Ein herzliches Willkommen am virtuellen Dirigentenpult, in VR kann nun jeder zum Dirigent werden, zum titelgebenden „Maestro“! – Gerade erschienen auf nahezu sämtlichen aktuellen VR-Plattformen markiert das Spiel einen neuen Höhepunkt im Musik‑/Rhythmus‑Genre, auch wenn das Konzept zunächst etwas langweilig oder angestaubt anmuten mag. Doch Entwickler Double Jack hat es durch Kombination von eher klassischem Konzerterlebnis mit modernen Cinematic Tracks geschafft ein mitreisendes Erlebnis zu schaffen, das sowohl sitzend, stehend oder auch frei im Raum und mit optionalem Hand-Tracking funktioniert.

Die Handlung ist simpel, doch emotional: Du übernimmst die Rolle eines fiktiven, charmanten Dirigenten‑Novizen, der im eleganten Pariser Opernhaus beginnt und sich durch Leidenschaft, Timing und Gestik zum Meister‑Dirigenten hocharbeitet. Unterstützt von einem leicht sarkastischen Theater‑Librarian, der dir zwischen den Stücken Champagner und Macarons reicht, fühlt sich das Spiel wie eine nostalgische Hommage an klassische Musikfilme und -dokumentationen an – erinnert etwa an „Amadeus“ meets „Whiplash“, jedoch mit VR‑Magie. Die Charaktere sind bewusst minimalistisch gehalten: du selbst, dein Assistent und das Publikum; der Konflikt entsteht durch Perfektion vs. Messbarkeit, Timing gegen Fehler – ähnlich wie in poetisch getriebenen Tanzfilmen, aber hier mit Orchester und Podium.

(c) Double Jack SAS

Das Gameplay lässt dich wie einen Dirigenten fühlen. Du startest mit ca. 15 klassischen Stücken (Beethoven, Mendelssohn, Saint‑Saens etc.) und kannst über den Verlauf neue Tracks und Schauplätze freischalten. Per Hand‑Tracking oder Sense‑Controller steuerst Tempo, Crescendo, Cue‑Gesten mit rechter sowie linker Hand gleichzeitig – vergleichbar mit Rhythmus‑Titeln wie „Beat Saber“, aber deutlich tiefer, da expressive Gesten entscheidend sind. Das Tutorial führt sorgfältig Tempo, Gestik, Mimik und Ausdruck ein. Schwierigkeitsgrade (Easy, Medium, Hard) wachsen mit deinem Können: Medium ist ein guter Einstieg, Hard zwingt dich virtuos Handkoordination und Timing unter Druck zu kombinieren – absolut befriedigend, aber mit gelegentlichem Frust bei verpassten Signalen oder leichtem Tracking‑Lag, je nachdem ob man oder Controller oder Handtracking spielt.

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Das Level‑ und Bühnen‑Design ist liebevoll inszeniert: ein opulenter Opernsaal, später fantasievolle Orte je nach DLC. Musik‑ und Audio-Präsentation sorgt für Gänsehaut: die Stücke sind hochwertig orchestriert, der Soundtrack mischt klassische Klassiker mit ikonischen Filmthemen. Man muss aber ehrlich sein, denn „Maestro“ entfaltet sein volles Potential erst mit den zusätzlichen DLC-Paketen, die neben neuen eher zeitgenössischen Liedern, auch neue Arenen enthalten. Diese sind ebenfalls enthalten in der „Complete Edtion“ oder müssen separat dazu gekauft werden. Davon gibt es mittlerweile drei Stück die jeweils ihren ganz eigenen Charm mit sich bringen:

  • Secret Sorcery (Harry Potter & Fantasia): enthält „Hedwig’s Theme“ und „The Sorcerer’s Apprentice“ u.a., dazu ein mystisches Grave‑Yard‑Bühnenbild der Coven‑Szene mit magischem Dirigentenstab und passenden Handschuhen.
  • Doombound Pack (Game of Thrones & Der Herr der Ringe): enthält Ramin Djawadis „Game of Thrones-Theme“ und Howard Shores „Bridge of Khazad‑Dûm“ sowie Werke von Offenbach, Liszt und Schostakowitsch. Die Bühne ist infernalisch gestaltet – Höllentor, dunkle Rampen, Themencostumes – und erzeugt zusammen mit der Musik eine theatralische Spannung.
  • Duel of the Fates (Star Wars): enthält „Duel of the Fate“s von John Williams, eine neue düstere Bühne („Fields of Fate“) mit Regentropfen, einem Lichtschwert‑Baton und einem thematischen „Angels vs. Demons“‑Orchester. Das DLC erschien parallel zur PSVR2‑Fassung und bringt zudem das kostenlose „Battle on the Ice“-Stück als Update.

