Es ist genau 1 Jahr her, da habe ich über die „PlayStation Portal“ berichtet, habe unter anderem mit „Oh Sony, was soll das nur?“ eingeleitet und war ziemlich kritisch und habe „für mich persönlich leider das Projekt „Portal“ als gescheitert erklärt“. – Doch da habe ich die Rechnung „ohne den Wirt gemacht“, denn nicht nur hat sich die Portal im vergangenen Jahr immer mehr in mein Herz gespielt, sondern Sony hat mit dem Update 4.0 jetzt Verbesserungen und Features nachgeschoben, die der Handheld am besten schon zum Launch hätte haben sollen. Doch fangen wir besser mal ganz vorne an…

Was ursprünglich als Project Q wurde später unter dem Namen Portal angekündigt und ist nun vor knapp einem Jahr erschienen. Die Portal wird zwar immer als Handheld bezeichnet, ich habe es in der Einleitung auch bereits getan, aber das trifft im Grunde nicht zu, weswegen Sony sich auch von dieser Betitelung distanziert und stattdessen „Remote Player“ verwendet. Der erste Eindruck ist dabei eigentlich ziemlich gut. Das Gerät macht einen hochwertigen Eindruck, liegt gut in der Hand und die Verarbeitung ist mehr als solide. Die Haptik ist man bereits vom DuelSense gewohnt, der lediglich etwas in die Breite gezogen ist und statt dem Touchpad über einen eingelassenen Bildschirm verfügt. Der Bildschirm ist zwar lediglich ein LCD und unterstützt maximal 1080p und 60fps, macht aber einen sehr hochwertigen Eindruck und liefert mit seiner 8 Zoll Bildschirmdiagonale ein knackiges Bild.

Der Bildschirm ist an sich sehr ähnlich zur Nintendo Switch, doch bei einem Gerät, das einen exklusiven Flair versprühen möchte und, also komplett entgegen der Switch, ausschließlich auf den Handheld-Betrieb ausgelegt ist, hätte ich ein OLED bevorzugt. Doch abseits davon entsprechen die Teile des Controllers von Look und Feel dem normalen DualSense, verfügen ebenfalls über adaptive Trigger und die verbauten Motoren, die für das haptische Feedback und Rumble sorgen. Lediglich die Sticks sind minimal kleiner, was allerdings nur im Direktvergleich auffällt und bieten gefühlt einen dezent härteren Wiederstand, was aber auch ein subjektiver Eindruck sein kann und ebenfalls nur im direkten Vergleich auffällt. Trotzdem liegt der Remote Player auch über längere Spielsrunden immer noch angenehm in der Hand, was auch daran liegen kann, dass er ergonomisch geformt ist.

Startet man das Gerät muss man zunächst einmal eine Netzwerkverbindung herstellen und sich danach mit dem PSN-Konto anmelden, denn ohne Internet und Referenzkonsole kann man mit dem Gerät rein gar nichts anfangen. Bisher hatte man danach lediglich eine Option das Gerät zu benutzen, die Remote Verbindung mit der eigenen PS5, wobei eine Portal ausschließlich mit einer Konsole gekoppelt werden kann. Ein Umzug zu einer anderen Konsole oder Ausleihen an Freunde ist daher mit etwas Aufwand verbunden. Die PS5 und die Portal müssen nicht zwingend mit dem gleichen WLAN verbunden sein, was immerhin die Möglichkeit bietet den Remote Player auch mit auf Reisen, zu Freunden, oder über die Feiertage mit zur Familie zu nehmen. Zwingend muss aber eine stabile WLAN-Verbindung zur Verfügung stehen, die mindestens 5 MBit/s liefert, wobei Sony 15 MBit/s für ein stabiles Erlebnis empfiehlt.

Ich habe allerdings auch über weitere Distanz und mich einem recht schwachen Internet bei meiner Mutter keinerlei Probleme mit Verbindung oder zu starkem Lag gehabt, wobei wir auf das Thema Lag noch tiefer eingehen. Eine Verbindung über einen mobilen Hotspot war die ganze Zeit nicht möglich, ebenso verhielt es sich mit WLAN-Verbindungen, die eine Landing Page, beispielsweise in Hotels, verwendeten, doch diese Problematik wurde mittlerweile aus der Welt geschafft. Mobiler Hotspot und auch freie WLANs sind mittlerweile kein Problem mehr. Auch mit einer Landing Page soll funktionieren, doch das konnte ich persönlich noch nicht testen.

