Eine ganze Zeit könnte man sich kaum umdrehen und schon war ein neues Metroidvania auf den Markt gekommen. Und selbst als Fan des Genres machte sich so ein gewisses Gefühl der Abnutzung breit. Heutzutage ist es wieder sehr viel ruhiger geworden und so freue ich mich wieder, wenn ein neues Metroidvania angekündigt wird, das mich auf Grund Artstyle oder Mechanik anspricht und „Mai – Child of Ages“ gehörte da definitiv dazu. Lasst uns daher gemeinsam herausfinden, ob das Spiel ein willkommener Lichtblick oder doch eher fader Einheitsbrei ist…

(c) Chubby Pixel

Das Spiel gehört zum Genre der Action-Adventures mit deutlichen Metroidvania- und Plattform-Elementen, ergänzt durch fein austarierte Hack-and-Slash-Kämpfe und innovative Zeitmanipulationsmechaniken. Es stammt aus der Feder des italienischen Indie-Studios Chubby Pixel und setzt auf eine dichte Atmosphäre, emotionale Erzählweise und vielschichtiges Leveldesign – ein klassisches Beispiel für modernes Indie-Storytelling mit nostalgischem Einschlag.

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Im Zentrum der Geschichte steht die junge Heldin Mai, ein Mädchen, das in einer durch Krieg und Zeitverfall zerbrochenen Welt aufwächst. Nach dem verheerenden „Last Great War“ liegt die Ordnung der Welt in Trümmern, und die Zeit selbst scheint aus den Fugen geraten zu sein. Gemeinsam mit ihrem Großvater – schlicht Grandfather genannt – begibt sich Mai auf eine Reise durch verschiedene Zeitalter, um das Geheimnis der mystischen Uroboro Stone zu lüften. Dieses uralte Artefakt kann den Fluss der Zeit beeinflussen und wird zum zentralen Symbol ihrer Reise. Die Erzählung entfaltet sich in mehreren Kapiteln, die jeweils in unterschiedlichen Epochen spielen: von moosbewachsenen Ruinen einer vergessenen Vergangenheit bis hin zu düsteren, mechanischen Landschaften einer fernen Zukunft.

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Die narrative Tonalität schwingt zwischen märchenhaft und melancholisch. Mai’s Reise wirkt wie eine Rückblende in eine ferne Kindheit, durchzogen von Themen wie Erinnerung, Verantwortung und Verlust. Diese Struktur erinnert an Klassiker wie „The Legend of Zelda: Ocarina of Time“ oder „Chrono Trigger“ – Werke, die Zeitreise, Mythos und Emotion auf ähnliche Weise verknüpfen. Doch während jene Spiele oft in epische Heldenreisen münden, bleibt „Mai – Child of Ages“ persönlicher, stiller, fast schon introspektiv. Die Beziehung zwischen Mai und ihrem Großvater verleiht der Geschichte Tiefe und Menschlichkeit, während die Welt selbst in ihrer poetischen Vergänglichkeit zum stillen Erzähler wird.

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Spielerisch bietet das Spiel  ein abwechslungsreiches, flüssiges Gameplay. Zu Beginn steuert man Mai als Kind mit begrenzten Fähigkeiten – einfache Sprünge, Klettern, und das Nutzen kleinerer Objekte. Später, als sie älter wird, entfalten sich neue Kräfte: Zeitfelder verlangsamen Gegner, Plattformen lassen sich durch Zeitumkehr reparieren, und bestimmte Passagen werden erst durch den geschickten Einsatz des Uroboro Stone zugänglich. Dieses Feature ist das Herzstück des Spiels: Zeit als Werkzeug, als Waffe und als erzählerisches Element.