Die grafische Darstellung auf PSVR2 glänzt durch fein abgestimmtes Rendering, lebendige Umgebungen und abwechslungsreiche Orchester‑Kostüme. Die DLC‑Bühnen wirken besonders immersiv: die „Coven“‑Szene im Harry‑Potter‑Stil ist atmosphärisch neblig und mystisch; die „Doombound“‑Arena zeigt düstere Tempel‑Architektur und jede Menge Feuer, insgesamt sehr passend, denn dort lassen Game of Thrones‑ und Der Herr der Ringe‑Klänge die Umgebung erzittern. Die neuen Star‑Wars-Kulissen sind im Gegensatz schon fast subtil gehalten: Himmel‑und‑Hölle‑Vibes mit leichten „Mustafar“‑Anklängen, aber keine Raumschiffe oder Aliens – stattdessen ein Mini‑Lichtschwert‑Dirigentenstab als Highlight. Technisch läuft das Spiel auf PSVR2 sehr flüssig und es gibt im Grunde nix zu meckern, außer, dass der Wechsel der Lieder für meinen Geschmack zu viele Zwischenschritte erfordert.

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Wer allerdings direkt mit Star Wars einsteigen möchte, kann das zwar prinzipiell tun, beraubt sich aber einem Großteil des Spiels, denn der Weg von der Grundlage zum Komplett‑Erlebnis ist progressiv: Du startest mit klassischem Repertoire, lernst Gestik und Timing, erhältst nach und nach neue Tracks und Themenwelten samt kosmetischer Sets. Die Atmosphäre bleibt stets charmant nostalgisch, zugleich cineastisch, mit einem Augenzwinkern à la irrsinniger VR‑Spaß. So kann man zwischen den Performances geworfene Rosen aufheben oder Schabernack mit dem Champagne, den Gläsern oder auch den Macarons machen, worauf die NPCs in vielen Fällen sogar reagieren, was ich persönlich gar nicht von einem eher ersten Spiel erwartet hätte.

(c) Double Jack SAS

Entwickelt wurde das Spiel von Double Jack, einem Indie‑Studio, in Kooperation mit Wild Sheep Studio für die PSVR2‑Fassung. Der Titel folgte auf erfolgreiche VR‑Projekte wie „Waltz of the Wizard“ und „Masters of Light“, und setzte Maßstäbe bei der Nutzung von Hand‑Tracking auf Plattformen wie Quest, Pico, SteamVR und jetzt eben auch PSVR2 – als erstes VR‑Musikspiel mit solcher Plattform‑Durchgängigkeit.

(c) Double Jack SAS

Insgesamt bietet „Maestro“ auf PSVR2 ein unvergleichlich immersives Dirigenten‑Erlebnis, nicht dass es in diesem speziellen Genre große Konkurrenz gäbe. Dennoch: Das Gefühl, am Pult zu stehen und ein Orchester mit Händen und Gestik zu kontrollieren, erzeugt echtes Musikerlebnis. Die DLCs mit Harry Potter, Der Herr der Ringe, Game of Thrones und Star Wars erweitern das Universum filmisch wie musikalisch – ikonische Stücke, eindrucksvolle Bühnen und liebevolle Kosmetika. Das Gameplay bleibt durch drei Schwierigkeitsgrade zugänglich und herausfordernd zugleich. Trotz kleiner Schwächen wie gelegentlichem Lag oder einer leichten Vergebungsfreundlichkeit in der Erkennung: das Gesamterlebnis stimmt. Für Fans klassischer Musik, filmischer Soundtracks und visuell-künstlerischer VR-Inszenierung ist dieses Spiel ein absolutes Highlight – sowohl für Einsteiger als auch erfahrene VR‑User. Ich hoffe persönlich, dass wir noch weitere tolle DLCs bekommen, denn das Potential ist schier unendlich!

Entwickler: Double Jack SAS, Wild Sheep Studio

Publisher: Double Jack SAS

Erhältlich auf: PC, Meta Quest, Pico, PSVR2

Getestet auf: PSVR2

NB@22.07.2025

——— Hinweise & Disclaimer: ———

Zur Erstellung dieses Reviews wurde uns vom Publisher ein unentgeltlicher Key für das Spiel zur Verfügung gestellt. Wir danken vielmals für die Unterstützung, weisen aber darauf hin, dass dieser Umstand keine Auswirkung auf unsere Bewertung hat!

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