Mit „Yakuza Kiwami 3 & Dark Ties“ kehrt die traditionsreiche Action-Adventure-Reihe aus dem Hause Ryu Ga Gotoku Studio zurück und bringt eine modernisierte Neuinterpretation eines klassischen Serienteils auf aktuelle Plattformen. Das Original ist mittlerweile vor 17 Jahren, bzw. vor 16 Jahren, wenn man den westlichen Release als Maßgabe nimmt, erschienen und das Remake richtet sich gleichermaßen an Veteranen wie an Neueinsteiger, die in die Welt der japanischen Unterwelt eintauchen möchten. Als Hybrid aus Story-getriebenem Open-World-Adventure, Brawler-Action und emotionalem Drama stellt sich die Frage, ob dieses Remake den Geist der Vorlage bewahren kann und gleichzeitig die Erwartungen eines modernen Publikums erfüllt – und ob „Yakuza Kiwami 3 & Dark Ties“ es schafft, innerhalb seines Genres neue Akzente zu setzen oder zumindest die Essenz der Serie in zeitgemäßer Form zu transportieren.

(c) Ryu Ga Gotoku Studio, Sega

Die Handlung führt erneut in das vertraute Spannungsfeld zwischen persönlicher Loyalität, Vergangenheit und den ungeschriebenen Gesetzen der Yakuza. Im Mittelpunkt steht erneut Kazuma Kiryu, dessen Leben nach den Ereignissen früherer Kapitel eine scheinbare Ruhephase erreicht hat. Diese Ruhe wird jedoch schnell durch eine neue Bedrohung erschüttert, die sowohl aus den Tiefen der Unterwelt als auch aus politischen Verstrickungen erwächst. Parallel dazu wird mit der Figur Ryuji Goda ein Kontrahent eingeführt, dessen Motive zwischen persönlicher Rache und einem eigenen Verständnis von Ehre schwanken. Die neue Zusatzgeschichte „Dark Ties“ erweitert das bekannte Narrativ um einen zusätzlichen Handlungsstrang, der insbesondere Nebenfiguren stärker in den Fokus rückt und dabei neue Perspektiven auf bereits bekannte Ereignisse eröffnet.

(c) Ryu Ga Gotoku Studio, Sega

Die Welt von Kamurocho und den umliegenden Schauplätzen wirkt erneut wie eine Bühne, auf der persönliche Schicksale und kriminelle Intrigen untrennbar miteinander verwoben sind. Die Serie bleibt sich dabei treu: Neben dramatischen Hauptmissionen entfaltet sich ein Kosmos aus Nebenaufgaben, Mini-Geschichten und skurrilen Begegnungen, die den Alltag der Figuren in all seiner Absurdität und Tragik widerspiegeln. Besonders bemerkenswert ist die Art und Weise, wie das Spiel zwischen ernsten Themen – etwa Verantwortung, Verlust und Identität – und humorvollen Momenten balanciert. Diese Mischung verleiht dem Geschehen eine menschliche Wärme, die in vergleichbaren Genrevertretern oft zugunsten reiner Action in den Hintergrund tritt.

(c) Ryu Ga Gotoku Studio, Sega

Spielerisch setzt das Spiel auf die bekannte Third-Person-Perspektive und ein Kampfsystem, das sowohl zugänglich als auch tiefgehend ist. Die Steuerung wirkt präzise und reaktionsschnell, wobei sich Bewegungen und Angriffe flüssig miteinander kombinieren lassen. Das Kampfsystem basiert weiterhin auf verschiedenen Kampfstilen, die sich im Verlauf des Spiels freischalten und erweitern lassen. Jede Stilrichtung bringt eigene Stärken und Schwächen mit sich, wodurch die Kämpfe auch über längere Spielzeiten abwechslungsreich bleiben. Besonders die sogenannten Heat-Actions – spektakuläre Spezialangriffe, die situativ ausgelöst werden – tragen zur cineastischen Inszenierung bei und verstärken das Gefühl, Teil eines interaktiven Actionfilms zu sein.

