Mit „Demon Tides“ legt das Indie-Studio Fabraz ein düster angehauchtes Action-Adventure mit klaren Anleihen aus dem 3D-Platformer- und Action-RPG-Bereich vor, das mich direkt angesprochen hat. Und da ich mit dem direkten Vorgänger, „Demon Turf“ schon eine Menge Spaß hatte, zögerte ich nicht mich mit dem Spiel zu beschäftigen, auch wenn sich selbstverständlich die Frage stellt, ob „Demon Tides“ lediglich vertrauten Genre-Standards bedient – oder ob es dem Spiel gelingt, mit eigenständigem Stil, durchdachtem Gameplay und einer markanten Welt einen bleibenden Eindruck zu hinterlassen?

Im Mittelpunkt der Geschichte steht abermals Beebz, eine junge Dämonin, die keineswegs als Antagonistin inszeniert wird, sondern als neugierige, energiegeladene Protagonistin mit klarer eigener Agenda. Bereits dieser Perspektivwechsel verleiht dem Spiel eine besondere Note. Man rettet keine Welt im klassischen Sinne, sondern bewegt sich durch sie als Teil eines größeren, komplexeren Gefüges. Beebz ist kein Symbol für das Böse, sondern vielmehr Ausdruck einer Welt, in der moralische Kategorien nicht binär funktionieren.

Die Handlung entfaltet sich in einer weitläufigen Ozeanwelt, die aus zahlreichen Inseln, Ruinen, Klippenformationen und mystischen Orten besteht. Die titelgebenden Gezeiten sind mehr als nur Kulisse: Sie stehen sinnbildlich für Wandel, Machtverschiebungen und die Dynamik zwischen verschiedenen Fraktionen. Dämonen, exzentrische Inselbewohner und geheimnisvolle Autoritäten bevölkern diese Welt, und Beebz bewegt sich zwischen ihnen – mal als Störfaktor, mal als Vermittlerin, mal sogar als Auslöser größerer Ereignisse.

Die Erzählweise bleibt dabei angenehm zurückhaltend. Dialoge sind pointiert geschrieben, häufig mit trockenem Humor und gelegentlicher Selbstironie. Statt epischer Monologe setzt „Demon Tides“ auf kurze, prägnante Gespräche und situatives Storytelling. Vieles erschließt sich durch Umgebung, Architektur und das Verhalten der Figuren. Dieser Ansatz erinnert an eine Zeit, in der Erkundung und Entdeckung im Vordergrund standen und nicht jede Motivation explizit ausgesprochen wurde.

Wichtig ist dabei, dass Beebz nicht nur erzählerisch, sondern auch spielerisch konsequent gedacht ist. Ihre dämonische Natur beeinflusst Fähigkeiten, Bewegungsstil und Interaktion mit der Welt. Das sorgt für Kohärenz: Die Figur fühlt sich nicht wie eine austauschbare Heldin an, sondern wie integraler Bestandteil des Settings. Spielerisch präsentiert sich „Demon Tides“ aus einer frei drehbaren Third-Person-Perspektive. Der Fokus liegt klar auf Bewegungsfreiheit und vertikaler Erkundung. Schon früh wird deutlich, dass Fortbewegung nicht bloß Mittel zum Zweck ist, sondern zentrales Spielelement. Beebz sprintet, springt, dash’t durch die Luft und kombiniert Bewegungsabläufe mit bemerkenswerter Fluidität.

