Death Stranding 2: On the Beach strotzt nur so vor Selbstbewusstsein. Fünf Jahre nach dem umstrittenen Debüt von Kojima Productions zeigt das Studio nun, dass es seinen Weg unbeirrt weitergeht. Die ursprüngliche Skepsis gegenüber dem ersten Death Stranding ist einer deutlich gewachsenen Anerkennung gewichen. Die Vision, die damals noch viele Spieler überforderte oder verwirrte, ist inzwischen ein etablierter Teil der Gaming-Landschaft. Und diese Entwicklung gibt Hideo Kojima und seinem Team den nötigen Rückenwind, um mit Death Stranding 2 ein Sequel zu entwickeln, das in nahezu allen Bereichen über sich hinauswächst.

Das grundlegende Spielprinzip bleibt erhalten: Man transportiert Fracht durch eine weitläufige, postapokalyptische Welt. Die Touren sind nun länger und anspruchsvoller. Dazwischen sorgen Kämpfe und Actionsequenzen für Abwechslung, während die Geschichte Sam Bridges auf eine neue Reise führt. Ziel ist es diesmal, Mexiko und Australien an das Chiral-Netzwerk anzuschließen. Da das Spiel direkt an den Vorgänger anknüpft, verlagert sich der Fokus der Geschichte stärker auf die Figuren. Die Welt und ihre Gesetze sind bereits bekannt, deshalb nutzt das Spiel die Gelegenheit, um die persönlichen Hintergründe und Beziehungen der Charaktere weiter zu vertiefen. Sam, Fragile und Higgs kehren zurück, ergänzt durch neue Figuren wie Tarman, Dollman, Tomorrow und Rainy, die gemeinsam an Bord des Schiffs DHV Magellan unterwegs sind. Ihre Aufgabe ist es, den Kontakt der Menschen in den neuen Regionen mit dem Rest der Welt wiederherzustellen.

Ein weiterer Handlungsstrang dreht sich um die Figur Neil, gespielt von Luca Marinelli. Seine Geschichte bleibt bis zuletzt geheimnisvoll und wird über Zwischensequenzen zwischen den Kapiteln erzählt. Diese Szenen erinnern an die Rolle von Cliff Unger im ersten Teil und verleihen der Erzählung eine emotionale Tiefe, die über den Rahmen gewöhnlicher Videospielhandlungen hinausgeht. Insgesamt wirkt die Erzählstruktur von Death Stranding 2 zugänglicher. Sie setzt auf klarere Zusammenhänge, ohne an Komplexität einzubüßen. Ein umfangreiches In-Game-Lexikon hilft dabei, zentrale Begriffe und Mechaniken bei Bedarf nachzuschlagen. Trotz der globalen Tragweite bleibt die Geschichte überraschend persönlich, was durch die starken Darstellungen des Casts zusätzlich unterstrichen wird.

Spielerisch bleibt Death Stranding 2 dem Konzept des Vorgängers treu. Man nimmt Lieferaufträge an, transportiert Fracht und versucht, Empfänger vom Anschluss an das Netzwerk zu überzeugen. Wer bereits mit dem ersten Teil nichts anfangen konnte, wird hier kaum umgestimmt. Fans hingegen dürfen sich über zahlreiche Verbesserungen freuen. Die Spielwelt ist dynamischer geworden. Naturkatastrophen wie Erdbeben, Überschwemmungen oder Sandstürme verändern die Umgebung spontan und stellen den Spieler vor neue Herausforderungen. Die Zerstörung betrifft auch von Spielern gebaute Strukturen, was das System des sozialen Teilens noch relevanter macht. Die Community-Mechaniken aus dem ersten Teil wurden erweitert. Andere Spieler hinterlassen nützliche Hilfsmittel wie Leitern, Seile oder Fahrzeuge, die man für eigene Lieferungen nutzen kann. Zusätzlich gibt es nun ein Monorail-System, das schnelle Reisen über große Distanzen ermöglicht. Diese Infrastruktur kann gemeinsam mit anderen Spielern aufgebaut und verbessert werden. Nicht alle Strecken laufen reibungslos ab. Einige der späteren Abschnitte, besonders in schwer zugänglichen Gebirgsregionen, ziehen sich etwas zu sehr in die Länge. Auch das Fast-Travel-System wirkt nicht immer durchdacht und steht oft genau dann nicht zur Verfügung, wenn man es bräuchte. Diese kleinen Frustmomente werden jedoch durch das überarbeitete Kampfsystem wieder ausgeglichen.

Im Gegensatz zum Vorgänger wird der Kampf nun nicht mehr nur als Notlösung betrachtet, sondern aktiv in das Gameplay integriert. Schusswaffen mit Gummimunition ermöglichen gefahrlosen Kampf gegen menschliche Gegner, ohne die Welt ins Chaos zu stürzen. Neue Gegnertypen wie Watcher oder mechanische Feinde sorgen für zusätzliche Abwechslung. Der Spieler hat die Wahl zwischen stiller Infiltration und offener Konfrontation. Das Waffenarsenal ist umfangreich und erlaubt taktische Vielfalt. Besonders das überarbeitete Stealth-System erinnert an Metal Gear Solid V. Die Gegnerlager sind frei zugänglich, können aus verschiedenen Richtungen infiltriert und mit diversen Mitteln erobert werden.

Visuell setzt Death Stranding 2 neue Maßstäbe. Die Landschaften in Mexiko und Australien wirken fotorealistisch, als stammten sie direkt aus einer Naturdokumentation. Die Figurenmodelle sind auf höchstem Niveau, Innen- und Außenräume überzeugen ebenso wie die filmisch inszenierten Zwischensequenzen. Zwischen einem 30fps-Qualitätsmodus und einem 60fps-Performance-Modus kann frei gewählt werden. In beiden Varianten läuft das Spiel stabil und flüssig. Auf technischer Ebene präsentiert sich Death Stranding 2 als eines der ambitioniertesten Projekte dieser Konsolengeneration. Dazu trägt auch der prominente Cast bei. Die Leistungen von Elle Fanning und Luca Marinelli stechen besonders hervor und verleihen ihren Figuren zusätzliche Tiefe. Der Einsatz lizenzierter Musik wird punktgenau gesetzt und untermalt emotionale Höhepunkte auf beeindruckende Weise. Einziger Wermutstropfen ist die fehlende Unterstützung der speziellen Features des DualSense-Controllers. Adaptive Trigger und haptisches Feedback kommen kaum zum Einsatz.

Death Stranding 2: On the Beach ist eine kompromisslose Fortsetzung. Es vertieft das Konzept des Vorgängers, erweitert es um eine dynamischere Welt und bietet eine mitreißende Geschichte mit starken Charakteren. Der Fokus auf Transportmissionen bleibt erhalten, wird aber durch ein verbessertes Kampfsystem und klug eingesetzte Naturgefahren sinnvoll ergänzt. Wer sich auf das Spielprinzip einlässt, erlebt eine Reise, die auf inhaltlicher und technischer Ebene ihresgleichen sucht.

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