Microsoft wollte mit einer Rückkehr zu exklusiven Spielen die eigene Xbox-Marke stärken. Doch ausgerechnet Gears of War: E-Day könnte zeigen, wie schwierig diese Strategie inzwischen geworden ist. Trotz der Entscheidung, den Shooter nicht für PlayStation 5 zu veröffentlichen, bleiben die erhofften positiven Auswirkungen auf die Xbox-Hardwareverkäufe offenbar aus. Gleichzeitig zeichnen neue Berichte ein ernüchterndes Bild der bisherigen Verkaufszahlen. Laut einem Bericht von The Verge soll Gears of War: E-Day weltweit bislang lediglich rund 400.000 Exemplare verkauft haben. Dabei handelt es sich allerdings um eine Schätzung und nicht um offiziell bestätigte Zahlen von Microsoft.
Unter der neuen Xbox-Chefin Asha Sharma hatte Microsoft im Sommer angekündigt, wieder stärker auf Konsolenexklusivität zu setzen. Während unter Phil Spencer zahlreiche Xbox-Spiele auch für PlayStation 5 erschienen, sollen Titel wie Gears of War: E-Day und Clockwork Revolution zunächst Xbox und PC vorbehalten bleiben. Doch die Strategie scheint bislang kaum Wirkung zu zeigen. Wie The Game Business berichtet, gingen die Xbox-Hardwareverkäufe in Großbritannien im Veröffentlichungsmonat Oktober um 22 Prozent zurück. Auch in den USA sieht Branchenanalyst Mat Piscatella von Circana keine positiven Auswirkungen. Seiner Einschätzung nach hat die Exklusivität von Gears of War den rückläufigen Hardwaretrend nicht verändert. Die Entscheidung komme zwar bei besonders engagierten Xbox-Fans gut an, messbare wirtschaftliche Erfolge seien bislang jedoch nicht erkennbar.
Besonders brisant ist, dass eine PlayStation-5-Version von Gears of War: E-Day offenbar bereits weit fortgeschritten war. Frühere Berichte sprachen von einer nahezu fertigen Umsetzung, während Microsoft zwischenzeitlich sogar versehentlich einen Trailer mit PS5-Hinweisen veröffentlicht haben soll. Die Entscheidung, das Spiel exklusiv anzubieten, könnte Microsoft deshalb zusätzliche Einnahmen gekostet haben. Hinzu kommen Berichte über ein möglicherweise enormes Entwicklungsbudget. Demnach könnte die Produktion von Gears of War: E-Day bis zu 500 Millionen US-Dollar verschlungen haben. Auch diese Summe ist bislang nicht offiziell bestätigt.
Allerdings müssen die geschätzten Verkaufszahlen im Zusammenhang mit dem Xbox Game Pass betrachtet werden. Da der Shooter dort direkt zum Start verfügbar war, lässt sich sein wirtschaftlicher Erfolg nicht allein anhand klassischer Spieleverkäufe beurteilen. Ob Microsoft seine Entscheidung überdenkt und Gears of War: E-Day nachträglich für PlayStation 5 veröffentlicht, bleibt offen. Eine entsprechende Ankündigung gibt es bislang nicht. Angesichts rückläufiger Konsolenverkäufe und der hohen Entwicklungskosten könnte eine zusätzliche Plattform allerdings wirtschaftlich attraktiv sein.
Für Microsoft stellt sich damit erneut die Frage, ob exklusive Blockbuster tatsächlich ausreichen, um neue Käufer für die Xbox zu gewinnen, oder ob die Veröffentlichung auf möglichst vielen Plattformen langfristig die bessere Strategie wäre.


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