„Imperare sibi maximum imperium est.“ – „Sich selbst zu beherrschen ist die größte Herrschaft.“ Ein Gedanke von Seneca, der kaum treffender die Geduld, Disziplin und Weitsicht widerspiegelt, die der Spieler beim Aufbau einer antiken Metropole in „Citadelum“ aufbringen muss.

Das Spiel erschien ursprünglich im Jahr 2024 für PC und fand schnell eine kleine, aber leidenschaftliche Fangemeinde unter Liebhabern klassischer Aufbaustrategie. Mit der nun vorliegenden Version für die Nintendo Switch 2 erhält das Spiel nicht nur eine technische Frischzellenkur, sondern auch exklusive Features, die das antike Städtebau-Erlebnis auf der neuen Konsole noch runder und komfortabler machen. Das Genre ist klar umrissen: eine Mischung aus City-Builder, Wirtschaftssimulation und leichtem Strategiespiel im Gewand der römischen Antike, irgendwo zwischen „Caesar“, „Pharaoh“ und der zugänglicheren Seite moderner Indie-Strategietitel.

Die Handlung des Spiels ist weniger eine streng geführte Story als vielmehr ein historisch angehauchtes Szenario, das den Spieler in die Rolle eines römischen Statthalters versetzt, der in einer neu eroberten Provinz eine blühende Stadt aus dem Nichts errichten soll. Man beginnt mit ein paar Zelten, einfachen Holzpalisaden und einer Handvoll Siedler, die auf Führung, Nahrung und Schutz hoffen. Über allem schwebt der Schatten des Imperiums, personifiziert durch einen fernen, aber stets präsenten Kaiser, dessen Befehle man erfüllen muss, um Gunst und Ressourcen zu erhalten.

Gleichzeitig lauern äußere Bedrohungen in Form feindlicher Stämme und innerer Konflikte, wenn die Bevölkerung unzufrieden wird oder die Götter durch Vernachlässigung ihrer Tempel erzürnt sind. Nostalgisch fühlt sich das Ganze an wie eine spielbare Version klassischer Sandalenfilme: Man denkt an die großen Kulissen von „Ben Hur“ oder „Gladiator“, an staubige Straßen, geschäftige Foren und das leise Raunen einer Zivilisation im Aufbau. Zwar gibt es keine einzelnen, stark ausgearbeiteten Heldenfiguren, doch tauchen immer wieder Berater, Gesandte und Militärkommandanten auf, deren Namen und Porträts dem Geschehen ein Gesicht geben und die Welt lebendig wirken lassen.

Im Zentrum steht das Gameplay, und hier zeigt „Citadelum“, warum es sich anfühlt wie eine liebevolle Hommage an die großen Aufbaustrategien der Neunziger. Der Spieler plant Straßennetze, errichtet Wohnhäuser, organisiert Produktionsketten für Nahrung, Baumaterialien und Luxusgüter und achtet darauf, dass die Bedürfnisse der Bürger erfüllt werden. Getreide muss angebaut, zu Mehl verarbeitet und schließlich zu Brot gebacken werden, während Holzfäller, Steinbrüche und Schmieden die Grundlage für monumentale Bauten wie Thermen, Arenen und Tempel liefern. Gleichzeitig gilt es, Militärlager zu errichten und Truppen auszubilden, um Überfälle abzuwehren oder selbst Feldzüge zu führen.

Die Steuerung auf der Nintendo Switch 2 profitiert enorm von den neuen Joy-Cons mit verbesserter Präzision und optionaler Maus-ähnlicher Zeigerfunktion. Das Platzieren von Gebäuden geht flüssig von der Hand, Menüs sind übersichtlich und schnell erreichbar, und dank Touchscreen-Unterstützung im Handheld-Modus fühlt sich das Spiel fast wie eine klassische PC-Version an. Das Level-Design bietet sowohl freie Sandbox-Karten als auch Szenarien mit klaren Zielen und steigender Herausforderung. Der Schwierigkeitsgrad ist gut austariert: Einsteiger werden sanft eingeführt, während erfahrene Strategen später mit komplexen Wirtschaftsnetzen, knappen Ressourcen und militärischem Druck gefordert werden. Vergleiche mit „Anno“ oder den alten „Caesar“-Teilen drängen sich auf, doch „Citadelum“ bleibt zugänglicher und weniger überwältigend, ohne dabei an Tiefe zu verlieren.

