Die Tales-Reihe gehört seit Jahrzehnten zu den traditionsreichsten japanischen Rollenspielserien, stand im Westen allerdings lange im Schatten großer Namen wie Final Fantasy oder Persona. Dabei hat Bandai Namco mit seinen zahlreichen Ablegern immer wieder bewiesen, dass die Serie gerade bei der Charakterentwicklung, den zwischenmenschlichen Beziehungen und ihren actionreichen Kampfsystemen eine ganz eigene Identität besitzt. Spätestens mit dem Erfolg von Tales of Arise im Jahr 2021 rückte das Franchise wieder stärker ins Rampenlicht. Seitdem arbeitet der Publisher daran, ältere Teile auf moderne Plattformen zurückzubringen. Nach Tales of Graces f, Xillia und Berseria ist nun mit Tales of Eternia Remastered ein weiterer Klassiker an der Reihe, dessen ursprüngliche Veröffentlichung bereits 26 Jahre zurückliegt.

Doch wie gut funktioniert ein JRPG aus der PlayStation-Ära heute noch? Nach dem ausführlichen Spielen auf der PlayStation 5 fällt die Antwort durchaus zwiespältig aus. Während die Geschichte und insbesondere ihre liebenswerten Charaktere erstaunlich gut gealtert sind, zeigen sich beim Kampfsystem und der Präsentation einige deutliche Alterserscheinungen. Glücklicherweise hat Bandai Namco das Abenteuer nicht einfach unverändert auf moderne Konsolen übertragen, sondern mit einer Reihe sinnvoller Komfortfunktionen ausgestattet. Das Ergebnis ist ein charmantes Stück Rollenspielgeschichte, das zwar nicht in jeder Hinsicht mit modernen Genrevertretern mithalten kann, aber noch immer zahlreiche Gründe bietet, sich auf die Reise zu begeben. Im Mittelpunkt der Geschichte steht der junge Reid Hershel, der gemeinsam mit seinen Freunden Farah Oersted und Keele Zeibel ein zunächst vergleichsweise beschauliches Leben führt. Das ändert sich schlagartig, als eines Tages ein unbekanntes Flugobjekt abstürzt und die Gruppe auf ein geheimnisvolles Mädchen namens Meredy trifft. Sie spricht eine vollkommen fremde Sprache und scheint aus einer anderen Welt zu stammen. Was zunächst wie ein kleines Abenteuer zur Aufklärung ihrer Herkunft beginnt, entwickelt sich schnell zu einer Reise, bei der nichts Geringeres als das Schicksal der gesamten Welt auf dem Spiel steht.

Denn die Helden erfahren von einem drohenden Ereignis namens Grand Fall, einer gewaltigen Katastrophe, die alles Leben vernichten könnte. Meredys plötzliches Auftauchen scheint unmittelbar damit zusammenzuhängen. Um das Unheil aufzuhalten, müssen Reid und seine Gefährten schließlich die Kräfte verschiedener Elementargeister vereinen und sich einer Bedrohung stellen, die weit über ihre ursprünglichen Vorstellungen hinausgeht. Das klingt vertraut? Tatsächlich bedient Tales of Eternia zahlreiche klassische JRPG-Motive der späten 1990er- und frühen 2000er-Jahre. Eine kleine Gruppe junger Abenteurer verlässt ihre Heimat, entdeckt eine immer größere Welt und muss sich schließlich einer existenziellen Gefahr stellen. Dazu kommen magische Wesen, geheimnisvolle Mächte und die unvermeidliche Erkenntnis, dass Freundschaft und Zusammenhalt selbst gegen scheinbar übermächtige Gegner bestehen können. Trotz dieser bekannten Zutaten funktioniert die Geschichte erstaunlich gut. Eternia versucht nicht, mit möglichst vielen überraschenden Wendungen oder einer unnötig komplizierten Handlung zu beeindrucken. Stattdessen konzentriert sich das Spiel auf seine Figuren und deren gemeinsame Entwicklung. Gerade diese persönliche Ebene sorgt dafür, dass die Reise auch nach mehr als zwei Jahrzehnten noch emotional berühren kann.

