Manchmal stolpert man in ein Spiel hinein, das einen direkt beim ersten Schritt packt, und Trails in the Sky: First Chapter ist genau so ein Fall. Die Serie gilt unter Fans als episches Mammutprojekt, dreizehn Spiele, über tausend Stunden, eine durchgehende, eng verwobene Geschichte. Lange habe ich mich gefragt, ob sich so ein Commitment überhaupt lohnt. Nach diesem Remake lautet die Antwort: absolut.

Die Reise beginnt mit Estelle und Joshua Bright, Tochter und Adoptivsohn des legendären Cassius Bright, die als Bracer-Anwärter durchs Königreich Liberl ziehen. Auf dem Papier klingt das nach typischem JRPG-Stoff: ein verschwundenes Luftschiff, ein geheimnisvoll abwesender Vater, eine Verschwörung im Hintergrund. Doch die Magie liegt in der Erzählweise. Estelle und Joshua sind keine Auserwählten, sondern junge Menschen, die lernen und wachsen, indem sie wortwörtlich die Wege beschreiten, die sie später beschützen sollen. Und um sie herum entfaltet sich eine Welt voller faszinierender Nebenfiguren, von der sturen Agate über den nervigen Charmeur Olivier bis hin zur stets trinkfesten Scherazard. Kaum ein Charakter wirkt wie Füllmaterial – jeder hat seine Momente, seine Motive und seine Beziehungen zu anderen Figuren, die im Laufe des Spiels organisch miteinander verflochten werden. Selbst Nebencharaktere, die man nur für ein paar Stunden trifft, hinterlassen Spuren.

Diese Liebe zum Detail erstreckt sich auch auf die NPCs. Nach jedem größeren Ereignis verändert sich ihre Dialoge, sodass man immer wieder Neues entdeckt, wenn man mit den Leuten spricht. Kleine Nebenquests fügen sich nahtlos ins Abenteuer ein – mal simple Botengänge, mal kleine Charaktergeschichten wie Titas Erfindungsdrang. Nichts davon wirkt wie grindiger Ballast, sondern wie Teil des Lebens in Liberl. Das macht die Welt greifbar und lebendig. Spielerisch kombiniert das Remake zwei Ansätze: schnelle Actionkämpfe für kleinere Gegner und ein taktisches, rundenbasiertes System für größere Herausforderungen. Letzteres erinnert an Final Fantasy X, mit einer Zugreihenfolge, die man gezielt manipulieren kann. Das eröffnet clevere Momente: ein rechtzeitiger S-Craft kann den Zauber eines Bosses unterbrechen und den Kampf komplett drehen. Hinzu kommt das Bonus-System, das zufällig Buffs in die Timeline einstreut – und das man wiederum mit den richtigen Skills stehlen und für sich nutzen kann. All das ergibt ein dynamisches Kampfsystem, das Strategie belohnt, ohne übermäßig kompliziert zu wirken. Positionierung auf dem Schlachtfeld, Flankenangriffe und Flächenzauber bringen zusätzliche Tiefe.

Herzstück des Fortschritts bleibt das Orbment-System, im Kern vergleichbar mit Final Fantasy VIIs Materia. Mit verschiedenen Quarz-Kombinationen verpasst man den Figuren nicht nur Stat-Boni und Skills, sondern auch Zugriff auf neue Zauber. Die begrenzten Slots zwingen zum Nachdenken, während Upgrades und Recycling alter Quarz das Ganze angenehm entschlacken. Ein kleines, aber feines Detail: verlässt ein Charakter die Gruppe, bekommt man automatisch sein gesamtes Equipment und Orbments zurück – eine Komfortfunktion, die damals in Trails FC noch gefehlt hat. Dazu kommen permanente Stat-Boni durch Items oder Kochen, die das Gefühl verstärken, dass jede noch so kleine Aktivität etwas wert ist.

Abseits des Gameplays überzeugt das Remake mit toller Präsentation. Die Musik ist größtenteils Remixes der Originalstücke und klingt fantastisch, wenn auch etwas repetitiv in manchen Regionen. Die englischen Sprecher, allen voran Estelle und Joshua, fangen Tonalität und Alter der Figuren glaubwürdig ein. Und dann sind da die Cutscenes – dynamisch inszeniert, mit einer Kameraführung, die selbst moderne RPGs alt aussehen lässt. Besonders Estelles Schwertkampf gegen Kloe im Theaterstück von Kapitel 2 hat sich mir eingebrannt, weil er so packend choreografiert ist. Alles greift ineinander: die Charaktere, die Welt, die Kämpfe, die Progression. Das Ergebnis ist ein Rollenspiel, das sowohl Neulinge wie mich als auch Serienveteranen begeistert. Es fühlt sich in seiner Struktur klassisch an, aber nie altbacken, und schafft es gleichzeitig, Nostalgie und Frische zu vereinen.

Trails in the Sky: First Chapter ist für mich ein Paradebeispiel, wie man ein altes Spiel modernisiert, ohne seine Seele zu verlieren. Es ist eine Einladung in eine der ambitioniertesten JRPG-Serien überhaupt – und ich bin jetzt schon gespannt auf das Remake von Second Chapter.

——— Hinweise & Disclaimer: ———

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2 Antworten zu „Review: „Trails in the Sky 1st Chapter“ #Falcom #TheLegendofHeroes“

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