Die Levelstruktur ist halb offen angelegt, wie man es von Metroidvanias kennt. Inseln fungieren als größere Areale mit mehreren Routen, versteckten Passagen und optionalen Herausforderungen. Statt strikt linearer Abfolge entsteht ein Gefühl von räumlicher Zusammengehörigkeit. Neue Fähigkeiten – etwa erweiterte Luftmanöver oder verbesserte Angriffsoptionen – öffnen zuvor unerreichbare Bereiche. Dieses Prinzip des schrittweisen Erschließens sorgt für motivierendes Backtracking, ohne in bloße Wiederholung abzurutschen. Besonders positiv fällt auf, wie konsequent das Spieldesign auf Klarheit setzt. Es gibt keine überladenen Skilltrees oder komplexen Ressourcenmanagement-Systeme. Stattdessen konzentriert sich das Spiel auf seine Kernmechaniken, die im Verlauf erweitert, aber nie unnötig verkompliziert werden. Diese Designentscheidung verleiht dem Spiel eine angenehme Fokussierung.

Das Plattforming bildet das Herzstück des Gameplays. Präzise Sprungpassagen, schmale Vorsprünge und vertikal angelegte Ruinen fordern Aufmerksamkeit und Timing. Dabei wirkt das Spiel nie unnötig strafend. Stürze werden fair behandelt, Checkpoints sind sinnvoll gesetzt, und Lernprozesse fühlen sich organisch an. Wer scheitert, erkennt in der Regel schnell, warum. Ergänzt wird das Bewegungsrepertoire durch ein dynamisches Kampfsystem. Beebz nutzt Nahkampfangriffe, dämonische Energien und situative Spezialfähigkeiten. Gegner verfügen über klar erkennbare Muster, was taktisches Vorgehen begünstigt. Positionierung spielt eine zentrale Rolle, insbesondere in Arenen, die Plattforming und Kampf miteinander verschmelzen lassen. Diese Verzahnung verhindert monotone Gefechte und sorgt für stetige Spannung, wobei Bosskämpfe jeweils den Höhepunkte darstellen.

Grafisch setzt das Spiel auf einen stilisierten 3D-Look mit klaren Farbkontrasten und bewusst überzeichneten Formen. Die Inselwelt wirkt lebendig: Wasseroberflächen reflektieren Licht dynamisch, Vegetation bewegt sich im Wind, und Ruinen erzählen visuell von vergangenen Ereignissen. Der Stil vermeidet realistische Schwere und setzt stattdessen auf Wiedererkennbarkeit. Dadurch entsteht eine sehr zeitlose Ästhetik. Auch die Charaktermodelle sind detailreich animiert, wobei Beebz besonders überzeugt und durch ausdrucksstarke Bewegungen und eine spürbare Präsenz heraussticht. Ihre Animationen transportieren Energie und Persönlichkeit.

Technisch läuft das Spiel überaus stabil, bietet verschiedene Grafikoptionen und unterstützt auch hohe Auflösungen. Selbst in intensiven Szenen bleibt die Performance weitgehend konstant, was für ein sauberes technisches Fundament spricht. Akustisch unterstreicht ein vielseitiger Soundtrack die Atmosphäre. Die Musik wechselt zwischen verspielten, fast schelmischen Motiven und ruhigeren, getragenen Passagen. In Kampfsituationen erhöht sich das Tempo spürbar, ohne aufdringlich zu wirken.

Insgesamt lässt sich sagen, dass „Demon Tides“ kein Titel ist, der mit überbordender Inszenierung glänzen möchte. Seine Stärke liegt im Zusammenspiel aus Bewegungsfreiheit, durchdachtem Leveldesign und einer Protagonistin, die sich wohltuend von klassischen Heldenfiguren abhebt. Beebz ist nicht bloß Spielfigur, sondern Identifikationspunkt und Motor des Erlebnisses. Wer Freude an präzisem 3D-Platforming, halb offenen Welten und dynamischer Action hat, wird hier ein stimmiges Gesamtpaket finden. So verbindet das Spiel nostalgische Abenteuergefühle mit moderner Systemklarheit. Es ist ein Spiel, das seine Ideen ernst nimmt, ohne sich selbst zu wichtig zu nehmen – und gerade darin liegt seine nachhaltige Wirkung.
Entwickler: Fabraz
Publisher: Fabraz
Erhältlich auf: PC
Getestet auf: PC
NB@11.03.2026
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