Überhaupt gehört die überarbeitete Lokalisierung zu den größten Stärken von Tales of Eternia Remastered. Die ursprüngliche englische Fassung stammt aus einer Zeit, in der die Synchronisation japanischer Rollenspiele noch längst nicht das heutige Niveau erreicht hatte. Entsprechend angestaubt wirkten manche Dialoge und Sprecherleistungen. Bandai Namco hat hier erfreulicherweise nachgebessert. Das neue englische Skript liest sich deutlich natürlicher und die überarbeitete Sprachausgabe verleiht den Charakteren mehr Ausdruck. Gerade emotionale Szenen profitieren davon, dass die Sprecher ihre Rollen überzeugender vermitteln und die Dialoge weniger steif wirken. Besonders schön ist außerdem die Möglichkeit, erstmals auch die ursprüngliche japanische Vertonung auszuwählen. Diese Option fehlte sowohl der damaligen PlayStation-Veröffentlichung als auch der späteren PSP-Fassung im Westen. Wer japanische Rollenspiele grundsätzlich lieber im Originalton erlebt, bekommt damit endlich die gewünschte Alternative. Die neue Sprachausgabe verändert natürlich nicht die eigentliche Handlung, doch sie trägt erheblich dazu bei, dass sich Eternia heute zugänglicher und lebendiger anfühlt. Gerade weil die Figuren das emotionale Zentrum des Abenteuers bilden, ist diese Verbesserung deutlich wichtiger als manch aufwendiger grafischer Effekt.

Weniger gut gealtert ist dagegen das Kampfsystem. Tales of Eternia verwendet ein zweidimensionales Echtzeitsystem, das auf den ersten Blick beinahe an klassische Prügelspiele wie Street Fighter erinnert. Die Charaktere bewegen sich auf einer horizontalen Ebene, greifen Gegner direkt an und kombinieren gewöhnliche Attacken mit mächtigen Spezialtechniken, den sogenannten Artes. Reid übernimmt dabei die Rolle des klassischen Nahkämpfers und setzt auf unterschiedliche Waffen, während Farah ihre Gegner bevorzugt mit Fäusten und Tritten bearbeitet. Keele und Meredy kümmern sich dagegen um die magische Unterstützung. Einer der beiden konzentriert sich stärker auf offensive Zauber, während der andere zahlreiche Möglichkeiten zur Heilung besitzt. Dadurch entsteht eine angenehm ausgewogene Gruppe, deren Mitglieder klar definierte Aufgaben übernehmen. Grundsätzlich funktioniert dieses System auch heute noch. Gerade einfache Kämpfe lassen sich angenehm flott absolvieren und die verschiedenen Spezialangriffe sorgen regelmäßig für spektakuläre Momente. Trotzdem merkt man schnell, wie stark die technischen Möglichkeiten der damaligen Zeit das Gameplay geprägt haben. Das größte Problem ist die eingeschränkte Bewegungsfreiheit. Da sämtliche Figuren auf einer einzigen zweidimensionalen Ebene agieren, können hektische Kämpfe schnell unübersichtlich werden. Besonders wenn mehrere Gegner und Gruppenmitglieder gleichzeitig auf engem Raum kämpfen, überlagern sich ihre Sprites teilweise derart stark, dass kaum noch erkennbar ist, welcher Charakter gerade welchen Angriff ausführt.

In solchen Situationen geht ein Teil der eigentlich vorhandenen Kontrolle verloren. Statt gezielt auf einzelne Gegner zu reagieren, entsteht gelegentlich ein chaotisches Durcheinander aus Animationen, Zaubern und Spezialattacken. Das fällt besonders dann auf, wenn man zuvor moderne Tales-Ableger gespielt hat, in denen sich die Charaktere wesentlich freier durch dreidimensionale Arenen bewegen können. Eternia besitzt damit keineswegs ein schlechtes Kampfsystem. Es ist vielmehr eines, dessen Alter sich nicht vollständig verbergen lässt. Wer die alten 2D-Teile kennt und schätzt, wird sich vermutlich schnell wieder heimisch fühlen. Neueinsteiger müssen dagegen eine gewisse Eingewöhnungszeit mitbringen. Eine weitere willkommene Neuerung sind die optionalen Zielmarkierungen. Wer mit klassischen Rollenspielen aufgewachsen ist, erinnert sich vermutlich noch gut an jene Momente, in denen man nach einem wichtigen Gespräch plötzlich vollkommen orientierungslos auf der Weltkarte stand. Häufig gab es nur vage Hinweise darauf, welche Stadt oder welchen Dungeon man als Nächstes besuchen sollte. Das gehörte damals zwar zum Genre, war aber nicht immer besonders unterhaltsam.

