Mit dem sechsten Teil der Reihe krempelt Milestone sein Motorrad-Äquivalent zu Gran Turismo ordentlich um. Statt einfach nur Events für Geld oder Ruhm abzuspulen, findet das Ganze nun im Rahmen eines internationalen Rennfestivals statt. Schlafsack einpacken, überteuerte Pommes aus der Styroporbox schnappen, RIDE geht jetzt einen klaren Festival-Weg, der unweigerlich Erinnerungen an andere Open-Air-Rennspektakel weckt.

Doch bevor wir über Bühnenbanner und DJ-Sets sprechen, müssen wir über das Fahren reden. Das ist schließlich das Herzstück. Das Mailänder Studio Milestone ist seit Jahren der Spezialist für Zweirad-Rennspiele. Mit Serien wie MotoGP, Superbike World Championship, MXGP und Supercross haben sie eine enorme Bandbreite an Fahrmodellen im Repertoire. Sie wissen genau, wie sich ein 220-Meilen-pro-Stunde-Supersportler anfühlen muss, wie ein schwerer Cruiser durch Kurven walzt oder wie sich Offroad-Bikes auf losem Untergrund verhalten. Letztere feiern hier übrigens ihr Debüt innerhalb der RIDE-Reihe.

Im Vergleich zu den reinrassigen Rennsimulationen des Studios zeigt sich RIDE 6 etwas zugänglicher. Man kann später bremsen, aggressiver aus Kurven herausbeschleunigen, ohne sofort bestraft zu werden. Arcade-Physik und diverse Fahrhilfen stehen bereit, um Einsteigern den Zugang zu erleichtern. Wer jedoch das volle Potenzial erleben möchte, schaltet die Assists aus. Dann offenbart sich ein technisch anspruchsvolles Fahrgefühl, das präzises Bremsen, das unabhängige Dosieren von Vorder- und Hinterradbremse und ein tiefes Verständnis für die Eigenheiten jeder Motorradkategorie verlangt. Jede Maschine fühlt sich anders an, verlangt Respekt und belohnt saubere, kontrollierte Inputs.

Gerade dieser lange, mit Kies gespickte Weg zur Meisterschaft macht den größten Reiz aus. Die beeindruckende Auswahl von 340 Motorrädern wirkt dadurch nicht wie bloße Zahlenspielerei. Es macht schlicht Spaß, verschiedene Modelle auszuprobieren, ihre Stärken und Schwächen kennenzulernen und herauszufinden, welche Maschine zum eigenen Fahrstil passt oder auf welcher Strecke besonders glänzt. Man kann problemlos ganze Abende damit verbringen, nur neue Bikes zu testen und sich langsam an ihre Grenzen heranzutasten.

Zwei neue Karriere-Elemente heben dieses Lern- und Meisterschaftsgefühl noch weiter an. Die Bridgestone Riding School wirkt zunächst wie ein optionales Tutorial, entpuppt sich aber als deutlich tiefgehender. Hier werden spezifische Techniken für unterschiedliche Motorradtypen vermittelt, die man anschließend in kurzen Streckenabschnitten anwenden muss. Wer sich an Lizenzprüfungen aus anderen Rennspielen erinnert fühlt, liegt nicht ganz falsch, doch hier entsteht ein motivierender Trainingsmodus, der tatsächlich das eigene Fahrkönnen verbessert.

Das Highlight ist jedoch die sogenannte Legends-Liste. Zehn reale Rennlegenden aus verschiedenen Disziplinen fungieren als Kapitelbosse. Um sie herauszufordern, absolviert man eine Reihe von Events innerhalb ihrer jeweiligen Kategorie. Erst dann kommt es zum direkten Duell. Wer gewinnt, erhält deren Ausrüstung. Namen wie Troy Bayliss, Casey Stoner oder Guy Martin sorgen für zusätzliche Authentizität und verleihen dem Fortschritt eine klare Zielsetzung. Solo-Rennspiele brauchen ein starkes Warum, einen greifbaren Anreiz weiterzumachen. Das direkte Kräftemessen mit echten Größen des Motorsports erfüllt genau diese Funktion.

Nun zum Festival-Konzept selbst. RIDE Fest verleiht den Einzelrennen einen thematischen Rahmen und sorgt für ein stimmiges Gesamtbild. Allerdings lädt das Konzept zwangsläufig zu Vergleichen mit großen Open-World-Festival-Rennspielen ein, die mit riesigen Bühnen, Kommentatoren und bombastischer Inszenierung aufwarten. Hier bleibt alles etwas bodenständiger. Es gibt Banner, Musik, ein paar visuelle Akzente, aber keine gigantischen Show-Events oder spektakulären Inszenierungen, die das Ganze auf Blockbuster-Niveau heben. Es fühlt sich eher wie ein echtes Motorsport-Wochenende an als wie ein überinszeniertes Spektakel. Das ist charmant, aber weniger opulent. Man merkt außerdem, dass Milestone effizient arbeiten muss. Einige kosmetische Elemente wie Helme oder Anzüge wirken vertraut aus anderen hauseigenen Serien. Auch die Arcade-Option erinnert stark an Ansätze aus neueren MotoGP-Titeln. Das sind keine gravierenden Schwächen, aber kleine Hinweise auf Ressourcen-Sharing innerhalb des Studios.

Am Ende bleibt RIDE 6 dennoch ein Erfolg. Das Festival-Setting gibt dem Karriere-Modus Struktur und Motivation, doch das eigentliche Herzstück bleibt das anspruchsvolle, technisch saubere Fahren. Die große Bike-Auswahl, die präzise Physik und die klaren Fortschrittsziele sorgen dafür, dass man immer wieder zurückkehrt. Wer Freude daran hat, Maschinen bis ins Detail zu verstehen und sich fahrerisch stetig zu verbessern, findet hier das bislang rundeste Gesamtpaket der Reihe.

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