(c) Ryu Ga Gotoku Studio, Sega

Das Level-Design orientiert sich am semi-offenen Aufbau der Serie. Statt einer riesigen offenen Welt bietet das Spiel mehrere dicht gestaltete Stadtteile, die durch kurze Ladezeiten miteinander verbunden sind. Diese Struktur ermöglicht es, die Umgebung mit vielen Details, Geschäften und Nebenaktivitäten zu füllen, ohne den Fokus auf die Geschichte zu verlieren. Spieler können sich frei durch die Straßen bewegen, Missionen annehmen oder sich in diversen Minispielen verlieren – von Karaoke über Arcade-Spiele bis hin zu klassischen Freizeitaktivitäten. Diese Vielfalt trägt dazu bei, dass sich das Spiel trotz seines festen Handlungsrahmens offen und lebendig anfühlt.

(c) Ryu Ga Gotoku Studio, Sega

Der Schwierigkeitsgrad ist insgesamt moderat, lässt sich jedoch durch verschiedene Einstellungen anpassen. Einsteiger profitieren von einem zugänglichen Einstieg, während erfahrene Spieler durch optionale Herausforderungen und härtere Gegnerkonstellationen gefordert werden. Besonders die Bosskämpfe verlangen ein gutes Verständnis der Mechaniken und belohnen strategisches Vorgehen. Das Fortschrittssystem basiert auf Erfahrungspunkten, die in Fähigkeiten, Gesundheit und neue Kampftechniken investiert werden können, wodurch ein stetiges Gefühl von Entwicklung entsteht.

(c) Ryu Ga Gotoku Studio, Sega

Grafisch präsentiert sich das Spiel als deutliche Weiterentwicklung gegenüber der ursprünglichen Version. Die Charaktermodelle wurden vollständig überarbeitet, Texturen sind schärfer und die Beleuchtung sorgt für eine glaubwürdige Atmosphäre, die insbesondere nachts ihre Wirkung entfaltet. Neonlichter spiegeln sich in nassen Straßen, Innenräume sind detailreich gestaltet und die Mimik der Figuren transportiert Emotionen überzeugend. Auf dem PC zeigt sich das Spiel technisch stabil, mit hoher Auflösung und flüssiger Performance, sofern die Hardware entsprechend ausgestattet ist. Auf Konsolen läuft das Spiel ebenfalls stabil, wobei es je nach Plattform Unterschiede in Auflösung und Bildrate geben kann, die sich jedoch im üblichen Rahmen moderner Veröffentlichungen bewegen.

(c) Ryu Ga Gotoku Studio, Sega

Der Soundtrack bleibt ein zentrales Element der Inszenierung. Dynamische Kampfmusik, ruhige Jazz- und Popklänge in den Stadtteilen sowie emotional unterlegte Storysequenzen sorgen für eine dichte Klangkulisse. Die Sprachausgabe ist – wie für die Serie typisch – überwiegend japanisch, was zur Authentizität beiträgt. Untertitel sind in mehreren Sprachen verfügbar und gut lesbar integriert. Die Soundeffekte, insbesondere während der Kämpfe, wirken wuchtig und unterstreichen die physische Präsenz der Auseinandersetzungen.

(c) Ryu Ga Gotoku Studio, Sega

Als Remake eines älteren Serienteils nimmt das Spiel eine besondere Stellung innerhalb der Reihe ein. Es greift die Struktur und die Kernhandlung des Originals auf, modernisiert jedoch viele Aspekte, die aus heutiger Sicht als veraltet gelten könnten. Dazu zählen neben der Grafik auch das überarbeitete Kampfsysteme, komfortablere Menüführung und eine allgemein flüssigere Präsentation. Gleichzeitig bleibt der erzählerische Kern erhalten, sodass Fans des Originals viele vertraute Momente wiederentdecken werden. Im Vergleich zu neueren Serienteilen wirkt das Spiel in einigen Bereichen traditioneller, was jedoch auch als bewusste Rückbesinnung auf die Wurzeln interpretiert werden kann. Die zusätzliche Erweiterung „Dark Ties“ fügt dem Gesamtpaket neue erzählerische Tiefe hinzu und sorgt dafür, dass auch Kenner der Vorlage neue Inhalte erleben können.

