Mit „Dynasty Warriors: Origins“ bringt Koei Tecmo eine traditionsreiche Actionreihe in eine neue Phase. Die Veröffentlichung vor kurzem und markiert gleichzeitig den Einstand der Serie auf der neuen Switch 2 von Nintendo, während Versionen für andere aktuelle Plattformen parallel erhältlich sind. Genretechnisch bleibt sich die Reihe treu: Es handelt sich um ein Musou-Actionspiel, also ein groß angelegtes Hack-and-Slash-Erlebnis, in dem ein einzelner Held ganze Armeen bezwingt. Doch die zentrale Frage lautet diesmal: Kann „Dynasty Warriors: Origins“ mehr sein als eine bloße Fortführung bekannter Muster – gelingt es dem Spiel, die altbekannte Formel so zu modernisieren, dass sie sich frisch anfühlt, ohne ihre Wurzeln zu verlieren?

Die Handlung greift erneut die Ereignisse der Zeit der Drei Reiche auf, eine Epoche, die sich wie ein wiederkehrender Traum durch die Geschichte der Serie zieht. Statt sich ausschließlich auf die bekannten Machtblöcke zu konzentrieren, versucht das Spiel die Ursprünge der Konflikte stärker zu beleuchten und dem politischen wie menschlichen Drama mehr Raum zu geben. Spielerinnen und Spieler begleiten zentrale Figuren wie Liu Bei, Cao Cao und Sun Quan, die allesamt nicht nur als militärische Anführer, sondern auch als Menschen mit Idealen, Zweifeln und persönlichen Motivationen dargestellt werden.

Dabei entfaltet sich eine Geschichte, die gleichermaßen vertraut und neu wirkt. Wer die Serie kennt, wird viele ikonische Schlachten wiedererkennen, doch sie werden im Spiel stärker in narrative Zusammenhänge eingebettet. Die Inszenierung erinnert in ihren besten Momenten an historische Dramenfilme, in denen Intrigen, Loyalität und Verrat eine ebenso große Rolle spielen wie das Schlachtfeld selbst. Gleichzeitig schwingt eine gewisse Nostalgie mit – ein Gefühl, als würde man zu einer bekannten Erzählung zurückkehren, die man schon als Kind gehört hat, nun aber mit neuen Nuancen und Details entdeckt.

Spielerisch bleibt der Kern unverändert: Man bewegt sich in der dritten Person über weitläufige Schlachtfelder, bekämpft Horden von Gegnern und erfüllt Missionsziele, die den Verlauf der Schlacht beeinflussen. Neu ist dabei vor allem die Art, wie die Spielwelt strukturiert ist. Anstatt strikt voneinander getrennte Level zu bieten, setzt man hier auf größere, miteinander verbundene Areale, die mehrere strategische Punkte enthalten. Dadurch entsteht ein stärkeres Gefühl für Raum und Taktik. Es reicht nicht mehr, einfach nur Gegner zu besiegen; man muss entscheiden, welche Front man zuerst verstärkt, welche Verbündeten Unterstützung brauchen und wann es sinnvoll ist, sich zurückzuziehen.

Die Steuerung bleibt zugänglich, wie man es von der Reihe erwartet. Leichte und schwere Angriffe lassen sich zu Kombos verketten, Spezialangriffe bauen sich durch das Sammeln von Energie auf, und spektakuläre Musou-Attacken räumen ganze Gegnergruppen auf einmal aus dem Weg. Dennoch hat „Dynasty Warriors: Origins“ kleine, aber spürbare Anpassungen vorgenommen. Bewegungen wirken etwas gewichtiger, Treffer haben mehr Wucht, und das Timing von Ausweichmanövern spielt eine größere Rolle. Wer sich nur blind durch die Massen kämpft, wird auf höheren Schwierigkeitsgraden schnell an Grenzen stoßen.

Ein besonderes Augenmerk liegt auf dem Zusammenspiel mit Verbündeten. Offiziere agieren aktiver als in früheren Teilen, fordern gezielt Unterstützung an und reagieren auf das Verhalten der Spielerfigur. Dadurch entsteht ein stärkeres Gefühl, Teil einer Armee zu sein, statt nur als Einzelkämpfer durch die Reihen zu pflügen. Gleichzeitig bleibt das Spiel zugänglich genug, um auch Neueinsteiger nicht zu überfordern. Die Lernkurve ist sanft, und viele Mechaniken erschließen sich intuitiv.

Das Missionsdesign variiert stärker als zuvor. Neben klassischen „Besiege den feindlichen General“-Aufträgen gibt es Eskortmissionen, Verteidigungsaufgaben und dynamische Ereignisse, die den Schlachtverlauf spontan verändern können. Besonders gelungen sind die Momente, in denen mehrere Ziele gleichzeitig Aufmerksamkeit verlangen und man Prioritäten setzen muss. Diese Situationen erzeugen Spannung und verhindern, dass sich das Spiel in repetitiven Abläufen verliert.

