Mit „Deadhaus Sonata“ versucht sich Apocalypse Studios an einem ungewöhnlichen Spagat zwischen düsterem Action-RPG, kooperativem Online-Erlebnis und langfristig angelegtem Live-Service-Konzept. Das Spiel ist seit einigen Tagen im Early Access auf dem PC via Steam verfügbar und soll im Laufe der kommenden Monate beziehungsweise Jahre kontinuierlich erweitert werden. Schon allein durch die Beteiligung von Denis Dyack, dem Miterschaffer von „Legacy of Kain“ und „Eternal Darkness“, weckt das Projekt unweigerlich Erinnerungen an düstere Fantasy-Welten voller morbider Atmosphäre und erzählerischer Ambitionen. Gleichzeitig stellt sich früh die Frage, ob der Titel bereits jetzt genug Substanz besitzt, um seine großen Ideen tragen zu können – oder ob sich die Vision aktuell noch deutlicher bemerkbar macht als das fertige Spielerlebnis.

Die Handlung führt in die finstere Welt Malorum, eine vom Krieg zwischen Lebenden und Toten gezeichnete Realität, in der die Grenzen zwischen Menschlichkeit und Monstrosität längst verschwimmen. Anders als viele klassische Fantasy-RPGs stellt das Spiel dabei nicht die Helden der Menschheit in den Mittelpunkt, sondern die Untoten selbst. Spieler schlüpfen aktuell vor allem in die Rolle eines Vampirs (Derzeit ist im Early Access vor allem die Vampir‑Klasse spielbar; weitere Klassen sind angekündigt.) und kämpfen gegen die Lebenden, während sich nach und nach eine größere Mythologie um die verschiedenen Häuser der Untoten entfaltet.

(c) Apocalypse Studios

Die Geschichte wird vergleichsweise atmosphärisch erzählt und setzt stark auf Lore, Erzählfragmente und mystische Andeutungen. Vieles wirkt bewusst geheimnisvoll gehalten. Statt sofort sämtliche Hintergründe offenzulegen, streut das Abenteuer Hinweise über Dialoge, Sammelobjekte und erzählerische Einschübe ein. Das erinnert stellenweise an ältere Dark-Fantasy-Spiele der frühen 2000er-Jahre, bei denen die Welt selbst oft wichtiger war als eine streng lineare Storyführung. Besonders Fans klassischer Gothic-Horror-Elemente dürften sich hier schnell zuhause fühlen.

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Zentrale Figuren treten bislang eher im Hintergrund auf, was allerdings auch dem Early-Access-Status geschuldet ist. Viele narrative Elemente wirken aktuell wie Fundamente für spätere Inhalte. Dennoch gelingt es dem Titel bereits jetzt, eine angenehm düstere Stimmung aufzubauen. Malorum präsentiert sich als zerfallene Welt voller Ruinen, verlassener Orte und grotesker Kreaturen. Die Atmosphäre lebt dabei weniger von permanentem Horror als von einer konstanten Bedrohlichkeit, die fast jede Umgebung begleitet.

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Spielerisch ordnet sich das Projekt irgendwo zwischen klassischem Hack-and-Slash, Action-RPG und Koop-Dungeon-Crawler ein. Gespielt wird aus der Third-Person-Perspektive, wobei Nahkampf und Spezialfähigkeiten klar im Mittelpunkt stehen. Die Steuerung orientiert sich grundsätzlich an modernen Action-RPGs: leichte und schwere Angriffe, Ausweichmanöver, Spezialfähigkeiten und Fähigkeitenkombinationen bilden das Grundgerüst des Kampfsystems. Dazu kommen Rollenspielmechaniken wie Ausrüstung, Loot, Charakterentwicklung und unterschiedliche Builds.

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Die Kämpfe fühlen sich durchaus wuchtig an, wobei vor allem die Vampirfähigkeiten für interessante Momente sorgen. Gegner können in die Luft geschleudert, ausgesaugt oder mit übernatürlichen Kräften attackiert werden. Besonders in Koop-Partien entsteht dabei ein angenehm chaotischer Spielfluss. Gleichzeitig merkt man der aktuellen Version an vielen Stellen noch den unfertigen Zustand an. Animationen wirken teilweise hakelig, die Trefferabfrage fühlt sich nicht immer sauber an und auch die Kamera kämpft gelegentlich mit unübersichtlichen Situationen.

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Hinzu kommt, dass das derzeitige Inhaltsangebot noch relativ begrenzt ausfällt. Zum Start des Early Access steht lediglich ein Teil der langfristig geplanten Inhalte bereit. Laut den Entwicklern sollen später weitere Klassen, neue Gebiete und zusätzliche Systeme folgen. Bereits jetzt existieren erste Ansätze komplexerer Mechaniken, etwa das Tarot-Kartensystem, das Fähigkeiten und Builds beeinflusst. Die Idee dahinter wirkt spannend, insbesondere weil sie stärker auf langfristige Charakterentwicklung und individuelle Spielweisen setzt. In der Praxis merkt man allerdings noch deutlich, dass viele Systeme derzeit eher Grundlagen darstellen als vollständig ausgereifte Features.

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Auch das Missionsdesign zeigt typische Early-Access-Erscheinungen. Manche Aufgaben wiederholen sich relativ schnell und nicht jede Umgebung besitzt bereits genug Eigenständigkeit, um langfristig abwechslungsreich zu bleiben. Gleichzeitig gibt es aber durchaus Momente, in denen das Spiel sein Potenzial erkennen lässt. Besonders wenn mehrere Spieler gemeinsam durch die düsteren Gebiete ziehen, Gegnergruppen auseinandernehmen und sich durch die morbide Welt kämpfen, entsteht eine Atmosphäre, die Erinnerungen an ältere Koop-Actionspiele weckt.