Wenn man die Remote Play-Funktion verwendet ist wichtig, dass die PS5 für jeglichen Betrieb im Standby und Remote Play in den Einstellungen aktiviert haben muss, denn sonst kann man sich die Verbindung abschminken. Weiter ist wichtig, dass die Konsole sich bei der Remote Sitzung selbst einschaltet und man dem Geschehen sogar auf dem Fernseher folgen kann. Dieser wird jedoch nicht eingeschaltet, selbst wenn das Einschalten normalerweise mit der Konsole gekoppelt ist. Ist der TV allerdings an und auf dem richtigen Kanal, kann man dem Geschehen live folgen. Jeder, der schon einmal TeamViewer am PC verwendet hat, kennt das, wenn Eingaben wie von Zauberhand geschehen. Das bringt allerdings auch ein Problem mit sich, denn nicht nur kann die Konsole zu Hause nicht anderweitig verwendet werden, also auch nicht für Netflix und Co., sondern konkurrierende Eingaben können sich potentiell behindern, oder stören. Wenn man allerdings bewusst räumlich getrennt gemeinsam die Konsole verwendet kann man auch im Co-Op Spielen, da die Portal lediglich als weiterer Controller erkannt wird. Man sollte sich aber bewusst sein, dass beide das gleiche Bild sehen, man kann es daher nicht mit einem 2nd Screen wie bei der WiiU vergleichen, was eindeutig verschenktes Potential ist, immerhin war das einer der besten Punkte der gescheiterten Nintendo Konsole.

Doch widmen wir uns nun dem Thema Lag. Das war anfänglich ein kleines Problem, selbst wenn man sich im gleichen WLAN befindet. Bei starkem WLAN war der zwar so gering, dass man den ohne größere Probleme ausgleichen könnte, aber bei schlechtem WLAN und/oder weitere Distanz blieb der Spaß auf der Strecke, zwar in meinen Tests immer noch spielbar, aber von einem dedizierten Gerät, das bisher ausschließlich zum Streaming da ist, erwarte ich mehr. Alles in allem gab es keinen signifikanten Unterschied zum Remote Play über das Smartphone, wofür man ja auch Peripherie für Controller und Co. anschließen kann, was die Unterschiede immer mehr verschwimmen lässt. Das sähe selbstverständlich anders aus, wenn Sony das Gerät offlinefähig gemacht hätte, damit man es beispielsweise auch unterwegs verwenden könnte.

Mit dem neuen Update 4.0 hat Sony aber nicht nur in Sachen Ruckler, sondern auch im Umfang des Angebots massiv nachgebessert. So muss man seitdem nicht mehr zwangsläufig eine Verbindung zur PS5 herstellen, sondern muss noch nicht mal eine besitzen. Man kann nun eine umfangreiche Spieleliste direkt von Sony’s Servern spielen, ohne zu installieren und ohne die eigene PS5 Konsole damit zu belegen. Unter Verwendung von zwei unterschiedlichen Konten kann man damit dann sogar 2 Player Multiplayer spielen, wenn ein Spieler an der Portal und der andere an der Konsole spielt. Zwar ist die Bibliothek an Spielen, die über 120 Titel von PS1 bis PS5 enthält noch in der Beta-Phase und an eine kostenpflichtige PlayStation Plus Premium-Mitgliedschaft gekoppelt, doch es wäre zumindest denkbar, dass Sony diese Funktionalität mit kommenden Updates weiter ausbaut.

Weiter wurde mit dem Update auch ein Fehler mit der Lautstärke der Konsole behoben, der etwas nervig war, da die leiseste Einstellung des Tons immer noch viel zu laut war. So war es quasi unmöglich den Player abends im Bett oder während dem Fernsehschauen auf der Couch zu benutzen, wenn man damit niemanden stören wollte. Was in diesem Zusammenhang leider nicht gefixt wurde ist die fehlende Bluetooth-Funktionalität, denn weiterhin unterstützt die Portal nur die hauseigene Link-Technologie der neuesten Headsets für die PS5 oder kabelgebundene Kopfhörer. Ich verstehe diese Entscheidung einfach nicht. Hat Sony denn nicht langsam die Nase voll von proprietären Systemen? Sogar die Switch hat man mittlerweile für Bluetooth geöffnet.

Insgesamt hat sich die Portal aber, auch mit dieser nervigen Einschränkung, massiv gemausert. Die Kritikpunkte wurden sukzessive ausgemerzt und heute ist die Portal mit manchmal lieber als direkt vor der Konsole zu sitzen, auch wenn ich mich in unmittelbarer Nähe zur Konsole befinde. Das Spielen ist ungezwungener und eignet sich auch nebenbei oder für kürzere Sessions. In technischer Beziehung ist man endlich auf der Höhe der Zeit angelangt und auch schlechte Verbindungen stellen keine Hürde mehr da. Jetzt kann man die Konsole auch endlich mit in den Urlaub nehmen, ohne Angst zu haben, dass die Distanz oder die Netzwerkgeschwindigkeit dem Zocken einen Strich durch die Rechnung macht. Besonders das Streaming ohne Konsole ist ein absoluter Mehrwert, sofern man die Premium Mitgliedschaft bereits hat oder den Preis nicht scheut. Ich bin persönlich sehr gespannt was die Zukunft für die Portal noch bringen mag, denn für mich persönlich fehlt nur noch Bluetooth und die Möglichkeit einzelne Spiele offlinefähig zu machen. Ich bleibe gespannt… – Doch wie sehr ihr das? Habt ihr die Portal bereits ausprobiert, habt ihr es vor? Oder habt ihr komplett eigene Eindrücke? – Lasst es mich gerne in den Kommentaren wissen!
Entwickler: Sony
Publisher: Sony
NB@26.11.2024
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