Mit „Berserker 2: The Saga of Hilde“ legt das Indie-Studio One Life Games die direkte Fortsetzung seines nordisch geprägten Action-Rollenspiels vor, das bereits im ersten Teil eine kleine, aber engagierte Spielerschaft für sich gewinnen konnte. Der Titel positioniert sich erneut im Spannungsfeld zwischen Hack-and-Slash, erzählerischem Abenteuer und atmosphärischem Indie-Rollenspiel. Die zentrale Frage, die sich bei einem solchen Nachfolger unweigerlich stellt, lautet: Kann dieses Spiel die Stärken seines Vorgängers ausbauen, seine eigene Stimme schärfen und zugleich genug Eigenständigkeit entwickeln, um im dicht besetzten Genre wahrgenommen zu werden?

(c) One Life Games

Die Geschichte beginnt bewusst nicht direkt mit der titelgebenden Figur Hilde, sondern mit einer Wahl: Zu Beginn entscheidet man sich zwischen zwei spielbaren Kriegern, Asbjorn oder Volva, die beide auf ihre Weise eng mit Hilde und ihrer Heimat verbunden sind. Diese Entscheidung ist mehr als ein kosmetischer Einstieg, denn sie beeinflusst Tonfall, Fähigkeiten und einige Dialognuancen der ersten Spielstunden. Beide Figuren erleben den gleichen einschneidenden Moment – den Überfall auf ihr Dorf und die Entführung von Hilde – aus ihrer jeweils eigenen Perspektive.

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Dieser Prolog dient als emotionaler Anker und als Einführung in die Welt, die stark von nordischen Sagen, rauen Landschaften und einem latenten Gefühl von Unheil geprägt ist. Erst im weiteren Verlauf verschiebt sich die Perspektive, und Hilde selbst tritt zunehmend als aktive Figur in den Mittelpunkt, wodurch das Spiel einen erzählerischen Perspektivwechsel vollzieht, der sich auch spielerisch bemerkbar macht.

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Die Handlung entfaltet sich in ruhigem Tempo und verzichtet weitgehend auf spektakuläre Inszenierung zugunsten einer dichten, melancholischen Atmosphäre. Nebenfiguren wie der wortkarge Schmied Eirik, die geheimnisvolle Seherin Brynja oder der ambivalente Söldner Halvar tragen dazu bei, die Welt glaubwürdig zu zeichnen. Ihre Geschichten wirken oft wie kleine Legenden, die sich zu einem größeren Ganzen zusammenfügen. Das Spiel erzählt dabei viel über Andeutungen, Orte und kurze Begegnungen – ein Ansatz, der an klassische Rollenspiele erinnert und eine gewisse nostalgische Note mit sich bringt.

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Die Wahl zwischen Asbjorn und Volva wirkt sich zunächst auf den Kampfstil aus: Während Asbjorn stärker auf rohe Gewalt, schwere Waffen und direkte Konfrontation ausgelegt ist, bringt Volva eher kontrollierte Angriffe, Runenfähigkeiten und ein taktischeres Vorgehen ins Spiel. Eine zentrale Rolle spielt erneut die Raserei-Mechanik, die den Spieler belohnt, wenn er ohne Unterbrechung im Kampf bleibt, gleichzeitig aber das Risiko erhöht. Dieses System sorgt für ein spannendes Gleichgewicht zwischen Kontrolle und Eskalation. Wer zu gierig wird, wird schnell bestraft, während vorsichtiges, überlegtes Vorgehen oft den Unterschied zwischen Sieg und Niederlage ausmacht.

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Das Leveldesign setzt auf halb-offene Areale, die Hauptpfade mit optionalen Abzweigungen kombinieren. Dabei findet man versteckte Truhen, optionale Gegner und kleinere Nebengeschichten, die das Lore vertiefen. Die Gebiete unterscheiden sich visuell und spielerisch spürbar – von eisigen Küsten über bewaldete Hügel bis hin zu verfallenen Festungen. Der Schwierigkeitsgrad ist insgesamt fair, verlangt aber Aufmerksamkeit, besonders in späteren Abschnitten, wenn Gegner in größeren Gruppen auftreten oder spezielle Fähigkeiten einsetzen.

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In audiovisueller Hinsicht setzt das Spiel weniger auf technische Brillanz als auf stimmige Inszenierung. Die Grafik präsentiert sich in einer stilisierten 3D-Optik mit klaren Konturen, kräftigen Farbkontrasten und stimmungsvoller Beleuchtung. Besonders die Darstellung von Feuer, Nebel und Lichtquellen im Allgemeinen trägt viel zur Atmosphäre bei. Auch wenn die Grafik- und Detaildichte nicht annähernd mit zeitgemäßen Produktionen mithalten kann, sondern eher PS3-Vibes versprüht, entsteht eine kohärente Welt, die ihre eigene Ästhetik konsequent verfolgt und sich damit von der Masse abhebt.

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Der Soundtrack unterstreicht die melancholische Grundstimmung mit ruhigen, nordisch inspirierten Klängen, die sich dynamisch an das Spielgeschehen anpassen. In Kämpfen werden die Stücke intensiver, ohne jemals aufdringlich zu wirken. Die Soundeffekte vermitteln ein gutes Gefühl von Gewicht und Aufprall, besonders bei schweren Waffen. Die Sprachausgabe ist sehr solide und trägt dazu bei, die Figuren glaubwürdig zu machen, auch wenn einzelne Nebenrollen etwas weniger markant ausfallen.

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Als Fortsetzung entwickelt das Spiel die Ideen seines Vorgängers konsequent weiter. Besonders die Einführung der wählbaren Startcharaktere Asbjorn und Volva verleihen der Erzählstruktur mehr Tiefe und Abwechslung. Auch das Kampfsystem wirkt ausgereifter, die Welt abwechslungsreicher und die Präsentation insgesamt runder. Spieler, die den ersten Teil kennen, werden viele vertraute Elemente wiederfinden, gleichzeitig aber auch genug Neuerungen entdecken, um das Gefühl eines echten Fortschritts zu erleben. Neueinsteiger wiederum finden einen gut zugänglichen Einstieg, da die Geschichte eigenständig funktioniert und keine zwingenden Vorkenntnisse voraussetzt.

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Das Studio One Life Games gehört weiterhin zu den kleineren unabhängigen Entwicklern, die ihre Projekte mit klarer Vision und überschaubarem Umfang umsetzen. Schon mit dem ersten Teil zeigte das Team ein Gespür für Atmosphäre und fokussiertes Design. Mit der Fortsetzung wirkt das Studio nun erfahrener und sicherer in seiner Umsetzung.

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Insgesamt präsentiert sich „Berserker 2: The Saga of Hilde“ als ein fokussiertes, atmosphärisch dichtes Action-Rollenspiel, das seine Stärken in der Verbindung aus nordischer Mythologie, direktem Kampfsystem und ruhiger, fast melancholischer Erzählweise findet. Das Spiel richtet sich vor allem an Spieler, die Wert auf Atmosphäre, erkundbare Areale und ein zugängliches, aber nicht oberflächliches Kampfsystem legen. Wer sich auf die ruhige Erzählweise einlässt und keine gigantische Open World erwartet, sondern ein kompaktes, in sich geschlossenes Abenteuer, wird hier viel entdecken können.

Entwickler: One Life Games

Publisher: One Life Games

Erhältlich auf: PC

Getestet auf: PC

NB@06.03.2026

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