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Das Leveldesign folgt dem typischen Metroidvania-Prinzip – verzweigte Areale, geheime Durchgänge, Rückkehr zu bereits bekannten Orten mit neuen Fähigkeiten. Es erfordert Neugier und Geduld, belohnt aber mit versteckten Relikten, Erinnerungsfragmenten und optionalen Bosskämpfen. Die Steuerung fühlt sich sehr präzise an; Sprünge und Attacken reagieren direkt, was insbesondere bei den temporeichen Kämpfen essenziell ist. Der Schwierigkeitsgrad steigt behutsam an – die ersten Stunden sind einladend und erzählerisch getragen, während spätere Abschnitte durch fordernde Zeiträtsel und aggressive Gegner anspruchsvoller werden. Vergleiche mit Spielen wie „Hollow Knight“ oder „Ori and the Blind Forest“ drängen sich auf, doch „Mai – Child of Ages“ bleibt eigenständig: Der Fokus liegt weniger auf reiner Action, sondern stärker auf emotionaler Immersion und der spielmechanischen Verknüpfung von Zeit und Raum. Diese Balance gelingt bemerkenswert gut und trägt den Spielfluss über viele Stunden.

(c) Chubby Pixel

Grafisch überzeugt das Spiel durch eine stimmungsvolle Mischung aus handgezeichneten Texturen und fein modellierten 3D-Umgebungen. Jeder Zeitalterabschnitt besitzt einen eigenen Farbton: das satte Grün der alten Wälder, das kühle Blau der untergegangenen Städte, das warme Orange der Sonnenuntergänge in der Zukunft. Auf dem PC präsentiert sich alles in gestochen scharfem 1080p oder 4K, flüssig und ohne nennenswerte Performance-Einbrüche. Auf der Nintendo Switch hingegen wurde die Auflösung leicht reduziert, um stabile Bildraten zu gewährleisten – dennoch bleibt die visuelle Wirkung erhalten. Besonders hervorzuheben ist die Beleuchtung: Dynamische Schatten und Zeitverzerrungseffekte lassen das Spielgeschehen lebendig wirken. Wenn Mai die Zeit anhält, erstarren Staubpartikel in der Luft, und Wellenbewegungen frieren in gläserner Schönheit – kleine technische Details, die den Unterschied machen. Der Soundtrack untermalt dieses Erlebnis mit orchestralen und elektronischen Klängen, die je nach Zeitalter variieren. Ein melancholisches Hauptthema zieht sich leitmotivisch durch die gesamte Reise, während in Kämpfen treibende Percussion-Elemente den Puls anheben.

(c) Chubby Pixel

Chubby Pixel hat hier einen deutlichen Schritt nach vorn gemacht. Das Studio, bekannt durch charmante Titel wie „Woodle Tree“ und „Suicide Guy“, hat seine Erfahrung im Level-Design und in der Physik-Engine spürbar ausgebaut. In Interviews betonte das Team, dass das Spiel  das bislang ambitionierteste Projekt ihrer Laufbahn sei – eine Liebeserklärung an klassische Abenteuer, aber mit moderner Technik und emotionalem Tiefgang. Die Entscheidung, das Spiel selbst zu veröffentlichen, zeigt zudem ein hohes Maß an künstlerischer Kontrolle.

(c) Chubby Pixel

Insgesamt ist „Mai – Child of Ages“ ein beeindruckendes Beispiel dafür, wie ein kleines Studio große Emotionen auf den Bildschirm bringen kann. Es verbindet technische Eleganz mit erzählerischer Wärme, ist herausfordernd, aber nie unfair, und schafft es, die Spielmechaniken organisch mit der Geschichte zu verweben. Wer Spaß an Zeitreise-Erzählungen, explorativen Welten und melancholischer Stimmung hat, wird dieses Spiel lieben. Für Fans von Indie-Abenteuern, Metroidvania-Erkundungen und narrative-getriebenem Gameplay ist es ein Pflichtkauf. „Mai – Child of Ages“ ist kein lautes, sondern ein leises Meisterwerk – und gerade deshalb so unvergesslich.

Entwickler: Chubby Pixel

Publisher: Chubby Pixel

Erhältlich auf: PC, PS4, PS5, Xbox One, Xbox Series X/S, Nintendo Switch

Getestet auf: PC, Nintendo Switch

NB@19.11.2025

——— Hinweise & Disclaimer: ———

Zur Erstellung dieses Reviews wurde uns vom Publisher ein unentgeltlicher Key für das Spiel zur Verfügung gestellt. Wir danken vielmals für die Unterstützung, weisen aber darauf hin, dass dieser Umstand keine Auswirkung auf unsere Bewertung hat!

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