(c) Ryu Ga Gotoku Studio, Sega

Das Entwicklerstudio Ryu Ga Gotoku Studio gehört seit vielen Jahren zu den prägenden Kräften im Bereich erzählerischer Actionspiele aus Japan. Gegründet als internes Team des Publishers Sega, hat das Studio mit der Yakuza-Reihe eine unverwechselbare Marke geschaffen, die sich durch ihre Mischung aus Drama, Humor und detailverliebter Weltgestaltung auszeichnet. Frühere Titel wie die ersten Yakuza-Episoden oder auch Spin-offs im gleichen Universum haben den Grundstein für den heutigen Erfolg gelegt. Mit dem Remake zeigt das Studio erneut, dass es in der Lage ist, klassische Inhalte behutsam zu modernisieren, ohne deren Identität zu verlieren. Der Publisher Sega wiederum hat in den letzten Jahren verstärkt darauf gesetzt, ältere Marken in aktualisierter Form einem neuen Publikum zugänglich zu machen, was sich auch in anderen Remakes und Neuauflagen widerspiegelt.

(c) Ryu Ga Gotoku Studio, Sega

Insgesamt ist „Yakuza Kiwami 3 & Dark Ties“ ein Spiel, das vor allem durch seine Atmosphäre und seine erzählerische Dichte überzeugt. Es ist weniger ein Titel, der durch radikale Innovationen auffällt, sondern vielmehr ein Werk, das seine Stärken aus der Kombination bewährter Elemente zieht. Die dichte Welt, die glaubwürdigen Figuren und die gelungene Balance zwischen ernsten und leichten Momenten sorgen dafür, dass man sich gerne in diesem virtuellen Tokio verliert. Für Spieler, die Wert auf Story, Charakterentwicklung und eine lebendige Spielwelt legen, bietet das Spiel zahlreiche Stunden an fesselnder Unterhaltung. Gleichzeitig könnte der eher traditionelle Aufbau für all jene weniger attraktiv sein, die primär nach mechanischen Neuerungen oder einem besonders schnellen Spieltempo suchen.

(c) Ryu Ga Gotoku Studio, Sega

Dennoch gelingt es dem Spiel, seine eigene Identität klar zu behaupten. Es fühlt sich wie ein bewusst gestaltetes Erlebnis an, das seine Wurzeln kennt und diese respektiert. Gerade diese Mischung aus Nostalgie und moderner Präsentation macht einen großen Teil seines Reizes aus. Das Spiel lädt dazu ein, sich auf eine Reise einzulassen, die weniger von spektakulären Wendungen als von ihren Figuren und deren Beziehungen lebt. Wer sich darauf einlässt, entdeckt ein Spiel, das mit viel Liebe zum Detail gestaltet wurde und dessen Qualitäten sich oft erst im Verlauf der Zeit vollständig entfalten. Für Fans der Reihe ist es eine willkommene Rückkehr zu einem wichtigen Kapitel der Saga, während Neueinsteiger hier einen guten Zugangspunkt finden, um die Besonderheiten dieser Serie kennenzulernen.

(c) Ryu Ga Gotoku Studio, Sega

Letztlich ist das Remake ein Spiel, das man nicht nur spielt, sondern erlebt – ein interaktives Drama, das seine Stärken in Atmosphäre, Charakterzeichnung und Weltaufbau hat und damit einen bleibenden Eindruck hinterlässt, was im Grunde aber auf alle Yakuza-Teile zutrifft. Es lohnt sich, einen eigenen Blick darauf zu werfen und sich von seiner besonderen Mischung aus Melancholie, Action und leisen Zwischentönen mitnehmen zu lassen.

Entwickler: Ryu Ga Gotoku Studio

Publisher: Sega

Erhältlich auf: PC, PS5, Xbox Series X/S

Getestet auf: PC

NB@27.02.2026

——— Hinweise & Disclaimer: ———

Zur Erstellung dieses Reviews wurde uns vom Publisher ein unentgeltlicher Key für das Spiel zur Verfügung gestellt.

Wir danken vielmals für die Unterstützung, weisen aber darauf hin, dass dieser Umstand keine Auswirkung auf unsere Bewertung hat!

Wenn euch der Beitrag gefallen hat würde ich mich natürlich über eure Likes, Retweets, Abos oder auch Feedback freuen. Gleiches trifft aber auch zu, wenn ich eurer Meinung nach etwas hätte besser machen können. Konstruktive Kritik hilft bekanntlich nur, wenn man sie auch bekommt, also lasst es mich einfach wissen.

Die verwendeten Bilder und/oder Screenshots wurden, wenn nicht anders angegeben, vom Autor selbst auf der Review-Plattform erstellt und dienen zur Unterstützung des Berichtes. Das Copyright an der dargestellten Sache, bzw. dem Spiel bleibt davon selbstverständlich unberührt.

Hinterlasse einen Kommentar

Diese Seite verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden..