Wenn man an klassische japanische Rollenspiele denkt, kommen einem oft große Prophezeiungen, weltumspannende Katastrophen und auserwählte Helden in den Sinn. „Atelier Ryza Secret Trilogy“ schlägt jedoch einen anderen, deutlich persönlicheren Ton an. Statt den Untergang der Welt abzuwenden, begleitet man hier ein junges Mädchen und ihre Freunde auf einer Reise des Erwachsenwerdens, voller Neugier, leiser Melancholie und dem Zauber des ersten großen Abenteuers. Zwischen idyllischen Landschaften, geheimnisvollen Ruinen und dem Duft frisch gebrauter Alchemie entfaltet sich eine Geschichte, die weniger durch Bombast als durch Herz, Atmosphäre und Charaktertiefe berührt – und damit genau jene nostalgischen Gefühle weckt, die viele mit den großen Rollenspielklassikern ihrer Jugend verbinden. Ursprünglich zwischen 2019 und 2023 erschienen, vereint diese Edition die drei Teile der sogenannten „Secret“-Reihe auf aktuellen Plattformen

(c) Gust, Bandai Namco

Genretypisch bewegt sich das Spiel im klassischen japanischen Rollenspiel, angereichert mit der für die Atelier-Serie so typischen Alchemie-Mechanik, Sammel- und Crafting-Systemen sowie einer warmherzigen Coming-of-Age-Geschichte, die mehr auf Charakterentwicklung als auf weltumspannende Katastrophen setzt. Schon der erste Eindruck macht klar: Hier geht es weniger um das Retten der Welt, sondern um das Erwachsenwerden, um Freundschaft und um das leise, stetige Entdecken einer größeren, geheimnisvollen Welt jenseits des eigenen Dorfes.

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Im Mittelpunkt steht Ryza, ein zunächst etwas ungestümes, neugieriges Mädchen, das in einem verschlafenen Dorf auf einer Insel lebt und von Abenteuern träumt, während der Alltag aus Arbeit und Tradition besteht. Gemeinsam mit ihren Freunden Klaudia, Lent und Tao stolpert sie eher zufällig in ein größeres Schicksal, als sie auf die geheimnisvollen Alchemisten Empel und Lila treffen. Was als kindliche Neugier beginnt, entwickelt sich über die drei Teile hinweg zu einer Reise voller Verantwortung, Verlust und persönlicher Reife.

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Die Welt, die sie erkunden, wirkt wie eine Mischung aus europäischem Märchenland und fernöstlicher Fantasy, mit saftigen Wiesen, antiken Ruinen und verborgenen Relikten einer längst vergangenen Zivilisation. Der nostalgische Ton erinnert an klassische Anime-Serien und Filme wie „Das wandelnde Schloss“ oder frühe Final-Fantasy-Abenteuer, in denen das Gefühl des Aufbruchs und die Magie des Unbekannten stets über der Handlung liegen. Die Konflikte sind dabei weniger schwarz-weiß als in vielen anderen JRPGs: Es geht um das Bewahren von Wissen, um das Gleichgewicht zwischen Mensch und Natur und um die Frage, wie viel Verantwortung eine neue Generation bereit ist zu übernehmen. Über alle drei Teile hinweg wächst die Gruppe zusammen, erlebt Trennungen, Wiedersehen und die leise Melancholie, die entsteht, wenn man merkt, dass die Kindheit unwiederbringlich vorbei ist.

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Spielerisch bleibt die Sammlung dem typischen Atelier-Konzept treu. Das Herzstück ist die Alchemie: Zutaten werden in der Welt gesammelt, Rezepte entdeckt und in einem komplexen, aber zugänglichen System zu Waffen, Rüstungen, Tränken und besonderen Gegenständen verarbeitet. Gerade in der Ryza-Trilogie wurde dieses System modernisiert und visuell greifbarer gestaltet, sodass man die Wirkungsgrade, Eigenschaften und Qualitätsstufen der Items intuitiv nachvollziehen kann. Die Kämpfe laufen in einem halb-aktiven System ab, das zwischen rundenbasierten und Echtzeit-Elementen vermittelt. Aktionen kosten Aktionspunkte, Spezialfähigkeiten laden sich auf, und das richtige Timing entscheidet über Sieg oder Niederlage.