In puncto Schwierigkeitsgrad zeigt sich das Spiel flexibel. Es gibt mehrere Einstellungsstufen, die sowohl Gelegenheitsspieler als auch erfahrene Serienveteranen ansprechen. Auf den höheren Stufen wird deutlich, wie sehr das Spiel von strategischem Denken profitiert. Gegner greifen aggressiver an, Offiziere nutzen ihre Fähigkeiten effektiver, und falsche Entscheidungen können eine Schlacht kippen lassen.

Die grafische Präsentation profitiert sichtbar von der neuen Hardware. Auf der Switch 2 wirkt das Spiel detailreicher als frühere Ableger auf tragbaren Systemen. Charaktermodelle sind klarer ausgearbeitet, Rüstungen reflektieren Licht, und die Umgebungen zeigen mehr Variation – von staubigen Ebenen über dichte Wälder bis hin zu befestigten Städten. Die Weitsicht ist beeindruckend, und die Darstellung großer Truppenverbände vermittelt ein Gefühl von epischer Größe.

Gleichzeitig bleibt die Serie ihrem leicht stilisierten Look treu. Figuren sind heroisch überzeichnet, Animationen betonen Dynamik statt Realismus, und Effekte wie Funken oder Energiewellen setzen gezielte Akzente. Diese Mischung sorgt dafür, dass das Spiel auch in hektischen Gefechten übersichtlich bleibt. Technisch läuft die Switch 2-Version überwiegend stabil, mit nur gelegentlichen Einbrüchen, wenn besonders viele Effekte gleichzeitig auf dem Bildschirm sind.

Der Sound unterstreicht die Atmosphäre wirkungsvoll. Der Soundtrack kombiniert traditionelle Instrumente mit modernen Rock-Elementen, wie man es von der Reihe kennt. Die Musik passt sich dem Kampfgeschehen an, steigert sich in intensiven Momenten und tritt in ruhigeren Phasen in den Hintergrund. Die englische und japanische Sprachausgabe sind absolut solide, wobei besonders die japanischen Stimmen eine gewisse Authentizität vermitteln. Soundeffekte – vom Aufeinandertreffen von Klingen bis hin zu den Rufen der Soldaten – tragen zusätzlich dazu bei, das Schlachtfeld lebendig wirken zu lassen.

Im Kontext der Serie versteht sich der aktuelle Teil weniger als radikaler Neuanfang, sondern als bewusste Weiterentwicklung. Viele der grundlegenden Ideen sind vertraut, doch sie wurden verfeinert, erweitert und besser miteinander verzahnt. Wer frühere Teile gespielt hat, wird sich schnell zurechtfinden, gleichzeitig aber genügend neue Aspekte entdecken, um motiviert zu bleiben. Es ist ein Spiel, das seine Herkunft nicht verleugnet, sondern sie als Fundament nutzt, um darauf aufzubauen.

Das Entwicklerstudio Omega Force und Publisher Koei Tecmo gehören seit Jahrzehnten zu den prägenden Kräften im Bereich der Actionspiele, insbesondere durch die Musou-Reihe. Neben der Dynasty Warriors-Reihe hat das Unternehmen auch Serien wie Samurai Warriors oder Kooperationen mit anderen Marken hervorgebracht. Der Publisher ist in diesem Fall identisch mit dem Entwickler, was eine gewisse kreative Kontinuität ermöglicht. Das Spiel wirkt wie das Ergebnis dieser langen Erfahrung – ein Titel, der genau weiß, was er sein will, und der sich dennoch bemüht, neue Impulse zu setzen.

Insgesamt bleibt der Eindruck eines Spiels, das vor allem durch seine Atmosphäre und seine Spielmechanik überzeugt. „Dynasty Warriors: Origins“ richtet sich klar an Fans der Serie und an Spielerinnen und Spieler, die Freude an groß angelegten Schlachten und zugänglicher Action haben. Gleichzeitig öffnet es sich durch seine modernisierte Präsentation und die überarbeiteten Systeme auch für Neulinge, die bisher keinen Berührungspunkt mit dem Musou-Genre hatten. Wer sich auf das Spiel einlässt, erlebt eine Mischung aus vertrauter Formel und behutsamer Erneuerung – ein Titel, der nicht alles neu erfindet, aber viele kleine Stellschrauben so justiert, dass das Gesamtbild stimmig wirkt. Es ist ein Spiel, das man nicht unbedingt in einem Zug durchspielen muss, sondern zu dem man immer wieder zurückkehrt, um eine weitere Schlacht zu schlagen, eine andere Perspektive auszuprobieren oder einfach den Rhythmus des Gefechts zu genießen. Gerade darin liegt seine Stärke.

Für Interessierte lohnt es sich, einen Blick zu riskieren und selbst zu erleben, wie sich die bekannten Elemente in dieser neuen Form anfühlen. Das Spiel beweist damit, dass auch eine langjährige Reihe noch Entwicklungspotenzial besitzt – solange sie bereit ist, sich behutsam weiterzuentwickeln, ohne ihre Identität zu verlieren.
Entwickler: Omega Force
Publisher: Koei Tecmo
Erhältlich auf: PC, PS5, Xbox Series X/S, Switch 2
Getestet auf: Switch 2
NB@26.02.2026
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Zur Erstellung dieses Reviews wurde uns vom Publisher ein unentgeltlicher Key für das Spiel zur Verfügung gestellt.
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