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Interessant ist zudem die klare Fokussierung auf die Untoten-Perspektive. Während viele Fantasy-RPGs klassische Heldengeschichten erzählen, geht es hier bewusst um Monster, Verdammnis und eine Welt, in der moralische Grauzonen dominieren. Diese Grundidee hebt den Titel durchaus von vielen Genrevertretern ab und passt hervorragend zur düsteren Inszenierung.

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Technisch präsentiert sich das Action-RPG momentan wechselhaft. Optisch verfolgt das Spiel einen stark gothic-inspirierten Stil mit dunklen Farbpaletten, nebligen Umgebungen und morbidem Creature-Design. Die Architektur erinnert stellenweise an klassische Vampir- und Horrorwelten, während manche Kreaturen fast schon Lovecraft-artige Züge tragen. Gerade die Beleuchtung erzeugt häufig stimmungsvolle Szenen und unterstützt die bedrückende Atmosphäre effektiv.

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Gleichzeitig ist aber klar erkennbar, dass sich das Projekt noch in Entwicklung befindet. Einige Animationen wirken unfertig, Gesichtsmodelle erreichen nicht immer modernes AAA-Niveau und auch die allgemeine technische Politur schwankt sichtbar. Performance-Probleme, kleinere Bugs und gelegentliche Ruckler gehören aktuell noch zum Spielerlebnis dazu. Besonders in hektischen Kampfsituationen fällt auf, dass die technische Stabilität noch nicht konstant ausgereift ist.

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Der Soundtrack hingegen unterstützt die Stimmung sehr gelungen. Düster orchestrierte Musikstücke, hallende Ambient-Sounds und schwere Klangkulissen verleihen der Welt eine angenehm melancholische Note. Auch die Soundeffekte der Kämpfe besitzen genug Wucht, um die Gefechte passend zu untermalen. Die Vertonung trägt insgesamt viel dazu bei, dass die Welt trotz technischer Baustellen bereits jetzt eine eigene Identität entwickelt.

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Ein besonders interessanter Aspekt rund um das Projekt ist die Geschichte hinter Apocalypse Studios. Das Studio wurde von Denis Dyack gegründet, dessen Name für viele Spieler untrennbar mit Kulttiteln wie „Eternal Darkness: Sanity’s Requiem“ oder der Legacy of Kain-Reihe verbunden bleibt. Gerade deshalb ruft das Spiel automatisch gewisse Erwartungen hervor. Die Inspiration durch ältere Dark-Fantasy-Spiele ist deutlich spürbar – sowohl atmosphärisch als auch erzählerisch.

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Gleichzeitig merkt man dem Projekt an, dass es ambitionierter sein möchte als viele klassische Indie-Action-RPGs. Die Entwickler sprechen offen davon, über lange Zeit neue Inhalte, Klassen und Weltelemente hinzufügen zu wollen. Auch die geplante Mischung aus Koop-Gameplay, fortlaufender Weltentwicklung und narrativen Elementen wirkt ambitioniert. Ob diese Vision langfristig vollständig umgesetzt werden kann, bleibt aktuell allerdings offen. Gerade Early-Access-Projekte dieser Größenordnung stehen häufig vor der Herausforderung, große Ideen mit den tatsächlichen Ressourcen eines kleineren Studios zu vereinen.

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Die Community-Reaktionen fallen bislang entsprechend gemischt aus. Während einige Spieler vor allem die Atmosphäre, Lore und Grundideen loben, kritisieren andere den aktuellen technischen Zustand, die begrenzten Inhalte und die unfertige Umsetzung vieler Systeme. Diese Diskussion gehört allerdings fast schon zwangsläufig zu größeren Early-Access-Projekten dazu. Wichtig bleibt letztlich, wie konsequent Apocalypse Studios auf Feedback reagiert und wie stark sich das Spiel in den kommenden Monaten weiterentwickelt.

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Unterm Strich hinterlässt das Abenteuer momentan vor allem den Eindruck eines Projekts mit enormem atmosphärischem Potenzial, dessen endgültige Qualität sich aber erst im Laufe der weiteren Entwicklung zeigen dürfte. Wer bereits jetzt ein vollständig ausgereiftes Action-RPG erwartet, könnte vom aktuellen Umfang und technischen Zustand enttäuscht werden. Spieler hingegen, die gerne Early-Access-Projekte begleiten, Freude an düsterer Fantasy besitzen und den Aufbau einer größeren Spielwelt miterleben möchten, finden hier bereits interessante Ansätze.

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Vor allem Fans klassischer Gothic-Atmosphäre, vampirischer Dark Fantasy und älterer düsterer Action-RPGs dürften neugierig werden. Noch wirkt vieles unfertig, manches roh und einige Systeme benötigen sichtbar mehr Feinschliff. Gleichzeitig besitzt der Titel bereits jetzt eine eigenständige Identität und einen atmosphärischen Kern, der neugierig auf die kommenden Inhalte macht. Gerade deshalb bleibt das Spiel eines jener Projekte, die man vermutlich weniger nach ihrem aktuellen Status beurteilt, sondern vielmehr danach, was sie langfristig einmal werden könnten.

Entwickler: Apocalypse Studios
Publisher: Apocalypse Studios
Erhältlich auf: PC
Getestet auf: PC

NB@20.05.2026

——— Hinweise & Disclaimer: ———

Zur Erstellung dieses Reviews wurde uns vom Publisher ein unentgeltlicher Key für das Spiel zur Verfügung gestellt. Wir danken vielmals für die Unterstützung, weisen aber darauf hin, dass dieser Umstand keine Auswirkung auf unsere Bewertung hat!

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