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Im Vergleich zu klassischen rundenbasierten JRPGs fühlt sich das Kampfsystem dynamischer an, ohne die strategische Tiefe zu verlieren. Das Level-Design setzt auf weitläufige, offen strukturierte Areale, die zum Erkunden einladen und mit Rohstoffen, versteckten Gegnern und kleinen Nebenquests gespickt sind. Die Steuerung ist direkt und einsteigerfreundlich, sowohl mit Controller als auch mit Maus und Tastatur, wobei auf der PS5 besonders die flüssige Kameraführung und die kurzen Ladezeiten positiv auffallen. Der Schwierigkeitsgrad bleibt moderat, kann aber optional angepasst werden, sodass sowohl Serien-Neulinge als auch Veteranen auf ihre Kosten kommen.

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Grafisch präsentiert sich das Spiel in einem farbenfrohen, leicht stilisierten Anime-Look, der die warmen Töne der Landschaften und die liebevoll gestalteten Charaktermodelle betont. Die Umgebungen wirken detailreicher als in vielen früheren Teilen der Reihe, mit dynamischer Beleuchtung, üppiger Vegetation und sanften Wettereffekten. Auf der PS5 und dem PC läuft das Spiel in hoher Auflösung und mit stabiler Bildrate, während die Nintendo Switch-Version kleinere Abstriche bei Details und Performance macht, dafür aber die Möglichkeit bietet, die Welt von Ryza auch unterwegs zu erkunden.

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Der Soundtrack untermalt das Geschehen mit einer Mischung aus ruhigen, melancholischen Stücken und beschwingten Abenteuermelodien, die perfekt zum nostalgischen Grundton passen. Akustisch fühlt man sich oft an klassische JRPG-Soundtracks der 90er und frühen 2000er erinnert, nur moderner und klarer produziert.

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Da es sich bei dieser Sammlung um eine Zusammenfassung und technische Überarbeitung der drei Originaltitel handelt, lohnt sich der Vergleich. Die Grundstruktur und Inhalte bleiben erhalten, doch Auflösung, Texturen und Ladezeiten wurden auf aktuellen Konsolen spürbar verbessert.

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Komfortfunktionen, gebündelte DLCs und kleinere Balance-Anpassungen sorgen dafür, dass Neueinsteiger die komplette Geschichte in der bestmöglichen Form erleben können, während Veteranen die vertraute Reise in technisch aufpolierter Form erneut antreten.

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Entwickelt wurde die Trilogie von Gust, einem Studio, das seit Jahrzehnten für die Atelier-Reihe steht und zuvor unter anderem an Serien wie „Ar tonelico“ und „Nights of Azure“ gearbeitet hat. Als Publisher fungiert Koei Tecmo, die das Studio seit Jahren unterstützen und die Marke international etabliert haben. Die Ryza-Reihe markiert innerhalb der langen Seriengeschichte einen Wendepunkt, da sie der Marke durch moderneres Design und eine stärkere Fokussierung auf Charaktere zu deutlich größerer Popularität verholfen hat.

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Insgesamt bleibt „Atelier Ryza Secret Trilogy“ ein warmherziges, nostalgisches Rollenspielpaket, das weniger durch epische Weltuntergangsszenarien als durch seine Figuren und deren Entwicklung besticht. Es ist eine Reise des Erwachsenwerdens, verpackt in farbenfrohe Fantasy und getragen von einem der zugänglichsten Alchemie-Systeme der Genre-Geschichte. Die Zielgruppe reicht von langjährigen Atelier-Fans bis hin zu JRPG-Neulingen, die eine ruhige, charaktergetriebene Alternative zu bombastischen Blockbustern suchen. Wer Freude an Erkundung, Crafting und einer emotionalen Geschichte hat, sollte sich diese Trilogie unbedingt ansehen.

Entwickler: Gust

Publisher: Koei Tecmo

Erhältlich auf: PC, PS4, PS5, Nintendo Switch

Getestet auf: PS5

NB@22.01.2025

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Zur Erstellung dieses Reviews wurde uns vom Publisher ein unentgeltlicher Key für das Spiel zur Verfügung gestellt. Wir danken vielmals für die Unterstützung, weisen aber darauf hin, dass dieser Umstand keine Auswirkung auf unsere Bewertung hat!

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