Grafisch präsentiert sich die Switch-2-Version als deutliches Upgrade gegenüber den bisherigen Konsolenfassungen. Die isometrische Ansicht erstrahlt in höherer Auflösung, feinere Texturen lassen Marmor, Ziegel und Stoffe plastischer wirken, und die neuen Lichteffekte sorgen für stimmungsvolle Sonnenauf- und -untergänge über den Dächern der Stadt. Mit stabilen 60 Bildern pro Sekunde im Docked-Modus und einer dynamischen Auflösung im Handheld-Betrieb läuft das Spiel durchweg flüssig. Exklusive Features wie eine dezente HD-Vibration, die bei Erdbeben, feindlichen Angriffen oder dem Bau großer Monumente spürbar wird, sowie ein optionaler Performance-Modus, der Ladezeiten weiter verkürzt, runden das Paket ab. Der Soundtrack setzt auf orchestrale, zurückhaltende Kompositionen mit antiken Instrumentenklängen, die eine ruhige, fast meditative Atmosphäre schaffen. Dazu gesellen sich Umgebungsgeräusche wie Marktgeschrei, das Hämmern der Schmiede und das Marschieren von Legionären, die das Gefühl verstärken, eine lebendige Stadt zu verwalten.

Das Spiel ist, gegenüber der PC-Version, in einer technisch erweiterten Version auf der Nintendo Switch 2 erschienen. Die exklusiven Anpassungen betreffen vor allem Komfortfunktionen, Performance und die Steuerung, während der Kern des Spiels unverändert bleibt. Gerade diese Nähe zum Original macht den Reiz aus, denn man bekommt die klassische Aufbauformel in moderner, sauberer Umsetzung, ohne dass unnötige Systeme oder überladene Mechaniken den Spielfluss stören.

Entwickelt wurde das Spiel von Abylight Studios, einem spanischen Studio, das sich in den letzten Jahren mit liebevollen Umsetzungen und eigenen Projekten einen Namen gemacht hat. Zu ihren bekanntesten Arbeiten zählen Ports und Remaster klassischer Titel wie „Cursed Castilla“ oder „One Military Camp“, aber auch eigene Indie-Produktionen, die stets durch klare Designentscheidungen und einen Fokus auf Spielbarkeit überzeugen. Als Publisher tritt ebenfalls Abylight Studios auf, was dem Projekt eine gewisse kreative Geschlossenheit verleiht. „Citadelum“ entstand in einer Phase, in der das Studio verstärkt auf Strategiespiele setzte und dabei bewusst die Tradition klassischer PC-Aufbauspiele mit moderner Technik verbinden wollte.

Am Ende bleibt der Eindruck eines warmherzigen, durchdachten und überraschend fesselnden Städtebauspiels, das auf der Nintendo Switch 2 seine vielleicht bislang beste Form gefunden hat. „Citadelum“ richtet sich an Fans klassischer Aufbaustrategie, an Nostalgiker, die mit „Caesar“ und „Pharaoh“ aufgewachsen sind, ebenso wie an Neueinsteiger, die einen ruhigen, aber fordernden Titel für lange Spielsessions suchen. Die Mischung aus historischer Atmosphäre, solider Spielmechanik und den exklusiven technischen Verbesserungen der neuen Konsole macht es leicht, sich in den Straßen der eigenen römischen Stadt zu verlieren. Wer Freude daran hat, Stein auf Stein zu setzen, Wirtschaftskreisläufe zu optimieren und seine Bürger zufrieden in eine glorreiche Zukunft zu führen, sollte diesem Spiel unbedingt eine Chance geben.
Entwickler: Abylight Studios
Publisher: Abylight Studios
Erhältlich auf: PC, Nintendo Switch, Nintendo Switch 2
Getestet auf: Nintendo Switch 2
NB@29.01.2026
——— Hinweise & Disclaimer: ———
Zur Erstellung dieses Reviews wurde uns vom Publisher ein unentgeltlicher Key für das Spiel zur Verfügung gestellt. Wir danken vielmals für die Unterstützung, weisen aber darauf hin, dass dieser Umstand keine Auswirkung auf unsere Bewertung hat!
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