltet. Ganz ohne Schwächen bleibt das Abenteuer allerdings nicht. Die eigenen Flügelmänner könnten deutlich zuverlässiger agieren und einige Eskort- sowie Verteidigungsmissionen erzeugen eher Frust als Spannung. Auch der Mehrspielermodus konnte während der Testphase aufgrund der eingeschränkten Spielersuche noch nicht sein vollständiges Potenzial zeigen.

Davon abgesehen liefert Ace Combat 8 jedoch genau das, was ich mir von einer Fortsetzung erhofft habe: rasante Luftkämpfe, eine herrlich übertriebene Militärgeschichte, immer neue Kampfjets und zahlreiche Momente, in denen man sich tatsächlich wie der beste Pilot am Himmel fühlt. Wings of Theve erfindet Ace Combat nicht neu. Es erinnert uns vielmehr daran, wie verdammt gut diese Reihe sein kann, wenn sie sich auf ihre Stärken konzentriert. Für erfahrene Piloten und Neueinsteiger gleichermaßen ist das ein nahezu perfekter Ausflug in die Lüfte.

——— Hinweise & Disclaimer: ———

Zur Erstellung dieses Reviews wurde uns vom Publisher ein unentgeltlicher Key für das Spiel zur Verfügung gestellt. Wir danken vielmals für die Unterstützung, weisen aber darauf hin, dass dieser Umstand keine Auswirkung auf unsere Bewertung hat!

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