Tales of Eternia Remastered entschärft dieses Problem durch praktische Markierungen, die den nächsten relevanten Ort anzeigen. Zusätzlich können wichtige NPCs hervorgehoben werden, mit denen man sprechen muss, um bestimmte Aufgaben auszulösen. Dadurch wird nicht nur der Fortschritt innerhalb der Hauptgeschichte angenehmer. Auch optionale Inhalte lassen sich wesentlich leichter entdecken, ohne dass man ständig jeden Bewohner einer Stadt erneut ansprechen muss. Gerade bei einem älteren JRPG, dessen Questdesign noch nicht auf moderne Orientierungshilfen ausgelegt war, macht das einen enormen Unterschied. Wer lieber vollständig auf eigene Faust erkunden möchte, kann sämtliche Markierungen selbstverständlich deaktivieren. Das Remaster zwingt niemandem seine modernen Hilfen auf, sondern überlässt die Entscheidung erfreulicherweise dem Spieler. Interessanterweise ist genau diese Zurückhaltung gleichzeitig eine Stärke und eine Schwäche. Bandai Namco verändert weder die grundlegende Spielstruktur noch das Kampfsystem oder die ursprüngliche Welt. Wer Eternia bereits kennt, bekommt deshalb weitgehend das Abenteuer, an das er sich erinnert. Die Verbesserungen konzentrieren sich hauptsächlich auf jene Bereiche, die den Zugang heute unnötig erschweren würden.

Neue Stimmen, eine überarbeitete Lokalisierung, vollständig vertonte Skits, optionale Zielmarkierungen und individuell anpassbare Komfortfunktionen machen das Spiel deutlich angenehmer, ohne die ursprüngliche Identität zu verändern. Das ist grundsätzlich die richtige Herangehensweise. Allerdings bedeutet diese Treue auch, dass bestimmte Schwächen bestehen bleiben. Das Kampfsystem hätte von einer besseren Übersicht profitieren können, die beiden optionalen Gruppenmitglieder hätten mehr Aufmerksamkeit verdient und auch die grafische Überarbeitung fällt eher zurückhaltend aus. Wer ein umfassendes Remake im Stil von Tales of Arise erwartet, wird deshalb zwangsläufig enttäuscht sein. Wer dagegen ein klassisches JRPG mit modernem Komfort erleben möchte, bekommt ein ausgesprochen sympathisches Gesamtpaket.

Tales of Eternia Remastered beweist eindrucksvoll, dass eine gute Geschichte und liebenswerte Charaktere auch nach mehr als zwei Jahrzehnten nichts von ihrer Wirkung verlieren müssen. Reid, Farah, Keele und Meredy bilden noch immer eine fantastische Heldengruppe, deren unterschiedliche Persönlichkeiten für zahlreiche unterhaltsame und emotionale Momente sorgen. Gerade die Beziehungen zwischen den Figuren gehören zu den größten Stärken des Spiels und profitieren enorm von der überarbeiteten Lokalisierung sowie der neuen Sprachausgabe. Die vollständig vertonten Skits verleihen den Charakteren zusätzliche Persönlichkeit und machen viele der kleinen Gespräche zu echten Highlights. Auch die Möglichkeit, endlich die japanische Originalvertonung auszuwählen, ist eine willkommene Ergänzung.

Weniger überzeugend fällt dagegen das Kampfsystem aus. Die zweidimensionalen Echtzeitgefechte besitzen zwar weiterhin ihren Reiz, wirken im direkten Vergleich mit modernen Tales-Ablegern allerdings spürbar eingeschränkt. Besonders in hektischen Situationen leidet die Übersicht und die geringe Bewegungsfreiheit macht sich zunehmend bemerkbar. Dazu kommen zwei optionale Gruppenmitglieder, deren Potenzial nicht vollständig ausgeschöpft wird. Glücklicherweise gleichen die zahlreichen Komfortfunktionen einen großen Teil dieser Alterserscheinungen aus. Anpassbare Erfahrungs- und Geldmultiplikatoren, eine individuell einstellbare Zufallskampfrate und hilfreiche Zielmarkierungen machen das Abenteuer wesentlich zugänglicher. Besonders erfreulich ist, dass sämtliche Hilfen optional bleiben und auch die Trophäenjagd nicht beeinträchtigen.

——— Hinweise & Disclaimer: ———

Zur Erstellung dieses Reviews wurde uns vom Publisher ein unentgeltlicher Key für das Spiel zur Verfügung gestellt. Wir danken vielmals für die Unterstützung, weisen aber darauf hin, dass dieser Umstand keine Auswirkung auf unsere Bewertung hat!

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