„Apartment No 129“ ist ein atmosphärisches Horror-Survival-Adventure, das ursprünglich bereits 2024 für den PC veröffentlicht wurde und jetzt endlich seinen Weg auf aktuelle Konsolen wie die Xbox Series X/S und die PlayStation 5 gefunden hat. Entwickelt im Indie-Segment, verfolgt das Spiel einen klaren Ansatz: psychologischer Horror statt lauter Schockmomente, Unbehagen statt Action.

(c) Dead Witness

Schon nach wenigen Minuten wird deutlich, dass hier nicht die schnelle Unterhaltung im Vordergrund steht, sondern eine beklemmende Erfahrung, die sich langsam entfaltet. Die zentrale Frage lautet daher: Reicht eine dichte Atmosphäre allein aus, um ein nachhaltiges Horrorerlebnis zu schaffen, oder braucht es mehr spielerische Substanz, um langfristig im Gedächtnis zu bleiben?

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Die Handlung des Spiels basiert auf einer düsteren urbanen Legende. Schauplatz ist ein verlassener Wohnkomplex in der Türkei, der seit einem mysteriösen Vorfall im Jahr 2009 gemieden wird. Gerüchten zufolge sollen zwei junge Mädchen in der gleichnamigen Wohnung ein okkultes Ritual durchgeführt haben, dessen Folgen nie vollständig aufgeklärt wurden. Seitdem ranken sich Geschichten um paranormale Aktivitäten, verschwundene Personen und unerklärliche Phänomene. Genau diese Mischung aus real wirkendem Schauplatz und übernatürlichem Mythos bildet das Fundament der Erzählung. Du übernimmst die Rolle von Emir, einem jungen Investigativ-Vlogger, der sich auf verlassene Orte und paranormale Phänomene spezialisiert hat. Auf der Suche nach Klicks, Aufmerksamkeit und vielleicht auch der Wahrheit selbst, beschließt er, das berüchtigte Gebäude zu betreten und dessen Geheimnisse zu dokumentieren…

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Was als kalkuliertes Risiko beginnt, entwickelt sich rasch zu einem persönlichen Albtraum. Die Geschichte wird bewusst fragmentarisch erzählt, über Notizen, Umgebungsdetails und subtile Ereignisse, die mehr andeuten als erklären. Dieser Ansatz weckt nostalgische Erinnerungen an Klassiker wie „Silent Hill“, aber auch an moderne Horrorformate, bei denen das Unausgesprochene eine zentrale Rolle spielt. Die Welt wirkt dabei zugleich realistisch und entrückt – ein Ort, der einst bewohnt war, nun aber jede Spur von Leben verloren hat.

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Spielerisch setzt das Spiel eher auf Reduktion. Aus der Ego-Perspektive erkundest du den Wohnkomplex, durchstreifst dunkle Flure, betrittst verlassene Apartments und interagierst mit Objekten, um Stück für Stück voranzukommen. Klassische Kampfmechaniken fehlen vollständig, was das Gefühl von Hilflosigkeit verstärkt. Stattdessen liegt der Fokus auf Exploration, Beobachtung und dem langsamen Aufbau von Spannung. Rätsel sind vorhanden, bleiben jedoch meist einfach gehalten und dienen eher dazu, den Spielfluss aufrechtzuerhalten, als echte Denkaufgaben zu liefern. Im Vergleich zu Genre-Vertretern wie „Outlast“, „Visage“ oder „Madison“ wirkt das Gameplay deutlich minimalistischer.

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Die Steuerung erfüllt ihren Zweck, fühlt sich auf Konsolen jedoch stellenweise etwas schwerfällig an, insbesondere bei präzisen Interaktionen. Das empfand ich leider etwas störend und es ist mir auch nicht ganz klar wie das kommt oder warum es sich so anfühlt. Das Level-Design ist überwiegend linear, was einerseits die Atmosphäre verdichtet, andererseits aber kaum Raum für Abwechslung oder alternative Wege lässt. Der Schwierigkeitsgrad bleibt insgesamt niedrig und richtet sich klar an Spieler, die eine narrative Erfahrung suchen, ohne dabei spielerisch gefordert zu werden.

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Grafisch präsentiert sich das Spiel eher funktional, aber stimmungsvoll. Texturen und Modelle sind nicht auf dem Niveau großer AAA-Produktionen, erfüllen jedoch ihren Zweck innerhalb des Settings. Besonders hervorzuheben ist der Einsatz von Licht und Schatten, der maßgeblich zur bedrückenden Atmosphäre beiträgt. Dunkle Ecken, flackernde Lichtquellen und subtile visuelle Veränderungen erzeugen ein konstantes Gefühl von Unsicherheit. Auf der Xbox Series X läuft das Spiel größtenteils stabil, kleinere Performance-Einbrüche und technische Unsauberkeiten lassen sich jedoch nicht vollständig vermeiden, ohne aber zu störend zu sein.

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Der Sound ist einer der größten Pluspunkte des Spiels. Statt eines dominanten Soundtracks setzt man auf dezente Umgebungsgeräusche, ferne Klänge und plötzliche akustische Impulse. Knarrende Böden, entfernte Stimmen oder kaum wahrnehmbare Geräusche sorgen dafür, dass man permanent auf der Hut ist. Gerade mit Kopfhörern entfaltet der Sound seine volle Wirkung und trägt entscheidend zur Immersion bei.

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Hinter dem Projekt steht Dead Witness, ein Indie-Studio, das sich auf narrative Horrorerfahrungen spezialisiert hat und gleichzeitig auch als Publisher auftritt. Zuvor veröffentlichte das Team unter anderem „Y. Village – The Visitors“, ebenfalls ein Titel, der auf düstere Atmosphäre und psychologischen Horror setzte. Charakteristisch für die Arbeiten von Dead Witness ist der Bezug auf urbane Legenden, reale Schauplätze und eine filmische Inszenierung. Das Spiel entstand in einem überschaubaren Entwicklungsumfeld, was sich technisch bemerkbar macht, dem Spiel aber auch einen persönlichen, handgemachten Charakter verleiht.

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Insgesamt ist „Apartment No 129“ ein konsequentes, atmosphärisch dichtes Horrorerlebnis, das sich klar an Fans von psychologischem Horror und Indie-Produktionen richtet. Wer Spannung aus subtilen Details, düsteren Umgebungen und langsamer Erzählweise zieht, wird hier auf seine Kosten kommen. Spieler hingegen, die Wert auf spielerische Tiefe, Abwechslung oder technische Perfektion legen, könnten enttäuscht werden. Für seine Zielgruppe ist das Spiel jedoch eine interessante Erfahrung und zeigt, dass Horror nicht laut sein muss, um zu wirken. Ein Titel, der zwar nicht lange nachhallt, aber während seiner Spielzeit zuverlässig für Unbehagen sorgt.

Entwickler: Dead Witness

Publisher: Dead Witness, Axyos Games

Erhältlich auf: PC, PS5, Xbox Series X/S

Getestet auf: Xbox Series X

NB@25.02.2026

——— Hinweise & Disclaimer: ———

Zur Erstellung dieses Reviews wurde uns vom Publisher ein unentgeltlicher Key für das Spiel zur Verfügung gestellt.

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